Spendenübergabe an die Witwe Ljubow P. in Radechiw, Wolhynien, 12. Juli 2015 – Bericht 42

Einfach war es nicht gerade, Radechiw in Wolhynien zu finden – aber das war unsere eigene Dusseligkeit. Kurz gesagt: Radechiw gibt es zweimal in der Nordwestukraine, eines, das größere, liegt an der Landstraße von Luzk nach Lwiw (und das kannte ich), das andere in der Region Wolhynien, bei Ljuboml. Und in Radechiw (Lwiwer Oblast) kennt google.maps eine Unabhängigkeits-Straße mit der richtigen Hausnr., das andere Radechiw ist so klein, dass google.maps die (einzige) Straße nicht namentlich registriert hat, sie heißt aber auch Unabhängigkeits-Straße.

Dies führte dazu, dass wir uns nach dem Besuch bei der Witwe Nadija in Wolodymyr Wolynskyj – bei großer Hitze – das auf dem (vermeintlich richtigen) Weg liegende super-interessante alte Städtchen Bels mit einem sehenswerten jüdischen Friedhof (Fotos hier) angeschaut haben und dann den Weg über Tscherwonohrad nach Radechiw einschlugen. Diese Straße (Fotos und Video hier) gehört zu den Top-10 der “schlechtesten Landstraßen der Ukraine” – erfuhren wir aber erst später – zweieinhalb Stunden brauchten wir für die 35 Kilometer – und stellten dann fest, dass an der besagten Adresse keine Kriegerwitwe wohnt, nein, sie wohnt im anderen Radechiw – und das war von dort aus an dem Tag nicht mehr zu einer menschenwürdigen Zeit erreichbar. Also Zwischenübernachtung in Luzk (im selben Hotel wie in der Nacht davor (die haben sich auch gefragt, warum wir nicht gleich geblieben waren … ) – und am nächsten Morgen ging’s dann über Kowel nach Ljuboml und die restlichen paar Kilometer nach Radechiw, diesmal das richtige, in Wolhynien.

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Ljubow und ihre Kinder erwarteten uns schon auf der Straße, vier hat sie: Nastja und Nasar sind fünf Jahre alt (aus einer ersten Ehe), Darina ist vier und das Nesthäkchen Wladislawa eineinhalb. Ljubow wohnt (zum Zeitpunkt des Besuchs noch) auf dem Hof mit ihren Eltern sowie einer Schwester mit weiteren drei Kindern. Und das war wirklich eine kleine Landwirtschaft, viele Stallungen mit allerlei Tieren, darunter Pferde, eine Kuh, mindestens ein (fettes!) Schwein, vier Hunde, Hühner, Gänse, Enten usw. Der Opa war gerade dabei, mit Nasar frisch geangelte Fische auszunehmen, die Oma kochte in der “Sommerküche”. Das eigentliche Wohnhaus hat nur wenige Zimmer, in einem davon wohnte Ljubow mit ihren Kindern.

Auf unseren Spendenaufruf (auf Facebook) hin gingen etliche Spenden ein, weswegen wir jetzt einen dringend benötigten Geldbetrag von 600.- Euro überbringen konnten. Aufgrund einer Initiative der Freiwillligenorganisationen von Wolhynien konnte für eine Gesamtsumme von 9000 US-Dollar ein Haus im gleichen Dorf gekauft werden, der Kaufvertrag sollte in den nächsten Tagen unterschrieben werden [was inzwischen auch geschehen ist, sie sind schon eingezogen!] – und nach einem Umzug und der Neugründung eines Hausstandes braucht man einiges an Geld, um die Grundausstattung anzuschaffen.

Ljubow erzählte viel von ihrem Leben und von ihrem gefallenen Mann, der sich – ohne einen Unterschied zu machen – liebevoll um alle vier Kinder gekümmert hat, besonders Nasar trauerte seinem Stiefvater sehr nach, denn er hatte viel mit ihm gespielt, war mit ihm auf die Jagd und zum Fischen gegangen usw., alles Dinge, die der Opa zwar auch ab und zu macht, aber er hat auch alle Hände voll zu tun, den bäuerlichen Kleinbetrieb am Laufen zu halten.

Ljubow gehört der griechisch-katholischen Kirche an, die meisten Dorfbewohner sind aber Anhänger der orthodoxen Kirche, noch dazu des Moskauer Patriarchats – und damit will sie nichts zu tun haben: „Die unterstützen diejenigen, die meinen Mann umgebracht haben“, sagt Ljubow. Deswegen fährt sie öfter mal mit einzelnen oder allen Kindern nach Kowel (über 50 km), da der dortige Pfarrer von der Gemeinde des Sel. Mikolay Tscharnetzkij viel für die Kinder tut (z.B. Ausflüge mit ihnen macht usw.) und sich auch federführend um den Hauskauf für die Familie bemüht hat. (Bericht auf ukrainisch über den Einzug auf der Facebook-Seite der Kirchengemeinde unbedingt die Bilder anschauen!). Auch ein Zeitungsartikel in der Regionalzeitung machte auf das Schicksal der Familie aufmerksam (mit schönen Fotos von den Kindern).

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Die Situation in Bezug auf eine Witwenrente und Waisenrenten ist in diesem Fall besonders kompliziert: Die beiden waren nicht standesamtlich verheiratet, das Rechtsinstitut der “Zivilehe” (d.h. de-facto-Ehe) muss zuerst noch gerichtlich in Anspruch genommen werden. Die Vaterschaft der beiden jüngeren Kinder ist gesichert festgestellt, und obwohl der gefallene Soldat Juri die beiden Kinder aus der ersten Ehe an Kindes statt angenommen hat, weigern sich die Behörden bisher, Ljubow und ihren Kindern die ihnen zustehenden Renten auszuzahlen. Juristen der Freiwilligenorganisation kümmern sich jetzt darum, auch der leibliche Vater der beiden älteren Kinder soll dann auch demnächst Unterhalt zahlen. Alles sehr kompliziert in der Ukraine, und für jemand aus dem Dorf um so schwieriger durchzusetzen.

Ljubow (und ihre Kinder) sind aber guten Mutes, die Solidarität der Freiwilligen, der Kirche und nicht zuletzt der Familie helfen ihnen immens. Und ein wenig haben wir – habt ihr – auch dazu beigetragen – vielen Dank!


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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