Spendenübergabe an Witwe Vera und ihre drei Kinder am 09.10.2015, Schytomyr – Bericht: 52/2015

Ein Jahr ist vergangen, seitdem wir sie damals mit Natalia besucht haben (den Bericht könnt ihr hier nachlesen: Bericht 10).

Wie hat sich das Leben dieser zierlich kleinen, aber sehr tapferen Frau wohl seit dem verändert?

Wir treffen uns mit Vera bei ihrer Mutter, die in Schytomyr in einem kleinen renovierungsbedürftigen Haus lebt.

Ljudmila Leonidowna ist 63 Jahre alt. Diese sehr herzliche Frau bittet uns herein. An der Hand hat sie ihr kleines Enkelkind, das ist der kleinste Sohn von Vera. Der ältere Sohn sitzt am Tisch und ist dabei, etwas zu schreiben. Aber dann steht er auf und grüßt uns ganz lieb. Kurz danach kommt Vera rein, sie war einkaufen. Da es im Geschäft eine Aktion gab, wollte sie die Lebensmittel etwas preiswerter kaufen. Sie fängt sich an zu entschuldigen, da sie sich etwas verspätet hat, aber wir beruhigen sie, und so kommen wir ins Gespräch.

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Igor ist jetzt 18 – und Andryj ist 17 Jahre alt, die beiden Jungs haben ihre Schule beendet und haben sofort mit einer Ausbildung angefangen. Jeder erhält ein Stipendium von 275 UAH (umgerechnet 13,00 €). Aber das Geld reicht nicht einmal für eine Monatsfahrkarte aus. Da sie immer noch abgelegen wohnen aber in Schytomyr die Ausbildung besuchen, müssen sie jeden Tag hin- und zurückfahren. Eigentlich dürfen die beiden als Halbwaisenkriegskinder öffentliche Verkehrsmittel kostenlos benutzen. Leider kam es in der Vergangenheit zu mehreren Vorfällen, welche zur Folge hatten, dass ihnen dieses nun verwehrt ist. Sie wurden mehrere Male von Fahrern aus den Verkehrsmittel rausgeworfen mit der Aussage: “Ich habe euren Vater nicht dort hin geschickt!  Ich bin hier um Geld zu verdienen!” Aus diesem Grunde verspäteten sich die Jungs mehrere Male in der Berufsschule. Vera möchte diese Demütigung nicht mehr erleben,  somit entschloss sie sich, die Fahrtkosten zu zahlen.

Der Lehrer sagt, dass die Jungs sehr fleißig seien, dass die beiden sich ein Ziel gesetzt haben und nun darum kämpfen, damit alles wahr wird. Vera ist sehr stolz auf ihre Söhne. Man sieht es in ihren leuchtenden Augen und man hört es in ihrer Stimme, wenn sie über sie erzählt.

Evgenij ist 2 Jahre und 8 Monate alt, aber leider ist der Junge sehr oft krank, da sein Immunsystem sehr wackelig ist. „Ich kümmere mich immer um ihn, da ich noch im Schwangerschaftsurlaub bin. Aber ich weiß nicht, ob ich später in meinen Beruf als Krankenschwester zurückkehren werde. Denn ich muss schauen, dass ich etwas finde, wo ich mehr Geld verdienen kann, damit ich meine Familie versorgen kann, solange die Jungs noch in der Ausbildung sind.“

Eine größere Wohnung bekam Vera nicht, statt dessen bekam sie eine Zweizimmerwohnung, die nur ca. 48 qm groß und darüber hinaus auch noch renovierungsbedürftig ist.

„So leben wir weiter hin in einer Einzimmerwohnung, die ich aufgepeppt habe, und jetzt haben wir da sogar Heizung. Später wenn es uns besser geht und die beiden größeren ihre Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen haben, werden die beiden umziehen und ich bleibe mit Evgenij in einer Einzimmerwohnung weiter leben. Irgendwie wird es schon gehen.“

„Wissen sie, egal was passiert, ich denke so oft an meinen Mann, ich habe keine Zufriedenheit in mir, bin nicht glücklich, möchte keine Wohnung, nichts, ich möchte meinen Mann zurück.“ Ihre Mutter fängt an zu weinen und verlässt den Raum, in dem wir sitzen…

Evgenij nimmt immer ein Foto seines Vater, und spielt mit ihm Fangen, Verstecken…

„Überall in den Behörden werden wir belogen, Beamte schicken uns hin und her, als ob wir ein Fußball wären. Oder sie sagen sogar : „Was wollen Sie überhaupt von uns? Wir haben Ihren Mann nicht dahin geschickt!“

„Das macht mich so sauer und wütend. Die Menschen draußen haben kein Verständnis mit mir, die fragen auch: „Warum ist dein Mann dahin gegangen?“ „Sie werfen mir immer etwas vor. Daher schweige ich öfters darüber, dass mein Mann für die Ukraine, für ‘unsere’ Menschen gestorben ist. Ich möchte das alles nicht mehr hören. Ich glaube nicht, dass alles besser wird! Zuerst muss sich das ukrainische Volk verändern.“ Vera ist einfach enttäuscht, und es ist nicht gerade die leichteste Aufgabe auf ihre kleinen Schultern gefallen, aber diese schwere Last muss sie leider ganz alleine tragen und damit wachsen und stark für ihre drei Kinder sein.

Wir fahren fort zur Spendenübergabe, und im Namen des Verein „EuroMaidan NRW e.V.“ zahle ich einen Betrag in Höhe von 600,00 € an Vera für ihre Söhne aus.

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Die Witwe und ihre Mutter bedanken sich bei Euch ganz herzlich und fragen uns, ob wir nicht doch etwas Warmes trinken wollen. Leider muss unser Truppe, nämlich Oleg Boyko, der Fahrer Alexander, mein Sohn und ich, schon weiter. Während die beiden Frauen uns bis zum Auto begleiten, redet die Mutter mit mir. Sie versteht nicht, wie es kommt, dass man sich im fernen Deutschland Sorgen um die Ukraine macht. Gleichzeitig ist sie aber auch sehr dankbar und sagt: „Danke! Danke, dass sie es tun. Danke, dass Sie meine Tochter nicht vergessen. Gott beschütze Sie und gebe Ihnen allen viel Kraft um das weiter zu machen, was den anderen Menschen einen Halt im Leben gibt.“

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Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:
Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Noelie Uhlmann und das Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

 

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