Spendenübergabe an Witwe Irina Kowaltschuk und Tochter Lilija am 24. April 2015 in Mykolajiw – Bericht 31

Unterwegs zu Irina war ich etwas nervös, es war ein langer Weg dorthin (60 km), und meine Gedanken wollten mich nicht in Ruhe lassen. Man tut schließlich sowas nicht jeden Tag. Man will mit seinen Fragen nicht zu aufdringlich sein und mit seiner Stille nicht zu uninteressiert wirken. Mich hat alles interessiert, ich wollte alles wissen, vor allem wollte ich dieser jungen Frau wenigstens kurz das Gefühl geben: Sie ist in ihrer Trauer nicht alleine. Aber ich wollte sie nicht ausfragen und neugierig erscheinen.

Alle meine Ängste waren umsonst. Die 27-jährige Witwe Irina hat auf mich gewartet, gemeinsam mit ihrer Mutter, die in letzter Zeit schon immer und insbesondere nach dem Tod ihres Schwiegersohns an Irinas Seite ist. Ihre kleine süße Tochter war an dem Tag beim Arzt zur Impfung gewesen und war nicht besonders gut drauf. Sie hat sich aber trotzdem auf den Besuch gefreut und ist echt ein Engel gewesen. Sie ist ein Sonnenschein und ist sehr dem Papa ähnlich. Eine wundervolle Erinnerung, die Wiktor seine Frau hinterlassen hat. Und das ist Irina bewusst, sie sagt, ohne Lilija wäre der Verlust viel schlimmer zu ertragen gewesen.

Ich wurde nett empfangen, und sofort wurde mir Kaffee und (extra für mich gekaufter) Kuchen angeboten.

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Beide Frauen haben sich sehr über meinen Besuch gefreut, sie lächeln, aber in ihren Augen stehen die Tränen. Auch für die Schwiegermutter ist der Verlust riesig, sie hat nur nette, warmherzige Worte für ihren verstorbenen Schwiegersohn übrig.

Das ist die erste Spendenübergabe an diese Familie. Und sie kommt sehr rechtzeitig, denn Irina spart und träumt von einer eigenen Wohnung. Nach der Hochzeit ist die junge Familie aus dem Elternhaus in eine andere Wohnung zur Miete eingezogen. Das Glück war perfekt. Dann kam der Krieg.

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Wiktor Kowaltschuk diente zehn Jahre als Berufssoldat, u.a. als Mitglied von UN-Friedenstruppen im Kosovo, in Afrika, usw. Er hatte eine ganze Menge Erfahrung und konnte nicht lange untätig zusehen. Er war der Meinung, dass er mit seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung an der Front genau richtig war und hat seine Frau gebeten, ihn gehen zu lassen. Auf die Frage: „Warum du?“ hatte er nur eine Antwort: „Weil ich es kann! Ich habe Ahnung. Die Jungs brauchen mich.“

Am Anfang hat er den Jungs u.a. beigebracht wie man in der „ukrainischen Wüste“ überleben kann: Welche Kräuter und Unkraut kann man für Tee benutzen, welche Tiere wie zubereitet zum Essen geeignet sind. Die Jungs haben mitgemacht, haben ihn aber immer wieder ausgelacht. Nach dem Motto: „Wofür brauchen wir das alles hier? Da ist doch ein Kiosk im Dorf, da kann man alles kaufen!“ Kurze Zeit darauf, am Flughafen in Donezk, sah das alles dann ganz anders aus …

Wiktor war weg, Irina blieb schwanger alleine in der Wohnung zurück. Unangenehme Nachbarn zwingen die junge Frau dazu, wieder zu den Eltern zu ziehen und dort auf ihren Mann zu warten.

Es war Wiktor gelungen, zur Geburt seine Tochter für einen ganzen Monat nach Hause zu kommen. Damals hat er seine Tochter zum ersten aber auch zum letzten Mal gesehen. Ihm war kribbelig, er wollte unbedingt die Zeit mit seiner Familie nutzen, konnte aber seine Jungs nicht lange zurück lassen. Und zum zweiten Mal bat er seine Frau, ihn gehen zu lassen. Sie blieb mit der Kleinen bei ihren Eltern, alles was sie hatte, war die Unterstützung von den Eltern und die Hoffnung, dass der Krieg bald aufhört und ihr Mann für immer nach Hause kommen kann.

Alles kam anders als erhofft. Zum Zeitpunkt seines Todes befand er sich im Turm des Donezker Flughafens. Am 31. Oktober fiel der Turm, dabei sind viele tolle Jungs ums Leben gekommen u.a. auch Wiktor …

Noch lange nach Wiktors Tod riefen manche seiner Kameraden Irina an und bedankten sich für sein Wissen. Seine Erfahrung und Kenntnisse waren wochenlang die einzig mögliche Überlebenschance für viele „Cyborgs“ am Flughafen.

Es gibt eine Sache, die Irina keine Ruhe lässt. In Kürze sollte ihr Mann zum Leutnant befördert werden. Das war schon immer sein Traum gewesen. Sie hat versucht, es posthum noch zu organisieren, aber durch die Bürokratie und Gleichgültigkeit ist ihr Versuch gescheitert.

Ich war sehr lange bei ihr. Wenn es nach mir ginge, würde ich noch länger bleiben. Aber die Zeit lief, und ich musste nach Hause.

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Im Name des Vereins “Euromaidan NRW e.V.” übergab ich Irina Kowaltschuk 750,00 €. Für die nahe Zukunft ist die Kleine versorgt.

Ich war schon sehr glücklich, ein Teil davon sein zu können und ein Lächeln auf den Gesichtern aller drei Frauen zu sehen. Auch wenn dieses Lächeln nur durch Tränen zu sehen war.

Wir bedanken uns bei allen Spendern, die auf unseren Aufruf so schnell reagiert haben. Im Name der Witwe Irina Kowaltschuk richten wir hiermit ein schönen Gruß an alle aus, die gespendet haben und nicht weggeschaut haben. Vielen lieben Dank. Ihr seid Klasse! Nur zusammen sind wir stark und können vieles erreichen.

Spenden bitte auf das Bankkonto von Euromaidan NRW e.V., Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS

oder über Paypal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

(Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben.)

Herzliche Grüße

Eure Elena Ykraina für Euromaidan NRW e.V.

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