Spendenübergabe an das Kinderheim-Internat „Teteriw“, Gebiet Schytomyr – 26.02.16, Bericht 10/2016

Unsere Reisen in der Ukraine werden immer sehr sorgfältig geplant, aber manchmal wechseln wir den Kurs während der Reise, wenn wir Hilferufe hören.- Und so war es auch dieses Mal. Kurz vor der Abreise teilte Oleg Boyko mir mit, dass es zwei Häuser gebe, die Hilfe brauchen, und ob wir sie uns ansehen könnten. Etwas versprechen kann unser Vorstand nicht, denn zuerst müssen wir sehen, ob die Lage wirklich so schlecht ist, wie uns erzählt wird. Manchmal überschätzen die Leiter eine Situation und nehmen nicht wahr, dass es ihnen im Gegensatz zu anderen Häusern vergleichsweise gut geht.

Am 25.02.2016 machte mich Oleg mit einer Frau namens Lesja Morosova bekannt, sie ist die Vorstandsvorsitzende und Gründerin des gemeinnützigen Vereins ‘Blagotworitelnij Fond’ (Благотворителний Фонд) in Schytomyr. Sie unterstützt Kinderheime, in denen Kinder/Jugendliche und Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen wohnen. Im Kinderheim „Teteriw“ hat sie früher selber sechs Jahre lang gearbeitet und gibt mir die Infos sozusagen aus erster Hand. Unser Gespräch verläuft sehr offen und ehrlich. Ich stelle viele Fragen und bekomme ehrliche und ausführliche Antworten.

Es gibt dort zwei Häuser, die sich überhaupt nicht voneinander unterscheiden. In beiden Häusern leben Menschen vom 5. bis zum 35. Lebensjahr mit gleichen Diagnosen und Erkrankungen. Diese Menschen leiden entweder an einer oder mehreren dieser Erscheinungen – wie Down Syndrom, psychische sowie physischen Erkrankungen, aber auch Menschen, die körperlich oder geistig anderweitig benachteiligt sind. Der Unterschied liegt nur darin, dass in dem einen Haus nur weibliche und im anderen Haus nur männliche Personen leben, die in ihrem Alltag nur mit Hilfe von Fremden zurechtkommen.

Bevor wir zu der Besichtigung fahren, nehmen wir Kontakt mit den beiden anderen Kinderheimen auf, die wir seit zwei Jahren betreuen. Ein Notzustand ist dort momentan nicht zu spüren. Natürlich fehlt dies oder das noch, aber keine Not. Also ist die Entscheidung gefallen, und wir werden die Kinderheime „Teteriw“ und „Nowaborowa“ auf dieser Reise besuchen, um uns ein klares Bild machen zu können.

Lesja telefoniert mit dem Direktor des Kinderheimes-Internat „Teteriw“, Oleg Gontscharow, und fragt nach, was sie am dringendsten gebrauchen können, denn ein Verein aus Deutschland würde gerne vorbei kommen, um das Haus kennenzulernen. Er verhält sich zurückhaltend und bittet um Entwicklungspiele und etwas Obst wie Mandarinen, Bananen und Orangen. Die Bewohner dieses Hauses bekommen nur Äpfel zum Essen und derlei „exotisches“ Obst steht halt nicht auf ihrem Essplan und wird von den Behörden auch nicht genehmigt.

Am 26.02.2016 fahren wir, Oleg, Lesja und ich, also zum Einkaufen und geben 5.706 Hrywnja (umgerechnet 194,00 €) für all die Sachen aus und fahren zum Kinderheim. Der Direktor steht schon vor der Eingangstür, als wir das Gelände des Heims betreten, aus dem kurz danach ein paar Jugendliche heraus kommen, die sehr ordentlich und sauber angezogen sind. Alle helfen, das Auto zu entladen, und wir machen zusammen ein Gruppenbild mit den Sachspenden für euch liebe Spender, damit ihr seht, was alles eingekauft wurde.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wir werden hineingebeten und zuerst gehen wir ins Büro, um alle Formalitäten zu erledigen, denn die Sachspenden müssen registriert werden. Während der Erledigung dieser Aufgabe lerne ich auch den Direktor etwas kennen. Er ist ein ganz netter Mann, der mir viel erzählt und gleichzeitig meine Fragen beantwortet wie: “Was bekommen Sie als Finanzierung von der Stadt? Warum werden die Kosten hierfür übernommen, aber dafür nicht? Erhalten Sie Spenden von anderen Menschen, Vereinen? usw. Herr Gontscharow erklärt alles sehr präzise und ausführlich und wirkt dabei nicht genervt darüber, dass ich so viel wissen möchte. Im Gegenteil, er bietet mir eine Führung durch das Haus an, damit ich sehen kann, wie das Haus lebt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Einmal kamen Spender aus Deutschland, als er gerade nicht hier war, und haben die Kleidung einfach an die Bewohner gegeben, ohne die Spende zu registrieren. Natürlich freute er sich für die Spenden, aber er fand es nicht gut, dass die Hilfe nicht registriert wurde.

„Alles muss seine Ordnung haben, nur so können wir alles prüfen und später den Spendern nachweisen, dass die Sachen nicht einfach verschwunden sind,“ sagt er zu mir.

Denn manche Bewohner besuchen ihre Eltern während der Ferien und kommen danach ohne etwas zurück, das heißt, dass danach der Bedarf abermals vorhanden ist. Die Kinder können natürlich nichts dafür, denn sie vergessen naturgemäß ganz schnell vieles.

Wir gehen die Quittungen durch, die dann auch unterschrieben werden. Nachdem die Kopien an den Direktor ausgehändigt werden, sind die Formalitäten erledigt, und wir gehen zu den Bewohnern.

Zuerst sehen wir den Speisesaal, es ist alles ganz einfach hier – aber sauber.

IMGP0842

„Mit dem Essen haben wir kein Problem, das ist halt kein Luxus, aber keiner verhungert hier,“ sagt der Direktor.

Die nächsten Räume, die uns gezeigt werden, sind Therapieräume, in denen die Kinder basteln, malen, spielen, singen, Sport treiben und psychologische Hilfe bekommen können. Jeder Betreuer darf nur fünf Kinder betreuen. Niemand läuft im Treppenhaus oder in dem langen Flur herum. Das Haus ist wirklich groß.

83 Bewohner wohnen hier, und alle sind männlich. Wir sehen die kleinsten, die ab dem 5. Lebensjahr hier wohnen können, Jugendliche, aber auch Erwachsene, die schon 30 Jahre alt sind. Die Gruppen sind auch nach dem Alter unterteilt. Im Großen und Ganzen hat das Haus eine gute Wirkung auf mich gemacht.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Lehrer, Therapeuten und überhaupt alles Personal fühlen sich nicht durch uns gestört. Im Gegenteil, sie erzählen, was sie machen und wie ihre Arbeit hier aussieht. Sie alle sind gut ausgebildete Mitarbeiter, die ganz genau wissen, was die Kinder brauchen und wie sie mit ihnen umgehen müssen. Die meisten Bewohner sind sehr zurückhaltend, manche kommen jedoch auf mich zu, begrüßen mich und zeigen, was sie gerade machen. Hier ist der größte Bedarf, denn Lern-Materialien, Entwicklungspiele, Bastelzeug wird hier sehr dringend gebraucht, damit das Personal mit den Kindern arbeiten und sie weiter fördern kann.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Gerade entsteht ein Computerraum. Der Lehrer freut sich über jeden Computer, den er bekommen kann. Vor kurzem haben sie Tests gemacht, und es wurde festgestellt, dass die Bewohner ein großes Interesse daran zeigen, es werden extra Lernspiele gespielt und der Raum wird gerne besucht.

Was dem Haus richtig Sorgen bereitet, ist der Waschraum, denn eine alte Gewerbewaschmaschine ist kaputt gegangen, und eine neue bekommen sie nicht. Die Stadt sagte: „Wendet euch an die Spender, vielleicht können die euch helfen.“ So eine dreiste Antwort.

Eine solche Maschine kosten etwa 2.300€

Ich verstehe das nicht, 83 Bewohner wohnen hier, aber wie sollen sie waschen? Sollen wir lieber einen Aufruf starten und das Geld zusammen sammeln, damit eine große Gewerbewaschmaschine hier rein kommt?!

Nach der Besichtigung werden wir in die Aula gebeten, und fünf Jugendliche geben ein Konzert für uns. Sie singen ukrainische Lieder. Ach war das schön! Mir wird mitgeteilt, dass sie schon Konzerte gegeben haben und, dass alles wieder mal dank Spendern, die die Reise finanziert haben. Der Direktor zeigt mir ganz stolz viele Medaillen, die sie für Gesangs- und Sportaktivitäten bekommen haben.

IMGP0873 IMGP0874

 

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=eudt_u9_UqY

https://www.youtube.com/watch?v=Z-vcnPaYr28

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wir sehen auch einen Raum, in dem gebastelte Sachen stehen und viele Motankas, ukrainische Puppen. Drei davon werden uns mitgegeben in der Hoffnung, dass die Menschen in Deutschland sich für so etwas interessieren werden.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir dort waren, aber es wird Zeit langsam zu gehen, und so bedanken wir für das tolle Konzert. Ich entschuldige mich für den Trubel, den wir hier heute verursacht haben, worauf der Direktor sagt: „Nein, die Jungs freuen sich sehr, wenn Besuch kommt, danke, dass Sie heute da waren und danke für die Spenden! Unseren großen Dank an all die Menschen aus Deutschland, die uns heute so einen schönen Tag geschenkt und ermöglicht haben!“

Er bringt uns nach draußen, und hier erinnere ich mich daran, dass ich noch Süßigkeiten aus Deutschland im Auto habe, die mir Klaus H. Walter mitgegeben hatte. Ganz schnell hole ich die Tüten heraus und übergebe es dem Direktor. Er strahlt und bedankt sich: „Da werden die Jungs sich aber freuen, wir werden sofort alles verteilen. Dankeschön!“

Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:

Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Kinderheim Teteriw

Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben.

 

Herzlichst Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s