Spendenübergabe an Witwe Iryna Ponotschowna, Schytomyr, 8.12.2016, Bericht 48/2016

Unser Termin bei der Witwe Iryna war ursprünglich für 17:00 Uhr geplant. Da eine andere Witwe sich aus beruflichen Gründen sich auch noch heute mit uns treffen konnte, verlegten wir diesen Termin auf etwas früher und fuhren nach einer kurzen Kaffeepause alle zusammen zu ihr nach Hause.

Die Witwe Iryna Ponotschowna haben wir erst ganz kurz vor unserer Abreise aus Deutschland ins Hilfsprogramm aufgenommen. Wer sie ist, wie sie wohnt und welchen Bedarf sie hat, wissen wir bei unserer Ankunft noch nicht im Detail.

Wir kommen nach abenteuerlicher Fahrt durch ein Schytomyrer Wohngebiet über halb vereiste Gässchen an der Adresse (die der Hausnummer nach eigentlich an der Hauptstraße nach Kyiw liegen sollte) vor einem maroden Gebäude an.

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Es sieht einfach fürchterlich aus, doch als wir reingehen, erscheint und riecht es noch viel schlimmer, als wir uns das vorstellen konnten. Kein Licht in den Fluren – nur komplette Dunkelheit. Gut, dass Iryna uns entgegen kommt, um uns zu ihr in ihre sogenannte „Wohnung“ zu begleiten: Dieses Gebäude hier war früher ein Wohnheim, welches später zur Privatisierung freigegeben wurde. Die Leute, die hier wohnten, fingen an, ihre kleinen Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen zu kaufen, damit sie nicht auf der Straße landeten. Genauso tat es auch die Mutter von Iryna damals, das heißt, Iryna wurde hier groß und lebt weiterhin mit ihrer Mutter und ihren zwei Kindern in derselben kleinen Wohnung. Zwei winzige Zimmer, die sie sehr sauber hält, eine Gemeinschaftsküche, und seit kurzem hat sie eine eigene (frisch renovierte) Toilette am Ende des Etagenflurs. Als sie uns dies berichtet, merkt man, dass sie sich darüber freut. Aber uns macht das Ganze sehr traurig und sprachlos.

Iryna Ponotschowna ist 33 Jahre alt. Sehr jung, wenn man nur diese Zahl anschaut, aber ihr Gesicht ist geprägt von Leid und vielleicht auch von Hilflosigkeit, denn am Haaransatz können wir sehen, dass ihr Haar mit ihren 33 Jahren komplett ergraut ist. Sie ist sehr offen mit uns und beantwortet unsere Fragen mit einer gewissen Leichtigkeit.

Iryna hat zwei Kinder, ihre Tochter Viktoria ist neun Jahre alt und besucht die 4. Klasse. Der kleine Sohn Nasar ist gerade 21 Monate alt, er hält gerade seinen Mittagsschlaf und schläft in dem kleinen Nebenraum.

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Iryna wuchs ohne Reichtum auf. Als sie die Schule abschloss, konnte sie aus finanziellen Gründen kein Studium beginnen, und daher suchte sie sich eine Ausbildungsstelle als Verkäuferin, was sie auch erfolgreich abgeschlossen hat. Danach arbeitete sie als Verkäuferin in einem Ladengeschäft. Dabei hat sie ihren zukünftigen Ehemann Oleksyj kennengelernt. Er kam immer in den Laden, um seine Einkäufe zu tätigen, und so haben die beiden sich kennengelernt. Zwei Jahre ging es so, bis die beiden so weit waren, eine Familie zu gründen. Iryna hatte schon ihre Tochter Viktoria, die aus ihrer ersten Ehe stammt, was Oleksyj sehr locker sah und das kleine Mädchen richtig ins Herz schloss. Er war für das Kind immer da, denn er war zu ihrem Vater geworden, der sie tröstete, wenn sie weinte, und der ihr seine Liebe schenkte.

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Oleksyj Jewdoschtschuk wurde 31 Jahre alt. Am 12.Dezember 2014 wurde er in die Armee einberufen. Zu diesem Zeitpunkt war Iryna schon schwanger. Kurz danach, im März 2015, brachte sie Nasar zur Welt. Sie konnte ihren Sohn nicht sofort taufen lassen, denn Oleksyj bekam nicht frei. Erst im September 2015 durfte er für ein paar Tage nach Hause. Das war eine sehr schöne Zeit, als diese Familie wieder vereint war.

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Am 17. Mai 2016 wurde ihr Ehemann Oleksyj in Nowoaleksiiwka (Oblast Cherson) bei Henitschesk an der Demarkationslinie zur annektierten Krim umgebracht, zuerst zwei Schüsse in den Rücken und dann zwei Schüsse in den Hinterkopf. Der Schuldige befindet sich in Untersuchungshaft. (Es gibt ukrainischsprachige Zeitungsartikel über seine Ermordung und Beerdigung: Cherson online, Maidan-News, Journal Schytomyr). In einem dieser Artikel heißt es sinngemäß: “Die aktive Kriegsteilnahme im Donbas hat er überlebt, aber bei einem Einsatz an der Krim-Grenze kam er zu Tode.”

Am 19. Mai 2016 fand die Beerdigung statt. Oleksyj hatte schon immer gesagt: „Wenn ich irgendwann sterbe, dann möchte ich sehr gerne auf dem Friedhof neben meinem Opa beerdigt werden.“ Seinen allerletzten Wunsch hat Iryna ihm erfüllt, denn der Großvater war für ihr eine verehrte Respektsperson gewesen.

„Er war ein sehr ehrlicher Mensch, sehr direkt und auch sehr mutig. Wir liebten uns sehr, er war einfach ein wundervoller Mensch, Vater und Ehemann!“

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Im Auftrag des Vereins überreichten wir Iryna für ihre Kinder einen Unterstützungsbetrag von 400,00€. Sie bedankt sich sehr herzlich für diese finanzielle Unterstützung bei uns und bei allen Spendern. Sie verabschiedet uns mit netten Worten, und wir wünschen ihr und ihrer Familie alles Gute.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung –

Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst Klaus H. Walter, Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.

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