Spendenübergabe an die Familie des schwer verletzten Soldaten Wolodymyr Hriban, Tscherwonoarmijsk, 4. Mai 2016 – Bericht 23/2016

Tscherwonoarmijsk – was für ein Name – Stadt der Roten Armee – und das mitten in der ukrainischen Pampa, bei Schytomyr, ein Garnisonsstädtchen mit sonst nichts – die Dekommunisierung ist hier noch nicht angekommen [inzwischen wurde die Ortschaft umbenannt, siehe letzter Absatz]. Hierhin mussten wir (Oleg Boyko, Joerg Drescher und ich) fahren, um die kinderreiche Familie des früheren Freiwilligen Wolodymyr Hriban zu besuchen, der im Krieg von den russischen Besatzern oder ihren Marionetten gefangen genommen und während der 61 Tage dauernden Haft gefoltert und so schwer am Kopf verletzt wurde, dass er sich an vieles nicht mehr erinnern kann, was zuvor geschehen ist. Er weiß noch, dass er auf dem Maidan in einer Selbstverteidigungseinheit gekämpft hatte, und dann später mit Hilfslieferungen auf dem Weg an die Front war, aber an Details erinnert er sich nicht mehr (was angesichts seiner vermutlichen Torturen bei den beschönigend als „Separatisten“ bezeichneten irregulären Kämpfern der Donezker Volksrepublik vielleicht sogar gut ist).

Im März diesen Jahres hatten wir einen Spendenaufruf für Wolodymyr veröffentlicht (Aufruf 4/2016) – und jetzt war es soweit, die eingegangen Spenden (ein wenig aufgerundet) ihm auch zu bringen. Damals schrieben wir:

„Wolodymyr ist ein Volontär (freiwilliger Helfer). Mehrfach reiste er in die ATO-Zone (das Kriegsgebiet).

Am 16.07.14 begleitete er einen humanitären Hilfstransport für die ukrainischen Soldaten, leider hielten ihn die irregulären Kämpfer der „Donezker Volksrepublik“ an und nahmen ihn in Gefangenschaft. Ein Bericht erschien darüber im Onlinemedium Zhitomir Info.
Insgesamt 61 Tage lang wurde er fest gehalten… Während seiner Gefangenschaft wurde er sowohl körperlich als auch psychisch misshandelt und musste immer um sein Leben bangen.

Am 17.09.2014 wurden 73 ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht, auch Wolodymyr stand auf der Liste der Freigelassenen, und so kam er endlich auch nach Hause (Bericht über den Gefangenenaustausch in Zhitomir Info).

Wolodymyr war immer berufstätig, durch den Krieg im Land musste er jedoch andere Prioritäten setzen, und das tat er auch.  Er ist ein Volontär mit Herz und Seele. Er hat zwar immer noch sein Baugewerbe, aber ehrlich zu arbeiten ist immer noch unmöglich, Bestechungsgelder zahlen möchte er nicht, er möchte lieber ehrlich leben und ein Beispiel für die Kinder sein. Dadurch müssen seine fünf Kinder öfters auf einiges verzichten.“

Fünf Kinder hat die Familie: Andryjko (12), Wowtschik (10), Sascha (8), Karinotschka (5) und die kleine Maksimka (3) – außerdem lebt in dieser Familie noch der Onkel Serhyj (44), der auf Grund seiner Behinderung auf die Hilfe der Familie seines Bruders Wolodymyr angewiesen ist. Wolodymyr selbst ist jetzt 36 Jahre alt, seine zierliche Frau Oksana 30.

Die Familie lebt in einem für ukrainische Verhältnisse relativ großen Einfamilienhaus an einem Feldweg am Rande von Tscherwonoarmijsk. Er hatte uns an der Hauptstraße von Schytomyr kommend abgeholt, sonst hätten wir die Einfahrt in das Feldwegegewirr wohl kaum gefunden.

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Gleich beim Hereinkommen ins Haus merkt man anhand der vielen, vielen Schuhe, wie groß die Familie ist; eine große Wohnkücke mit einem ebenso großen Esstisch und einer modernen Kochzeile (alles Spenden der örtlichen Hilfsinitiativen) ist das Herz des Hauses, hier spielt sich das Leben ab, und die trotz der fünf Kinder noch sehr jung und zerbrechlich wirkende Oksana wirbelt unaufgeregt herum und zaubert im Handumdrehen eine äußerst reichhaltige Mittagstafel auf den Tisch. Ukrainische Gastfreundschaft – da fehlt es an nichts.

Hunger hatten wir wirklich – und ließen es uns schmecken. Und es schmeckte hervorragend, nicht nur der hausgemachte Borschtsch, verschiedene Arten von Salo (Schweinespeck), Kaninchenfleisch, nicht mehr zählbare Arten von eingelegten Gemüsesorten, Salaten und anderen Leckereien, das muss man erlebt haben!

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Die Kinder waren sehr zutraulich, besonders die mittleren Jungs Wowtschik und Sascha, die mir stolz ihre Schulzeugnisse und Alben mit allerlei Diplomen und Urkunden zeigten, sie sind offensichtlich gute Sportler! Der jüngere der beiden schenkte mir auch ein selbstgeschnitztes und bemaltes Holzschild mit dem Wort „Ukraine“ – das inzwischen einen Ehrenplatz neben meiner Haustür hat.

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Nach der Übergabe der mitgebrachten Spende in Höhe von 500 Euro und dem Unterzeichnen der Quittungen dafür präsentierte uns Wolodymyr als Geschenk ein riesengroßes Banner, das er in mehrfacher Ausfertigung auf Plastikfolie hat drucken lassen, darauf sind die Opfer des Krieges aus der Umgebung von Schytomyr abgebildet, die „Himmlische Hundertschaft“ (ursprünglich die Todesopfer des Maidan, danach ausgeweitet auf alle Todesopfer des Krieges). Auch wenn dieses Banner von der (rechtsgerichteten) Partei Swoboda stammt, zu der ich naturgemäß gewisse Berührungsängste habe und dies auch äußere, weiß ich doch zu schätzen, dass die Hilfsinitiativen dieser nationalistischen Partei vor Ort wertvolle Hilfe leisten und dabei auch keinen Unterschied zwischen Anhängern der Partei und anderen macht.

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Nach der überaus herzlichen Verabschiedung mit vielen Fotos vor dem Haus …

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…fuhren wir noch an der in Renovierung befindlichen griechisch-katholischen Kirche von Tscherwonoarmijsk vorbei, an deren Außenwand ebenfalls das Banner der Himmlischen Hundertschaft prangt.

hriban25Schmankerl auf dem weiteren Weg (und leider kein Foto!): An der Gemeindegrenze von Tscherwonoarmijsk, gleichzeitig auch Rajonsgrenze, stand an der schnurgeraden Straße ein Schild „Weiterhin gute Fahrt! Rajon Tscherwonoarmijsk“ – wenige Meter später hörte der Asphalt auf. 😦 (Es handelte sich um die Landstraße T0605 in Richtung Tschernjachiw, für die, die es genau wissen wollen).

Nachtrag: Am 15. Mai 2016 hat die Dekommunisierung Früchte getragen: Seitdem trägt das Städtchen wieder den früheren Namen Pulyny.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige und hoffentlich auch zukünftige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche die Witwen und deren Kindern in der Ukraine immer noch dringend benötigen.

Spenden bitte über PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

 

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