Spendenübergabe an Witwe Irina und Tochter Nastja, 3. April 2015 Winnyzja – Bericht 26

Diese Reise geht weiter. Wir, mein Sohn und ich sitzen im Zug und werden bald in Winnyzja sein. Eine andere Witwe wartet auf uns, für die wir eure Hilfe schon bald übergeben dürfen. Aber bevor wir zu ihr gehen, werden wir uns mit der Familie eines unserer ehemaligen Patienten Jurij Krawtschuk treffen. Юрій Кравчук war vom Anfang bis zum Ende auf dem Maidan und kämpfte wie all die anderen Tausende Menschen um seine Rechte und für eine freie demokratische Ukraine. Also wird die Familie uns gleich abholen, und zusammen fahren wir dann zu Irina und Nastja.

Das ist die zweite Spendenübergabe an diese kleine Familie. Die erste Übergabe fand im Oktober 2014 statt. Darüber könnt ihr in diesem Bericht nachlesen.

Wie schon damals warten Witwe Irina und Tochter auf uns, dieses Mal aber sind auch die Eltern von Irina da. Und so lernen wir ein paar weitere Mitglieder dieser netten Familie kennen. Wir wurden nett empfangen, und sofort wurde uns Kuchen und Kaffee angeboten.

Ich lasse alle da sitzen und setze mich zu Nastja, sie sagt zu mir: „Ich habe lange auf Sie gewartet.“ Dieses kleine Mädchen umarmt mich, und mein Herz schmilzt dahin.

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Dann wird es aber Zeit, dass ich die mitgebrachten Geschenke an sie überreiche. Danke an Andreas Brandes, der sich so viel Mühe gemacht hat und eine tolle und wunderschöne Puppe für Nastja besorgte, die Puppe sieht fast wie Nastja aus . Also bitte ich das Kind, die Augen zu schließen, und packe erstmal die Puppe aus, und dann macht die Kleine ihre Augen auf. Sie schaut ganz still die Puppe an, und dann nimmt sie die große Puppe ganz fest in den Arm. Das Kind war sprachlos, sie brauchte etwas Zeit, bis sie zu sich kam und wirklich realisieren konnte, dass diese Puppe ganz allein ihr gehört. Danach bekommt sie noch etwas Schokolade, worüber sie sich auch riesig freut. Danke noch mal für die großartige Spende.
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Wir unterhalten uns etwas, machen ein paar Fotos, das macht Nastja gerne, und dann nehme ich noch ein paar kurze Videos auf.
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Danach verlasse ich Nastja, worauf sie und Oleksandr (der Sohn von Jurij) unter sich bleiben. Die Erwachsenen sitzen im Wohnzimmer und unterhalten sich über dies und jenes, als ich das Zimmer betrete. Irina und ich lassen uns nicht stören und unterhalten und tauschen uns aus.

Was hat sich seit unserem letzten Besuch verändert?

Tochter Nastja hat endlich einen Kindergarten-Platz bekommen, und ihr gefällt es gut im Kindergarten. Ein paar Freunde hat sie auch schon gefunden. Es war nicht leicht für sie hier in Winnyzja, nachdem sie aus der Kriegszone geflüchtet sind, aber das Mädchen entwickelt sich sehr gut. Sie ist etwas ruhiger geworden, vielleicht hilft auch die Therapie, die ihre Mutter mit ihr regelmäßig aufsucht, damit das Kind lernt, alles Erlebte besser zu verarbeiten.

Sie besucht verschiedene Kurse, lernt Englisch und besucht eine Kunstschule. Nastja möchte sehr gerne gut malen können. Also wurde die Spende, die beim letzten Mal überreicht wurde, komplett für das Kind verwendet.

Irina versucht so weit sie es kann, das Kind von negativen Gedanken abzulenken, um sie gut in diese Gesellschaft einzubringen. Sie möchte einfach, dass ihre Tochter wieder lacht und eine glückliche Kindheit hat. Irina, war und ist nach wie vor ein Sonnenschein, die jedermann mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht begrüßt.

Sie hat endlich einen Job gefunden, mit dem sie auch recht zufrieden ist. Und sie hat Freunde gefunden, mit denen sie sich manchmal trifft, die sie auch verstehen und moralisch unterstützen können. Einen Führerschein hat sie auch erworben. Also passiert ist schon recht viel sei dem letzten Besuch.

Eine eigene Wohnung ist auch in Sicht und wir hoffen, dass es bald so weit ist, dass Mutter und Kind endlich in ihr eigenes Heim einziehen können. Wir drücken ihnen hierfür ganz feste die Daumen.

Allerdings ist nicht alles o.k….

Irina sagt mit viel Schmerz in ihrer Stimme: „Danke, dass du wieder zu uns kommst, denn ansonsten kümmert sich keiner um uns. Wir sind unsichtbar für alle! Unsere Regierung schert es überhaupt nicht, wie es mir oder anderen Witwen, die ich kenne, ergeht. Wir wollen uns zusammen tun und zu unsere Regierung gehen! Die sollen uns und unsere Kinder endlich ansehen! Wo ist der Respekt? Wo ist der Dank dafür, dass unsere Männer ihr Leben gaben? Wofür sind unsere Männer eigentlich gestorben???“

Leider kann ich ihr keine dieser Fragen beantworten. Ich schaue sie nur an, das tut mir so weh, so unheimlich weh, dass ich keine Luft bekomme. Wirklich! Als das Land diese tapferen Männer brauchte, hat keiner von ihnen nur einen einzigen Augenblick gezögert, alle waren sofort da, bereit ihr Land, ihr Volk, und ihre Gottverdammte Regierung zu verteidigen!

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Irina sagt: „Ich gehe zur Arbeit, und lebe nur für mein Kind! Sonst habe ich nichts. Nastja ist alles was mich am Leben hält! Ich bin sehr stolz auf meine Tochter! Und ich bin sehr stolz auf meinen Mann!“ Sie zeigt mir Arbeiten von Nastja. Wunderschön gemalte Bilder, und auch gebastelte Sachen. Richtig schön sind die, und ein paar bekomme ich sogar geschenkt, die ich dann auch weiterleiten soll.

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Wenn man bei den Witwen ist, vergeht die Zeit wie im Flug, viel zu schnell, und meistens vergisst man die Zeit total. Wir haben uns noch etwas mit den Eltern unterhalten, die auch recht stolz auf ihre Enkelin und Tochter sind. Morgen fährt die Familie weg, sie fahren zum Grab des verstorbenen Leonid. Die Eltern kamen extra zu ihrer Tochter, damit sie diesen Besuch nicht alleine tun musste. Es ist schön zu sehen, dass eine emotionale Unterstützung immer vorhanden ist, schade nur, dass sie so weit auseinander wohnen.

Wir schreiten zur Geldübergabe fort.

Witwe Irina bekommt von „EuroMaidan NRW e.V.“ eine Geldspende in der Höhe von 300,00€ ausgezahlt. Nachdem auch alle bürokratischen Angelegenheiten erledigt sind, wird es Zeit für uns zu gehen.

Irina und ihr Vater bringen uns nach unten, und dann stehen wir noch ca. 20 Minuten lang unten und unterhalten uns weiter. Irgendwie bekommen wir es nicht hin, uns wirklich zu verabschieden. Irina findet es überhaupt schade, dass ich nur 3 Stunden da war (lächel). Wir umarmen uns ganz herzlich, und dann wird es aber wirklich Zeit weiter zu fahren. Denn unsere Reise führt uns in das Gebiet Chmelnyzkyj …

Wir, EuroMaidan NRW e. V., möchten uns ganz herzlich bei Ukrainians in Frankfurt am Main für die Spende bedanken. Mit eurer Hilfe kann die kleine Nastja weiter hin ihre Schule, Kindergarten und Kurse besuchen und die Therapiestunden bekommen.

Wir möchten erneut alle Leser um Unterstützung des Hilfsprogramms „Mittellose Witwen und deren Kinder“ bitten:

PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com
Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.
oder Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn- Konto: Euromaidan NRW e.V.
IBAN-Nr. DE12380601861502025011 – BIC GENODED1BRS
Verwendungszweck: Hilfsaktion Witwen

Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte auch die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben

Herzlichst, Euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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