Spendenübergabe an Witwe Alla und Sohn Aleksej in Schytomyr, 25.02.2016 – Bericht 05/2016

Am Vormittag war ich noch in Kyiw, aber bereits am Nachmittag in Schytomyr. Ich freue mich hier zu sein, um die Familien, die ich vor knapp einem Jahr zuletzt besucht hatte, wieder zu treffen. Unser örtlicher ehrenamtlicher Mitarbeiter Oleg Boyko, hat wie immer schon einen Besuchsplan für mich erstellt, so dass ich mich zurücklehnen und alles einfach auf mich zukommen lassen kann. Diese Familie, um die es hier geht, haben sie bereits kennengelernt: Der Bericht über den vorigen Besuch ist hier nachzulesen.

Wir stehen vor dem Haus, in dem Alla und ihr Sohn wohnen, als sich uns Korrespondenten eines Fernsehsenders anschließt. Sie möchten uns gerne begleiten, um einmal zu sehen, wie ein solches Treffen abläuft. Ich war überrascht, da ich nichts davon wusste. Und so übernahm Oleg die Regie.

Wie schon damals, macht Alla ganz rasch die Eingangstür auf und kümmert sich um uns. Aleksej war nicht zu sehen. Alla bittet uns in die Küche, wo auch schon der Tisch für uns gedeckt ist. Schnitten, Süßes und etwas zum trinken. Ich frage sie, wo denn wohl Aleksej sei. Sie sagt mir: „Er ist in seinem Zimmer. Er stand die ganze Zeit vor dem Fenster und wartete auf eure Ankunft. Aber nun ist er etwas traurig, da er Ihren Sohn beim Aussteigen aus dem Auto nicht gesehen hat.“ Ich bin etwas sprachlos, denn das ist sehr rührend für mich. Die beiden haben sich bei unserer letzten Reise kennengelernt und als sie sich getroffen haben, verstanden sie sich auf Anhieb sehr gut. Schade, dass ich den Wunsch von Aleksej nicht erfüllen konnte.

Ein paar Minuten später kommt der junge Mann doch noch zu uns raus und ich kann mich mit ihm unterhalten. Ich war und bin sehr beeindruckt von ihm. Er ist richtig erwachsen geworden. Er ist nun 17 und weiß jetzt, was er wirklich will, er tut alles dafür, um seine Ziele zu erreichen. Er wechselte auf eine bessere Schule. Dieses Jahr ist entscheidend für ihn. Er muss sehr gut abschneiden, damit er die Universität besuchen kann, an die er gerne möchte. Er hat sich einen steinigen Weg ausgesucht, aber Aleksej hat keine Angst davor. Er ist bereit zu kämpfen und viel Kraft zu investieren. Er wird Schytomyr bald verlassen, was seine Mutter sehr traurig macht. Ihn stimmt es irgendwie auch traurig, weshalb er seiner Mutter verspricht, so oft herzukommen wie er nur kann.

„In Kyiw habe ich mehr Perspektiven, und die lasse ich mir nicht nehmen. Ich verstehe meine Mutter sehr gut, aber es ist meine Entscheidung“, sagt er zu mir.

Ich frage ihn, ob sein Vater nicht doch Einfluss auf seine Zukunft genommen habe, woraufhin er lächelt und sagt: „Ja, jetzt schon. Er war ein Beispiel für mich, und jetzt nehme ich alles sehr deutlich wahr.“ Ich bedanke mich für das offene Gespräch, und Aleksej lässt uns wieder allein mit seiner Mutter.

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Die Reporter des Fernsehsenders sitzen in der Ecke, schauen uns zu. Besonders gut hören, über was wir reden, können sie eigentlich nicht, da wir uns sehr leise unterhalten. Ich kriege nur mit, wie Oleg erklärt, worum es hier geht. Da sie sich das alles anders vorgestellt haben und nicht wussten, dass es doch so viel Zeit in Anspruch nimmt, verabschieden sie sich und gehen. Nun sind wir ganz unter uns, und so gefällt es mir sogar besser!

Alla erzählt, dass die Freunde ihres Mannes ihr nach seinem Tod sehr geholfen haben.

„Sie haben bei der Renovierung geholfen. Schauen Sie nur, wie schön jetzt alles aussieht, und ich habe sogar eine neue Gardine in der Küche.“

Ich freue mich sehr für sie. Dass sie und dass ihr Mann nicht vergessen wurden! Das ewige Andenken an die verstorbenen Soldaten dieses Krieges soll weiter leben!

Auf der Arbeit sei es wie immer, viel Stress und viele Patienten. Ich frage sie, wie es ihr persönlich geht. Nach langem Ein- und Ausatmen, höre ich zuerst. „Wie soll es mir gehen, natürlich etwas besser. Aber ich weine in der Nacht immer noch und denke so oft an ihn… Momentan mache ich mir viel Sorgen um Aleksej, und wie es wohl ohne ihn sein wird. Er ist ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Ich bin so stolz auf ihn!“

Alla muss gleich zur Nachtschicht ins Krankenhaus, daher gehe ich zur Spendenübergabe über. Alla bekommt für Aleksej einen Hilfsbetrag in Höhe von 300,00 € vom Verein EuroMaidan NRW e.V. ausgezahlt. Diese Hilfe wird er hier sehr gut gebrauchen können, und ich freue mich, dass ich sie ihm in eurem Namen übergeben durfte.

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Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:
Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst, Noelie Uhlmann und das Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

 

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