Treffen und Spendenübergabe: Familie Krawtschuk – 4. April 2015, Stara Synjawa, Gebiet Chmelnyzkyj – Bericht 27

Treffen mit dem Maidan-Aktivisten und Sotnik der Chmelnyzka Sotnja (Kommandant der Selbstverteidigungsgruppe aus Chmelnyzkyj auf dem Maidan) Jurij Krawtschuk und seiner Familie – Spendenübergabe

Dieser Bericht wird sich unterscheiden von allen Berichten, die Sie von uns gelesen haben, denn in diesem Bericht geht es um eine Familie, die wir bereits seit dem 12. März 2014 kennen.

Ja, genau seit dem Tag, als Jurij nach Deutschland kam und im BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz behandelt wurde.

Wir kümmerten uns früher auch um Patienten aus der Ukraine, die hier in Deutschland ihre Behandlung bekamen, unabhängig davon ob durch die Regierung oder privat finanziert. Daher kennen wir diese Familie sehr gut, denn aus den Besuchen und der Unterstützung entwickelte sich eine Freundschaft. Jedes Mal, wenn wir in der Ukraine sind, treffen wir Jurij.

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Jurij Krawtschuk wurde im Rahmen der bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ukraine am 20. Februar 2014 verwundet und erlitt durch Schussverletzungen eine Fraktur der proximalen Tibia links.

Auf diesem Video könnt Ihr ab 1’15” sehen, wie Jurij Krawtschuk und seine Sotnja versuchen, die Verletzten aus der Schusslinie herauszuholen, und ab 2’05” ist er selber verletzt und liegt auf dem Boden:

Die Primärversorgung wurde in der Ukraine durchgeführt, aber sein Zustand danach verschlechterte sich stetig. Seine Ehefrau Natalija machte sich großen Sorgen, denn es bestand die Gefahr, dass Jurij sein Bein verlieren könnte. Gott sei Dank kam die Hilfe noch rechtzeitig.

Deutschland erklärte sich bereit, 24 ukrainische Patienten zur Behandlung nach Deutschland zu bringen, und Jurij war einer von ihnen. (Bericht des Sanitätsdiensts der Bundeswehr)

Am 22.04.2014 erschien mit Hilfe von Christian Seidel dieser Artikel von Detlef Esslinger in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 3:
esslinger-artikel
Am 5. April 2014 erschien noch ein Zeitungsbericht über Jurij und seine Geschichte in der New York Times.

Jurij befand sich bis zum 6. Mai 2014 im Koblenzer Krankenhaus, an diesem Tag wurde er entlassen und kam erst nach Köln. Hier, im Kreise neu gewonnener Freunde, verbrachte er drei schöne Tage und danach flog er in die Reha nach Zypern, wohin auch seine Frau mit dem Kind nachkam. So wurde gleichzeitig eine Familienzusammenführung durchgeführt, denn die Familie hatte sich seit Langem nicht gesehen.

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Zuerst war Jurij vom Anfang bis zum Ende auf dem Maidan, und danach im Krankenhaus und nur kurze Zeit später dann weg nach Deutschland. Der Reha-Aufenthalt war eine sehr schöne Zeit für die Familie, der kleine Oleksandr (Sohn von Jurij) hat zum aller ersten Mal das Meer gesehen und hatte wieder seinen Papa bei sich, den er sehr liebt. Danke an alle Beteiligten, die geholfen haben, damals die Reha zu organisieren und die Familie zusammenzubringen.

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Oleksandr geht zur Schule. Seit unserem letzten Besuch im Oktober ist er ein Stück gewachsen und etwas erwachsener geworden. Er zeigte mir seinen schwarzen Kater und meinte:“ Schau, er ist auch groß geworden“. Natalija kümmert sich liebevoll um uns, man fühlt sich hier wie Zuhause. Jurij hilft mir bei den Fahrten und bringt mich immer im Auto zu den Witwen, welches mir meine Reisen sehr erleichtert. Dieses mal bleibe ich einen Tag länger, und die Familie hat eine kleine Überraschung für uns. Sie haben einen Ausflug nach Kamjanez-Podilskyj geplant, und danach wird es selbstgemachtes Schaschlik geben.
Video:

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So eine herzliche Familie, die einen wie ein Familienmitglied behandelt. Die Eltern von Natalija empfangen uns auch ganz herzlich und familiär. Hier vergessen wir alles, ein Tag Urlaub, der mit viel Lachen, Spaß und Ruhe verbunden ist. Ein Tag, an dem man den ganzen Schmerz, das Leid und die Hilflosigkeit einmal vergessen kann, denn all diese Gefühle schweben hier in der Ukraine um uns herum.

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Jurij arbeitet beim örtlichen Bürgeramt, als Stellvertretender Bürgermeister. Er hat nie frei, als wir an einem Loch vorbei fahren, aus dem Wasser läuft, hält er an und gibt Anweisungen am Telefon. „Das muss sofort repariert werden, das ist ein Rohrbruch, das heißt die Menschen sitzen ohne Wasser da! Das interessiert mich nicht. Sofort!“ Er legt auf und wir fahren weiter. So ist Jurij.

Dafür, dass er Tag und Nacht ansprechbar ist und immer hin und her fährt, um sich um Menschen zu kümmern, wird er aber ganz schlecht bezahlt. Als ich höre wie „hoch“ sein Lohn ist, wird mir recht übel. Das reicht doch nur für einmal einkaufen gehen. Jurij beschwert sich aber nicht. Er wollte an die Front gehen, wurde aber abgelehnt, durch seine Verletzung auf dem Maidan kann er immer noch nicht so gut laufen, und das Bein schmerzt immer noch sehr. Daher ist er froh, dass er überhaupt einen Job bekommen hat. Seine Frau Natalija arbeitet auf dem Markt, und so lebt die Familie.

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Natalija beschwert sich auch nicht, wichtig ist: „Jurij lebt, und wir sind zusammen. Ich kann die Zeiten während des Maidan immer noch nicht vergessen. Es schmerzt immer noch, als ich ihn verletzt, voll im Blut auf dem Bildschirm sah. Ich hoffe nur, dass es mit seinem Bein nicht schlechter wird. Darüber zerbreche ich mir den Kopf.“

Und so vergehen die Tage, Wochen, Monate dieser Familie.

Der kleine Oleksandr fragt mich über Deutschland aus, denn er ist sehr neugierig, :-). Ich hoffe, dass die Familie irgendwann zu Besuch nach Deutschland kommen kann und sich mit all den Menschen treffen kann, die für Jurij in jenen schweren vergangenen Zeiten da waren.

Im Namen des Verein EuroMaidan NRW e.V. übergebe ich an den kleinen Oleksandr eine Geldspende in Höhe von 100,00€. Der Kleine bedankt sich ganz herzlich dafür. Demnächst wird für ihn von dem Geld Kleidung gekauft werden. Als Jurij das Geld sieht, sagt er nur einen Satz zu mir: „Danke an alle, die uns nicht vergessen haben.“

Jurij und seine Ehefrau Natalija, hoffen, dass Ihr auch irgendwann zu ihnen zu Besuch kommt, denn sie würden sich darüber sehr freuen!

Herzliche Grüße!

Noelie Uhlmann für Euromaidan NRW e.V.

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