Spendenübergabe an die Witwe Natalija und ihre zwei Kinder – 4. 4. 2015, Gebiet Chmelnizkij – Bericht 28

Dieser Fall war mir zu dem Zeitpunkt unbekannt. Aber als ich mich mit Jurij unterhalte, erzählt er mir, dass es eine Familie gibt, die dringend Hilfe brauche, und ob wir da vorbei nicht schauen könnten. Die Geschichte, die mir Jurij erzählt, bewegt mich dazu, ganz schnell zu entscheiden, und sogleich wird ein Treffen mit der Witwe für heute vereinbart.

Es ist ca. 11 Uhr morgens, als wir im Dorf ankommen – vor einem großen Haus, in dem die junge Witwe mit ihren zwei Kindern lebt, aber nicht mehr lange….

Natalija ist nicht alleine Zuhause, denn ihre Eltern sind auch da. Die Kinder sind am Malen, als wir das Haus betreten. Wir kommen ganz schnell ins Gespräch, in dem ich mir ihre Geschichte anhöre und verstehe, dass ich hilflos bin. Ich kann der Familie leider nicht richtig helfen, ich kann nur versuchen ihnen etwas Aufmerksamkeit und Verständnis anzubieten.

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Witwe Natalija ist 32 Jahre alt, hat eine fünf jährige Tochter Kristina, die bald eingeschult wird, und einen vier jährigen Sohn Kyrylo, der einen Kindergarten besucht. Jurij und mein Sohn beschäftigen sich mit den beiden. Die Kinder sind sehr offen und lassen sich auf ihnen total fremde Menschen ein.

2006 entstand eine Familie aus großer Liebe, Wadym und Natalija haben geheiratet. Die beiden Kinder waren Wunschkinder von beiden. Leider kann sich der Vater nicht mehr um seine Kinder kümmern, weder ihnen beim Aufwachsen zusehen noch jemals deren lachen hören oder ihnen ihre Tränen weg wischen, wenn sie weinen. Ihr Vater Wadym ist nicht mehr unter uns….

chm1Wadym ging als Freiwilliger an die Front. Warum tat er das?

Er wollte sich nicht hinter seiner Frau verstecken, denn er sah wie alle seine Freunde wieder nach Hause kamen … in Särgen. Dies wollte er nicht mehr einfach tatenlos mit ansehen.

Er meinte: “ Nicht dafür haben wir auf dem Maidan gekämpft, damit jetzt jemand anderes daher gelaufen kommt und unser Land, unsere Muttererde zerstört. Wir sind eins und die Ukraine ist unteilbar!“

Am 4. September 2014 rief er um 10:30 Uhr, zum allerletzten Mal seine Frau an und beruhigte sie, dass es ihm gut ginge und, dass er wieder anrufen wird. Er gab ihr ein Versprechen, welches er leider nicht mehr in die Tat umsetzen konnte. Das wusste Wadym damals aber nicht.

Wir schrieben sehr oft über einen Tag, der Tag an dem viele Kinder ihre Väter verloren. Es war der 5. September 2014, als das Batalion „Aidar“ in eine Falle gelockt wurde. Die Soldaten, die schwer verletzt waren, wurden im Nachhinein an der gleichen Stelle hingerichtet.

Wadym war an diesem Tag auch da……. Es war ein trauriger Tag in der Ukraine.

Wadym rief seine Ehefrau nicht an und sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Sie fing an, im Netz nach Infos zu suchen und fand diese auch. Auf einem Video sah sie wie ein pro-russischer Separatist den Ausweis ihres Mannes in der Hand hält, und damit rumprotzte , dass er „Ukrops“ (“Dill”, russisches Schimpfwort für Ukrainer) getötet hat.

Natalija wollte daran nicht glauben, vielleicht war er ja in Gefangenschaft, sie wollte so sehr daran glauben. „Lieber in Gefangenschaft, dafür aber lebendig, mein Wadym!“ Seine Leiche kam nicht nach Hause, und dies gab ihr die Hoffnung, dass er doch noch lebt. Und so vergingen sieben lange Monate. Die junge Frau suchte immer wieder nach ihrem Mann. Manche Menschen versuchten die Situation der Witwe auszunutzen.

So bekam sie zum Beispiel einen Anruf von einer Frau, die sich Elena Wasilewna nannte, sie teilte Natalija mit, dass ihre Mann lebe, in Gefangenschaft genommen worden und nach Russland hinüber gebracht worden sei. Sie wären bereit ihren Mann freizulassen, aber sie müsste erst Geld überweisen. Insgesamt forderte die Dame drei Überweisungen.

Gut, dass Natalija sich nicht drauf eingelassen und angefangen hat, Schulden zu machen. Sie suchte weiter, bis ihr schließlich Ende März kommendes mitgeteilt wurde: „Wir haben die körperlichen Überreste Ihres Mannes gefunden, und er wird nach Hause kommen.“ Natalija rief Elena Wasilewna an und fragte sie, ob sie sich nicht schäme, da bekam sie diese eiskalte Antwort: „Jeder verdient sein Geld wo und wie er nur kann.“

Der Beerdigung fand am 3. April 2015 statt, mehr als tausend Menschen haben sich versammelt, alle – jung und alt, waren auf Knien und säumten den ganzen Weg zum Friedhof auf beiden Seiten der Straße entlang, mit Kerzen und Blumen in ihren Händen. Es war ein lebendiger Korridor, der Wadym erwartete. Und da kam das Auto, auf der Scheibe stand geschrieben:“Grus 200″ (“Fracht 200”, in der Sowjetzeit – und jetzt in Russland wieder – übliche Bezeichnung für militärische Leichentransporte).

Der Wind hörte auf zu wehen, die Vögel hörten auf zu zwitschern, es war die Art von Stille, die einem fast das Herz zerreisst!

„Sohn, du warst doch so jung, als deine Mutter so tragisch verstarb! Warum hast du uns verlassen und deine Kinder auch allein gelassen! Warum?“

Wenn jemand seinen Schmerz herausließ, konnte man einen kleinen Moment später nur noch Weinen hören … Die Trauer hing zum Ersticken schwer in der Luft.

Wadym war erst 31 als er starb …

Natalija: „Er war ein sehr lieber Mensch, hilfsbereit, lachte sehr gerne und steckte alle um sich herum mit seinem Lachen an. Er liebte es seine Freizeit immer mit seinen Kindern zu verbringen. Er konnte nie „Nein“ sagen wenn jemand ihn um Hilfe bat.

Der kleine Kyrylo möchte nicht wahrhaben, dass Papa nicht mehr da ist. Ich versuche, meine Emotionen so gut wie möglich zu unterdrücken, denn ich möchte mit meinem Weinen den Kindern keinen Schaden zufügen. Ich muss stark bleiben. Ich wünsche mir nur eins, jetzt da Wadym nicht mehr bei mir ist, dass er, von wo immer er sich nun befindet, auf unsere Kinder aufpasst, sie beschützt und über sie wacht.“

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Ich werde euch nicht beschreiben, wie die Witwe aussah oder wie sie sich fühlte, denn ich denke aus dem Bericht kann man wirklich alles herauslesen und nachempfinden. Wir trafen uns also einen Tag nach der Beerdigung ….

Natalija, hat viel zu kämpfen, zum einen gehört das Haus, in dem sie lebt, nicht mehr ihr selbst. Denn als Wadym noch da war, wollte er ein schönes Heim für seine Familie bauen. Er nahm damals einen Kredit auf, den nun leider keiner mehr zurückzahlen kann. Deswegen nahm die Bank ihr das Haus weg. Natalija darf hier zwar noch wohnen, aber sie rechnet jeden Tag damit, dass man sie und ihre Kinder auf die Straße setzen wird. Damit das nicht passiert, hat sie viele Termine und Gespräche in der Hoffnung, dass sie noch alles zeitig geregelt bekommt. Das wünschen wir ihr ebenfalls, und das von ganzem Herzen. Wir gehen also zur Geldspendenübergabe über.

Witwe Natalija und ihre zwei Kinder bekommen von EuroMaidan NRW e.V. eine Geldspende in Höhe von 400,00 €. Sie bedankt sich ganz herzlich für die Hilfe, die aus Deutschland kam und die sie wirklich so dringend braucht.

Wir unserseits möchte uns auch bei euch unseren treuen Spendern für die Hilfe und Unterstützung bedanken. Danke, dass ihr unsere Berichte lest und die Infos über dieses Hilfsprogramm weiter teilt und verbreitet.

Bitte spendet für Kriegswitwen und Kinder der Ukraine:

Konto: EuroMaidan NRW e.V. Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn
IBAN-Nr. DE12380601861502025011 BIC GENODED1BRS
Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

oder PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail
Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.
Herzlichst, Euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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