Spendenübergabe an Kriegswitwe Ewhenija Tishchenko in Bila Zerkwa am 14.06.2017 – Bericht 8/2017

Vor meinem Flug nach Ukraine fragte mich Noelie Uhlmann, ob ich in Bila Zerkwa eine Geldspende für EuroMaidan NRW e.V. übergeben könne. Selbstverständlich sagte ich gerne zu.

Über den Telefondienst „Viber“ und mit Hilfe von Facebook stellte ich (Wolf Reyscher) den ersten Kontakt her und traf Vereinbarungen für unser Treffen. Kriegswitwe Ewhenija Tishchenko ist völlig unkompliziert. Wir verstanden uns ohne Probleme, das Organisatorische war einfach und schnell geregelt.

In Bila Zerkwa angekommen, verabredeten wir uns für den 14.06 in ihrer Wohnung für 12:30 Uhr. Ich gab zuvor noch den vorsichtigen Hinweis, dass ich die bekannte (und wohl auch teilweise berüchtigte) deutsche Pünktlichkeit auch im Urlaub wahren werde und somit tatsächlich um Punkt 12:30 Uhr vor der Türe sei. Ewhenija nahm es mit Humor und wartete auf unser eintreffen.

Mit meiner Frau Vika war ich dann auch wirklich Punkt 12:30 Uhr vor der Tür.Ewhenija holte uns vor dem Haus ab und wir gingen zusammen in ihre neue Wohnung. Sie hatte diese Wohnung erst vor Kurzem bezogen. Und schon beim Betreten fiel mir auf, dass noch einiges renoviert werden muss. In der Wohnung wartete ihr 5 Jahre alter Sohn Yaroslav. Die 9 Jahre alte Tochter Darina war noch in der Schule. Yaroslav ist aufgeweckt und ging offen auf uns zu. Es war eine Freude zu sehen, dass er voller Energie war und uns alles Mögliche zeigen wollte.

Kriegswitwe Ewhenija zeigte uns sein Zimmer. Wir hatten den beiden Kindern ein Stifteetui mit vielen Buntstiften mitgebracht und vorgedruckte Motivbögen zum Ausmalen. Er freute sich sichtlich über unsere kleinen Geschenke. In seinem Zimmer war unter anderem eine Sprossenwand für Sportübungen an der Wand angebracht, es stand ein sogenanntes „Whiteboard“ im Raum, ein großes Bett und ein Wandschrank.

Auf dem Whiteboard zeigte Yaroslav uns, wie gut er malen kann. Er malte eine Familie mit seiner Mutter und seinem Vater. Sein Vater fehlt ihm sehr. Ich sah, wie schwer das Ewhenija fiel, und schlug vor, dass wir in die Küche gingen und dort unsere mitgebrachte Torte anschneiden sollten.

Wir setzten uns in die Küche, und Vika und ich unterhielten uns mit Ewhenija über sie und ihren gefallenen Ehemann, über ihre Kinder, über die Wohnung. Ihr Ehemann hatte selbst Kettenhemden hergestellt für Mittelalterspiele. In einer Vitrine in Yaroslavs Zimmer hatte Ewhenija uns zuvor sein Kettenhemd, sein Schwert und seinen Helm gezeigt – beeindruckende Handarbeiten.

Yaroslav kam plötzlich in die Küche, mit Boxhelm und Boxhandschuhen, und zeigte, was für ein toller Kämpfer er ist. Ich spielte eine Weile mit ihm, wir hatten beide Spaß. Ich wollte ihm zwei kleine Boxschläge beibringen, aber es war mir kaum möglich, ihn mal fünf Sekunden zum Zuhören zu bringen, so viel Energie wollte aus ihm heraus.

Wir nutzten eine kleine Pause, um für EuroMaidan e.V. die Summe von 600€ zu übergeben. Ewhenija wusste ja zuvor bereits, wieviel Geld sie als dringend benötigte Unterstützung erhalten würde. Sie füllte die Formulare aus und unterschrieb die Quittungen, und bedankte sich herzlichst und sehr dankbar für diese wertvolle Hilfe.

Sie will damit die Wohnung fertig stellen, damit es den Kindern nicht an Wohnqualität fehlt. Nach etwa einer Stunde Aufenthalt, Torte essen und Tee trinken, und nach angeregtem und immer freundlichem und offenem Gespräch mussten Vika und ich aber langsam aufbrechen. Ewhenija hatte einen Termin, und wir mussten ebenfalls wieder nach Hause. Auch auf uns wartete noch ein Termin.

Sie zeigte uns noch die anderen Zimmer in der Wohnung: ihr eigenes Zimmer und das der Tochter Darina. Hier machten wir auch unser Foto auf dem Sofa. Alle Zimmer sind sauber und soweit wie möglich schon bearbeitet. Die elektrischen Leitungen zu den Deckenlampen wurden schon erneuert, Tapete geklebt, die Fußböden belegt. Es ist aber immer noch einiges an Arbeit zu machen. Besonders das Badezimmer muss eigentlich vollständig erneuert werden. Das ist das nun anstehende Projekt. Wir verabschiedeten uns herzlich.

Ewhenija ist für uns eine freundliche und völlig unkomplizierte junge Frau mit offenem Charakter und feinem Humor. Ich denke, Vika und ich werden sie auf jeden Fall wiedersehen. Wir bedanken uns in Ewhenijas Namen sehr herzlich für die geleistete Hilfe bei allen Spendern. Das Geld wird helfen, ihr und ihren beiden kleinen Kindern eine normale Wohnsituation zu schaffen. Danke!

Wolf Reyscher  im Auftrag von Euromaidan NRW e.V.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:

Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V.
IBAN-Nr. DE12380601861502025011
BIC GENODED1BRS
Verwendungszweck : UA Spende

Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben.

Herzlichst, das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Advertisements

Spendenübergabe an die Familie Ustimenko am 10.12.2016, Gebiet Kyiw – Bericht 2/2017

Am 05.12.2016 schrieben wir einen dringenden Spendenaufruf für die Familie, den ihr hier nachlesen könnt: Aufruf 9/2016 (dort gibt es auch die Links auf frühere Berichte von Besuchen bei dieser Familie).

Einige Spenden kamen auf das Konto des Vereins, auch noch, während wir uns schon in der Ukraine befanden. So kam ein Spendenbetrag in Höhe von 400,00 € zusammen, den wir am 10.12. an Tetjana übergeben haben.

Tetjana wartete schon auf uns, es war schon dunkel draußen, als wir bei ihr ankamen. Wie immer freundlich wie ein Sonnenschein, empfing sie uns und bot uns sofort Kaffee und Tee an. Dabei erzählte sie uns, was sie noch für die Kinder kaufen möchte und, versprach uns, ein Foto zu senden sobald die Möbel da sind – was sie auch tat.

Es war schön, wieder hier zu sein, wir fühlten uns alle wohl. Tetjana erzählte uns, dass es ihr gut geht. Die Kinder sind gesund, und das ist auch das Allerwichtigste für sie. Sie freute sich, dass Menschen gespendet haben und sie Dinge anschaffen kann, die wirklich wichtig sind.

Sie bedankte sich mehrmals bei allen Spendern aus Deutschland, die sie und ihre Kinder nicht vergessen haben und seit geraumer Zeit unterstützen. Solange wir in der Küche saßen, schrieben, oder besser gesagt versuchten die Mädels, einen Brief an den Hl. Nikolaus zu schreiben. Am Ende musste Tetjana doch helfen, und dann nahm der Helfer des Nikolaus, Oleg Boyko, ihren Brief an sich und versprach, dass er ihn weiterleiten wird.  🙂

Schön, dass die Kinder noch daran glauben können.

Da Alexander und Oleg noch nach Schytomyr zurückfahren mussten, war unser Treffen entsprechend kurz. Wir zahlten Tetjana die Geldspende aus und verabschiedeten uns. Zum Schluss machten wir noch ein paar Fotos für euch, damit ihr seht wie die Familie heute aussieht und lebt.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:

Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V.
IBAN-Nr. DE12380601861502025011
BIC GENODED1BRS
Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben.

Herzlichst Noelie Uhlmann, Klaus H. Walter und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an den Kriegsvollwaisen Mykita Baula am 10.12.2016 im Gebiet Kyiw – Bericht 1/2017

Liebe Leserinnen und Leser, über den Vollwaisen, Mykita Baula, habt ihr schon etwas erfahren können durch unseren Spendenaufruf 8/2016, den wir im November 2016 geschrieben haben.

Viele von Euch haben sofort gespendet, und es kam einiges zusammen. Daher haben wir ein Treffen mit seiner Oma Tetjana Detschewa vereinbart, damit wir ihr die Spenden übergeben können.

Am 10.12.2016 fuhren wir, Oleg Boyko, der Fahrer Aleksandr, Klaus H. Walter und ich (Noelie Uhlmann), von Schytomyr in ein Dorf bei Fastiw im Gebiet Kyiw. Dafür möchten wir uns bei Aleksandr und Oleg ganz herzlich bedanken, denn das war eine sehr große Hilfe für uns. Allein und ohne Auto wäre diese Anreise für uns nur schwer zu bewältigen gewesen. Danke!

Und nach einer langen Fahrt über schlechte Strassen durch kleine Dörfer werden wir fündig und kommen endlich an unserem Ziel an.

Tetjana Detschewa (55) stand schon vor dem Haustor und wartet auf uns. Sie empfing uns ganz herzlich und bat uns sofort hinein. Wir schauten uns im Hof zuerst um, da wir nach der langen Fahrt froh, waren unsere Beine endlich etwas bewegen zu können. Sie lebt mit Mykita in einem großen Eigentumshaus. Zudem hat sie ein kleines Grundstück, und überall wo man hinschaut sieht man, dass hier eine Männerhand fehlt. Sie erzählte uns viel und zeigte was ihr verstorbener Mann schon alles geschafft hat, bevor er verstorben ist. Leider müssen hier und da noch weitere Renovierungsarbeiten durchgeführt und das Grundstück müsste gesäubert werden, aber dabei wird ihr bestimmt ihr Sohn helfen und sie unterstützen.

Wir gingen ins Haus, und da kam uns Mykita (6) schon entgegen. Ein ganz süßer Junge, der sehr freundlich und gut gelaunt war. Wir überreichten ihm einen Adventskalender und erklärten, wie er die Türchen öffnen sollte. Der Junge freute sich sehr und bedankte sich für diese kleine Geste.

Ein aufgewecktes Kind, das viel Aufmerksamkeit fordert, einen aber mit einem breiten Lächeln dafür belohnt.

Frau Detschewa fühlte sich mit uns nicht fremd, da wir mehrmals miteinander telefoniert hatten. Allgemein ist sie ein sehr offener Mensch und unterhält sich ohne Hindernisse mit uns. Sie erzählte viel über ihre Tochter und ihren Mann, die sie im Jahr 2015 verlassen haben. Sie erzählte uns auch von Mykitas Vater, der im Jahr 2016 in der ATO-Zone ums Leben kam, das alles schmerzt sie sehr. Sie zeigte uns Fotos und wischte sich ganz schnell ihre Tränen weg, damit Mykita nicht sah, dass sie weinte.

Mykita beschäftigte sich mit Oleg, manchmal kam er zu Oma und zeigte uns auch ein Foto von seiner Mutter, dann wurde er still und ging mit dem Bild weg.

Eins wurde uns sofort klar, diese Familie braucht Hilfe, aber zuerst brauchen sie beide psychologische Hilfe, denn das was alles hier passierte, hinterließ bittere, schmerzhafte Spuren, wodurch auch die Oma Unterstützung benötigt. Diese Hilfe werden sie dank Svetlana Shepovalova auch bekommen, denn sie fand eine Kinderpsychologin, die sich bereit erklärt hat, die Therapie ehrenamtlich ohne Entlohnung fortzuführen. Svetlana ist Kontaktperson für diese Familie, und sie versucht, so weit es geht, den beiden weiter helfen .

Mykita kam wieder zu uns und zeigte uns stolz sein neues elektrisches Auto, das er von einem Spender geschenkt bekommen hat. Ich fragte ihn ob ich auch ausprobieren darf, und sehr freundlich erklärte er mir, wie ich das Auto bedienen sollte. Es machte ihm Spaß, dass sich jemand mit ihm beschäftigte.

Durch eine Volontärin aus Kyiw erfuhren mehrere Menschen von Mykita und seinem Schiksal und haben die Familie auch unterstützt, finanziell, mit etwas an Kleidung und auch ein paar wichtigen Reparaturen im Haus. Frau Detschewa ist sehr dankbar dafür.

Demnächst wird der Junge in Kyiw untersucht, und es wird richtig geschaut, was mit ihm los ist und wie man ihm weiterhelfen kann. Svetlana versucht, das Alles zu regeln, damit sie dafür kein Geld zahlen müssen. Ein großartiges Engagement, welches ich persönlich sehr loben möchte!

Mykita hatte ein Gedicht auswendig gelernt, welches er uns unbedingt vorführen möchte und so hören wir ihm alle zu und nehmen ein kurzes Video auf. Wir wünschen euch viel Spass beim Zuschauen.

Kriegsvollwaise Mykita Baula aus dem Gebiet Kyiw am 10.12.2016

Tetjana Detschewa bekam für Mykita den gesammelten Spendenbetrag in Höhe von 560,00€ ausgezahlt.

Sie versprach, dass sie das Geld für ihn gut verwalten wird, und bedankte sich ganz herzlich bei allen Spendern für diese großartige Unterstützung.

„Vorher wusste ich nicht, wie ich all diese Probleme bewältigen sollte, ich fühlte mich so allein, aber jetzt merke ich, ich bin nicht allein, Mykita ist nicht allein! Richten sie bitte großen Dank an all die Menschen aus!“

Die Zeit verging viel zu schnell, denn wir mussten leider schon wieder los, weiter nach Kyiw, wo wir noch ein weiteres Treffen mit einer Kriegswitwe vereinbart hatten. Und so verabschiedeten wir uns. Tetjana Detschewa war sehr traurig darüber, weil sie extra Borschtsch gekocht hatte und dachte, dass wir alle zusammen essen würden. Es tat uns unheimlich leid, aber wir mussten los…

Draußen sahen wir, dass Mykita im Fenster sitzt und uns zum Abschied zuwinkt.

Eine tolle Familie, leider aber haben sie noch einen langen Weg vor sich, bis alle bürokratischen Hürden überwunden sein werden. Aber mit so vielen tollen Menschen um sich herum werden sie es bestimmt schaffen. Wenn Ihr die Familie weiterhin finanziell unterstützen wollen, nutzen Sie bitte den unten angegebenen Verwendungszweck, damit wir sehen, dass eure Spende für Mykita bestimmt ist.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:

Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V.
IBAN-Nr. DE12380601861502025011
BIC GENODED1BRS
Verwendungszweck : Mykita Baula

Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben.

Herzlichst Noelie Uhlmann, Klaus H. Walter und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an Witwe Aljona Salisko, Schytomyr am 08.12.2016, Bericht 47/2016

Dies ist das zweite Treffen für heute. In diesem Bericht werdet ihr nochmals eine neue Kriegswitwe kennenlernen, die auch sehr lange auf ein Treffen mit uns warten musste. Im Oktober 2016 haben wir die Witwe bei unserem Ausflug schon kennengelernt.

Nachdem wir Kriegswitwe Jewpak besucht haben (Bericht 46/2016) fuhren wir direkt zur Witwe Aljona Salisko. Sie empfing uns ganz herzlich, und wir kamen ganz schnell ins Gespräch.

Aljona ist 32 Jahre alt und hat zwei Kinder. Sohn Jegor ist 7 Jahre alt, und die kleine süße Tochter Arina ist gerade mal zwei Jahre alt. Aljona hat extra gekocht und dachte, dass wir uns alle zu Mittag an einem Tisch zusammensetzen. Zu unserem Bedauern mussten wir ihr nettes Angebot ablehnen, denn unser Plan war sehr stramm, und wir durften keine Zeit verlieren.

Aljona hat schon immer in Schytomyr gelebt, hier ist ihr Zuhause. Sie hat zwei Ausbildungen hinter sich, einmal als Informatikerin und dann noch als Näherin. Ihr Ehemann Oleksandr stammte auch aus Schytomyr. Sie kannten sich nicht, aber ihre Freunde hatten aus irgendeinem Grund entschieden, dass die beiden sehr gut zueinander passen würden, und so versuchten sie die beiden zu verkuppeln.

„Eigentlich wollte ich single bleiben, aber unsere Freunde gaben nicht nach und da dachte ich, o.k., ich treffe mich mit ihm, Hauptsache sie lassen mich dann damit in Ruhe. Aber es passierte anders als ich mir damals dachte, denn er war mein Schicksal, es war wie Donner und Blitz, gleichzeitig empfanden wir die Liebe zueinander. Schon am zweiten Tag wollte er mir einen Heiratsantrag machen, aber aus Angst, dass ich ihn für verrückt halten würde, wartete er etwas damit. Im Jahr 2007 haben wir dann geheiratet.“

Aljona erzählt sehr liebevoll über ihren Mann, sie erinnert sich an kleine Details, als ob es alles erst gestern war, und so erzählt sie weiter über ihr gemeinsames Leben.

„Oleksandr war ein sehr netter, warmherziger Mensch, er trug mich auf Händen. Wenn wir irgendwelche Missverständnisse unter uns hatten, konnte er keine Ruhe finden und überlegte wie er alles wieder gut machen konnte.

Er half immer wieder seinen Freunden, da er nie nein sagen konnte. Seine Mutter starb als er elf Jahre alt war. Er war etwas besonderes, einzigartig. Unsere Kinder und ich waren alles für ihn und standen an erster Stelle. Jetzt wo er nicht mehr bei mir, bei uns ist, verstehe ich überhaupt erstmal so richtig, dass ich das richtige Los gezogen hatte, denn so einen Mann wie ihn gibt es nicht mehr!“

„Oleksandr arbeitete ziemlich viel, er versuchte immer alles zu tun, damit es uns gut geht. Als wir verheiratet waren, machte er eine zweite Ausbildung zum Elektroschweißer und übte seinen Job sehr gerne aus. Es war wirklich das, was er gerne gemocht hat. Es war ein Teil von ihm.“

„Als der Krieg ausbrach kam er nach Hause und sagte zu mir, dass er auch gehen möchte. Ich habe ihn gebeten bei mir und unseren Kindern zu bleiben, und aus Liebe zu mir tat er es auch. Aber wir durften nicht lange zusammen bleiben, denn kurze Zeit später wurde er einberufen. Am 1. März 2015 ging er mit seiner Einheit an die Frontlinie“

Oleksandr Salisko war 33 Jahre alt, als er im Dorf Luhanske im Gebiet Donezk gefangen genommen, gefoltert und danach umgebracht wurde…

Eigentlich sollte er nur noch drei Tage dort bleiben, die Entlassungspapiere waren schon unterschrieben, und es hieß, er komme zu seiner Familie nach Hause. An diesem Tag waren sie nur zu dritt auf dem Posten, neue frische Kräfte sollten im Morgengrauen erscheinen, aber leider kamen sie zu spät … Oleksandr und ein anderer Soldat wurden gefangen genommen, gefoltert und danach erschossen, der andere Soldat wurde in Gefangenschaft genommen. Sein Schicksal ist uns unbekannt.

Aljona sagt, dass sie die Leiche ihres Liebsten sehen konnte, und es war einfach schrecklich, was ihrem Mann angetan wurde. Unzählige Messerstiche, mehrere Knochenbrüche…

Am 27.04.2016 fand die Beerdigung statt.

Aljona lebt nur in einer Ein-Zimmer Wohnung, denn etwas Besseres zu mieten kann sie sich zur Zeit nicht leisten. Aber sie sagte uns, dass sie bald eine eigene Wohnung erhalten wird. Das wäre wirklich sehr schön, denn die Wohnung, in der sie gerade wohnt, ist ziemlich klein. Eins ist uns klar, sobald sie eine neue Wohnung erhält, wird sie Unterstützung brauchen, denn sie besitzt keinerlei Möbel, nichts.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bei solch einer Unterhaltung vergisst man schnell die Zeit, denn man sitzt nur da und hört zu. Aber wir sollten langsam weiter gehen, denn eine weitere Witwe wartet noch auf uns, daher gehen wir zur Spendenübergabe über und zahlen an die Kriegswitwe Aljona Salisko 400,00 € für ihre beiden Kinder aus. Sie bedankt sich sehr herzlich für diese finanzielle Unterstützung und sendet liebe Grüße an alle Menschen die sie und ihre Kinder unterstützt haben.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung –

Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst Klaus H. Walter, Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.

Spendenübergabe an Kriegswitwe Natalija Jewpak, Schytomyr, 8.12.2016 – Bericht 46/2016

Natalija Jewpak ist ein neues Gesicht für Euch, sie ist eine Kriegswitwe, Mutter von zwei Kindern und lebt in Schytomyr. Über ihre Familie hörten wir erstmals im Jahr 2015. Leider war es uns nicht möglich, ihr damals finanziell zu helfen (wir hatten damals nicht ausreichend Spendengelder). Aber wir haben getan, was wir konnten, und so erhielten ihre zwei Kinder zu Weihnachten 2015 ein paar Geschenke von euch.

Im Oktober 2016 kam dann unser erstes Treffen zustande. Jetzt, kurz danach, werden wir sie besuchen und uns endlich etwas näher kennen lernen.

Ein Termin wurde ausgemacht für den 8.12.2016 um 11:00 Uhr, Oleg Boyko, der Fahrer Oleksandr und Klaus H. Walter fahren zu ihr nach Hause. Nach einigem Suchen finden wir das richtige Haus und den richtigen Eingang. Sie macht uns die Tür auf. So wie wir sie kennengelernt haben, strahlt sie und lädt uns ganz herzlich hinein.

Wir lassen uns in der Küche nieder, wo auch ihre Tochter Kateryna und ihr Sohn Artjom sind.

Kateryna ist 17, sie studiert schon und ist extra kurz von der Universität nach Hause gekommen, damit wir sie kennenlernen können. Sehr lieb von ihr, uns so entgegen zu kommen. Kateryna ist ein bildhübsches Mädchen, sie ist zierlich und hat ein sehr offenes Gesicht. Sie beherrscht Informatik und mag sehr gerne Fotografieren.

Ich stelle ihr nur eine Frage: „Wie war dein Vater?“ Ich schaue sie an und sehe, wie eine Träne nach der anderen an ihren schönen Wangen herunterläuft. Schon allein dieser Anblick ist nur sehr schmerzlich zu ertragen.

„Mein Vater war und ist der kostbarste Mensch auf der ganzen Welt für mich. Er war ein sehr guter Mensch, er hat mich respektiert, wir waren gleich, wir standen auf gleicher Stufe. Ich konnte mich entfalten und offen sein mit ihm. Er war ein sehr positiver Mensch, er hörte mir immer zu und erdrückte mich nicht. Ohne ihn fühle ich mich nicht mehr vollkommen… Die Zeit heilt nicht die Wunden, denn es tut immer noch genauso weh.“

Man kann sagen, das ist eine sehr klare Antwort, aber wie viele Gefühle und Schmerz sie wirklich in sich trägt, Schmerz den man auch beim bloßen Zuhören kaum ertragen kann… Am liebsten würde ich Kateryna umarmen, aber ich halte mich zurück.

Da sie wieder zur Uni muss, machen wir schnell ein paar Bilder für den Bericht – und schon ist sie weg.

So bleiben wir mit Kriegswitwe Natalija und ihrem Sohn Artjom (6) weiter in der Küche sitzen.

Artjom besucht nun die Schule, das ist sein erstes Schuljahr. An seiner Schule gibt es sechs Erste Klassen, die dieses Jahr eingeschult wurden, sehr viele! Er mag sehr gerne Mathematik, aber Literatur nicht so, denn Lesen liegt ihm so nicht sehr. In seiner Freizeit besucht er seit kurzem einen Sportverein und übt dort Karate. Gebühren muss die Familie dafür nicht zahlen, denn sie sind als ATO-Familie davon befreit. Wo wir doch gerade mit den Kindern gesprochen haben, können wir uns jetzt der Kriegswitwe zuwenden und versuchen das Gespräch an euch weiter zu geben, soweit es uns möglich ist.

Die Kriegswitwe Natalija ist 39 Jahre alt. Ursprünglich kam sie aus der Oblast Winnyzja. Ihre Mutter (66), lebt noch dort und möchte nicht nach Schytomyr ziehen. Der Vater von Natalija ist leider schon verstorben. Natalija hat noch zwei Schwestern, die wie sie in Schytomyr wohnen.

1997 kam sie nach Schytomyr, da sie hier einen Lehrplatz gefunden hatte, denn sie wollte damals Näherin werden. Als sie bei Freunden war, hat sie ihren zukünftigen Ehemann kennengelernt.

„Er fragte mich, ob er mich heimbringen darf, und ich stimmte zu,  wir waren 15 Jahre zusammen, nachdem er mich nur ein Mal nach Hause gebracht hatte.

1999 haben wir unsere Tochter bekommen und zehn Jahre später kam unser Sohn zur Welt. Es war sehr schön, er hat meine Hand im Kreißsaal gehalten. Danach veränderte sich seine Meinung gegenüber Frauen, unsere Rolle in dieser Gesellschaft, im Leben. Er war schon früher sehr aufmerksam, aber nach der Geburt kam er noch mehr aus sich heraus – und es waren alles nur positive Sachen!“

Juryj Jewpak war 37 Jahre alt als er am 13. August 2014 bei Stepaniwka im Gebiet Donezk fiel. Am 17. März 2014 war er in die Armee einberufen worden und ging ohne Widerrede an die Front. Zum letzten Mal durfte seine Familie seine Stimme am 12. August 2016 um 18:00 Uhr hören. Danach gab es nur noch Totenstille. Sehr lange Zeit wusste seine Familie nicht, wo er sich befindet, ob er noch lebt, sich in Gefangenschaft befindet oder wirklich nicht mehr unter uns Menschen weilt…

Am 18.02.2015 bekam die Kriegswitwe einen Anruf aus dem Gebiet Saporischschja. Es war genau der Tag, an dem ihr Mann eigentlich seinen Geburtstag feiern sollte. Stattdessen wurde ihr mitgeteilt, dass seine körperlichen Überreste gefunden wurden und, dass sie ihn bitte abholen kommen soll. Sie sah ihren Mann nicht, ihr wurden nur die restlichen privaten Gegenstände gezeigt, die irgendwie noch geblieben sind, welche sie dann auch erkannt hat.

„Mein Mann Juryj war ein Patriot seines Landes, er war ein sehr ehrlicher und respektvoller Mensch!“

Ich fragte sie: „Ist es wahr, dass die Zeit Wunden heilt?“

Sie antwortete: „So wird nur unter Menschen gesprochen, die Zeit heilt nichts! Ich muss so leben, dass ich mich später, wenn ich bei meinem Mann bin und ihm im Himmel gegenüber stehe, nicht schämen muss, in sein Gesicht und seine Augen zu schauen! Ich glaube nicht, dass mein Mann tot ist, ich habe ihn nicht gesehen, wir haben nur einen Sarg beerdigt, woher soll ich wirklich wissen, dass er da drin war. Diese Garantie kann mir keiner geben! Ich weiß nicht wie es weitergehen soll, die Zeit wird es mir schon zeigen.“

Nataljia hat ihr Leben lang als Verkäuferin in einem kleinen Laden gearbeitet, seit dem 8. Dezember 2016 ist sie nun arbeitslos. Weil sie gerne Menschen, die durch den Krieg gelitten haben, helfen möchte, hat sie ihren Job gekündigt. Natalija ist einer in Kyiw gegründeten Initiative von Kriegswitwen beigetreten, zusammen mit Olga Litwin leitet sie jetzt eine Filiale dieser Vereinigung in Schytomyr, wo sie auch zur Zeit ehrenamtlich tätig ist. Später evtl. wird sie für diese Tätigkeit auch bezahlt werden.

Ich frage sie, ob diese Wohnung, in der wir uns gerade befinden, ihr gehört.

„Ja, wir haben diese Wohnung mit zwei Zimmern vor kurzem erhalten, renoviert und möbliert. Die beiden Kinder teilen sich ein Zimmer, und ich benutze das Gästezimmer gleichzeitig als Schlafraum. Die Kinder erhalten eine Waisenrente.“

Wir würden vielleicht noch weiter sitzen bleiben und uns unterhalten, aber es ist Zeit für uns zu gehen, daher gehen wir zu Spendenübergabe. Alle Quittungen werden unterschrieben, Natalija erhält für ihre zwei Kinder einen Betrag in Höhe von 400,00 € ausgezahlt. Sie bedankt sich ganz herzlich für die Hilfe und sagt zum Abschied: „Ich würde mich sehr freuen, euch wieder mal zu sehen. Ihr seid herzlich eingeladen!“


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung –

Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst Klaus H. Walter, Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.

 

Spendenaufruf für Familie Ustimenko in Wyschhorod, Gebiet Kyiw – Aufruf 9/2016

Bei einem Besuch bei Tetjana und ihren beiden Mädchen fiel uns auf, dass Sie dringend weitere Möbelstücke benötigen – hier die ganze Geschichte, wie es zu dem Besuch kam:

Vor etwa einem Monat wurden wir im Netz von einer deutschen Familie aus Berlin angeschrieben. Sie haben selber mehrere Kinder und wollten gerne eine Familie in der Ukraine nach Möglichkeit unterstützen. Bei weiteren Gesprächen erfuhr Herr H., dass ich bald in die Ukraine reisen würde, und schlug sofort vor, dass er mit seiner Mutter auch nach Kyiw kommen würde, damit er die Kriegswitwe Ustimenko mit ihren zwei Kindern persönlich kennenlernen kann. Und so verabredeten wir uns also für den 18. Oktober 2016.

An besagtem Tag traf ich zuerst Herrn H. und seine Mutter in Kyiw, von wo wir auch mit einem Taxi nach Wyschhorod fuhren.

Familie Ustimenko kennt ihr schon aus früheren Aufrufen und Berichten, die ihr hier nachlesen könnt: Spendenaufruf vom Juni 2015; im Juli 2015 fand bereits eine erste Spendenübergabe statt (Bericht 33/2015), und im Mai 2016 traf sich Klaus H. Walter mit der Familie zum zweiten Mal (Bericht 20/2016).

Eine ganz tolle Nachricht habe ich für euch: Tetjana hat eine neue Wohnung in der Stadt Wyschhorod bei Kyiw erhalten und wohnt schon mit ihren Töchtern darin. Natürlich war nicht alles einfach und leicht, aber sie hat es geschafft. Die Zeiten in der halb-verfallenen “Hütte” im kleinen Dörfchen Lytwyniwka bei Demydiw, auf die noch dazu die Schwiegermutter und ein Bruder ihres gefallenen Mannes Anspruch erhoben, sind Gott sei Dank vorbei.

Zu dritt betreten wir die neue Wohnung in einem Hochhaus, die für ukrainische Verhältnisse sehr groß ist. Beide Mädchen haben ein gemeinsames Kinderzimmer, und dieses Zimmer ist nicht voll ausgestattet. Tetjana selbst schläft im Wohnzimmer, das ebenfalls ziemlich leer ist, aber zumindest hat sie eine Couch zum schlafen für sich besorgt.

Um weitere Möbel zu besorgen, fehlt ihr schlicht das nötige Geld…

Aber sie klagt nicht, sie lächelt und zeigt uns stolz, was sie schon geschafft hat. Sie lädt uns ein in die Küche, wo sie den Abendtisch vorbereitet hat. So sitzen wir alle da und genießen die Köstlichkeiten, die sie für uns gekocht hat. Herr H. und seine Mutter stellen mehrere Fragen, und Tetjana beantwortet diese offen. Die Mädchen lassen sich auch fotografieren, damit Herr H. die Fotos seiner Frau zuhause zeigen kann.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir bei Tatjana waren, aber irgendwann musste ich los, und so verabschiedeten wir uns. Tetjana ging noch mit uns raus und wartete, bis unser Taxi kam.

Wir, EuroMaidan NRW e.V., würden uns freuen, wenn mehr Menschen diesen Bericht lesen und vielleicht dabei auch für Tatjana spenden, damit sie die noch fehlenden Möbelstücke mit eurer Hilfe beschaffen kann.

Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung –

Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Ustimenko

Herzlichst Noelie Uhlmann und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.

Spendenübergabe an die Witwe Anastasia Sirich und ihre zwei kleinen Söhne – Nowohrad-Wolynskyj am 15.10.16 – Bericht 43/2016

Familie Sirich haben wir im Jahr 2015 kennengelernt. Wir besuchten sie persönlich am 31. März 2015 um ihnen die für sie gesammelten Spenden zu übergeben. Den damaligen Bericht könnt ihr hier nachlesen: Spendenübergabe am 31.05.2015, Bericht 17/2015

Heute ist der 15. Oktober 2016, und für uns ist eine Reise nach Nowohrad-Wolynskyj geplant. Wir warten nur auf unseren Fahrer Oleksandr, der meinen Sohn und mich dorthin bringt. Um 18:00 Uhr kommt Oleksandr, und wir fahren endlich los. Die Volontärin Svitlana Kruchok wartet schon vor Ort auf uns. Da wir kein Navi haben, brauchen wir zwar etwas mehr Zeit, um die richtige Adresse zu finden, aber Ende gut – alles gut, dachte ich mir damals.

Im Gespräch mit Svitlana kommt raus, dass die Kriegswitwe überhaupt nicht weiß, dass Besuch aus Deutschland komm, da sie vorher nicht erreichbar war. Bei meim Versuch die Witwe anzurufen geht sie zum Glück ans Telefon. Da sie auch unterwegs ist, kann sie mich nur schlecht verstehen und sagt, dass sie sich zurückmelden wird. Also heißt es erstmal warten und bangen und hoffen, dass unser Treffen doch noch zustande kommt und dass wir nicht umsonst so weit gefahren sind.

Nach ca. 15 Minuten meldet Anastasia sich zurück und ist erfreut darüber, dass wir sie besuchen wollen. Allerdings ist sie zur Zeit nicht bei ihren Schwiegereltern auf dem Dorf sondern befindet sich mit ihren Kindern in der Stadt Nowohrad bei ihrer Mutter, während im Dorf das Haus von innen gestrichen wird. Sie gibt uns eine Adresse durch, und wir fahren los. Nach einigem hin und her werden wir endlich fündig, und da steht sie schon an der Straße und wartet auf uns.

Bevor wir am Ziel ankommen, fangen wir schon im Auto an uns zu unterhalten. Anastasia erzählt uns, warum sie hier ist und über die Probleme, die sie zu bewältigen versucht. Man merkt sofort, sie möchte sich den Schmerz und die Ungerechtigkeit aus der Seele reden. Tief im Gespräch verwickelt betreten wir das ganz kleine Haus ihrer Mutter. Von außen sah es zwar ok aus, aber von innen … ganz, ganz alt und sehr renovierungsbedürftig.

Drei Generationen leben in diesem Haus, hier gibt es keinen Platz für die Witwe und ihre beiden Söhne. Jetzt verstehe ich auch, warum sie sich damals für ein Leben auf dem Dorf bei ihren Schwiegereltern entschieden hatte.

Eine eigene Wohnung, die sie bekommen sollte, hat sie leider immer noch nicht bekommen. Sie hat immer wieder die Behörden aufgesucht, aber immer wieder bekam sie zur Antwort, dass sie sich doch noch gedulden solle. Eine einmalige Auszahlung hat sie inzwischen erhalten, und die Kinder sowie auch sie selbst erhalten eine Witwen- bzw. Waisenrente.

Während des Gesprächs möchten die beiden Jungs immer bei ihrer Mutter sein, denn ohne Mama geht hier wohl garnichts. Beide Kinder werden demnächst eine Sprachtherapie besuchen. Anastasia wird auch bald anfangen als Malerin zu arbeiten.

Etwas Schönes hat diese Familie dieses Jahr dennoch erlebt, denn sie waren im Urlaub am Asowschen Meer, im Ort Kyriliwka. Zwar mussten sie selber die Anreisekosten übernehmen, aber die Unterkunftskosten wurden zumindest gespendet. Einen zweiten Urlaub verbrachte die Familie in den Karpaten. Fünf wunderschöne Tage, die komplett gespendet wurden.

Über Behördengänge kann Anastasia stundenlang sprechen. Es ist unmenschlich, was ihr nach dem Tod ihres Mannes alles widerfahren ist (Link für den gefallenen Soldaten im “Buch der gefallenen Helden”). Beamte erniedrigten die junge Witwe sehr oft, und ihr wurde sogar schon mal gesagt: „Wer bist du überhaupt, warum kommst du zu uns?!“ Das alles tut ihr unheimlich weh.

Es ist schon 21:00 Uhr abends, bei dem ganzen Reden und Zuhören haben wir nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Daher gehen wir nun zur Spendenübergabe über. Die

Kriegswitwe Sirich Anastasia erhält für ihre Söhne einen Unterstützungsbetrag in Höhe von 400,00 € ausgezahlt. Sie sagt sofort, dass sie das Geld auf die Seite legen wird, weil die Jungs eine Kinderzimmerausstattung benötigen, sobald sie die versprochene Wohnung erhalten werden. Das Geld wird sie dafür aufheben.

Sie sagt für unsere Spender: „Liebe Menschen, ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Hilfe, Danke, dass Sie mich und meine Söhne nicht vergessen haben. Ich bin zutiefst gerührt und konnte mir niemals vorstellen, dass uns Menschen aus Deutschland helfen würden. Danke für alles!“

Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung –

Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst Noelie Uhlmann und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.