Spendenaufruf für die Witwe Olha und ihre Tochter Elisaweta

Die Witwe Olha (29) und ihre Tochter Elisaweta (10) werden von uns betreut und benötigen Eure Hilfe! Da sie sich nun in einer hilflosen Situation befinden, brauchen sie Unterstützung, um wieder Fuß zu fassen.
Die Informationen über ihren gefallenen Mann könnt Ihr unten nachlesen.

Euren Spenden könnt Ihr auf folgendes Konto überweisen:

IBAN-Nr. DE12380601861502025011
BIC GENODED1BRS
Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn
Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.
Verwendungszweck : Spende für Witwe Olha

Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben)

oder über Paypal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

Taras Michailowitsch (1980-2014) – Kommandeur des 1. Luftlandebataillons der 95. separaten Luftlandebrigade der hochmobilen Luftlandetruppen der Streitkräfte der Ukraine, Oberst. Held der Ukraine.

Im Jahr 2001 wurde er in der 95. separaten Luftlandebrigade der hochmobilen Luftlandetruppen der Streitkräfte der Ukraine in der Stadt Shytomyr eingesetzt. Er begann als Zugführer und wurde Kommandeur des Bataillons.

Er beteiligte sich auch an Militäraktionen außerhalb der Ukraine. Zum Beispiel in den Jahren 2003-2005 an der Friedensmission im Irak (als Kommandeur einer mechanisierten Aufklärungsgruppe im Stützpunkt mit der Bezeichnung „Fort“). Im Jahr 2007 nahm er an einem Einsatz im Kosovo teil.

Er wurde am 3. Juni 2014 im Bereich der ATO im Donbas bei Zusammenstößen mit Terroristen der DVR getötet.

Ehrungen
Er erhielt die Auszeichnung “Held der Ukraine”, Ehrenorden „Goldener Stern“ (am 20. Juni 2014) – für außergewöhnlichen Mut und Heldentum bei der Verteidigung der territorialen Integrität und der Unabhängigkeit der Ukraine und das ukrainische Volk (posthum)

Folgende ausländische Auszeichnungen wurden ihm verliehen: eine Medaille der USA für den Balkanfeldzug und eine Medaille der NATO für den Einsatz im Irak.

Der Kommandeur des 1. Luftlandebataillons, Oberstleutnant Taras Michailowitsch, wird in unseren Herzen und der Erinnerung als ein Beispiel für Mut, Ausdauer und Festigkeit des Charakters bleiben.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Euch für euren Spenden und Unterstützung!

Euer Team
EuroMaidan-NRW e.V.

Advertisements

Mariana Sadovska: Bericht über meine Reise nach Mariupol – August 2015 – Teil 3

iryna
Iryna Krjutschenko

Noch ein Tag: Heute fahren wir nach Wolnowacha. Der kleine Stadt, in der ich schon beim letzen Mal war. Dort gibt es nämlich eine besondere Gesangsgruppe: Iryna Krjutschenko, Tierärztin von Beruf, hat hier in der Region rituelle Texte und Gesänge gesammelt und leitet ein Musik-Ensemble. Ich bin sehr viel durch die Ukraine gereist mit meiner ethnographischen Forschung, aber dies ist das erste Mal, dass ich auf ein Ensemble treffe, in dem die Tradition ohne Unterbrechung überlebt hat. In „Sagrajarotschka“ – ein altes Wort für den Monat März – singen Omas, und Enkelinnen, Töchter und Söhne, Ehemänner und Ehefrauen. Es war etwa 70 Teilnehmer. Jetzt sind viele vor dem Krieg geflohen. Sie singen alte traditionelle Lieder, stolz zeigen uns ein Heft, in dem handschriftlich ganze Rituale aufgeschrieben wurden. Sie begrüßen uns mit einem Korovai– einem Hochzei-t oder Festbrot, wir singen für sie ein weiteres Mal… Mein Traum ist jetzt, dass diese Gruppe in der Ukraine und hier in Deutschland auftritt… Das ist eine absolut einzigartige Perle! Eine Perle des Donbas.

Jpeg

Beim Abschied gibt es Tränen. Die älteren Frauen weinen, aus Angst, hier zu bleiben, aus Müdigkeit: Die Jüngeren versuchen sie durch Witz zu beruhigen…

Wir finden keine Worte, „Alles wird gut“ zu sagen, klingt nicht passend, klingt irgendwie doof…

An diesem Abend hatten wir noch einen Open Air Auftritt in einem Park in Mariupol. Während dieser zwei Tage haben wir mit Julian einen HIT entwickelt -wir singen „Summer time“ und ein ukrainisches Wiegenlied, das total ähnlich klingt, und der Legende nach hat Gershwin das Lied einmal bei einem Konzert in New York gehört, gesungen von einem ukrainischem Chor…, und das hat ihm inspiriert. Die Legende soll Legende bleiben, beide Lieder machen Spaß sie zu singen…

Nach dem Konzert beim informellen Beisammensein meint eine ältere Dame aus der griechischen Gemeinde, ich müsss unbedingt zurückkommen, es gebe eine Menge griechischer Folklore aus dieser Region, die ich kennenlernen muss… Junge Journalisten, Künstler, Soldaten, Mitarbeiter der Stiftung – Wir sitzen noch lange in der Nacht zusammen, singen, lachen, erzählen, prosten und zu – natürlich Trinksprüche für den Frieden- und für die Rückkehr nach Hause, ins geliebte Donezk…

Diana streichelt ihre Donezker Wohnungsschlüssel…

Es gibt noch so viel zu erzählen..

Wir sind um 10 Uhr morgen aus Mariupol losgefahren nach Cherson, im Süden der Ukraine.

Um 15 Uhr nachmittags – haben sie angefangen, die Stadtgrenze des Mariupol zu bombardieren: Mit Artillerie, die durch das Minsker Abkommen verboten ist. Die Stadt Sartana – wo ich beim vorletzten Mal war. Mascha, Margarita, Kostja und Bohdan sind noch in der Nacht und die nächsten Tage hingefahren… Als freiwillige Helfer, um erste Hilfe anzubieten, bei Aufräumarbeiten, mit psychologischer Hilfe…

Die Dörfer Tschermalyk , Hranitne … sind unter Beschuss… Kostja sucht weiter nach Geldern, um die Kinder noch länger im Pensionat zu lassen…

Auf ein mal kurz vor der Einschulung am 1 September, verbreiteten sich Gerüchte, dass es Provokationen gibt. Ich wurde gebeten, das weiterzuleiten, damit die Leute im Westen das erfahren… Ich habe es gemacht… Eine Frau aus Mariupol reagierte auf mein Posting auf Facebook mit solchen Worten:

„Seit einem Jahr leben wir in Erwartung eines Angriffs… Letztes Jahr habe ich meine Kinder nicht in die Schule gelassen. Nicht am dem 1 September, den ganzen Monat nicht… Aber weißt du was? Wir sind müde, Angst zu haben… Ich gehe mit den Kindern zur Einschulung. Wenn was passiert, dann werde ich dabei…

Am 1 September ist alles ruhig geblieben.

Es muss ein Ende gefunden werden!

Dieser Tage hat Mariupol den „Tag der Stadt“ gefeiert, mit Konzerten und Festivals. Der Stadt, die Ukraine, will sich durchsetzen, gegen den Krieg, mit Liebe, mit Zusammensein, wer, wenn nicht wir?

Mariupol der tag der Stadt 2015

[Teil 1 des Berichts findet sich hier, und Teil 2 hier]

Mariana Sadovska: Bericht über meine Reise nach Mariupol – August 2015 – Teil 2

Am nächsten Morgen fing unser Tag um 10 Uhr an mit einem Fernsehinterview. Na klaro, die Stadt muss das wissen.

Tatjana Lomakina
Tatjana Lomakina
Uljana Tokarjewa
Uljana Tokarjewa

Danach um 11 warteten auf uns Flüchtlingskinder aus verschiedenen Städten (Donezk, Luhansk, Horliwka, Schyrokine, …). Der Workshop fand in einem Sozialzentum statt, im Sozialamt von Mariupol, und gerade die Leiterin Tatjana Lomakina und Uljana Tokarjewa machen hier eine wundervolle Arbeit. Eine titanische Arbeit. Mit einem derart niedrigen Monatslohn, dass ich denke, man müsste auch denen humanitäre Hilfe bringen.

Hier trafen wir Mascha, eine junge Künstlerin aus Donezk, die gerade zwischen Mariupol und Kyiw pendelt. Als Volontärin versucht sie sich selber eine Art-Therapie und psychologische Beratung zu verschaffen. Mascha erzählte mir, wie sie gerade versucht durch Schreiben von Gedichten und Prosa, sich selber zu helfen und zurechtzukommen.

Nach eineinhalb Stunden Vorbereitung machen wir eine improvisierte Präsentation über unsere Workshops.

Eine Gruppe präsentierte sich mit Bildern- Porträts von Menschen einer glücklichen Stadt.

happy cityDie Jungs mit Julian spielten eine freie Improvisation auf dem gerade entdeckten Instrument.

Julian

Die Theater-Ensemble der Kleinsten (zwischen 4-6 Jahren) lud uns ein in einen fantastischen Wald mit vielen Tieren…

JpegUnd am Ende gab es „Das Erwachen des Frühlings“ – eine Improvisation auf Basis der traditionellen Frühlingsrufe.

Ich kann nicht die Gedanken wegschieben – „Wir sind zu kurz hier… man muss hier bleiben… man muss weiter bei diesen Kinder sein.“


Aber wir müssen los, weil in der kleinen Stadt Ursuf [Урзуф], ca. 30 min. Autofahrt, auf uns 103 Kinder aus dem griechischen Dorf Tschermalyk [Чермалик] bei Hranitne [Гранітне] warten. Die Stiftung zur Entwicklung der Asow-Region (die sich um uns hier kümmert), hat das Geld aufgetrieben, um die Kinder hier für einen Monat zu „parken“.

Es ist eine Pension am Asowschen Meer. Es ist unglaublich hier. Sonne, Wasser… Das baufällige Pensionat ist … leer …- wie in einem Horrortraum… Solche Strände sind jetzt überfüllt irgendwo in einer normalem Welt, aber wir haben keine Zeit darüber nachzudenken, denn die Kinder und Jugendlichen kommen.

Strand bei Mariupol
Strand in Ursuf bei Mariupol

Es wird schwieriger. Die Gruppe ist riesig. Zuerst machen wir ein kleines Konzert mit Julian, dann teilen wir wieder die Kinder auf. Kateryna bekommt eine Gruppe mit über 30 Kindern. Es fehlt uns an Papier, Pinseln und Farben…

Jpeg

Joanna geht mit den Kindern aus Tschermalyk – diesmal werden diese ein Improvisationstheater machen, die Kinder stellen ein Fernsehinterview mit hohen Politikern oder mit Bewohnern der okkupierten Regionen nach. Es ist sehr lustig. Diese Kinder können schon lachen … aus dem Krieg … lachen… ihn auslachen…

Jpeg

Julian hat diesmal zwei Besetzungen! Eine Einleitung (Introduktion) in eine uralte Weise (Traktion) und in eine neue Musik. 2 in 1.

Jpeg

Ich singe mit einer Gruppe von Mädchen. Die haben alle klare und starke Stimmen… Es geht einfach und schnell. Von ein paar Metern Entfernung beobachtet uns ein 17-jähriger Junge. Er sagt nichts. Kommt nicht näher… Er beobachtet uns einfach ganz aufmerksam. Irgendwann fange ich an, ihnen Body-Percussion beizubringen. Ich improvisiere natürlich, aber es gibt mir eine Möglichkeit, den Jungen herzulocken – du, wir brauchen gerade einen Schlagzeuger. Langsam, wie ein verängstigtes Tier, vorsichtig und bereit in jedem Moment wegzurennen , kommt er näher… fängt an mitzumachen…Die Mädels singen, und ich fange an zu rappen. Ich kann das eigentlich nicht, aber ich versuche etwas zu machen, was der Junge eventuell erkennen wird. Er lächelt, er ist erstaunt: „Das kann nicht wahr sein“, sagte er, kommt ganz nah, macht mit…

Jpeg

Nach den ganzen „Präsentationen“ kam die Leiterin dieses Kamps zu mir, sie konnte nicht aufhören zu weinen… Sie meinte, dass der Junge der schwierigste Fall war, nicht ansprechbar, er redete einfach nicht, er schwieg… Mann wusste nicht, was man ihm anbieten kann – und wie…

wieder diese Gedanke wir müssen hier bleiben. Länger…Mensch….es ist zu kurz…..

Dieser Gedanke tut weh…

Eine andere Begleiterin der Kinder, eine Aktivistin der griechische Gemeinde, hat im letzen Jahr eine Menschenkette organisiert. Als die russische Armee Nowoasowsk besetzt hatte, sind die Bewohner von Mariupol an die Stadtgrenze gegangen, haben Schützengräben ausgehoben und eine menschliche Kette gebildet, um die Stadt zu verteidigen…


Aber, wir fahren wieder los. Wir wurden gefragt, für die Soldaten des Bataillons Asow aufzutreten. Ich habe vor einem Jahr für sie gesungen – damals waren sie gerade aus der Hölle des Kessels von Ilowajsk zurückgekehrt. Müde, ohne Schuhe und in improvisierte Klamotten. Jetzt sind sie in einem ehemaligen Pensionat für die Partei der Regionen (der Janukowytsch-Partei) stationiert. Auch am Asowschen Meer. Wir singen für sie in der Kantine. Es ist nur wenige Soldaten da- wegen des Minsker Abkommens sind die meisten weg – bei der Reha, wurden ausgewechselt oder bei Schulungen. Es sind hier nur ein paar Neulinge, tolle neue Uniformen, Schuhe, eine Kantine, sie sehen so aus, wie aus Bildern oder Kriegsfilmen… Es ist eine Armee, keine Improvisation mehr… .

Wir sollten etwa 30 Minuten singen, aber die Jungs halten uns 2,5 Stunden lang fest. Sie wollen mehr, sie stellen uns Fragen über Amerika, über Europa, über das Leben da und was die Menschen da denken…

Ich habe immer ein komisches Gefühl mit dem Bataillon Asow wegen der Verbindung mit Anführern der rechten Szene, Nazi-Symbolik etc. Wenn ich darüber in Mariupol rede, sagen mir alle, ohne Asow wäre Mariupol längst besetzt. Dass diese Jungs die einzigen waren, die die Stadt verteidigt haben. Trotzdem ist es nicht einfach.

Ich weiß, dieser Krieg – wie jeder Krieg – fügt uns eine riesige neue Wunde zu und bereitet ein schweres Problem. Es werden sehr viele Männer zurückkommen mit schlimmen Erfahrungen und … mit Waffen… Und die sind leicht manipulierbar… Ich habe Angst darüber nachzudenken…

Es wird wieder ca 11 Uhr, bis wir im Hotel in Mariupol ankommen.

(wird fortgesetzt, Teil 1 hier)

Mariana Sadovska: Bericht über meine Reise nach Mariupol – August 2015 – Teil 1

Dieses Mal bin ich in die Ukraine gefahren, um an einer Sommerschule für junge Theatermacher teilzunehmen. Es waren 20 junge Dramatiker und Regisseure eingeladen, aus der ganzen Ukraine, auch die , die als Inlandsflüchtlinge aus der besetzen Krim in Kyiw leben, oder auch aus dem okkupierten Luhansk. Organisiert wurde diese Sommerschule von der polnische Initiative East European Performing Arts Platform – EEPAP. Die haben sozusagen meine Reise bezahlt – deshalb könnte ich überhaupt in die Ukraine.

Diesmal waren Kinder mein Ziel. Es ist klar, dass es in der Ukraine jetzt eigentlich einen riesigen Bedarf für psychologische Betreuung gibt, weil eine unglaublich große Zahl von Menschen nach den schlimmen Kriegserfahrungen Beratung, Betreuung und Hilfe brauchen – und gerade Kinder.

Am 5. August sind wir in Kyiw in den Zug nach Saporischschja eingestiegen – zusammen mit

nemyraKateryna Nemyra, Künstlerin und Schriftstellerin aus Lwiw (Lemberg), die die Malworkshops leiten wird (und auch meine Mutter ist);

joannaJoanna Wichowska, Theaterwissenschaftlerin aus Warschau, die für EEPAP arbeitet, sie wird an den verschiedenen Stationen Theaterworkshops anbieten;

julianJulian Kytasty, Musiker aus New York, der die uralten ikrainischen Instrumente Bandura und Kobsa spielt und gerade an einem Projekt mit Krimtataren in der Ukraine teilgenommen hatte. Er wird mit Kindern neue Musik auf der Bandura improvisieren.

bohdanBohdan Tschaban fährt als Begleitung mit uns, ein 21 Jahre junger Café-Besitzer aus Donezk. Sein Traum war und ist eine Cafeteria, er kann über verschiedene Kaffee-Geschmacksrichtungen reden, wie über unsere Geliebten, aber seit mehr als einem Jahr ist er Soldat, er hat Ilowajsk überlebt, kämpfte beim Flughafen in Donezk, in Debalzewe . Und hier – Achtung – willkommen in der Absurdität des Krieges – gerade jetzt versuchen sie ihm ein Gerichtsverfahren anzuhängen … Ja…so etwas passiert gerade ganz offen. „Störende“ Menschen werden eliminiert. Man darf nicht vergessen, der Krieg ist ein super Geschäft: Schmuggel, Drogenhandel, darüber höre ich überall … In Mariupol, in Kyiw, in Cherson – überall gibt es Kräfte, denen der Krieg lukrative Möglichkeiten bietet … Und störende Menschen – Aktivisten, Freiwillige, Soldaten, kann man ja leicht eliminieren. Zum Beispiel mit krimineller Verwahrung…nicht Neues, leider…

Neulich stand u.a. im Kölner Stadtanzeiger ein Artikel über Bohdan
(Link zum online verfügbaren Artikel in der Südwestpresse Ulm) des renommierten Journalisten Stefan Scholl.

Am 23. September hat er eine neue wunderschöne Aktion in Mariupol initiiert: Am Samstag, den 26 September wird in Rahmen der Aktion „Mach deine Stadt sauberer“ die Ruine der Synagoge im Zentrum von Mariupol aufgeräumt und von Müll befreit! Wie Bohdan offen sagt: “Wer, wenn nicht wir?“

synagoge

Aber zurück zu damals!

Vor uns lagen etwa sechs Stunden Zugfahrt und danach noch vier Stunden in einem Auto – durch die unglaubliche Steppenlandschaft der Region Asow. Julian war überglücklich, endlich die Natur zu sehen, über die er immer singt (in seinem Sagenrepertoire aus dem 17. und 18. Jahrhundert werden häufig die Steppen besungen).

Und so sind wir gegen 18 Uhr gelandet bei der Marineabteitlung im Städtchen Manhusch bei Mariupol. Hier sind die Soldaten und Offiziere aus der Krim stationiert, die nicht auf der Seite der Besatzer geblieben sind. Und sind sie gerade neu hierher verlegt worden zur Überwachung des Dorfs Schyrokine – das Dorf ist komplett zerstört, hier ist in Moment die Frontlinie, knapp 20 km von Mariupol entfernt).

Nach unserem Konzert hatten wir sogar die Möglichkeit, das Abendessen der regulären ukrainischen Armee auszuprobieren. Die Soldaten halfen uns beim Händewaschen: „Hygiene muss sein, obwohl das fließende Wasser fehlt – auch auf dem Klo,“ entschuldigten sich die Soldaten (unter ihnen gibt es auch Frauen…) Als erster Gang kam ein komischer grauer Brei mit fettigen Stücken, die ein bisschen an Fleisch erinnern, für den zweiten Gang dann nochmals ein Brei, zum Nachtisch Kompott und Kekse… Die Soldaten kochen sich selber, stolz stellten sie uns dem Koch vor…(Meine Mutter hat mit Hilfe von Freiwilligen aus Charkiw gerade einen Transport mit Trockensuppen, Säften und Süßigkeiten an die Soldaten geschickt).

Als wir in Mariupol ankamen, war es bereits 11 Uhr abends.

(wird fortgesetzt)

Spendenübergabe an das Kinderheim Denyschi bei Schytomyr, 11. Juli 2015 – Bericht 43

Am 15.06.2015 schrieben wir, der Verein „EuroMaidan NRW e.V.„, einen Spendenaufruf für das Kinderheim Denyschi. Es ging darum, dass das Heim zwei Fernsehgeräte, eine Elektrokettensäge und einen Laufteppich brauchte.

Bereits im März 2015 hatten wir schon einmal eine Sachspendenübergabe an dieses Kinderheim durchgeführt, und damals hieß es schon:

“Es werden Fernsehgeräte im Kinderheim gebraucht, eine Kettensäge, um Holz für die Heizung zurechtzuschneiden, …”

Und nun möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Spendern für die eingegangenen bedanken. Dank ihnen konnte dieser Bedarf gedeckt werden.

Unser Vorstandsmitglied Klaus H. Walter war in Schytomyr und übergab am 4. Juli 2015 die benötigte Summe in Höhe von 750€ an unseren ehrenamtlichen örtlichen Mitarbeiter Oleg Boyko.

Oleg kaufte alle nötigen Artikel, die wir vorher mit ihm ausgesucht hatten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Etwas Geld blieb noch über, so dass noch Bananen, Süßigkeiten und Pampers gekauft werden konnten, was Oleg nach Absprache mit uns auch tat:

750€ x 24,5 UAH= 18.375.00 UAH.

Dazu kam noch eine Spende in Höhe von 600,00 UAH aus Kyiw von unserem Freund Joerg D., die Gesamtsumme belief sich somit auf 18,975,00 UAH.

Bis zur letzten Hrywna wurde alles ausgegeben.

Am 11.07.2015 fuhren Oleksander und Oleg zum Kinderheim und übergaben all die Sachen an die Direktorin, die dann auch die Übergabe unterzeichnete.

Alle Belege stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Kinder waren schon am Schlafen, daher gibt es dies mal auch keine Bilder von Kindern.

Die Direktorin versprach, dass sie persönlich alle Kinder aufsuchen wird und alles essbare unter den Kindern verteilen wird.

Sie bedankte sich mehrmals für die Sachspenden und war sehr gerührt, dass ihr alle an das Heim denkt. Dies sind die Worte die wir an euch weiter geben sollten.

“ Danke, ich bin einfach überglücklich. Unsere Regierung denkt nicht an uns, wir leben von einem Tag zum anderen. Danke, dass unsere Kinder euch nicht egal sind.

Ihr seid großartig. Danke!“

Frau Schpak hielt Ihr Versprechen und schickte uns ein paar Fotos:

– Die Fernsehgeräte sind ausgepackt und wurden angebracht.

– Die Elektrokettensäge wurde ausprobiert.

– Der Teppich liegt auf dem Boden.

– Alles Essbare haben die Kids bekommen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Für weitere Spenden zur Unterstützung des Kinderheims Denyschi benutzt bitte folgendes Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Kinderheim:

oder über Paypal an: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an die Witwe Ljubow P. in Radechiw, Wolhynien, 12. Juli 2015 – Bericht 42

Einfach war es nicht gerade, Radechiw in Wolhynien zu finden – aber das war unsere eigene Dusseligkeit. Kurz gesagt: Radechiw gibt es zweimal in der Nordwestukraine, eines, das größere, liegt an der Landstraße von Luzk nach Lwiw (und das kannte ich), das andere in der Region Wolhynien, bei Ljuboml. Und in Radechiw (Lwiwer Oblast) kennt google.maps eine Unabhängigkeits-Straße mit der richtigen Hausnr., das andere Radechiw ist so klein, dass google.maps die (einzige) Straße nicht namentlich registriert hat, sie heißt aber auch Unabhängigkeits-Straße.

Dies führte dazu, dass wir uns nach dem Besuch bei der Witwe Nadija in Wolodymyr Wolynskyj – bei großer Hitze – das auf dem (vermeintlich richtigen) Weg liegende super-interessante alte Städtchen Bels mit einem sehenswerten jüdischen Friedhof (Fotos hier) angeschaut haben und dann den Weg über Tscherwonohrad nach Radechiw einschlugen. Diese Straße (Fotos und Video hier) gehört zu den Top-10 der “schlechtesten Landstraßen der Ukraine” – erfuhren wir aber erst später – zweieinhalb Stunden brauchten wir für die 35 Kilometer – und stellten dann fest, dass an der besagten Adresse keine Kriegerwitwe wohnt, nein, sie wohnt im anderen Radechiw – und das war von dort aus an dem Tag nicht mehr zu einer menschenwürdigen Zeit erreichbar. Also Zwischenübernachtung in Luzk (im selben Hotel wie in der Nacht davor (die haben sich auch gefragt, warum wir nicht gleich geblieben waren … ) – und am nächsten Morgen ging’s dann über Kowel nach Ljuboml und die restlichen paar Kilometer nach Radechiw, diesmal das richtige, in Wolhynien.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ljubow und ihre Kinder erwarteten uns schon auf der Straße, vier hat sie: Nastja und Nasar sind fünf Jahre alt (aus einer ersten Ehe), Darina ist vier und das Nesthäkchen Wladislawa eineinhalb. Ljubow wohnt (zum Zeitpunkt des Besuchs noch) auf dem Hof mit ihren Eltern sowie einer Schwester mit weiteren drei Kindern. Und das war wirklich eine kleine Landwirtschaft, viele Stallungen mit allerlei Tieren, darunter Pferde, eine Kuh, mindestens ein (fettes!) Schwein, vier Hunde, Hühner, Gänse, Enten usw. Der Opa war gerade dabei, mit Nasar frisch geangelte Fische auszunehmen, die Oma kochte in der “Sommerküche”. Das eigentliche Wohnhaus hat nur wenige Zimmer, in einem davon wohnte Ljubow mit ihren Kindern.

Auf unseren Spendenaufruf (auf Facebook) hin gingen etliche Spenden ein, weswegen wir jetzt einen dringend benötigten Geldbetrag von 600.- Euro überbringen konnten. Aufgrund einer Initiative der Freiwillligenorganisationen von Wolhynien konnte für eine Gesamtsumme von 9000 US-Dollar ein Haus im gleichen Dorf gekauft werden, der Kaufvertrag sollte in den nächsten Tagen unterschrieben werden [was inzwischen auch geschehen ist, sie sind schon eingezogen!] – und nach einem Umzug und der Neugründung eines Hausstandes braucht man einiges an Geld, um die Grundausstattung anzuschaffen.

Ljubow erzählte viel von ihrem Leben und von ihrem gefallenen Mann, der sich – ohne einen Unterschied zu machen – liebevoll um alle vier Kinder gekümmert hat, besonders Nasar trauerte seinem Stiefvater sehr nach, denn er hatte viel mit ihm gespielt, war mit ihm auf die Jagd und zum Fischen gegangen usw., alles Dinge, die der Opa zwar auch ab und zu macht, aber er hat auch alle Hände voll zu tun, den bäuerlichen Kleinbetrieb am Laufen zu halten.

Ljubow gehört der griechisch-katholischen Kirche an, die meisten Dorfbewohner sind aber Anhänger der orthodoxen Kirche, noch dazu des Moskauer Patriarchats – und damit will sie nichts zu tun haben: „Die unterstützen diejenigen, die meinen Mann umgebracht haben“, sagt Ljubow. Deswegen fährt sie öfter mal mit einzelnen oder allen Kindern nach Kowel (über 50 km), da der dortige Pfarrer von der Gemeinde des Sel. Mikolay Tscharnetzkij viel für die Kinder tut (z.B. Ausflüge mit ihnen macht usw.) und sich auch federführend um den Hauskauf für die Familie bemüht hat. (Bericht auf ukrainisch über den Einzug auf der Facebook-Seite der Kirchengemeinde unbedingt die Bilder anschauen!). Auch ein Zeitungsartikel in der Regionalzeitung machte auf das Schicksal der Familie aufmerksam (mit schönen Fotos von den Kindern).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Situation in Bezug auf eine Witwenrente und Waisenrenten ist in diesem Fall besonders kompliziert: Die beiden waren nicht standesamtlich verheiratet, das Rechtsinstitut der “Zivilehe” (d.h. de-facto-Ehe) muss zuerst noch gerichtlich in Anspruch genommen werden. Die Vaterschaft der beiden jüngeren Kinder ist gesichert festgestellt, und obwohl der gefallene Soldat Juri die beiden Kinder aus der ersten Ehe an Kindes statt angenommen hat, weigern sich die Behörden bisher, Ljubow und ihren Kindern die ihnen zustehenden Renten auszuzahlen. Juristen der Freiwilligenorganisation kümmern sich jetzt darum, auch der leibliche Vater der beiden älteren Kinder soll dann auch demnächst Unterhalt zahlen. Alles sehr kompliziert in der Ukraine, und für jemand aus dem Dorf um so schwieriger durchzusetzen.

Ljubow (und ihre Kinder) sind aber guten Mutes, die Solidarität der Freiwilligen, der Kirche und nicht zuletzt der Familie helfen ihnen immens. Und ein wenig haben wir – habt ihr – auch dazu beigetragen – vielen Dank!


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenübergabe an die Witwe Nadija U. in Wolodymyr-Wolynskyj, 11. Juli 2015 – Bericht 41

Das freundlich wirkende Städtchen (nein, eine Stadt von knapp 40.000 Einwohnern) Wolodymyr-Wolynskyj nahe der Grenze nach Polen – in Bahnhofsnähe, eine kleine nicht asfaltierte Straße, kleine Häuschen mit großen Gärten – dort besuchten wir die Witwe Nadija, die in einem frisch renovierten Häuschen wohnt – mit ihrer Mutter und ihren beiden Töchtern Julia (sechs) und Wioleta (ein Jahr alt, einen Tag nach der Beerdigung ihres im Krieg im Donbas gefallenen Vaters Ihor geboren).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mit einem Spendenaufruf auf Facebook hatte der Verein Euromaidan NRW e.V. im Oktober 2014 um Unterstützung für diese Witwe gebeten, und dank Eurer Reaktionen darauf, konnten wir diese Witwe jetzt besuchen und ihr einen Geldbetrag in Höhe von 300.– überbringen. (Bereits am 23.07.2014 und erneut am 12.08.2014 hatte Iryna Ritter eine Geldübergabe von insgesamt 900.– an diese Witwe durchgeführt.)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nadija erwartete uns schon (wir hatten uns bei der Abfahrt aus Luzk telefonisch angekündigt), bat uns herein und bewirtete uns – in der Zwischenzeit taute die kleine Wioleta auf, wie man sehen kann – und Julia zeigt uns stolz ihren neuen Schulranzen für die Einschulung am 1. September:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nadija zeigte uns dann, was die Freiwilligenorganisationen inzwischen alles für sie gemacht hatten, und das war nicht wenig: das gesamte Haus wurde generalsaniert, neue Böden gelegt, eine Heizung eingebaut (hierfür wurde das früher von uns zur Verfügung geschickte Geld verwendet), ein Bad eingebaut, Kücheneinrichtung inkl. Geräte, ein neues Dach kam auf das Haus, der Zugangsweg bis zur Straße wurde gepflastert, Spielgeräte, Sandkasten, eine Hollywoodschaukel und sogar ein kleines Planschbecken wurden aufgestellt – alles wurde so gut wie nur möglich ausgeführt – und so kann Nadija mit ihren Töchtern und ihrer Mutter – die sich rührend kümmert – in dem kleinen Häuschen wohnen bleiben. Hier können sie im großen Garten noch Gemüse ziehen, Kartoffeln ernten usw. – und wohnen in einer ruhigen und dennoch zentralen Lage.

Die eigentliche Geldübergabe ging dann zügig von statten – wir wollten ja noch weiter – aber am Hoftor ergab sich dann doch noch ein langes “Abschiedsgespräch” mit Nadija, in der sie dann noch viel von ihrem Leben, ihrem Mann und ihrer Situation erzählte.

Nachtrag I: Fotos von der Einschulung Julias am 1. September – dabei auch die stolze Oma Jewhenija (Ich musste mich bei dem Besuch erstmal rückversichern, dass es sich wirklich um Nadijas Mutter handelte, denn sie sprach so bewunderungsvoll von Ihor, dem gefallenen Soldaten und Vater der kleinen Mädchen, dass ich zunächst vermutet hatte, sie sei seine Mutter – aber nein, er war ihr Schwiegersohn).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

nähmaschine

 

Nachtrag II (2. Sept. 2015): Nadija schickt uns ein Bild von der Nähmaschine, die sie für das von uns überbrachte Geld gekauft hat.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”