Spendenübergabe an Olga Furman und ihre drei Kinder, Sorokiw, Obl. Schytomyr, 4. Mai 2016 – Bericht 24/2016

Nach dem Besuch bei dem in der ATO-Zone schwer verletzten Freiwilligen Wolodymyr Hriban blieb uns (Joerg Drescher, Oleg Boyko und ich) für heute, den 4. Mai 2016, noch ein Besuch, gleichzeitig der letzte Besuch bei einer Spendenempfängerin (die wir bewusst nicht als Witwe bezeichnen) bei dieser Reise im Rahmen der „Osterfahrt für die Freiheit: Von Tscherwonoarmijsk fuhren wir auf dem direkten Weg über Tschernjachiw zu dem Dorf Sorokiw , in dem Olga, die Frau des vermissten Soldaten Oleksandr Furman, mit ihren Kindern wohnt. Das waren 40 lange Kilometer, denn fast die Hälfte der Strecke war nicht asphaltiert – der Umweg auf „Hauptstraßen“ über Schytomyr wäre mehr als 65 km lang gewesen, aber voraussichtlich schneller, nur wussten wir nicht, dass da auf der kürzesten Strecke ein größeres Teilstück noch nie asphaltiert worden war. Noch dazu hatten vermutlich Metalldiebe am Abzweig von der Fernstraße P-28 nach Sorokiw und Mala Horbascha die Hinweisschilder in Richtung „Wilsk“ (Вільськ) geklaut (in google-Streetview sind sie noch vorhanden, im Mai aber nicht mehr), so dass wir „auf gut Glück“ dem Orientierungssinn nach abbiegen mussten und erst am Dorfeingang von Sorokiw sicher sein konnten, dass wir richtig sind. In der Dorfmitte fragte Oleg Boyko, wo denn Olga Furman wohne, und die Dorfbewohner konnten uns sagen, welche der abzweigenden Straßen die richtige war und dass sie im vorletzten Haus wohne.

Gefunden! Ein äußerlich fast fertig renoviertes Haus, d.h. eine neue Fassadenverkleidung und eine neue Einfriedung sowie ein neues Tor sind schon fertig, ein lautstark das „Territorium“ verteidigender Hund, und Olga öffnete uns und ließ uns herein. An einer Galerie Kinderschuhen vorbei wurden wir ins Wohnzimmer von Olga geleitet. Sie muss für die drei Kinder alleine sorgen, sie hat zwei Mädchen: Marina, 6, Oleksandra dreieinhalb, und einen noch ganz kleinen Jungen, Maksym, der erst geboren wurde, nachdem ihr Mann Oleksandr im Mai 2014 unterhalb der Ortschaft Rubischne, Region Luhansk, am Fluss Siwerskyj Donez an der damaligen Front schon vermisst war. Berichten zufolge wurde er nach einem Beschuss sogar in einen Krankenwagen verfrachtet, aber danach verlor sich jede Spur.

Es gibt bis dato keinen Fund einer Leiche oder sonstige Nachrichten, theoretisch könnte er auch in Russland in irgendeinem Lager gefangen gehalten werden, was Olga auch nach zwei Jahren dennoch für möglich hält. Sie glaubt nach wie vor an seine Rückkehr. Diese Unsicherheit hat auch dazu geführt, dass sie nicht als „Kriegerwitwe“ gilt und sie selber das ja auch nicht sein will, aber er gibt halt auch keinerlei staatliche Entschädigungszahlungen und keine Witwen- und Waisenrenten. Alles, was sie als durchaus durchsetzungsfähige Frau bisher erhalten hat (z.B. die bisher schon durchgeführten Renovierungsarbeiten am Haus), haben Freiwillige der 30. Brigade, bei der ihr Mann diente, für sie und die Kinder gemacht – und sie war bei unserem Besuch auch gut dahinter her, dass Oleg sich dafür einsetzen möge, dass das Dach ihres Hauses auch neu gemacht wird, denn stellenweise regnet es wohl schon durch.

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Aber ich greife vor: Im Wohnzimmer waren die Kinder und Olgas Mutter, die bei ihnen wohnt und Olga im Haushalt und mit den Kindern hilft, sie sind ja alle noch ziemlich klein. Die mitgebrachten Haribo-Bärchen sowie Osterhasen und Ostereier waren bei allen Kindern beliebt, und nachdem ich für den kleinen Maksym ein (durch die warme Außentemperatur schon ganz schön weiches) Schokoladen-Osterei ausgepackt hatte, hatte ich bei ihm (und eigentlich bei allen Kindern) „einen Stein im Brett“ und mit dem Entfernen des Staniolpapiers weiterer Ostereier konnte es gar nicht schnell genug gehen! 🙂

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Wir wollten uns aber auch nicht zu lange aufhalten und nahmen zügig die Auszahlung von 500.– Euro vor und verabschiedeten uns wieder, nicht ohne vor dem Tor auf der Straße noch ein längeres Gespräch darüber zu führen, wann und wie die Freiwilligen-Inititativen des Militärs und der Schytomyrer Zivilgesellschaft die schon angelieferten Steine im Hof pflastern könnten und den Dachstuhl erneuern könnten, wofür das Balkenwerk ebenfalls schon bereit lag. Nur die Deckung des Daches muss noch finanziert werden (wofür die eben erhaltene Summe sicherlich einen Teil abdecken kann).

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Eine nette kleine Familie, eine junge Frau, die wie oben schon erwähnt, sich für ihre Belange einsetzen kann und dies auch tut – sie wird ihren Weg machen und die Kinder im Rahmen der Möglichkeiten gut und liebevoll erziehen, unterstützt von ihrer ebenso netten Mutter, die für die Kinder eine liebe Oma ist.

Video einer Fernsehreportage über das Schicksal der Familie vom März 2016 (ukrainisch):

Und mit diesem Bericht schließe ich die Spendenübergabeberichte anlässlich der „Osterfahrt für die Freiheit 2016“ ab – wir hoffen auf viele weitere Spenden, damit wir bald wieder eine Reise zur Übergabe von Spendengeldern planen können.

Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige und hoffentlich auch zukünftige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche Opfer des Krieges und deren Kinder in der Ukraine immer noch dringend benötigen.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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