Spendenübergabe an Witwe Ksenija und ihre zwei Kinder am 08.10.2015, Schytomyr – Bericht: 48/2015

Wir haben die Witwe Ksenija erst vor kurzem in unser Hilfsprogramm „Witwen und Kinder der Ukraine“ aufgenommen. Den Spendenaufruf, der für diese Familie geschrieben wurde, könnt ihr hier nachlesen.

Draußen ist es schon dunkel, als wir mit unserer Delegation vor ihrer Tür stehen. Kurz klingeln und da geht die Türe schon auf.

Erster Eindruck: Eine kleine, zierliche Frau macht uns die Tür auf, ein kleiner Junge mit einem Lächeln auf dem Gesicht steht neben seiner Mutter und schaut uns neugierig an. Wir werden sofort rein gebeten und werden gefragt, was wir trinken möchten. Ein Tisch ist schon vorbereitet, und es wird sofort Kuchen serviert. Damit nimmt die Witwe mir komplett meine Angst weg; obwohl es noch nicht lange her ist, dass sie endlich ihren Mann würdig begraben konnte.

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So sitzen wir alle am Tisch und reden erstmal über alles und nichts. Der kleine Gleb ist drei Jahre alt und hat keine Angst vor uns, eher umgekehrt, denn er kommt auf uns zu. Aber mehr wendet er sich den Männer und meinem Sohn zu, der sich dann auch mit dem kleinem Sonnenschein beschäftigt.

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Ein hübsches Mädchen Namens Elisaweta kommt auch etwas später dazu, sie ist die älteste Tochter, sie ist 13 und besucht die 7. Klasse. Sie ist sehr schüchtern und schaut sich alles nur an. Als sie hörte, dass wir über ihren verstorbenen Vater reden, steht sie sofort auf und verlässt den Raum. Der Tod ihres Vaters hat das Leben dieses jungen Mädchens schwer gekennzeichnet. Ein Schmerz, mit dem sie leben und leider auch umzugehen lernen muss. Sie liebt ihren kleinen Bruder sehr und kümmert sich sehr liebevoll um ihn. Ihre Freizeit verbringt sie meistens mit ihm. Natürlich hat sie ihre Freunde an der Schule, aber zur Zeit ist das alles zu viel für sie.

Die Witwe Ksenija ist 41 und von Beruf Krankenschwester, sie ist derzeitig noch in Mutterschaftsurlaub, aber in einem halben Jahr geht sie wieder arbeiten. Sie sieht sehr geschafft aus, ihre Augen sagen mehr als tausend Worte. Sie versucht stark zu sein und das auch nach außen zu zeigen.

Sie sagt zu mir einen Satz: „Ich bin so verletzt, ich habe so viel Schmerz in mir…“ Danach kann sie nichts mehr sagen, ihr Kopf senkt sich, und sie weint leise vor sich hin.

Mit Jurii war sie seit 15 Jahren sehr glücklich zusammen. Kennengelernt hat sie ihn, als er krank war und Hilfe brauchte, damals trat Ksenija in sein Leben. Sie wuchsen zu einer wundervollen Familie, die so viel in ihrem Leben vorhatten. Leider muss Ksenija jetzt alleine schauen, wie es weiter geht und beide Kinder auf die Beine bringen.

“Mein Mann wurde einberufen, er kam nach Hause und stellte mich einfach vor die nackten Tatsachen. Er konnte nicht anders handeln. Ich habe alles still akzeptiert. Als er im Krieg war, hat er mir nie etwas erzählt. Als ich ihn gefragt habe, wie es ihm geht sagte er zu mir: ‘Wie willst du mir helfen? Frag mich am Besten gar nichts, es ist besser so!’

Am 28.07.2014 hat er mich angerufen und sagte nur einen Satz: ‘Pass bitte auf unsere Kinder auf.’ Danach legte er einfach auf. Ab dem 30.07.2014 hörte ich gar nichts mehr von ihm. Ich rief ihn weitere zwei Tage an, danach war sein Handy aus.”

Der gefallene Ehemann Jurij starb vor mehr als einem Jahr in der Nähe des Dorfes Stepaniwka im Gebiet Donezk. Da die Leiche des gefallenen Soldaten der 30. mechanisierten Brigade nicht auffindbar war, hoffte seine Familie weiterhin, dass der Ehemann und Vater vielleicht doch noch am Leben sei…

Bis zum 18.08.2015, denn an jenem Tag wurde seine Leiche unter der Nr. 179 identifiziert.

Am 21. August 2015 fand die Beerdigung statt, welche von Hunderten von Menschen besucht wurde. Diese kamen, um dem Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen. Seine privaten Sachen werden ihr irgendwann überbracht werden, hofft die Witwe bis heute, damit sie noch etwas von ihm hat, das er in seinen letzten Momenten bei sich trug.

„Mein Mann war ein sehr lieber Mensch, er mochte es nicht, wenn Menschen sich stritten, deshalb war unsere Ehe sehr ruhig und glücklich. Er war ein sehr zielstrebiger Mensch und ein guter Vater und Ehemann.“

Ksenija und ihre zwei Kinder leben in einer 2-Zimmer-Wohnung, die ihrem Mann und seinem Bruder gehörte. Wie es nun weiter verlaufen wird, weiß sie noch nicht, aber sie hofft, dass sie hier weiter wohnen dürfen, denn sie hat mit ihrem Mann sehr viel hier rein gesteckt. Das wünsche ich mir auch für die junge Witwe.

Beim Zuhören habe ich total die Zeit vergessen, und als ich dann sehe, wie spät es ist, entschuldige ich mich und gehe zur Geldübergabe über. Im Namen des Vereins und allen Spendern übergab ich Ksenija für Gleb und Elisaweta 450,00€. Sie bedankt sich herzlich für die Hilfe von euch.

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Als wir schon gehen wollen bemerken wir, dass der kleine Gleb meinen Sohn (der mit Gleb sehr schön spielte) zu dem Zeitpunkt, als ich ihm ein Zeichen gab, dass wir gehen müssen, einfach nicht loslassen wollte. Der kleine Mann kletterte auf Alex drauf, umarmte ihn – und das war ’s. Ksenija und ich standen sprachlos da und wussten nicht, was wir machen sollten. Das Kind wegnehmen ging auch nicht, da er anfing zu weinen. Ksenija wusste auch nicht, was sie machen sollte, sie sagte zu mir: „Eigentlich hält er sich von Fremden fern, Ihr Sohn hat eine geheime Sprache mit ihm gefunden.“ Und so standen wir da und versuchte den Kleinen zu überreden, Alex loszulassen. Nach langem Hin und Her gingen wir mit schwerem Gang doch raus und hörten noch draußen, wie der kleine Gleb drinnen weinte.


Wir möchten uns bei allen Spendern für die Hilfe, Unterstützung und Spenden ganz herzlich im Namen aller Witwen bedanken und hoffen weiter hin auf eure Unterstützung und Großzügigkeit für Kinder und Witwen der Ukraine, die eure Hilfe zu schätzen wissen, aber dennoch weiterhin Hilfe benötigen, um einfache Dinge wie Arztbesuche, Schule, Weiterbildung und Kleidung für ihre Kinder bezahlen zu können.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Eure Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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