Spendenübergabe an Witwe Natalija Salewska in Malyn (Oblast Schytomyr) 26. Mai 2017 – Bericht 7/2017

Leider konnte ich dieses Jahr an der Osterfahrt in die Ukraine aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen. Da ich aber mit meinem Bruder Ende Mai ohnehin eine Wohnmobiltour durch die Ukraine vorhatte, habe ich zuvor mit Klaus  H. Walter Kontakt aufgenommen und vereinbart speziell für Natalija Salewska einen kleinen Spendenaufruf zu starten. Nach einer tollen Rundreise mit längeren Stops in Poltawa und Kyjiw haben wir dann am 26. Mai 2017 Frau Salewska und ihren Sohn in Malyn besucht.

Zunächst war es nicht ganz einfach das Haus zu finden, es hat etwas gedauert bis wir gemerkt haben, dass in der Hausnummer ein Tippfehler enthalten war. Für meine spärlichen Russischkenntnisse war das eine echte Herausforderung ;-). Aber in der Ukraine findet man immer Hilfe. Danke an die beiden Frauen des örtlichen Gemischtwarenladens für ihre Nachsicht, Ausdauer und erfolgreiche Hilfe.
Natalija ist uns dann prompt auf der Straße quasi über den Weg gelaufen. Kurz darauf kam Frau Natalija Tschernjajewa aus Radomyschl, welche als Volontärin für den Euromaidan NRW e.V. tätig ist und Natalija und Matwij betreut, im Schlepptau ein junges Mädchen als Dolmetscherin.

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Nachdem wir uns dann unterhalten und kennenlernen konnten, haben wir dem 7-jährigen Matwij einen vollen Rucksack (gefüllt u.a. mit Schulsachen, Taschenlampe, Schleckereien, Socken…) übergeben und uns alle an seiner deutlich sichtbaren Begeisterung gefreut.
In der Küche haben wir uns dann bei Kaffee, frischem Gebäck und Schokolade aus dem Hause Roshen über die aktuelle Situation unterhalten und die notwendigen Formalien erledigt. Wir konnten dann Natalija € 400,00 und die mitgebrachten Geschenke übergeben. Auch ihr war Freude und Erleichterung deutlich anzusehen.
Natalija hat vom ukrainischen Staat für den Verlust ihres Lebensgefährten und Vater von Matwij  eine Entschädigung erhalten und davon die Wohnung in Malyn gekauft. Küche, Bad und ein Zimmer sind bereits renoviert und mit den notwendigen Möbeln ausgestattet. Ein weiteres Zimmer befindet sich noch im Umbau und wird demnächst fertig gestellt.
Natalija hat aus erster Ehe einen erwachsenen Sohn, welcher in Polen studiert und sie ab und an besuchen kommt.
Nach einem sehr emotionalen Abschied haben wir dann mit einem guten Gefühl – an der richtigen Stelle etwas geholfen zu haben – Malyn in Richtung Lwiw verlassen.
Danke an Eckart für die Spendenunterstützung.
Holger Weiblen
(im Auftrag von Euromaidan NRW e.V.)


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Spendenübergabe an Witwe Anastasia Tomilin (34) in Kyiw, 06.03.2017 – Bericht 3/2017

Am Wochenende fragten mich Klaus H. Walter und Noelie Uhlmann von Euromaidan NRW e.V., ob ich noch Euro in bar in Kyiw habe und wenn ja, ob ich davon etwas an die Witwe Anastasia Tomilin (34) auszahlen könne. Sie schickten mir den Link zum Spendenaufruf, und für mich war klar, dass ich helfe. Insgesamt wurden für Anastasia 600 Euro gesammelt, doch so viel hatte ich nicht mehr in bar. So machten wir aus, dass ich meine verbliebenen 250 Euro, die ich noch aus Deutschland hatte, am Montag auszahle. Das würde zumindest für die erste Zeit helfen.

Die Wohnung von Anastasia, in der sie mit ihren beiden Töchtern Walerija (9) und Sofija (5) in Kyiw lebt, war von mir zu Hause fast 2 Stunden entfernt. Als ich dort ankam, war ich viel zu früh und spazierte deshalb noch durch die Wohngegend, wo sich Parks mit Spielplätzen befinden. Als ich dann anrief, dass ich da sei, erklärte mir Anastasia, wie ich zur Wohnung komme. Sie holte mich dann vom Fahrstuhl ab, und wir gingen zusammen in ihre Wohnung.

Obwohl der Verlust ihres Mannes noch keine zwei Monate her war, machte sie einen stabilen Eindruck. Nur ab und zu kamen ihr die Tränen, was allerdings nur zu verständlich war. Die beiden Kinder waren ebenfalls in der Wohnung, ebenso ihre Schwägerin. Allerdings spielten die Kinder zusammen in „ihrem Zimmer“ – in Anführungszeichen deshalb, weil es sich eigentlich um eine Einraumwohnung handelt, wobei der eine Raum durch eine Schiebetür getrennt ist. Dort lebt die Familie bereits seit über 10 Jahren.

Das Unglück ereignete sich Anfang des Jahres, zum orthodoxen Weihnachten am 7. Januar. Sie waren zu Besuch bei ihren Eltern in der Nähe von Borispil. In der Nachbarschaft lebt ein alter Mann mit über 80 Jahren, der vier Kampfhunde hielt. Besser gesagt, die Hunde sind auf ihn gemeldet, denn eigentlich gehören sie einem seiner Söhne, der nur selten da ist. Doch die Hunde wurden vernachlässigt und nur höchstens einmal in der Woche gefüttert. Entsprechend aggressiv müssen sie gewesen sein, als Wolodymyr am 7. Januar früh morgens zur Arbeit nach Kyiw gehen wollte. Das Gehege der Hunde was schlecht verschlossen, und so konnten sie den vorbeigehenden Mann überfallen. Die Bisswunden waren letztlich tödlich.

Der alte Mann wurde zwar angezeigt, doch erhielt er nur eine Strafe in Höhe von 400 Hrywnja (umgerechnet etwa 15 Euro). Eine Entschädigung von dort ist nicht zu erwarten. Weder Reue, noch Hilfe kam. Die Hunde wurden dem alten Mann zwar weggenommen, aber soweit Anastasia weiß, sind inzwischen wieder neue Hunde bei ihm.

Anastasia hat eine Ausbildung als Werbefachfrau, doch vor zwei Jahren erlitt sie in der Zeit, als ihr Mann in der ATO-Zone im Einsatz war, einen Unfall. In einem Vorortzug stand sie bereit, um auszusteigen, doch unter ihr explodierte eine Gaskartusche der Schiebetürvorrichtung, wodurch sie am Bein schwer verletzt wurde. Es folgten mehrere Operationen, und in Kürze steht wieder eine an. Doch die Verkehrsbetriebe weigern sich, eine Schuld anzuerkennen und ihr eine Entschädigung zu bezahlen. Sie hat einen Behindertenstatus und erhält vom Staat monatlich knapp über 1.000 Hrywnja (ca. 35 Euro). Nur durch die Hilfe von Verwandten und Bekannten kommt sie über die Runden. Für die Wohnung zahlt sie die Nebenkosten, und die Miete wird ihr erlassen. Trotzdem ist es finanziell natürlich sehr, sehr eng.

Zwar stehen sie auf einer Warteliste für eine eigene Wohnung, doch das wird wohl lange dauern, weil der Todesfall nicht „kriegsbedingt“ war und andere Schicksale Vorrang haben.

Sie möchte sich in ihrem Beruf weiter bilden und dann wieder arbeiten, sobald die Operationen abgeschlossen sind. Den Kindern geht es den Umständen entsprechend gut. Auf mich machten sie einen fitten Eindruck, aber Anastasia meinte, dass sie schon ab und zu fragen, wo ihr Papa denn sei.

Sofija (5) erzählte, dass sie einmal Kardiologin werden wolle. Sie singt in einem Chor und kann bereits lesen. Im Juni wird sie dann 6 Jahre alt und kommt im September in die Schule. Walerija (9) war etwas ruhiger. Die Schule gefällt ihr, und auf meine Frage, welche Fächer ihr am besten gefallen, sagte sie zu meiner Verwunderung: Mathematik und Naturwissenschaften. Fremdsprachen gefielen ihr nicht so sehr, aber als sie hörte, dass ich aus Deutschland komme, meinte sie, dass sie vielleicht Deutsch statt Englisch lernen solle.

Beide Kinder sagten, dass sie Freunde haben und nicht immer zu Hause seien. Anastasia verbringt zwar viel Zeit in der Wohnung, doch kommen immer wieder Verwandte und Bekannte vorbei. Außerdem gibt es als Hausfrau genug zu tun. Und demnächst möchte sie mit der Fortbildung beginnen.

Nach gut einer Stunde wollte ich die kleine Familie dann nicht länger stören und verabschiedete mich. Wir werden uns bestimmt wieder sehen. Ein angenehmes Treffen, obwohl einen das damit verbundene Schicksal nicht kalt lassen kann.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden für diese und andere Witwen und Waisen.

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Herzlichst Jörg Drescher und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an Kriegswitwe Olena (22), Schytomyr, 9.12.2016, Bericht 49/2016

Eigentlich war der Besuch bei der Kriegswitwe Olena schon für den gestrigen 8.12.2016 geplant,  da sie sich aber am vorherigen Tag auf dem Truppenübungsplatz befand, verlegten wir das Treffen auf den 9. Dezember. Wir nahmen sie erst kurz vor unserer Abreise in unser „Hilfsprogramm für Witwen und deren Kinder“ auf, eine andere Witwe, die durch euch seit zwei Jahren unterstützt wird, hatte uns gebeten, Olena auch zu helfen, denn die beiden arbeiten zusammen.

Am frühen Morgen rief mich Oleg an und sagte, der Fahrer Oleksandr stünde um 9:00 Uhr bei uns vor dem Hotel, um uns zu der Kriegswitwe zu bringen. Oleg selber kann uns an diesem Tag nicht begleiten, da er arbeiten muss und für heute keinen freien Tag bekommt. Er würde uns lieber am 10. Dezember begleiten, wenn wir die Stadt Schytomyr verlassen werden, um weiter nach Fastiw und Kyiw zu fahren. Etwas später rief er mich nochmal an und sagte, dass es etwas später wird, und Oleksandr erst um 9:30 Uhr bei uns sein wird.

Das passte uns auch sehr gut, denn so konnten wir noch andere Dinge erledigen und in Ruhe wenigstens eine Tasse Kaffee trinken, denn auf Frühstück mussten wir leider seit dem Beginn unserer Reise immer verzichten. Als wir zum Hotel zurückkehrten, stand Oleksandr schon da. Er begrüßte uns ganz lieb, und wir fuhren sofort los.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir unterwegs waren, aber irgendwann kamen wir endlich in einem Vorortbezirk an dem in einer Sackgasse gelegenen Häuschen an, wo die junge Kriegswitwe zur Zeit Unterschlupf gefunden hat. Sie kam ganz schnell raus und bat uns hinein. Eigentlich wohnt sie in einem Dörfchen in der Nähe von Schytomyr, übernachtet aber bei dem Cousin ihres gefallenen Mannes, wenn sie in der Stadt bleiben muss.

Zu dritt, Klaus, Olena und ich, setzen wir uns an einen Tisch und versuchen passende Worte zu finden, um dieses Gespräch anzufangen. Also erklären wir ihr erstmal, wer wir sind und warum wir sie kennenlernen wollen.

Als sie in Tränen ausbricht, sagen wir nichts mehr. Die Tränen quellen schneller aus ihren Augen, als sie sie abwischen kann, denn sie laufen wie ein bitterer Regen an ihren Wangen herunter. Die Zeit bleibt stehen. Was ist hier das richtige in so einer Situation? Eine Antwort haben wir nicht. Wir bieten ihr einfach Tempotaschentücher an, die sie dann entgegen nimmt, um sich die Tränen zu trocknen.

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Olena ist 22 Jahre alt, sie ist Mutter eines ganz süßen Jungen Namens Jegor. Jegor ist zweieinhalb Jahre alt. Olena zeigt uns sein Foto auf dem Handy. Diesen kleinen Spatz kann man nur ins Herz schließen. Jegor befindet sich bei seiner Oma, denn Olena muss arbeiten, um den Unterhalt für sich und den Kleinen zu verdienen.

Während sie uns die Fotos zeigt und weiter über ihr Leben, über ihren Mann und das Kind erzählt, hören ihre Tränen nicht auf zu fließen. Es ist kaum zu ertragen, aber wir reißen uns zusammen, bewahren die Ruhe und lassen sie erzählen. Vielleicht hilft ihr das, wenn jemand einfach da sitzt und ihr zuhört.

Irgendwann bei unseren Fragen zu ihrem Ehemann kippt die Situation um. Vor lauter Weinen und Schluchzen zittert ihr junger Körper, und so frage ich sie, ob ich sie umarmen darf, und sie nickt zustimmend. Und so stehen wir da und halten uns in den Armen, diese junge, zerbrechliche Kriegswitwe und ich. Da kann ich meine Gefühle auch nicht mehr kontrollieren, und Tränen kommen auch in mir hoch… Schnell muss ich mich zusammenreißen, denn meine Tränen werden ihr auch nicht helfen.

Wir setzen uns wieder hin und sie erzählt uns etwas mehr.

Olena und Wolodymyr haben sich schon in der 8. Klasse, als sie noch die Schule besuchten, ineinander verliebt. Später, als die beiden die Schule beendet hatten, begann Olena eine Ausbildung zur Geburtshelferin und Wolodymyr nahm ein Studium in Kyiw auf, welches er später aber abbrach, um zu Olena zurückzukehren. Er fand Gelegenheitsjobs und versuchte so, den Unterhalt für die junge Familie zu bestreiten. Olena wurde schwanger, die beiden waren überglücklich und konnten es kaum abwarten, bis das Kind da war und sie endlich Eltern wurden. Wolodymyr verwöhnte seine Frau, wo er nur konnte, denn er liebte sie wirklich sehr.

„Bei uns war es so, ich war die, die das Kind erzogen hat, und der Papa liebte Jegor einfach abgöttisch und erlaubte ihm alles.“

Für kurze Zeit erstrahlen ihre Augen mit einem besonderen Leuchten, aber kurz danach, sind sie wieder mit Tränen gefüllt.

Im März 2014 traf Wolodymyr eine Entscheidung, eine wichtige Entscheidung für ihn als Mann. Er beschloss, sich freiwillig zu melden und an die Front zu gehen. Was er kurz danach auch tat. Als er diese Entscheidung traf, war Olena schon schwanger, aber er konnte nicht anders. Als die Geburt nahte, bekam Wolodymr im Juli 2014 zehn Tage Urlaub und kam nach Hause, und zusammen brachten sie den kleinen Jegor zur Welt. Die Familie war überglücklich, Wolodymyr kümmerte sich so liebevoll um Olena und ihren gemeinsamen Sohn, aber leider ging sein Urlaub viel zu schnell vorbei, und er musste zurück an die Frontlinie.

Das zweite Mal als Sohn und Ehefrau ihn sehen konnten, war im Dezember 2015. Während seines Besuches verstand Wolodymyr, dass er gerne bei seiner Familie bleiben wollte, um den kleinen Sonnenschein aufwachsen sehen zu können. Er sagte zu Olena, dass er seinen Kontrakt bei der Armee kündigen würde, um für immer Nachhause zu kommen.

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Am 21.12.2015 um 14:59 haben die beiden zum allerletzten Mal miteinander telefoniert. Er versprach, dass er sich um 20:00 Uhr noch melden würde. Seine Einheit stand zu dem Zeitpunkt in Piski im Gebiet von Donezk. Um 20:00 Uhr, klingelte das Handy nicht, und am Tag darauf auch nicht. Olena versuchte, seinen Kollegen zu erreichen, aber keiner ging dran.

Später wurde sie dann angerufen und sie bekam mitgeteilt, dass ihr Wolodymyr (21)  am 23.12.2015 gefallen ist. Zusammen mit ihrer Schwiegermutter fuhr Olena nach Dnipropetrowsk (heute Dnipro) zum Metschnikowa-Krankenhaus, um dort seinen leblosen Körper in Empfang zu nehmen, damit sie ihn nach Hause bringen und dort begraben konnten.

Olena ist seit Kurzem ebenfalls der Armee beigetreten. Sie hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben und arbeitet dort als Sanitätsunteroffizierin. Eine Kriegswitwenrente steht ihr nicht zu, weil sie jetzt berufstätig ist, aber ihr Sohn wird demnächst seine Waisenrente erhalten, nachdem alle bürokratischen Schritte geklärt sind. Es dauert halt etwas länger, da die Eltern ihre Ehe nicht offiziell registriert hatten. Unterstützung bekommt sie von ihrer Mutter (41), sie passt auf den Jungen auf und bringt ihn zum Kindergarten. Sobald Olena frei hat, fährt sie zu ihm und ihrer Mutter in das Dorf bei Schytomyr, wo sie eigentlich auch wohnt. Ihr Vater ist im Jahr 2001 verstorben.

Sie sagt zu uns: „Wolodymyr war und ist immer mein Herz und meine Seele! Es ist sehr schwer, ohne ihn, allein zu sein! Ich habe immer nur mit dem einen Gedanken gelebt, er ist da, er lebt. Es ist sehr schwer, nach Hause zurückzukehren und ihn dort nicht vorzufinden, dann sehe ich unseren Sohn an, denn er ähnelt seinem Vater so sehr.“ Sie bricht wieder in bittere Tränen aus, und so beschließen wir, das Treffen hier zu Ende zu bringen, damit sie endlich wieder zur Ruhe kommen kann. Zudem muss sie auch los, denn ihr Sohn Jegor wartet auf seine Mama.

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Wir zahlen ihr für ihren Sohn einen Unterstützungsbetrag von 350.00 € aus, wofür sie sich ganz herzlich bedankt. Bei der Verabschiedung erfahren wir noch, dass unsere ursprüngliche Information, derzufolge sie noch im Dezember zusammen mit einem großen Teil ihres Bataillons an die Front verlegt werden soll, nicht mehr stimmt, da sie eine alleinerziehende Mutter ist, kann sie am Standort Schytomyr bleiben.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Spendenübergabe an Witwe Iryna Ponotschowna, Schytomyr, 8.12.2016, Bericht 48/2016

Unser Termin bei der Witwe Iryna war ursprünglich für 17:00 Uhr geplant. Da eine andere Witwe sich aus beruflichen Gründen sich auch noch heute mit uns treffen konnte, verlegten wir diesen Termin auf etwas früher und fuhren nach einer kurzen Kaffeepause alle zusammen zu ihr nach Hause.

Die Witwe Iryna Ponotschowna haben wir erst ganz kurz vor unserer Abreise aus Deutschland ins Hilfsprogramm aufgenommen. Wer sie ist, wie sie wohnt und welchen Bedarf sie hat, wissen wir bei unserer Ankunft noch nicht im Detail.

Wir kommen nach abenteuerlicher Fahrt durch ein Schytomyrer Wohngebiet über halb vereiste Gässchen an der Adresse (die der Hausnummer nach eigentlich an der Hauptstraße nach Kyiw liegen sollte) vor einem maroden Gebäude an.

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Es sieht einfach fürchterlich aus, doch als wir reingehen, erscheint und riecht es noch viel schlimmer, als wir uns das vorstellen konnten. Kein Licht in den Fluren – nur komplette Dunkelheit. Gut, dass Iryna uns entgegen kommt, um uns zu ihr in ihre sogenannte „Wohnung“ zu begleiten: Dieses Gebäude hier war früher ein Wohnheim, welches später zur Privatisierung freigegeben wurde. Die Leute, die hier wohnten, fingen an, ihre kleinen Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen zu kaufen, damit sie nicht auf der Straße landeten. Genauso tat es auch die Mutter von Iryna damals, das heißt, Iryna wurde hier groß und lebt weiterhin mit ihrer Mutter und ihren zwei Kindern in derselben kleinen Wohnung. Zwei winzige Zimmer, die sie sehr sauber hält, eine Gemeinschaftsküche, und seit kurzem hat sie eine eigene (frisch renovierte) Toilette am Ende des Etagenflurs. Als sie uns dies berichtet, merkt man, dass sie sich darüber freut. Aber uns macht das Ganze sehr traurig und sprachlos.

Iryna Ponotschowna ist 33 Jahre alt. Sehr jung, wenn man nur diese Zahl anschaut, aber ihr Gesicht ist geprägt von Leid und vielleicht auch von Hilflosigkeit, denn am Haaransatz können wir sehen, dass ihr Haar mit ihren 33 Jahren komplett ergraut ist. Sie ist sehr offen mit uns und beantwortet unsere Fragen mit einer gewissen Leichtigkeit.

Iryna hat zwei Kinder, ihre Tochter Viktoria ist neun Jahre alt und besucht die 4. Klasse. Der kleine Sohn Nasar ist gerade 21 Monate alt, er hält gerade seinen Mittagsschlaf und schläft in dem kleinen Nebenraum.

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Iryna wuchs ohne Reichtum auf. Als sie die Schule abschloss, konnte sie aus finanziellen Gründen kein Studium beginnen, und daher suchte sie sich eine Ausbildungsstelle als Verkäuferin, was sie auch erfolgreich abgeschlossen hat. Danach arbeitete sie als Verkäuferin in einem Ladengeschäft. Dabei hat sie ihren zukünftigen Ehemann Oleksyj kennengelernt. Er kam immer in den Laden, um seine Einkäufe zu tätigen, und so haben die beiden sich kennengelernt. Zwei Jahre ging es so, bis die beiden so weit waren, eine Familie zu gründen. Iryna hatte schon ihre Tochter Viktoria, die aus ihrer ersten Ehe stammt, was Oleksyj sehr locker sah und das kleine Mädchen richtig ins Herz schloss. Er war für das Kind immer da, denn er war zu ihrem Vater geworden, der sie tröstete, wenn sie weinte, und der ihr seine Liebe schenkte.

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Oleksyj Jewdoschtschuk wurde 31 Jahre alt. Am 12.Dezember 2014 wurde er in die Armee einberufen. Zu diesem Zeitpunkt war Iryna schon schwanger. Kurz danach, im März 2015, brachte sie Nasar zur Welt. Sie konnte ihren Sohn nicht sofort taufen lassen, denn Oleksyj bekam nicht frei. Erst im September 2015 durfte er für ein paar Tage nach Hause. Das war eine sehr schöne Zeit, als diese Familie wieder vereint war.

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Am 17. Mai 2016 wurde ihr Ehemann Oleksyj in Nowoaleksiiwka (Oblast Cherson) bei Henitschesk an der Demarkationslinie zur annektierten Krim umgebracht, zuerst zwei Schüsse in den Rücken und dann zwei Schüsse in den Hinterkopf. Der Schuldige befindet sich in Untersuchungshaft. (Es gibt ukrainischsprachige Zeitungsartikel über seine Ermordung und Beerdigung: Cherson online, Maidan-News, Journal Schytomyr). In einem dieser Artikel heißt es sinngemäß: “Die aktive Kriegsteilnahme im Donbas hat er überlebt, aber bei einem Einsatz an der Krim-Grenze kam er zu Tode.”

Am 19. Mai 2016 fand die Beerdigung statt. Oleksyj hatte schon immer gesagt: „Wenn ich irgendwann sterbe, dann möchte ich sehr gerne auf dem Friedhof neben meinem Opa beerdigt werden.“ Seinen allerletzten Wunsch hat Iryna ihm erfüllt, denn der Großvater war für ihr eine verehrte Respektsperson gewesen.

„Er war ein sehr ehrlicher Mensch, sehr direkt und auch sehr mutig. Wir liebten uns sehr, er war einfach ein wundervoller Mensch, Vater und Ehemann!“

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Im Auftrag des Vereins überreichten wir Iryna für ihre Kinder einen Unterstützungsbetrag von 400,00€. Sie bedankt sich sehr herzlich für diese finanzielle Unterstützung bei uns und bei allen Spendern. Sie verabschiedet uns mit netten Worten, und wir wünschen ihr und ihrer Familie alles Gute.


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Spendenübergabe an Witwe Nastja Kirichenko und ihren Sohn Aleksej, Melitopol 6.10.2016 – Bericht 29/2016

Die Witwe Nastja habe ich schon am 9.4.2015 kennengelernt. Hier könnt ihr den damaligen Bericht nachlesen: Bericht 29/2015 vom 9.4.2015.

Wir laufen hin und her, durch die Straßen der Stadt Melitopol, bis wir endlich die richtige finden. Da sehen wir, wie die Witwe uns auch schon entgegenkommt. Sich hier zurechtzufinden ist nicht einfach. Sie machte sich schon Sorgen darüber, ob wir sie finden werden. Sie ist momentan alleine, da ihr Sohn mit ihrer Schwiegermutter eine Reise nach Charkiw gemacht hat, um gute Freunde zu besuchen.

Nastja bittet uns herein, und schon wieder sitzen wir in ihrem Wohnzimmer. Jedoch einen Unterschied gibt es schon. Nastja lacht viel und ist gesprächig, allerdings versucht sie, das Thema Gefühle zu meiden. Was hat sich bisher im Leben dieser jungen Frau verändert?

Eine Wohnung hat sie noch immer nicht bekommen, es gibt soweit auch keine positiven Aussichten. Eine Wohnung steht ihr nicht zu, wie ihr mitgeteilt wurde. Die Verhältnisse zwischen den Schwiegereltern und ihr sind immer noch so gut wie damals, und sie kann hier ruhig weiter leben.

Vor Kurzem hat Nastja ihren Führerschein gemacht, wobei sie auch richtig stolz ist, dass sie es geschafft hat.

Der kleine Aleksej entwickelt sich sehr gut. Er geht in einen Kindergarten, den er auch sehr gerne besucht. Er ist der Sonnenschein der Familie, und dank ihm hört man hier des Öfteren Lachen, denn Aleksej ist ihr Schatz.

Mit Arbeit-finden ist es im Moment sehr schwer, aber Nastja lässt ihren Kopf nicht hängen. Sie sagt zu mir: „Das wird schon, ich glaube sehr fest daran.“

Im Februar war es ein Jahr her, als ihr Ehemann von ihnen ging, und an seinem Todestag haben sie sein Grab besucht und einen Grabstein für ihn aufgestellt.

Allgemein macht Nastja einen guten Eindruck auf mich. Ihre Augen haben so eine Ausstrahlung, dass man richtig sehen kann, dass das Leben in ihnen zurückgekehrt ist. Wir übergeben ihr für den kleinen Aleksej die gespendete Summe in Höhe von 300,00€. Mit einem guten Gefühl verabschieden wir uns.

Dies ist unser letzter Besuch bei jener Familie, daher wünschen wir Nastja und Aleksej alles Gute für ihre weitere Zukunft.

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Spendenübergabe an die Witwe Ljubow Petruk und vier Kinder, Radechiw, Anfang Oktober 2016 – Bericht 28-2016

Anfang Oktober war es soweit, auf unserer Auszahlungsreise durch Wolhynien besuchten wir Julia Kosinczky, Joerg Drescher und Klaus H. Walter, auch Ljubow in dem Dörfchen Radechiw bei Ljuboml kurz hinter dem nördlichsten polnisch-ukrainischen  Grenzübergang Dorohusk.

Julia und Klaus kannten die Witwe schon, unser erster Besuch bei ihr fand im Juli 2015 statt (Bericht 42/2015) , damals wohnte Ljubascha (wie sie in der Zärtlichkeitsform genannt wird) mit ihren vier Kindern (und ihrer Schwester mit weiteren drei Kindern) noch bei ihren Eltern in einem (Nebenbetriebs-) Bauernhof im gleichen Dorf.

Zum damaligen Zeitpunkt war der Kauf eines eigenen Hauses in Radechiw schon beschlossene Sache, um so mehr waren wir gespannt, wie das „neue“ Haus aussieht und wie sich Ljubascha und die Kinder eingelebt haben.

Da wir vormittags bei ihr ankamen, waren die Kinder alle in der Schule bzw. im Kindergarten, wir trafen Ljubascha sogar noch auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten auf der (einzigen) Straße kurz vor ihrem neuen Haus. Und sie zeigte uns, in welcher Einfahrt wir unser Auto parken sollten. Wir waren also angekommen.

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Das Haus ist insgesamt noch stark renovierungsbedürftig, immerhin hat sie schon einiges geschafft, das wichtigste (und teuerste) waren dabei der Einbau einer Heizung und einer Pumpe für die Wasserversorgung (aus dem Grundwasser auf dem Grundstück). Allerdings fehlte jetzt das Geld, um die Handwerker bezahlen zu können, damit das Loch, in dem Leitung aus der Erde kommt, vor dem Wintereinbruch auch wieder zu verschließen. Und die Nacht vor unserem Besuch war die erste mit Nachtfrost! Insofern kam unser Besuch jetzt gerade goldrichtig.

Möbel hat sie auch schon einige gekauft, z.B. ein Kinder-Etagenbett:

Einige Nebengebäude gibt es in dem großen Gartengelände auch noch, z.B. ein Erdkeller (in dem gerade Trauben gärten) und Ställe verschiedener Größe, wo auch zwei Ziegen stehen. Der Ziegenbock ist ein ganz frecher, er riss auch schon mal aus und ging in den nahegelegenen Lebensmittelladen, warf Bierflaschen auf den Boden und schleckte das Bier auf – Ljubascha musste natürlich den Schaden ersetzen, als sie den Bock abholte, demnächst wird er deswegen wohl auf die Schlachtbank müssen. Die Ziege gibt immerhin Milch, auch wenn die Kinder keine Ziegenmilch mögen. also wird die Milch verkauft.

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Ljubascha bekam von uns für die Kinder den Betrag von 400.- Euro ausgezahlt. Sie wird sie für Renovierungsarbeiten und Neuanschaffungen nutzen (im Hintergrund auf dem Bett ist auch noch die Sachspende, die wir für sie mitgebracht hatten, zu erkennen: ein Dörrgerät zum Trocknen von Pilzen, Obst oder Kräutern – das war ebenfalls sehr willkommen, sie hatte mit ihren Eltern überlegt, ob sie eines kaufen sollten, aber es war nicht genügend Geld da!):

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Da wir an dem Tag ja noch weitere Besuche vorhatten, mussten wir uns dann von Ljubascha und ihrer Mutter langsam verabschieden, wie immer zieht sich das ein wenig in die Länge, es gibt ja so viel zu erzählen, von den Kinder, vom Garten, von den Tieren, welche Renovierungen und Anschaffungen noch geplant sind usw. usf. – Ljubascha ist uns richtig ans Herz gewachsen!

Ein paar Impressionen aus dem Dorf Radechiw, Wolhynien:


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Spendenübergabe an die Witwe Nadija Uporowa und zwei Kinder, Wolodymyr-Wolynskyj, Anfang Oktober 2016 – Bericht 27-2016

Auf den Besuch bei Nadija Uporowa und ihren beiden kleinen Mädchen hatten wir (Julia Kosinczky, Jörg Drescher und Klaus H. Walter) uns schon vorab sehr gefreut: Sie waren auch alle zuhause, anfangs hatten wir die Straße gar nicht gefunden, denn sie wurde inzwischen asfaltiert und war „nicht wieder zu erkennen“ 😉

Bereits im August 2014 hatte die Familie eine Spendensumme erhalten (Bericht 9/2014 von Iryna Ritter hier), eine weitere Auszahlung erfolgte im Juli 2015 (Bericht 41/2015) – und jetzt, Anfang Oktober 2016, erfolgte eine weitere Übergabe einer Spendensumme in Höhe von 200.– €.

Die jetzt siebenjährige Julia geht schon in die 2. Klasse, sie hatte kurz vor unserem Besuch eine Erkältung und war deswegen noch vom Schulbesuch befreit. Sie wächst und entwickelt sich gut, sie besucht außerdem noch einen Kurs für klassische Tänze (Balltänze) – und hat uns auch einen Walzer vorgetanzt.
Die kleine Wioletta ist immer noch so ein freundliches Kind (wenn auch ein wenig fremdelnd, aber das darf ein Kind von zwei Jahren auch!) – selten, dass man sie ohne Lächeln sieht.

Ab dem kommenden Frühjahr geht sie dann in den Kindergarten. Eigentlich ist Wioletta ein richtiger kleiner Wildfang, keine Schranktür ist vor ihr sicher, deswegen sind Türen und Schubladen im Haus „gesichert“. Aber bei diesem Lächeln kann niemand dem Kind etwas übel nehmen.

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Nadija stickt als Hobby Ikonen und hat begonnen, für die Kinder selbst zu schneidern – mit der Nähmaschine, die sie u.a. mit der Geldsumme der letzten Auszahlung gekauft hat.

Außerdem engagiert sich Nadija gemeinsam mit weiteren Kriegerwitwen aus Wolodymyr-Wolynskyj in einer Selbsthilfegruppe, sie stehen kurz davor, einen regulären Verein dafür zu gründen. Nadija fühlt sich unter diesen Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation wie sie befinden, sehr wohl – auch wenn sie ihr eigenes Trauma schon weitgehend überwunden hat, es geht wirklich bergauf bei ihr.

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Ihr Häuschen ist inzwischen ganz ansehnlich renoviert, auch die Einrichtung ist jetzt einigermaßen komplett, von der letzten Auszahlung wurden u.a. eine neue Schrankwand, Kinderzimmermöbel mit Hochbett u.ä. gekauft:

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Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagementund die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

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oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”