Spendenübergabe an die Witwe Natalija K. in Borschtschiw bei Radomyschl, 8. Juli 2015 – Bericht 39

Borschtschiw? Ja, Borschtschiw, das vorletzte Dorf an der Landstraße (jedenfalls soweit sie “befahrbar” ist), und dann die vorletzte Straße (nein, eher Feldweg) rechts, und dann das vorletzte Haus – buchstäblich kurz vor dem Ende der Welt. Da mussten wir hin, um die Witwe Natalija und ihre drei Söhne Witalij (14), Artjom (5), und Jaroslaw (2) zu besuchen.

Borschtschiw liegt in einer intensiv landwirtschaftlich genutzten Gegend, Entwässerungsgräben allenthalben zeugen davon, dass es sich früher um Schwemm- oder Sumpfland gehandelt hat – am Flüsschen Korobotschka (wörtlich übersetzt “Schachtel, Kästchen”, z.B. ein Schuhkarton oder die Zahnpastaverpackung), ein Nebenfluss des Teteriw – 10 km außerhalb von Radomyschl. Die sogenannte Landstraße bestand teilweise aus Kopfsteinpflaster, war jedoch an solchen Stellen eigentlich nur auf dem Sandstreifen am Straßenrand befahrbar, die übrigen Strecke war zwar Asphalt, aber die Anzahl der Schlaglöcher verlangsamte die Fahrt dennoch drastisch.

Nach den beiden ersten Besuchen bei Witwen an diesem Tag, die beide in “Stadtwohnungen” wohnen, erwartete uns ein echtes Kontrastprogramm: Ein kleines Dorf um eine frühere Kolchose, überall nur kleine, einstöckige Häuser (in unterschiedlichstem Erhaltungszustand), und im vorletzten Häuschen am vorletzten Feldweg wohnt die Familie.

Ein laut und wütend bellender Hund bewacht das Anwesen, ist allerdings nicht zu sehen, er ist irgendwo eingesperrt. Linkerhand neben dem Eingang ist die Brandruine eines früheren Schuppens (den der mittlere Sohn versehentlich abgefackelt hat – es aber immerhin zugab), das Häuschen selber besteht im Wesentlichen aus zwei Zimmern, in denen die vier Personen leben – Wasser und Gas? Fehlanzeige!

Im Spendenaufruf für die Familie vom Mai hatten wir detailliert dargestellt, wie der Ernährer dieser Familie, Jurij K., im September beim Dorf Wesela Hora, Oblast Luhansk, gefallen ist. Das Ergebnis des Spendenaufrufs hat jetzt dazu geführt, dass wir der Familie einen nennenswerten Geldbetrag bringen konnten.

Natalija arbeitet im örtlichen landwirtschaftlichen Großbetrieb, was zur Folge hat, dass die drei Jungs viel alleine sind, der älteste, Witalij, macht – wenn er aus der Schule kommt – den Haushalt, kocht (oder wärmt vorgekochtes Essen) und passt auf die beiden Kleinen auf (naja, da passiert dann halt schon mal das ein oder andere …) – für sein Alter eine Riesen-Aufgabe!

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Als wir in das Haus reinkamen, schlief Artjom auf einem der ausklappbaren Betten, kam dann aber bald zu sich und beteiligte sich – altersgemäß – an dem Gespräch. Der Kleinste, Jaroslaw, war nicht zuhause sondern bei Oma zu Besuch.  Natalija erzählte, dass sie im Moment schlecht erreichbar ist, da – vermutlich – ein Nachbar ihr Telefon gestohlen hat, und sie jetzt erstmal ein anderes kaufen muss (die beiden Freiwilligen Natalija Tschernjajewa aus Radomyschl und Oleg Boyko aus Schytomyr sagten ihre Hilfe zu – denn in Borschtschiw gibt es sowas natürlich nicht zu kaufen).

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Die Witwe und auch ihr ältester Sohn bedankten sich überschwenglich bei uns, als wir den vom Verein Euromaidan NRW e.V. gesammelten Unterstützungsbetrag in Höhe von 600.- Euro überreichten, das hilft ihnen beim Überleben. Denn Natalijas Lohn im Landwirtschaftsbetrieb ist – wie man sich gut vorstellen kann – nicht besonders hoch. Vielen Dank an alle, die mit kleinen und großen Spenden dazu beigetragen haben, dies zu ermöglichen.

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Auf der Rückfahrt hielten wir nochmal kurz am Rathaus in Radomyschl, um Natalija Tschernjajewa zu verabschieden, trafen dort auch noch auf einen weiteren Freiwilligen des Unterstützungsvereins der Partei Swoboda, der in Radomyschl eine nachahmenswerte Arbeit leistet. Und am (insgesamt ziemlich unscheinbaren) Rathaus fiel uns auf, dass das Bewusstsein so langsam Einzug hält: An den Eingangsstufen hat jemand einen Aufkleber mit einem Rollstuhlsymbol angebracht – so macht man die Behörden darauf aufmerksam, dass es Zeit wird, dort die – eigentlich gesetzlich vorgeschriebene – Rampe endlich zu bauen.

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Wir danken Euch herzlich für Eure Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche die Witwen und deren Kindern in der Ukraine gerade so dringend benötigen.

Spenden bitte über PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Klaus H. Walter und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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