Natalia Likhacheva: Was tut Euromaidan NRW e.V.

Bei METRO, wo ich arbeite, gab’s im Mai dieses Jahres einen Wettbewerb: Die Mitarbeiter haben ihr Engagement in ihrem privaten Leben vorgestellt. Der Einsatz sollte freiwillig und privat, sozial oder ökologisch sein, aus investierter Zeit bestehen und eine gewisse Regelmäßigkeit haben.
Ich habe mir überlegt, ob meine Tätigkeit im Verein „EuroMaidan NRW“ diesen Kriterien entspricht und mich entschieden daran teilzunehmen:

„Sehr geehrte Damen und Herren!

Gerne möchte ich Ihnen den Verein “Euromaidan NRW e.V.” vorstellen, dessen Mitglied ich seit der Gründung im Mai 2014 bin und für den ich mich in meiner Freizeit ehrenamtlich engagiere.

“Euromaidan NRW e.V.” ist ein eingetragener Verein und eine Initiative von Menschen aus dem Großraum NordrheinWestfalen, die sich für die Opfer der Repression gegen den Maidan in Kyiw und später der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine einsetzen. Der Verein unterstützt Witwen und Waisen von ukrainischen Gefallenen und Kinderheime mit Geld- und Sachspenden und stellt Sachspenden für die notleidende Bevölkerung bereit.

Meine Zusammenarbeit mit meinen jetzigen Vereinskollegen hat im März 2014 angefangen, nachdem ich bei Facebook gelesen hatte, dass Helfer gesucht werden, die die Verwundeten am Maidan in Kyiw (Ukraine) im Militärhospital in Koblenz besuchen können. Das war das erste Mal, das 20 junge Männer, die während der Demonstrationen auf dem Maidan in Kyiw schwer verwundet wurden, für medizinische Behandlung nach Deutschland gebracht  wurden.

Russisch ist meine Muttersprache, und ich sicher, behilflich sein zu können. So fuhr ich an den Wochenenden nach Koblenz und besuchte die jungen Männer im Hospital. Dabei konnte ich als Übersetzerin zwischen dem Personal und den Männer “arbeiten” weil viele von ihnen kein Deutsch und kein Englisch sprachen.

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Bei einem Besuch im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz.
Bei einem Besuch im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz.

Mittlerweile haben wir viele Helfer gefunden, und diejenigen, die in Koblenz und Umgebung leben, helfen bis heute denjenigen Verwundeten, die sich noch immer in Koblenz befinden.

Im Mai 2014 fingen leider die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine an. Es gibt Tausende Gefallene, deren Familien vom Staat keine oder viel zu spät Hilfe bekommen. Unser Verein begann dann, auch den verwitweten Frauen und Kindern zu helfen. Wir haben angefangen, die Kleidung zu sammeln und zu Spenden aufgerufen. Der Verein  hat auch Helfer in der Ukraine. Dabei handelt es sich um vertrauenswürdige ukrainische Organisationen und Initiativen z.B. Demokratische Allianz Hilfe in Schytomyr und die Kyiwer Initiative eplus.

Unsere Sachspenden schicken wir in die Ukraine, wo sie von unseren Helfern an Familien übergeben werden.

Bis Oktober 2014 haben wir so viel Geld gesammelt, dass es sich die Möglichkeit für Vereinsmitglieder ergab, selbst in die Ukraine zu fliegen und besonders bedürftigen Familien Geld übergeben zu können. Meine Kollegin Noelie U., die sehr gut Russisch und Ukrainisch spricht, und ich flogen im Oktober 2014 in die Ukraine. Zusammen haben wir die Witwen und ihre Familien in Kyiw, Bila Zerkwa, Schytomyr und im Gebiet Schytomyr besucht und unterstützt.

Bila Zerkwa, Gebiet Kyiw. Die Witwe Evhenija mit ihren Kindern.
Bila Zerkwa, Gebiet Kyiw. Die Witwe Evhenija mit ihren Kindern.
Kyiw. Drillinge, deren Vater im August 2014 gefallen ist.
Kyiw. Drillinge, deren Vater im August 2014 gefallen ist.
Radomyschl, Gebiet Schytomyr . Die Witwe Tatjana und ihr Sohn, der fünf Tage nach der Beerdigung seines Vater zur Welt kam.
Radomyschl, Gebiet Schytomyr . Die Witwe Tatjana und ihr Sohn, der fünf Tage nach der Beerdigung seines Vater zur Welt kam.
In Schytomyr, mit der Witwe Switlana und ihren drei Kindern. Die kleine Inessa wurde Ende September geboren, ihr Vater ist am 28.07.2014 in der Nähe von Donezk gefallen und wurde am 01.08.2014 in der Stadt Schytomyr beerdigt.
In Schytomyr, mit der Witwe Switlana und ihren drei Kindern. Die kleine Inessa wurde Ende September geboren, ihr Vater ist am 28.07.2014 in der Nähe von Donezk gefallen und wurde am 01.08.2014 in der Stadt Schytomyr beerdigt.
Gebiet Schytomyr. Mit der Witwe Wera und ihren drei Söhnen. Diese Familie wohnt in einer 1-Zimmer-Wohnung in einem Dorf (einem ehemaligen Militärstadtchen) in der Nähe von Schytomyr. Das Zimmer ist 16 Quadratmeter groß.
Gebiet Schytomyr. Mit der Witwe Wera und ihren drei Söhnen. Diese Familie wohnt in einer 1-Zimmer-Wohnung in einem Dorf (einem ehemaligen Militärstadtchen) in der Nähe von Schytomyr. Das Zimmer ist 16 Quadratmeter groß.

Nachdem wir Weras Familie besucht hatten und zurück nach Schytomyr fuhren, „entdeckten“ wir ein Kinderheim und entschlossen uns spontan, es anzuschauen. Dabei handelte es sich um ein Kinderheim in einem Dorf 10 km von Schytomyr entfernt, wo 82 Waisenkinder leben, die logopädische Störungen haben. Das Heim ist ein zweistöckiges altes Gebäude, das sehr sauber gehalten wird, aber arm ist. Deshalb haben wir am  nächsten Tag bei METRO in Schytomyr das nötigste eingekauft.

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Der Besuch des Kinderheimes war nicht geplant, es war eine spontane Entscheidung von uns, es zu besuchen.

Die Direktorin des Kinderheimes mit unseren Einkäufen.
Die Direktorin des Kinderheimes mit unseren Einkäufen.

Meine Kollegin hat noch ein weiteres Kirderheim in Schytomyr besucht, wo ganz kleine  Kinder leben. Insgesamt haben wir ca. 1650 € ausgegeben.

Da ich nur die beschränkten Urlaubstage für diese Reise investieren konnte, musste ich  leider nach zehn Tagen abreisen. Meine Kollegin konnte jedoch noch länger in Kyiw bleiben  und hat die Reise nach Chmelnitskyj, Nowohrad Wolynskyj und Winnyzja alleine  weitergeführt.

Unsere Arbeit geht weiter. Wir sammeln wieder und wieder Kleidung für die Frauen und Kinder, Schuhe und Spielzeuge, organisieren Benefizkonzerte und Spendenauktionen.

Bis heute bekamen mehr als 200 Familien in verschiedenen Regionen der Ukraine  Sachspenden, und 42 verwitwete Frauen erhielten finanzielle Hilfen, die immer persönlich überreicht wurden.

15 ukrainische Patienten in Koblenz bekamen auch einmalige finanzielle Unterstützung.

Jedes Kind im Kinderheim hat Sachen für den eigenen Bedarf (Shampoo, Duschgel, Pyjamas, Hausschuhe u.ä.) erhalten. Für diese Aktion hat der Verein “Euromaidan NRW  e.V.” ca. 5000 € ausgegeben.

Sollte unser Verein Ihre Auszeichnung bekommen, wird die Geldprämie weiter für die Hilfeleistung für die bedürftigen Frauen und Kinder in der Ukraine im Rahmen unseres Projektes in bislang erprobter Weise eingesetzt werden. Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung!“


Nachtrag: Die Firma METRO hat dem Verein „Euromaidan NRW e.V.“ eine Spende von 200.- € überwiesen.

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