Spendenübergabe an Witwe Julia und ihre zwei Töchter – 08.10.2015 – Schytomyr – Bericht 47/2015

Auf dieses Treffen freue ich mich sehr, da, als ich Julia das letzte mal gesehen habe, mittlerweile schon ein ganzes Jahr vergangen ist. Über unser erstes Treffen schrieb damals unsere Kollegin Natalia Likhacheva. Den Bericht könnt ihr hier nachlesen.

Die  Zeit vergeht viel zu schnell, aber hat sich hier etwas in einem Jahr verändert? Geht es der Familie gut? Diese und noch mehr Fragen kreisten in meinem Kopf herum.

Julia empfing uns wie damals ganz herzlich, und ihre Mutter war auch da – und das freute mich sehr, diese herzliche Frau treffen zu dürfen. Ein Tisch war schon mit Schnittchen, Kuchen und Kaffee gedeckt, und so saßen wir da und tauschten uns aus. Anna war zu Hause und beobachtete uns erst ein mal aus der „Ferne“. Sie brauchte Zeit um sich zu gewöhnen und mich abzutasten. Ein liebes Mädchen.

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Anastasia besucht die 5. Klasse und war nicht zu Hause, da sie nicht in Schytomyr war. Das Mädchen ist sehr begabt und besucht eine Eliteschule in Kyiw. Die Schule ist sehr teuer, und die Mutter konnte sich im Traum nicht vorstellen, dass ihre Tochter da jemals einen Platz bekommen würde. Für dieses Schuljahr ist ihr Platz gesichert, denn die Kosten hat die Rektorin selber übernommen. Anastasia bleibt dort fünf Tage (Mo-Fr), und am Wochenende muss ihre Mutter sie aus Kiew selber abholen. Das ist mit viel Stress verbunden, denn ein Auto besitzt sie nicht. Und so muss sie ewig fragen, ob ihr jemand hilft, oder muss die 260 km hin und zurück mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und bezahlen.

Sie bangt schon um das nächste Schuljahr, denn das Geld, um die Schule weiter zu finanzieren, hat sie nicht. So hofft sie sehr, dass vielleicht die Rektorin oder jemand anders ihr hilft, damit Anastasia weiter lernen kann und eine gute Zukunft haben kann.

Anna hört aufmerksam zu. Ich frage sie ob sie die Schule mag, sie lächelt mich an aber sagt: “Nicht so gerne.“

Über ihre Kinder kann Julia Stunden lang reden, aber ich möchte schließlich auch wissen, wie es ihr geht, und so wechsle ich langsam das Thema in eine andere Richtung. Ich frage sie einfach: „Wie geht es Ihnen selber?“

Julia sieht müde aus, sie hat abgenommen, und ihre Augen schauen mich sehr traurig an, und mit zitternder Stimme sagt sie:“ Ich bin jetzt alleine, das tut so weh … Ich fühle mich genau so wie ein Jahr zuvor, als mein Mann in einem Sarg nach zu Hause ankam.“

„Ich habe viel zu tun, gehe arbeiten, parallel lerne ich weiter, für die Prüfungen muss ich viel lernen, da werde ich extra Urlaub nehmen müssen. Ich habe für meinen Mann das Begräbnis ganz alleine ausgerichtet. Hilfe kommt nur von meinen Eltern. Wo sie nur können helfen sie mir. Ansonsten weiß ich nicht, wie es noch weiter gehen soll.“

Ljudmila Wjacheslawowna (56) ist die Mutter von Julia. Sie schaut ihre Tochter liebevoll an und sagt: „Wir werden helfen, wo wie nur können, leider können wir sie finanziell nicht unterstützen, aber es gibt andere Hilfen, die auch sehr wichtig sind.“

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Wir reden weiter über die Kinder, dass es Anna ganz gut geht und sie nach ihrem Papa kommt, genau wie er ist sie lebendig, lustig und wirbelt alles um sich herum. Anna kommt zu uns, jetzt hat sie sich aufgewärmt und quasselt mit uns. Julia gibt mir zu verstehen, dass sie sich freut, dass sie nicht vergessen wurde. Sie bedankt sich für die Sachspenden, Schulsachen und Schultaschen. Das alles half ihr sehr, denn sie verdient nur sehr wenig und muss schauen, wie sie ihre zwei Kinder groß zieht. Ich sage ihr, ich werde einen kurzen Bericht über unser Treffen zusammenfassen, vielleicht liest es jemand und entscheidet sich, ihnen zu helfen, damit Anastasia weiter an der Schule bleiben und sich gut ausbilden lassen kann.

Julia sagt: „Das wäre gut. Wäre mein Mann da, würden wir nicht in so einer schwierigen Situation stecken! Er fehlt mir sehr…“ Die Tränen laufen ihre Wangen herunter, und ihre Mutter weint auch.

Eine schwierige Situation, in der man nicht ganz genau weiß, was man sagen soll, denn jedes Wort könnte das falsche Wort sein, welches die Witwe nur noch trauriger machen könnte.

Ich erinnere mich daran, dass ich die Haribotüten im Auto vergessen habe, und damit unterbreche ich die Stille und wende mich an Anna: „Ich habe etwas vergessen, ich habe etwas dabie, was du gerne magst.“ Anna fängt an zu lächeln, sie ahnt bestimmt, was das sein kann. Oma und Julia wischen sich ihre Tränen weg und lächeln Anna entgegen.

Oleg Boyko ist so lieb, geht nach unten und holt die Süßigkeiten. Als er wieder zu uns kommt, lacht Anna und macht die Tüte sofort auf. Sie geht zu ihrer Mutter, umarmt sie und bietet ihr etwas an.

Ich schreite fort zur Geldübergabe und zahle eure Spenden in Höhe von 400,00 € an Julia für die Mädchen aus. Sie und die Mutter von ihr bedankten sich für eure Hilfe, die wirklich notwendig ist!

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Ich würde gerne noch weiter hier sitzen bleiben und mich mit beiden Frauen unterhalten, aber Oleg Boyko macht ein Zeichen, dass wir weiter gehen sollten. Wir gehen zu Tür und dann bleibe ich doch wieder stehen, aber Oleg kommt und zieht mich an meinem Arm, lacht und sagt zu Julia: „Sie will nicht auf mich hören.“ Mit einem Lachen verabschieden wir uns nun doch und die Fahrt geht weiter.


Wir möchten uns bei allen Spendern für die Hilfe, Unterstützung und Spenden ganz herzlich im Namen aller Witwen bedanken und hoffen weiter hin auf eure Unterstützung und Großzügigkeit für Kinder und Witwen der Ukraine, die eure Hilfe zu schätzen wissen, aber dennoch weiterhin Hilfe benötigen, um einfache Dinge wie Arztbesuche, Schule, Weiterbildung und Kleidung für ihre Kinder bezahlen zu können.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Eure Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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