Spendenübergabe an Witwe Olena und ihre zwei Kinder am 16.10.2015 in Kiyw, Bericht: 66/2015

Dies ist der allerletzte Bericht von meiner Dienstreise im Oktober 2015. Wir befinden uns wieder in Kyiw, wo wir zwei Tage Zeit haben, um noch eine Witwe zu besuchen und um uns auch mit den Volontären und neugewonnenen Bekannten zu treffen.

Es ist schon Abend, als wir per Taxi am Wohnsitz der Witwe ankommen. Sie ist berufstätig und deshalb ist das Treffen auf den Abend verlegt worden. Olena empfängt uns ganz lieb und fragt, wo wir uns setzen möchten, aber natürlich wird dafür die Küche gewählt. Mein Sohn geht ins Wohnzimmer, wo er mit der kleiner Olga (4), einem Hund und einer Katze spielen darf, worüber er sich sehr freut.

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Oleg, der älteste Sohn von Olena, kommt zu uns. Er ist gerade 17 Jahre alt, und wir beide kommen ganz schnell ins Gespräch. Oleg hat im Sommer seine Oberschulbildung beendet (11. Klasse) und sofort angefangen zu studieren, denn er möchte gerne Tierarzt werden, da er Tiere sehr gern hat. Eigentlich wollte er Arzt werden und Menschen heilen, aber die Gebühren waren zu hoch, daher schaute er sich um und entschied sich, Tiere zu heilen. Sein Studium kostet seine Mutter ca. 600 € im Jahr. In dieser Familie waren und sind mütterlicherseits alle Ärzte, und somit bekam Oleg diese Gabe und auch den Herzenswunsch, als er erwachsen wurde.

Er führt die Unterhaltung mit mir sehr offen, und mit jedem Satz werde ich mehr und mehr von ihm beeindruckt:

„Ich war acht Jahre alt, als Jaroslaw in meinem Leben erschien. Meine Mutter war früher schon mal verheiratet, aber als ich drei Jahre alt war, trennte sie sich vom meinem Erzeuger. Jaroslaw wurde mir zu einem Freund und zu einem Vater! Er ist sehr wichtig für mich, darüber können wir uns stundenlang unterhalten. Er ist in eine Familie gekommen, wo alles schon stabil und geregelt war, und so versuchte er auch nicht, etwas um zubauen oder zu ändern. Er nahm unsere kleine Familie, so wie sie war, daher ist er ein Teil von uns geworden! Unsere Beziehung war etwas Besonderes, und darüber kann ich auch sehr lange erzählen.“

Oleg senkt seinen Kopf und sein Blick wandert kurzzeitig in die Ferne einer schmerzhaften und unvergesslichen Erinnerung. Als er sich wieder fasst, erzählt er weiter:

„Mir fällt es sehr schwer, er fehlt mir so sehr, mir fehlen unsere Gespräche. Wissen Sie, mir fehlt dieser Mensch sehr! Ich würde mich so gerne bei ihm entschuldigen für alles, was ich vorher nicht verstanden habe! Wir stritten uns manchmal, ich habe ihn damals nicht verstehen können, aber jetzt weiß ich, was er meinte. Es ist ein großer Verlust für mich, für uns!“

Leider muss Oleg unser Gespräch unterbrechen, da er los muss. Und so verabschiedet er sich. Ich sitze eine Weile da und kann nichts sagen. Ein junger Mann, der mich zum Nachdenken gebracht hat.

Olena macht einen Kaffee für mich und bietet auch Kuchen an, und das ist einfach Wahnsinn mit den Witwen, denn obwohl sie selber nicht viel haben, möchten sie trotzdem etwas für uns tun. Die Kinder werden auch in die Küche gerufen, und wir reden über alles, außer über das, was sehr weh tut. Die kleine Olga ist sehr verspielt und ist Mamas Prinzessin. Ein bildhübsches Mädchen. Als Olga und Alex fertig sind, verlassen sie die Küche, und somit sind wir wieder unter uns und kommen wieder darauf zurück, wo wir aufgehört haben.

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Olena ist 37 Jahre alt. Sie ist Augenärztin, und das ist nicht nur ein Beruf für sie sondern auch ihre Berufung. Sie ist auch sehr hübsch und hat eine nette Ausstrahlung. Sie ist sehr offen mit mir und erzählt ihre Lebensgeschichte:

„Jaroslaw und ich haben uns im Jahr 2007 in einem Café kennengelernt. Ich ging zufälligerweise vorbei und bemerkte ihn, denn er gefiel mir sofort. Er war sehr schüchtern und zurückhaltend, deshalb sprach ich ihn an, und so haben wir uns kennengelernt. Ich komme ursprünglich aus dem Gebiet Saporischschja, und er kam aus Schytomyr, aber in Kyiw waren wir auf uns ganz alleine gestellt. Wir unternahmen einiges zusammen, und als wir Silvester gemeinsam feierten, öffnete er sich und sagte, dass er mit uns zusammen leben möchte, sein Leben lang! Er half uns, wo immer er nur konnte. Ich musste nichts aussprechen, wir verstanden uns ohne Worte.

Wir waren von da an immer nur zusammen, und so kam es dazu, dass wir uns am 06.09.2008 gegenseitig das Heiligste Wort „Ja“ gaben. Drei Jahre später kam Olga zur Welt. Hätten Sie ihn nur gesehen, denn er trug mich auf Händen. Darauf hat er angefangen noch mehr zu arbeiten und kaufte diese Wohnung auf Kredit, damit wir endlich ein eigenes Heim haben. Dank ihm stehe ich jetzt mit unseren Kindern nicht auf der Straße.

Am 29.01.2015 wurde er in die Armee einerufen und musste nach Schytomyr fahren, weil er da noch angemeldet war. Vier Wochen waren Vorbereitungszeit, und die verbrachte er auf einem Truppenübungsplatz. Von da aus wurde er mit seiner 95. Einheit nach Slawjansk, Awdijiwvka verlegt.

Am 09.05.2015 sollte er nach Hause kommen, er sollte nur noch vier Tage da bleiben; vier Tage, die er leider nicht überlebt hat. Alle die überlebt haben kamen Nachhause, er leider nicht, er hat nicht überlebt…“

Sie bricht in Tränen aus und in der Küche verbreitet sich eine Totenstille.

Kurz danach zeigt sie mir seine Bilder. Jaroslaw lächelt auf allen Fotos, ein hübsches, offenes Gesicht schaut mich aus den Fotos an. Jaroslaw starb am 05.05.2015, dabei waren auch noch seine drei Freunde die mit ihm in einem gepanzerten Truppentransporter saßen.

„Am 02.05.2015 rief er mich ganz kurz an und sagte, dass sie angegriffen werden, und ich solle ihn bitte nicht anrufen, wenn alles vorbei ist, meldet er sich selber. Er hat nie etwas im Detail erzählt. Im Krieg fing er an zu rauchen. Er tröstete mich immer und sagte, dass alles gut sei. Ich hörte ihn das allerletzte mal am 04.05.2015, als er mich anrief und sagte, dass ich mir keine Sorgen machen solle, dass es ihm gut ginge, und, dass er bald zuhause sein würde. Über seinen Tod erfuhr ich erst zwei Tage später. Am 7. Mai wurde ich angerufen, und mir wurde mitgeteilt, dass mein Jaroslaw tot ist, und dass sein lebloser Körper gerade jetzt nach Schytomyr überführt wird.“

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Olena ist sofort nach Schytomyr gefahren, da ihre Schwiegermama dort lebt, und zusammen haben sie dann Jaroslaw beerdigt. Die mit Schmerz erfüllte Mutter wollte ihr Kind bei sich haben, und Olena akzeptierte ihren Wunsch. Die arme Mutter verbringt jeden Tag auf dem Friedhof, denn sie kann ihr Kind nicht loslassen, was Olena auch das Herz bricht. Sie macht sich große Sorgen.

Olena schaut mich an und sagt:

„Ich habe keine Hoffnung mehr. Jetzt habe ich keine Zukunft mehr. Ich möchte über Jaroslaw tagelang reden, aber nicht alle verstehen mich.“

Bei diesem Gespräch habe ich die Zeit total vergessen, und so waren ganz schnell vier Stunden vergangen, denn es war fast 22 Uhr und das heißt für mich bald Abschied zu nehmen und langsam zur Spendenübergabe kommen.

Im Namen des Verein EuroMaidan NRW e.V. wird ein Betrag in Höhe von 500,00€ an Olena für ihre Kinder ausgezahlt. Olena ist erstaunt über die Hilfe und sucht dabei nach passenden Worten. Ihre Dankbarkeit braucht sie nicht auszudrücken. Wir verabschieden uns und gehen raus in eine tiefe Dunkelheit. Ich atme erleichtert aus, diese Aufgabe, die mir von Euch liebe Spender anvertraut wurde, habe ich durchgeführt, und es wird für mich Zeit, nach zwei Wochen wieder nach Hause, nach Deutschland zurückzukehren.

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Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:
Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Noelie Uhlmann und das Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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Spendenübergabe an Witwe Natalia B. und ihre 4 Kinder am 14.10.2015 im Gebiet Chmelnizkij, Bericht 65/2015

Ich beginne diesen Bericht mit dem Ausspruch: „Am A… der Welt – mitten in der Ukraine!“

Ich wurde zu diesem Treffen von Jurij Krawtschuk gefahren und begleitet. Ohne fremde Hilfe hätte ich nie die Witwe mit ihren vier Kindern gefunden. Wir fuhren ein paar mal falsch, aber dann fanden wir das Dorf, wo die Familie lebt. Als wir in dem Ort angekommen waren, mussten wir sie gezwungenermaßen nochmal anrufen, da wir wieder mal nicht weiter wussten. Ihre ältesten Kinder schnappten sich daraufhin ihre Fahrräder und kamen uns entgegen. Das war wirklich eine gute Idee.

Damit ihr nachvollziehen könnt, warum es so schwer war, erkläre ich es euch ganz kurz: Unglaublicherweise heißen drei Dörfer in dieser Gegend gleich. Um zu dem Dorf zu kommen, zu welchem wir hin mussten, mussten wir erstmal einige Felder überqueren, durch einen Wald, und danach an einem Friedhof vorbei fahren. Kein einziger Mensch war zu sehen, nur Totenstille um uns herum. Als das alles hinter uns war, standen wir da, und es gab nur einen Feldweg nach links oder rechts. Sogar Jurij, der selber aus dieser Gegend kommt, wusste nicht mehr weiter. Aber am Ende ging alles gut, und wir standen auf dem kleinen Berg, wo die Witwe auch wohnt.

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Wir schauten uns zuerst um. Es ist ein mittelgroßes Haus, welches von außen ganz gut aussieht. Ein großes Grundstück, eine provisorische Dusche für die Sommerzeit und ganz viel Platz, wo die Kids sich austoben können. Die Witwe Natalia B. bat uns rein, und da drinnen sah es schon ganz anders aus. Es war ein sehr altes Haus.

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Ein Badezimmer wurde gerade gebaut, wobei die örtlichen Volontäre der Witwe helfen und regelmäßig zu Besuch kommen. So was zu hören freute mich sehr. Jeden Monat bekommt sie von den Volontären auch 100,00 € ausgezahlt, so dass sie immer etwas zusätzliches Geld zur Rente hat.

Wir setzten uns im Wohnzimmer an den Tisch, wo ein Fernseher steht. Die Kinder machten es sich auf dem Sofa bequem, schauten und hörten uns sehr neugierig zu. Natalia B. ist 31 Jahre alt und hat vier Kinder. Maksim ist 13, Anschelika ist 11, Igor ist 8 und Pawlik, der immer lacht, ist gerade 7 Jahre alt geworden. Eine große Familie, die sehr vielfälltig ist.

Die zwei ältesten Kinder stammen aus erster Ehe, die leider gescheitert ist. Danach lernte sie ihren verstorbenen Ehemann, den Soldaten Mykola (41) kennen. Er lebte auch hier im Dorf, und so kamen die beiden zusammen. Mykola kaufte dieses Haus, damit alle ausreichend Platz haben. Er liebte die Kinder sehr, und zusammen mit Natalia bekamen die beiden noch zwei Kinder.

Aus irgendeinem Grund, der ihr immer noch nicht klar ist, wurde er am 28.01.2015 in die Armee einberufen und musste in die ATO- Zone gehen. Als er in Lwiw ankam, wurde beschlossen, dass er dort auf dem Truppenübungsplatz (“Poligon”) bleiben sollte. Vielleicht lag es an seiner Erfahrung, welche er an Neulinge weitergeben sollte, um sie für die Kriegszone auszubilden.

Einmal besuchte Natalia ihn sogar mit den Kindern. Sie planten schon einen zweiten Besuch, als die Nachricht kam, dass ihr Mann bei einer Übung auf dem Truppenübungsplatz verunglückt ist. Am 08.04.2015 starb er im Krankenhaus an seinen starken Verletzungen.

„Mein Mann war ein sehr lieber Mensch, er hatte einen wundervollen Charakter, er war etwas ganz Besonderes.“

Wir unterhalten uns über den Ort, wo sie wohnt und über ihre Kinder. Nachdem wir uns noch etwas mit den Kindern unterhalten hatten, die richtig Leben und Fröhlichkeit austrahlen, plaudern, gehen wir zur Spendenübergabe weiter.

Im Namen des Verein EuroMaidan NRW e.V. zahle ich ihr 400,00 € aus. Die Witwe bedankt sich ganz lieb für die Spende. Für uns wird es langsam Zeit wieder zu gehen. Wir möchten uns ganz herzlich bei Familie Krawtschuk und Didenko für die Hilfe und Unterstützung bei diesen Übergaben bedanken. Ohne eure Hilfe, hätten wir es bestimmt nicht geschafft. Danke für alles!

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Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Herzlichst

Noelie Uhlmann und das Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an Witwe Natalia und Ihre Tochter Alina, 14.10.2015 – Chmelnizkij, Bericht 64/2015

Diese Familie haben wir kennengelernt durch Familie Krawtschuk und Witalij Didenko.

Ein Treffen wurde ausgemacht, und Natalia Krawtschuk fährt mich zu diesem Treffen. Nach etwas Suchen wurden wir fündig, und die Witwe steht auch schon vor der Tür und wartet auf uns.

Die Witwe Natalia empfängt uns ganz lieb und bittet uns sofort herein. Worauf wir eine Zweizimmer-Wohnung betreten und uns in der Küche niederlassen.

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In Vertretung des Verein EuroMaidan NRW e. V. stelle ich mich vor und erzähle ihr, was unser Verein so macht, und dass wir versuchen, nicht nur stumme Zuschauer zu sein. Ich erkläre ihr auch, dass wir die Spenden, die viele Menschen aus ganz Deutschland und Nachbarländern spenden, an Kriegswitwen und deren Kinder weiterleiten. Sie hört sehr aufmerksam zu und wundert sich genau wie viele andere Kriegswitwen, dass sie aus Deutschland Hilfe bekommt und dass ortsansässige Menschen sie auch kennen und sich über die Hilfe von uns freuen.

Natalia S. ist 40 Jahre alt, sie ist berufstätig im örtlichen Krankenhaus als Köchin und verdient 1200 UAH im Monat [umgerechnet knapp 50 €]. Sie hat zwei Kinder. Ihr erster Sohn Andrij ist schon groß (20 Jahre alt), und lebt in Kyiw, da er dort studiert. Ihre Tochter Alina (7 Jahre alt) besucht die 2. Klasse und ist ein bildhübsches Mädchen, welches ihrer Mutter sehr ähnelt.

Hier eine kleine Vorgeschichte aus der Erzählung der Witwe: Natalia und Andrij (41) , haben sich vor 22 Jahren in einer Dorf-Disko kennen gelernt.

„Ein halbes Jahr lang kam er mir immer hinter her und gab nicht auf. Doch dann wurde er in die Armee einberufen, und ich wartete auf ihn. Als er zurückkam, heirateten wir sofort. Er war so groß, hübsch, und stark! Er war so ein lebenslustiger Mensch. Ohne ihn waren die Tage nicht so schön, denn er war mit Herz und Seele bei mir. Sein ganzes Leben lang, seit wir zusammen gekommen und geheiratet haben, kümmerte er sich liebevoll um uns.

Er reiste viel und versuchte immer wieder genügend Geld zu verdienen, damit es uns gut gehen konnte. Im Jahr 1996 kam unser erster Sohn Andrij zur Welt, und es war eine sehr schöne Zeit. Zwölf Jahre später kam Alina zur Welt.

Die Geburt unserer Tochter erzeugte in ihm eine erfreuliche Euphorie. Er wusch die Wäsche, kochte, bügelte alles und half mir wo immer er nur konnte. Ich war sehr glücklich mit ihm. Er war der Beste!!! Alle Entscheidungen in unsere Familie, trafen wir nur zusammen. Wir beide waren gleichberechtigt, und wenn ich etwas anderes meinte, hörte er mir aufmerksam zu. Wissen Sie, bei uns war es nie so, dass der Mann über der Frau steht.“

Als sie mir dies erzählte, liefen große Tränen an ihren Wangen herab, aber sie wischte sie ganz schnell weg und fuhr fort.

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„Als in Kyiw der Maidan losging, wusste er auf welcher Seite er stand , er fuhr öfter dahin und lebte nur mit dem einen Gedanken: ‚Der Maidan wird alles ändern!‘ Danach kam der Krieg. Er wurde in die ATO einberufen und gehörte zur 80. Lwiwska Brigade. Er wurde oftmals verletzt, aber er beschwerte sich nie, jedoch seine letzte Verletzung war sehr schlimm, und er wurde nach Hause geschickt. Naja, nicht direkt hier, sondern nach Lwiw ins Krankenhaus, und von da aus nach Kyiw, wo dann auch Krebs bei ihm festgestellt wurde. Die Ärzte sagten mir, sie können ihm nicht mehr helfen, und so wurde er nach Hause entlassen.

Die Metastasen wuchsen einfach überall in seinem Körper… Er lag sieben Tage zuhause im Wohnzimmer, worauf ihm eines Tages sehr schlecht wurde. Ich ging zum Krankenhaus, wo ich arbeite, und bat sie ihn aufzunehmen. Sie kamen mir entgegen, und dort ging es ihm dann etwas besser.

10 Tage hatten wir ihn noch bei uns, und dann starb er. An seinem Todestag, dem 10. August 2015, machte ich mich auf zur Arbeit, als ich ankam, erwartete mich dort eine Totenstille.

Mein Mann ist von uns gegangen, als der Uhrzeiger auf 07:45 Uhr zeigte… “

Töchterchen Alina kam zu uns in die Küche und zeigte uns danach zusammen mit ihrer Mutter ihre Wohnung. Als wir zum Wohnzimmer kamen, blieb das Kind stehen, und Natalia erklärte von sich aus warum: „Seit Andrij von uns gegangen ist, betritt sie das Zimmer nicht so gerne, weil er hier auf diesem Schlafsofa lag.“

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Ich weiß nicht wie lange wir hier waren, aber es wurde langsam Zeit für uns zu gehen, da wir an diesem Tag noch eine weitere Familie mit vier Kindern besuchen sollten.

Im Namen des Vereins, zahlte ich Natalia für Alina einen Spendenbetrag in Höhe von 300,00 € aus. So eine Hilfe erwartete die Witwe nicht und suchte erstmal nach passenden Worten, um ihre tiefe Dankbarkeit auszudrücken, und bat mich dann ihren großen Dank an alle helfenden Menschen auszurichten!

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Eine wundervolle Familie, der wir alles erdenklich Gute wünschen!


 

Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Noelie Uhlmann und das Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an Witwe Irina und Ihre Tochter Nastja, am 11.10.2015. Winnyzja, Bericht 63/2015

Diese Familie befindet sich seit einem Jahr in unserem Hilfsprogramm. Über das Kennenlernen und die Übergaben eurer Spenden schrieben wir in zwei früheren Berichten: am 10.10.2014 Bericht 13/2014 – erstes Treffen – und am 03.04.2015 Bericht 26/2015.

Da viele von euch diese Familie in Erinnerung behalten haben kamen erneute Spendengelder herein. Daher nutzten wir diese Möglichkeit, die ihr uns damit gegeben habt, um die Familie abermals zu besuchen und um zusammen mit euch zu erfahren, wie sich das Leben der kleinen Nastja und ihrer Mutter verändert hat.

Beim Reinkommen trafen wir Irinas Eltern, welche an diesem Tag auch zu Besuch kamen. Leider mussten sie einen weiten Weg nachhause fahren, daher unterhielten wir uns nur ganz kurz mit ihnen. Irina und Nastja freuten sich über meinen Besuch und empfingen mich ganz herzlich wie schon zuvor. Schnell wurde der Wasserkocher auf den Herd gestellt und mir wurden heiße Getränke angeboten. Ich hatte eine Torte mitgebracht, und so saßen wir erst in der Küche und genossen einige Köstlichkeiten.

Nastja ist richtig groß geworden. Sie besucht weiterhin den Kindergarten, wo sie sich auch richtig wohl fühlt. Der Kindergarten bietet extra Englischkurse an, und Irina hat natürlich ihr Kind dafür eingeschrieben, damit es ihr später in der Schule nicht so schwer fallen wird. Aber das ist nicht alles, denn sie besucht in ihrer Freizeit auch eine Kunstschule, wo sie Kunst studiert. Zudem nimmt sie seit kurzem auch noch an Tanzkursen teil, denn darin ist Nastja auch sehr gut. Irina erzählte mir das alles mit großem Stolz, und das Lächeln wollte einfach nicht aus ihrem schönem Gesicht verschwinden.

Nur eine Sache macht ihr Sorgen: Manchmal wenn Irina über ihren Mann nachdenkt, fließen ihre Tränen, und dann sagt Nastja immer zu Ihr: „Mama, mein Herz brennt und tut so weh, aber ich weine nicht!“ So klein und schon so nachdenklich…. Seit kurzem muss Nastja orthopädische Schuhe tragen, aber da kümmert sich Irina so gut drum und hat schon einiges für Nastja besorgt.

Nach wie vor arbeitet Irina. Sie hat zwar die Abteilung gewechselt, aber da gefällt es ihr besser als dort, wo sie früher war. Diese hübsche Frau, die vor einem Jahr noch so hilflos war, kämpft sich ihren Weg durch dieses schwere Leben. Sie hat sich eine Wohnung, die 39qm groß ist, erkämpft. Es ist ein Neubau, so richtig einziehen kann sie noch nicht, da die Innenarbeiten erst noch fertiggestellt werden müssen. Aber sie ist froh, eine eigene Wohnung zu haben,  auch wenn sie noch im Rohbau ist.

Sie sagt: „Es wird schon! Ich werde es schaffen! Wer hätte gedacht, dass ich das alles ganz alleine schaffen würde? Ich habe selber erst nicht daran geglaubt! Aber ich wachse mit!“

Ich schaue sie mit großem Stolz an, ja, vor einem Jahr sah alles noch anders aus. Aber jetzt sitzt vor mir eine mutige, starke Frau! Noch einen weiteren Kampf hat sie vor sich, denn gerade jetzt stehen ihr mehrere Behördengänge bevor, da ihr noch ein Grundstück zusteht – und ich bin mir sicher, dass sie es schafft und sich im Interesse ihrer Tochter durchsetzen wird.

Im Namen des Verein EuroMaidan NRW e.V. und allen Spendern zahle ich an Irina für Nastja einen Hilfsbetrag in Höhe von 250,00 € aus. Sie freut sich sehr über eure Hilfe und bedankt sich ganz herzlich dafür!

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Wir danken Euch allen recht herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Spendenübergabe an das Kinderheim “Denyschi”, Gebiet Schytomyr – 10.10.2015, Bericht 62/2015

Über das Kinderheim Denyschi haben wir euch, liebe Leser_innen und Spender_innen, schon mehrmals berichtet. Hier noch mal ein Rückblick auf vorherige Berichte über frühere Besuche und wie diesem Haus zwischenzeitig geholfen wurde:  8.-9.10.2015, Bericht 11/2014, 14.10.2015, Bericht 15/2014, 30.03.2015, Bericht 13/2015 und Dezember 2015, Bericht: 50/2015.

Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Spender_innen aus Deutschland und der Schweiz für die Unterstützung bedanken. Ganz besonders aber, möchten wir Matthias Meyer danken, denn er unterstützt das Haus seit einem Jahr monatlich mit einem Festbetrag!

Dieses mal hatten wir 400,00€ zur Verfügung, die wir für Lebensmittel ausgegeben haben. Das Geld habe ich schon am 07.10.2015 in Kyiw umgetauscht. Da der Kurs dort etwas besser war als in Schytomyr bekam ich dafür 9.880,00 UAH.

Unser Trio betrat das Geschäft, und ruck-zuck war die ganze Summe aufgebraucht, genau für das was das Kinderheim braucht. Leider konnten wir nicht allzuviel Zucker kaufen, denn der Verkauf wurde eingeschränkt. Man darf nur 10 kg Zucker pro Tag einkaufen, also ging ich zur Geschäftsleitung, stellte mich vor und erklärte die Situation. Daraufhin bekam ich grünes Licht, und wir nahmen 50 kg Zucker mit. Mit ein paar anderen Lebensmittel hatten wir das gleiche Spiel, aber auch da kam uns die Geschäftsleitung entgegen. Unser Trio freute sich sehr darüber. Für uns wurde extra eine Kasse aufgemacht, und das hieß Geld zahlen bis zum letzten Cent, Waren einpacken und losfahren.

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Die Leiterin des Kinderheims, Frau Schpak, wartete wie immer auf uns, sie war extra aus Chmelnyzkyj angereist, da sie dort an einer Fortbildung teilnahme, um das Heim weiter führen zu dürfen. Es war sehr nett von ihr, dass sie uns persönlich treffen wollte und gleichzeitig die Spenden entgegennahm.

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Wie immer wird uns Kaffee, Tee und Gebäck serviert. Oleg und Alexandr lassen sich nieder, während ich mit Frau Schpak alle Artikel durchgehe und die Unterschrift unter die Spendenübernahme einhole.

Dies erledigt, gehen wir dann alle nach oben und schauen wie es den Kindern geht, die wie immer ordentlich und sauber angezogen sind. Auch strahlen sie Liebe und Geborgenheilt aus und sind uns gegenüber nicht verängstigt. Manche Kinder sagen uns ein paar Gedichte auswendig auf, werden mit Süßigkeiten belohnt und gelobt. Zwischendurch unterhalten wir uns mit Frau Schpak, die uns von einem Zimmer ins andere führt und uns zeigt, dass all die Sachen, die für das Haus gekauft wurden, auch angekommen sind! Sie werden auch sehr sorgsam benutzt. Ich sehe die Sportanzüge, Pyjamas, Teppiche, Bücher, Fernsehgeräte und etc.

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Es tut sehr gut zu sehen, dass eure Spenden nicht verloren gehen, dass hier alles für die Kinder ist und dass sich keiner der Mitarbeiter daran bereichert!

Natürlich braucht das Haus nach wie vor Unterstützung und Hilfe von außen! Wir versprechen gar nichts, aber falls uns Möglichkeiten offen stehen, wird das Haus natürlich unsere Hilfe auch weiterhin bekommen.

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Liebe Leser_innen und Spender_innen, das Kinderheim Denyschi und wir, EuroMaidan-NRW e.V., danken euch ganz herzlich für eure bisherige Unterstützung und hoffen, dass ihr weiterhin dieses Haus mit euren Spenden unterstützen werdet. Für eure Gaben benutzt bitte unten angegebene Daten und Verwendungszweck (Kinderheim Denyschi), damit wir Eure Spenden einordnen können.

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Noelie Uhlmann und das Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Wiedersehen mit zwei ehemaligen Maidan-Patienten aus Koblenz, 28. und 30. November 2015 – Bericht 61/2015

Anlässlich der Teilnahme an einem Seminar im Rahmen des von Euromaidan NRW e.V. und dem Charkiwer Fonds für lokale Demokratie (Харківський Фонд Місцевої Демократії) organisierten Programms “Kultur des Dialogs in Zeiten der Krise” (Культура Диалога- Разрешение Конфликтов-примирение) konnte ich am 28. November in Charkiw einen und am 30. November 2015 in Kyiw einen zweiten ehemals vom Verein Euromaidan NRW e.V. (damals noch “in Gründung”) wiedertreffen. Über diese beiden Begegnungen möchte ich hier berichten:

Samstagabend in Charkiw – kaum war die Konferenz beendet und die Abschlussgespräche geführt, kam Igor Barannic verabredungsgemäß in unser Hotel, um uns abzuholen. Igor gehörte wie Jurij Krawtschuk und der weiter unten erwähnte Roman Lyndow zu den ersten 16 Patienten, die am 16. März 2014 als Schwerstverletzte ins Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz verlegt und dort behandelt und “wieder hergestellt” wurden.

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Igor war während des Maidan Angehöriger der Innenministeriumstruppen, war also sozusagen auf der “falschen Seite” der Barrikaden eingesetzt. Bei den gewalttätigen Zusammenstößen auf der Hruschewskij-Straße nahe dem Eingang zum Dynamo-Stadion erlitt er eine Schussverletzung im Gesicht, durch die er ein Auge verloren hat und Teile der Stirn und des Kieferknochens “irreparabel” zerstört wurden.

Bei meinem ersten Besuch im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz war Igor verständlicherweise sehr zurückhaltend und ängstlich, da er ja eigentlich gegen den Maidan hatte kämpfen müssen und insofern ein “Außenseiter” in der Gruppe der Patienten war, als ich mich als Mitarbeiter bei der Initiative Euromaidan NRW vorstellte. Da Igor sehr gut englisch spricht, waren diese Zweifel aber leicht zu zerstreuen, denn für mich ist ein Opfer selbstverständlich ohne Ansehen eventuell vorhandener politischer Auffassungen unserer Zuwendung bedürftig. Ich erklärte ihm meine persönliche Motivation, erzählte ihm viel von Amnesty International und den Menschenrechten im Allgemeinen und im besonderen Fall der Ukraine und fand in ihm einen aufmerksamen Zuhörer, der mir in vielem, wenn nicht allem zustimmte. Bei späteren Besuchen in Koblenz führten wir weitere interessante und zum Teil lange Gespräche (obwohl die maximale Besuchszeit in den “Einzelzellen” der Patienten offiziell 20 Minuten war), und kurz vor seiner Heimreise machten wir auch einen Ausflug nach Braubach mit Besichtigung der Marksburg:

Igor am 30.4.2014 an der Marksburg
Igor am 30.4.2014 an der Marksburg

Igor geht es heute gut, seine Einheit, die ja inzwischen in die reguläre ukrainische Armee integriert wurde (seine ehemaligen Kameraden kämpfen heute in der ATO), hat ihn vor vor fast einem Jahr entlassen, er war zunächst einige Monate arbeitslos bis er eine Stelle als Mitarbeiter einer IT-Abteilung bei einem Verwaltungsgericht in Charkiw fand, die ihn auch ausfüllt. Sein Gehalt ist zwar bescheiden, aber zusammen mit der Versehrtenrente hat er nach ukrainischen Verhältnissen ein mittelmäßiges regelmäßiges Einkommen.

Seine gesundheitliche Situation lässt noch ein wenig zu wünschen übrig, die Wunde nässt nach wie vor und muss wöchentlich im Militärkrankenhaus behandelt werden, aber wenigstens muss er dies nicht bezahlen, das Innenministerium kommt dafür auf. Insgesamt macht er den Eindruck, dass er sich mit seinem Schicksal und seiner Verwundung abgefunden hat, er wohnt gemeinsam mit seiner Mutter in einer eigenen Wohnung und kann sich auch mal leisten, mit Freunden auszugehen (was bei den Restaurantpreisen im Vergleich zum Einkommen rein rechnerisch eigentlich überhaupt nicht geht: Ich habe an dem Abend in einem “Irish Pub” am Freiheitsplatz in Charkiw für zwei Abendessen und ein paar Bier sowie Snacks 700 UAH bezahlt, seine Rente und Gehalt zusammen beläuft sich aber gerade mal auf das Fünffache). Wir verbrachten mit ihm und zwei Freunden von ihm einen sehr netten Abend – die Freude des Wiedersehens lag wirklich auf beiden Seiten, und ich hoffe, dass er im Laufe des kommenden Jahres mal nach Deutschland kommen kann.


Bei einem Zwischenaufenthalt in Kyiw trafen wir dann auch noch Roman Lyndow, der am 18. Februar 2014 auf dem Unabhängigkeitsplatz von der Explosion einer Granate zu Boden geworfen und unmittelbar darauf von einer zweiten Granate getroffen wurde und dabei allerschwerste Brandverletzungen erlitt. Wenn man ehrlich ist, hat Roman diese hochgradigen Brandverletzungen fast am ganzen Körper, besonders aber an den Armen, im Brustbereich und am Kopf nur aufgrund seiner außergewöhnlich guten Kondition als Extremsportler überlebt, er und sein Zwillingsbruder Artjom betrieben schon vor dem Maidan allerlei Sportarten, u.a. joggten (oder besser rannten) sie täglich fünf Kilometer zum Dnipro und schwammen dann eine längere Strecke – und zwar unabhängig von der Witterung (das hatte mir Artjom in Koblenz schon erzählt).

Roman und Artjom waren beim Maidan ohne politische Affiliation, im Grunde wurden sie als Mitglieder der Sportgruppe von Dynamo Kyiw zu Maidan-Selbstverteidigern.

Artjom war mehrere Monate ebenfalls in Koblenz und assistierte seinem Bruder bei der Genesung, denn Roman war damals nicht in der Lage, sich überhaupt zu bewegen, und musste “gefüttert” werden, ihm mussten immer wieder Getränke angereicht werden usw.

Roman war damals bei meinem ersten Besuch im Grunde ein Fleischbündel (sorry für den Ausdruck, aber mir fällt nichts anderes als Beschreibung ein) mit Augen und einem zum Scherzen aufgelegten Mund. Beide Brüder sprechen gut Englisch, so dass eine Unterhaltung ohne Übersetzer möglich war (In die Quarantänezimmer im Krankenhaus durfte man jeweils nur alleine). Nach mehreren Monaten auf der Intesivstation, zig (bestimmt mehr als zehn) Hauttransplationen – ich erinnere mich daran, dass die Ärzte sagten, sie würden gerne noch weiter transplantieren, aber es gab nicht genügend unversehrte Körperfläche, die man hätte transplantieren können – verheilten die vielfachen und großflächigen Hautverletzungen nach und nach, nur die linke Hand fehlt und war auch nicht mehr wiederherstellbar.

Den letzten Monat in Koblenz verbrachte Roman alleine, Artjom musste etwas früher zurück, aber zu dem Zeitpunkt konnte Roman sich auch schon alleine anziehen (er hatte Spezialtextilien mit Silberanteil, die die verheilende transplanierte Haut schonte). Kurz vor seiner Abreise aus Koblenz in eine Reha-Einrichtung bei Wismar machten wir damals auch noch einen Ausflug nach Maria Laach und ins Brohltal zur Burg Olbrück, leider regnete es damals ziemlich stark, so dass wir auf Erinnerungsfotos verzichteten.

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Bei unserem Treffen in Kyiw traf ich nun einen humorvollen jungen Mann wieder, dessen Hautverletzungen relativ gut verheilt sind, er weiß auch, dass die menschliche Haut sich alle fünf Jahre komplett erneuert, davon sind zwei schon vergangen, man kann also davon ausgehen, dass er in drei Jahren “wieder aussieht wie früher”.

Er hat zwei Prothesen, eine sogenannte Sportprothese (mit Schultergurt), mit der er – wie er uns voller Stolz auf dem Handy zeigte – bereits Gewichtheben ausüben kann (wahrscheinlich sind da bedeutend mehr Kilogramm darauf als ich sie hochbrächte), die ist also super! Die andere sogenannte Alltagsprothese muss derzeit gerade neu angepasst werden, da sie genau auf das Körpergewicht eingestellt sein muss, und er hatte gerade ein paar Kilo zugenommen (was ihm durchaus gut steht).

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Beide arbeiten wieder in ihrem “alten Beruf”, sie sind Sportlehrer bzw. Trainer für Jugendgruppen des Bataillons Asow. Dort leiten sie Jugendliche in allerlei verschiedenen Sportarten an, darunter auch Kampfsport – seiner Aussage nach geschieht das nicht mit der Absicht, diese Jugendlichen für das Bataillon zu rekrutieren sondern sie in erster Linie körperlich fit zu machen und “von der Straße wegzuholen”.

Auch Roman macht – zumindest nach außen – einen insgesamt zufriedenen Eindruck, er hat sich mit seiner Behinderung abgefunden und macht das Beste daraus. Finanziell geht es beiden – nach ukrainischen Verhältnissen – nicht schlecht, sie waren gerade von einer längeren Gruppenreise nach Portugal und Italien zurückgekehrt, sie hatten in Porto und Neapel jeweils Auswärtsspiele von Dynamo Kyiw besucht und an beiden Orten noch ein paar Tage drangehängt. Das Wiedersehen mit Roman hat mich sehr gefreut – und besonders die Tatsache, dass es ihm gut geht und er mit seinem Leben, so wie es ist, zufrieden erscheint.


Wir danken hier allen für die damalige Unterstützung und hoffen auch auf weitere Spenden.

Spendenzahlungen bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck: Ukraine allgemein

Herzlichst

Klaus H. Walter und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Familie Krawtschuk in Bonn und Köln – Bericht 60/2015

Über den Maidan-Sotnik (Kommandant einer Selbstverteidigungseinheit auf dem Maidan) Jurij Krawtschuk (und seine Familie) haben wir schon einige Berichte veröffentlicht: Seine Leidensgeschichte nach der schweren Verletzung am 20. Februar 2014 in der Institutska-Straße in Kyiw und seine Behandlung im Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenkaus ist in Bericht 27/2015 ausführlicher beschrieben.

Im Oktober gab es einen weiteren Spendenübergabebericht und Spendenaufruf von Noelie Uhlmann (Bericht 44/2015), bei dem wir um Spenden für einen Erholungsaufenthalt der Familie in Deutschland warben. Dank Eurer Hilfsbereitschaft war es uns möglich, die Familie am 16. Dezember 2015 am Flughafen Köln-Bonn zu begrüßen (Bericht 53/2015).

Hier kommt jetzt ein Überblicksbericht über die erste Hälfte ihres Aufenthalts:

Am 17. Dezember machten wir eine Stadtrundfahrt in Bonn und Umgebung und sahen u.a. die Kreuzbergkirche mit der Heiligen Stiege (siehe Titelbild) und genossen von dort den Ausblick über das Vorgebirge bis nach Köln (es war gute Sicht, und man konnte den Dom erkennen),

Blick vom Kreuzberg nach Köln
Blick vom Kreuzberg nach Köln

und das Wildgehege an der Waldau (Wildschweine und Hirsche sah Saschko zum ersten Mal in seinem Leben).

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Am 18. Dezember besuchten die Krawtschuks mit Noelie Uhlmann das Phantasieland in Brühl. Sie schrieb als Kommentar zum Video:

“18.12.2015 ein Ausflug in das Phantasialand mit Familie Jurij Krawtschuk. Jurij war auf der Talocan-Attraktion und hatte richtig Spaß, er lachte und winkte uns zu. 🙂
Hier herrscht Tlaloc, der Gott der Vorfahren. Hungrig wartet er auf Opfer, die ihm entgegentreten, um sie in sein geheimnisvolles Reich Talocan zu führen. Sind Sie bereit für einen Kampf der Elemente Feuer und Wasser?
Feuergarben, Wasserfontänen und Nebelbänke werden Ihre Sinne verwirren, wenn Sie die gewaltige Gondel des in Europa einmaligen Suspended Top Spin in das Reich des mächtigen Gottes wirbelt. Selbst als Zuschauer kann man sich der hypnotischen Wirkung dieser extrem-bodenlosen Grenzerfahrung nicht entziehen.”

und weiter:

“Nachdem wir gegessen haben, schauten wir uns noch die neue Abendshow:
„The Magic Rose – Spirit of Light“ auf dem Kaiserplatz.
Familie Krawtschuk war begeistert.”

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Am 19.12. setzten wir die Stadtrundfahrt in Bonn fort, beginnend mit dem Modell des römischen Militärlagers Castra Bonnensis bei den Ruinen der Dietkirche,

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die Doppelkirche in Bonn-Schwarzrheindorf mit ihren tollen, original erhaltenen Fresken aus dem 12. Jahrhundert,

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sowie am Nachmittag noch ein Spaziergang über die Düne in Tannenbusch (mit frei lebenden Papageien, Halsbandsittichen) und Besichtigung der Freien Waldorfschule Bonn.

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Am 20.12. machten wir einen Ausflug nach Stadt Blankenberg – für Saschko am Interessantesten die Katze an der Burg Blankenberg, für Natalia aber die Fachwerkhäuser und andere Fassadenarten – aus beruflichem Interesse, sie handelt schließlich mit Farben.

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Danach überquerten wir die Sieg und besichtigten die Wallfahrtskirche Bödingen (mit einer sehr schönen ‘interaktiven’ Weihnachtskrippe, nach Geldeinwurf begann das Wasser zu fließen und etliche Lämpchen illuminierten die Szenerie).

Und als Abschluss ein Gang über den Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt von Siegburg

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und ein Kurzbesuch im Siegburger Brauhaus.

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Am 21. 12. waren Krawtschuks auf Einladung von Wolf Reyscher auf Kölner Weihnachtsmärkten, siehe Bericht 56/2015).

Am 22. Dezember fuhren wir nach Königswinter mit der Absicht, mit der Bergbahn auf den Drachenfels hochzufahren, leider fuhr die Bahn wegen “Revision” nicht.

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Deswegen fuhren wir dann mit dem Auto auf den Petersberg und genossen die Aussicht ins Rheintal und in die Eifel.

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Über die Rheinfähre Niederdollendorf-Bad Godesberg ging es weiter zur Godesburg;

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den Abschluss machte die wenig bekannte Sehenswürdigkeit “Römische Badeanlage” im Hof des Collegium Albertinum in Bonn.

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Am Nachmittag holte Christoph Müller die Familie zu einem Besuch bei sich zuhause ab.

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Er selbst schreibt darüber:

“Mit Juri und Natalia Krawtschuk. Drei echte und ein „gelernter“ Ukrainer: Wir hatten einen wunderschönen Abend. (Juri war ein „Sotnik“ auf dem Maidan vor zwei Jahren und hatte einen Schuss ins Bein bekommen, von irgendwelchen vermummten Scharfschützen – am 20. Februar 2014 – Er wurde im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz geheilt – meine Frau und ich, wir gehörten zu dem ukrainischen Team, die zu den Verletzten Zugang hatten und ihnen beigestanden sind. – Es ist eine echte Freundschaft daraus entstanden)”

Foto: Christoph Müller
Foto: Christoph Müller

Am. 23. 12. waren wir vormittags bei meiner Mutter im Demenzzentrum und hatten ein längeres Einkaufsmarathon, am Nachmittag fuhren die Krawtschuks alleine mit dem Bus in die Bonner Innenstadt und besichtigten sie ‘auf eigene Faust’.

Heiligabend ist traditionell ein Familienfest, und dieses Jahr war es ein Fest von zwei Familien, ein deutsch-finnisch-ungarisch-ukrainisches Patchwork-Fest.

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Am ersten Weihnachtsfeiertag holte Noelie Uhlmann die Familie in Bonn ab, man feierte ebenfalls in großer “Familie” – nunmehr deutsch-ukrainisch.

Der 26.12. war für Saschko ein großer Tag, sein 8. Geburtstag.

Vormittags ein Besuch im Kölner Schokoladenmuseum. Noelie Uhlmann schrieb dazu:

“…Elena Ykraina und Natalia Likhacheva haben etwas besonderes ausgedacht und luden den Kleinen zum Ausflug ins Schokoladenmuseum Köln.
Da Saschko nicht alleine gehen wollte, durfte Jurij Krawtschuk (sein Vater) mitkommen 😉
Danke an Elena und Natalia für diesen wundervollen Vormittag! Saschko und Jurii waren begeistert! Danke an Elena für Lego Geschenk, als Saschko nach Hause kam, zeigte er stolz was er von Dir bekam und packte es sofort aus. 😉
Danke, dass Ihr das alles organisiert und all die Unkosten übernommen haben!
Mädels Ihr seid toll!”

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und weiter:

Natalia Likhacheva brachte Saschko und Jurij nach Hause, und es wurde weiter gefeiert.
Alle Gäste sangen für Ihn : Happy Birthday !!! und er pustete 8 Kerzen aus. Danach bekam er ein weiteres Geschenk – ein Elektrofahrzeug Lamborghini -:) – er vergaß Alles!!!
Herzlichen Dank an Alle die gestern sich Mühe gemacht haben und Danke an Spender, für wundervollen Tag und Geburtstag, den Saschko bestimmt nicht vergessen wird!”

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Am 27.12. waren Krawtschuks im Kölner Zoo:

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Der Bericht wird im neuen Jahr fortgesetzt [Update: Bericht 2/2016].

[Alle Fotos von Natalia Kravchuk – es sei denn, es ist anders angegeben.]


Wer für den Aufenthalt der Familie noch spenden möchte, gibt bitte auf der Überweisung “Unterstützung Krawtschuk” an – auf das bekannte (und unten genannte) Konto – oder über Paypal:

hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

Geplant ist u.a. ein Besuch des Benefizkonzerts von Martin Luithle und Christoph Müller u.a. am 2.1.2016 im Klavierhaus Klavins in Bonn, zu dem wir alle hiermit ausdrücklich einladen wollen!

In der Einladung heißt es:

“Im Krieg in der Ukraine verlieren immer noch Soldaten und Freiwillige für die Verteidigung ihrer Heimat ihr Leben. Statt Eintritt möchten wir Euch herzlich bitten für den Verein EuroMaidan NRW e.V. einen kleinen Geldbetrag zu spenden. Die Mitarbeiter des Vereins EuroMaidan e.V. betreuen die Witwen und Halbwaisen sehr liebevoll und bringen Eure Spenden persönlich und direkt zu ihnen in die Ostukraine. Auf Wunsch können vom Verein auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.
Darüber hinaus können auch weitere Geldbeträge auf folgendes Konto des Vereins EuroMaidan e.V. überwiesen werden.
Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011 – BIC GENODED1BRS
EuroMaidan NRW e.V. – Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, BonnVerwendungszweck : Hilfsaktion Witwen”

nrwMit den besten Wünschen für das Neue Jahr 2016

Klaus H. Walter und das gesamte Team von Euromaidan NRW e.V.