Spendenübergabe an Witwe Marina Chumak und ihren Sohn Witalij Gontscharenko – Melitopol, 9.10.2016 – Bericht 31/2016

Wir kennen Marina bis jetzt nur vom Telefon, also ist dies unser erstes persönliches Treffen mit ihr und dem kleinen Witalij. Bevor wir wieder durch die ganze Stadt wandern müssen, bestellen wir uns ein Taxi und lassen uns zu ihr nach Hause fahren. Unser Treffen ist auf den Nachmittag gelegt worden, da die junge Witwe am Abend zuvor erst aus der Stadt Saporischschja zurückkam, wo ihr Sohn ärztlich behandelt wird.

Uns, meinem Sohn und mir, wird die Tür von einer ganz jungen Frau geöffnet. Sie empfängt uns ganz herzlich und offen. Wir betreten eine Drei-Zimmer-Wohnung und lassen uns in der Küche nieder, wo wir uns um den Tisch herum setzen und auch recht schnell ins Gespräch miteinander kommen.

Marina ist erst 24 Jahre alt. Eine sehr junge und bildhübsche Frau, die zuerst ganz normal wirkt. Wenn man jedoch tiefer schaut, verbirgt sich aber hinter ihrer Fassade viel Schmerz und Leid. Diese Wohnung gehört ihr nicht, sie lebt hier bei ihren Eltern. Aber nicht nur sie wohnt hier, denn sie hat noch fünf Geschwister. Ihre Mutter hatte sogar einen Orden als Mehrlingsmutter bekommen. Also wohnen hier auch noch ihre Schwester und deren Tochter. Privatsphäre hat hier keiner. Marina schämt sich auch sehr dafür und sagt:“ Meine Eltern haben uns großgezogen und jetzt ist eigentlich die Zeit gekommen, wenn wir Sie unterstützen sollten, aber es läuft alles ganz anders, und sie müssen uns weiterhin unterstützen. Ich hoffe, dass ich irgendwann meiner Mutter all die Liebe und Aufmerksamkeit, die sie uns gibt, zurückgeben kann.“

Sie ruft nach ihrer Mutter und bittet sie auch, uns ihren Orden zu zeigen. Sie strahlt und umarmt ihre Mutter ganz liebevoll.

Ich frage sie, ob sie mir ein wenig über ihren verstorbenen Mann erzählen möchte, denn im Netz fand ich nicht viel über ihn. „Ja natürlich!“ sagt sie und erzählt ihre Lebensgeschichte mit Bogdan. Bogdan Gontscharenko war 24 Jahre alt, als er am 13.04.2015 in Awdijiwka in der ATO-Zone ums Leben kam. Kennengelernt hatten sie sich, als beide gerade mal 17 Jahre alt waren. Sie machte damals eine Ausbildung als Buchhalterin, er wollte gerne im Baubereich arbeiten. Sie erzählt sehr viel über ihn, erzählt auch mit sehr großer Begeisterung, bis ihr die Tränen kommen und sie bitterlich anfängt zu weinen.

„Wir waren schon zusammen, als er in die Armee einberufen wurde. Nach neun Monaten kam er zurück, und wir haben angefangen zusammen zu leben. Ich habe ihn sehr geliebt, leider haben wir uns damals noch nicht so gut verstanden und stritten uns oft. Wir waren so unerfahren…“

Sie bricht schon wieder in Tränen aus. Sie würde so gerne alles ändern, und das wollte auch Bogdan, denn er liebte seine Frau und seinen Sohn wirklich sehr.

Das hatte diese kleine Familie vor, aber leider wurde ihnen diese Möglichkeit entrissen!

Bogdan beschloss, in die ATO-Zone zu gehen um die Souveränität seines Landes zu schützen. Während er dort war, wurde sein Sohn krank, sie mussten das Kind ins Krankenhaus bringen, wo er im Krankenbett liegen musste, denn die Ärzte mussten ihn an einen Tropf legen. Die junge Marina war damit überfordert, und Bogdan gab ihr Kraft in dem er sie so oft er nur konnte anrief. Er versprach ihr, dass er gesund nach Hause kommen wird, dass er alles ändern wird, wenn er da ist, und dass sie noch viel Zeit miteinander haben werden. Er entschuldigte sich bei ihr für all den Schmerz, der durch Streitereien entstanden war. Er sagte ihr, dass er seine Familie ganz doll lieb hat.

Nur zwei Tage später wurde Marina von der Schwester des Verstorbenen angerufen, die ihr mitteilte, dass Bogdan ums Leben gekommen war. Sie konnten ihn nicht sofort beerdigen, da sein Körper durch eine Explosion verbrannt war, und so wurde er erst am 22.06.2016 beerdigt. Viele DNA-Tests mussten durchgeführt werden, bis es fest stand, dass es sich bei der Leiche wirklich um Bogdan handelte.

Marina hatte keine Zeit für sich und zu trauern, denn sie muss sich um ihren kranken Sohn kümmern. Witalij ist gerade mal vier Jahre alt und leidet unter Autismus. Viele Untersuchungen wurden durchgeführt, und die junge Witwe wusste nicht mehr, was sie machen sollte. Über ihr Problem erfuhren Kollegen von Bogdan und haben ihr geholfen in der Stadt Saporischschja einen Platz in einem psycho-neurologischen Vorschulzentrum für ihn zu bekommen. Jedes halbe Jahr muss sie für zwei Monaten dorthin fahren. Für die Zeit dort mietet sie sich ein Zimmer, wo sie dann mit Witalij wohnt. Morgens früh muss sie den Jungen hinbringen und abends holt sie ihn wieder ab. Viele Therapeuten, Lehrer und Psychologen beschäftigen sich mit dem Kleinen, und man kann sogar schon Fortschritte sehen, sagt sie mir. Witalij fängt an zu sprechen.

Ich frage, wie sie es schafft, finanziell über die Runden zu kommen. Sie zuckt nur mit den Schultern und sagt: „Meine Eltern helfen mir, und Witalij erhält eine Waisenrente. Ich bin froh, dass wir für das Zentrum kein Geld zahlen müssen, nur für den Aufenthalt in Saporischschja. Irgendwann werde ich auch arbeiten gehen können, und dann wird es uns gut gehen. Sie schaut sehr positiv in die Zukunft. Sie besucht manchmal eine Psychologin, die ihr sehr hilft. Der kleine Witalij kommt kurz zu uns, denn er vermisste wohl seine Mutter. Er ist sehr schüchtern, hat aber immer wieder ein breites Lächeln im Gesicht. So ein kleiner Sonnenschein.

Damit der Kleine seine Mutter nicht weiter vermissen muss, gehen wir zur Spendenübergabe über.

Im Namen des Vereins EuroMaidan NRW e.V. und all den Spendern übergeben wir an die Witwe Marina einen Hilfsbetrag in Höhe von 350,00€. Damit kann sie weitere Fahrten nach Saporischschja finanzieren und etwas Schönes oder Nützliches für den Kleinen kaufen. Marina ist überwältigt und bedankt sich immer wieder für Eure Unterstützung bis wir endlich die Tür hinter uns schlossen.

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Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Noelie Uhlmann und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.

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