Spendenübergabe an Witwe Irina Kowaltschuk und Tochter Lilija am 24. April 2015 in Mykolajiw – Bericht 31

Unterwegs zu Irina war ich etwas nervös, es war ein langer Weg dorthin (60 km), und meine Gedanken wollten mich nicht in Ruhe lassen. Man tut schließlich sowas nicht jeden Tag. Man will mit seinen Fragen nicht zu aufdringlich sein und mit seiner Stille nicht zu uninteressiert wirken. Mich hat alles interessiert, ich wollte alles wissen, vor allem wollte ich dieser jungen Frau wenigstens kurz das Gefühl geben: Sie ist in ihrer Trauer nicht alleine. Aber ich wollte sie nicht ausfragen und neugierig erscheinen.

Alle meine Ängste waren umsonst. Die 27-jährige Witwe Irina hat auf mich gewartet, gemeinsam mit ihrer Mutter, die in letzter Zeit schon immer und insbesondere nach dem Tod ihres Schwiegersohns an Irinas Seite ist. Ihre kleine süße Tochter war an dem Tag beim Arzt zur Impfung gewesen und war nicht besonders gut drauf. Sie hat sich aber trotzdem auf den Besuch gefreut und ist echt ein Engel gewesen. Sie ist ein Sonnenschein und ist sehr dem Papa ähnlich. Eine wundervolle Erinnerung, die Wiktor seine Frau hinterlassen hat. Und das ist Irina bewusst, sie sagt, ohne Lilija wäre der Verlust viel schlimmer zu ertragen gewesen.

Ich wurde nett empfangen, und sofort wurde mir Kaffee und (extra für mich gekaufter) Kuchen angeboten.

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Beide Frauen haben sich sehr über meinen Besuch gefreut, sie lächeln, aber in ihren Augen stehen die Tränen. Auch für die Schwiegermutter ist der Verlust riesig, sie hat nur nette, warmherzige Worte für ihren verstorbenen Schwiegersohn übrig.

Das ist die erste Spendenübergabe an diese Familie. Und sie kommt sehr rechtzeitig, denn Irina spart und träumt von einer eigenen Wohnung. Nach der Hochzeit ist die junge Familie aus dem Elternhaus in eine andere Wohnung zur Miete eingezogen. Das Glück war perfekt. Dann kam der Krieg.

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Wiktor Kowaltschuk diente zehn Jahre als Berufssoldat, u.a. als Mitglied von UN-Friedenstruppen im Kosovo, in Afrika, usw. Er hatte eine ganze Menge Erfahrung und konnte nicht lange untätig zusehen. Er war der Meinung, dass er mit seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung an der Front genau richtig war und hat seine Frau gebeten, ihn gehen zu lassen. Auf die Frage: „Warum du?“ hatte er nur eine Antwort: „Weil ich es kann! Ich habe Ahnung. Die Jungs brauchen mich.“

Am Anfang hat er den Jungs u.a. beigebracht wie man in der „ukrainischen Wüste“ überleben kann: Welche Kräuter und Unkraut kann man für Tee benutzen, welche Tiere wie zubereitet zum Essen geeignet sind. Die Jungs haben mitgemacht, haben ihn aber immer wieder ausgelacht. Nach dem Motto: „Wofür brauchen wir das alles hier? Da ist doch ein Kiosk im Dorf, da kann man alles kaufen!“ Kurze Zeit darauf, am Flughafen in Donezk, sah das alles dann ganz anders aus …

Wiktor war weg, Irina blieb schwanger alleine in der Wohnung zurück. Unangenehme Nachbarn zwingen die junge Frau dazu, wieder zu den Eltern zu ziehen und dort auf ihren Mann zu warten.

Es war Wiktor gelungen, zur Geburt seine Tochter für einen ganzen Monat nach Hause zu kommen. Damals hat er seine Tochter zum ersten aber auch zum letzten Mal gesehen. Ihm war kribbelig, er wollte unbedingt die Zeit mit seiner Familie nutzen, konnte aber seine Jungs nicht lange zurück lassen. Und zum zweiten Mal bat er seine Frau, ihn gehen zu lassen. Sie blieb mit der Kleinen bei ihren Eltern, alles was sie hatte, war die Unterstützung von den Eltern und die Hoffnung, dass der Krieg bald aufhört und ihr Mann für immer nach Hause kommen kann.

Alles kam anders als erhofft. Zum Zeitpunkt seines Todes befand er sich im Turm des Donezker Flughafens. Am 31. Oktober fiel der Turm, dabei sind viele tolle Jungs ums Leben gekommen u.a. auch Wiktor …

Noch lange nach Wiktors Tod riefen manche seiner Kameraden Irina an und bedankten sich für sein Wissen. Seine Erfahrung und Kenntnisse waren wochenlang die einzig mögliche Überlebenschance für viele „Cyborgs“ am Flughafen.

Es gibt eine Sache, die Irina keine Ruhe lässt. In Kürze sollte ihr Mann zum Leutnant befördert werden. Das war schon immer sein Traum gewesen. Sie hat versucht, es posthum noch zu organisieren, aber durch die Bürokratie und Gleichgültigkeit ist ihr Versuch gescheitert.

Ich war sehr lange bei ihr. Wenn es nach mir ginge, würde ich noch länger bleiben. Aber die Zeit lief, und ich musste nach Hause.

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Im Name des Vereins “Euromaidan NRW e.V.” übergab ich Irina Kowaltschuk 750,00 €. Für die nahe Zukunft ist die Kleine versorgt.

Ich war schon sehr glücklich, ein Teil davon sein zu können und ein Lächeln auf den Gesichtern aller drei Frauen zu sehen. Auch wenn dieses Lächeln nur durch Tränen zu sehen war.

Wir bedanken uns bei allen Spendern, die auf unseren Aufruf so schnell reagiert haben. Im Name der Witwe Irina Kowaltschuk richten wir hiermit ein schönen Gruß an alle aus, die gespendet haben und nicht weggeschaut haben. Vielen lieben Dank. Ihr seid Klasse! Nur zusammen sind wir stark und können vieles erreichen.

Spenden bitte auf das Bankkonto von Euromaidan NRW e.V., Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS

oder über Paypal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

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Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

(Falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben.)

Herzliche Grüße

Eure Elena Ykraina für Euromaidan NRW e.V.

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Spendenübergabe an Witwe Taja mit zwei Söhnen – 10.04.2015 Oblast Saporischschja – Bericht 30

36 Stunden Zeit hatte ich noch zur Verfügung, die Hälfte davon davon ist schon weg, denn ich kam leider erst gestern hier in Melitopol an, und heute Abend muss ich schon wieder los. Unser Zug geht leider schon um 21:00 Uhr. Ich weiß aber, dass es noch eine Frau gibt, die keine Hilfe bekommt – weder von der Stadt noch von der Regierung, da ihr Mann als freiwilliger Soldat an die Front ging.

Ich nenne aus Absicht keinen Ort, denn dies war der Wunsch der Frau. Ich akzeptiere es und nehme ihre Bitte sehr ernst.

Früh heute morgen bekam ich einen Anruf, und mir wurde sofort eine Frage gestellt: „Helfen sie Witwen und Kindern, deren Väter im Bataillon vom „Rechten Sektor“ waren?“ Ich musste erst mal schlucken, und dann sagte ich nur einen Satz: „Wir helfen Kindern und Witwen, ich denke damit habe ich ihre Frage beantwortet!?“ Die Person in der Leitung atmete ganz erleichtert auf und sagte, ich möge auf einen weiteren Anruf warten. Das tat ich auch. Etwas später klingelte mein Telefon wieder und eine nette männliche Stimme fragte, ob es wirklich wahr sei, dass ich die Witwe besuchen will, und ob ich ein Auto habe. Ich musste lächeln, und sagte: „Ja, ich habe einen Zug, der nach Kyiw fährt.“ Die Person verstand meinen Humor, und dann hieß es: „Wir holen Sie ab und bringen Sie sehr gerne dahin, denn wir kennen die Familie persönlich, da der Verstorbene unser Freund war.“

An dem Tag waren alle Volontäre unruhig und alarmiert, da es Verdachtsmeldungen auf Terrorakte gab. Als ich mit Swetlana unterwegs war, bekam sie einen Anruf, in dem es darum ging, dass es allen lieber wäre, wenn alle aktiven Volontäre Zuhause blieben.

Was macht man in solch einem Fall? Denn nun hieß es für mich, von einem Auto in ein anderes Auto umzusteigen. Vorne saßen zwei junge Männer, die wie Soldaten ausgestattet waren, im Auto lagen auch Schutzwesten und etc. Kurzes Kennenlernen: Die beiden gehören zum „Rechten Sektor“, und sie werden mich die restlichen sieben Stunden bis zur Abreise überall hin fahren und sich um mich kümmern.

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Wir verlassen die Stadt Melitopol an einer bewachten Straßensperre und fahren ca. 30 km weiter, bis wir am Ziel ankommen. Während der Fahrt stelle ich natürlich viele Fragen und bekomme auch ausführliche Antworten darauf. Die beiden Männer reden offen mit mir. Sie aber stellen mir auch Fragen, z.B. warum man sich das antut und aus Deutschland herkommt, durch das Land Ukraine fährt und das macht, was unser Verein „EuroMaidan NRW e.V.“ eben tut. Ich habe versucht, dies zu erklären, und sie hörten ganz still zu, bis einer von ihnen, der Max heißt, sagte: „Sehr beeindruckend! Danke an Deutschland und an all die Menschen, die dies alles unterstützen!“

Wir stehen vor dem Haus, in dem die Witwe lebt. Die beide Männer nehmen noch Tüten mit Lebensmitteln aus dem Kofferraum, und wir gehen rein.

Taja, 30 Jahre alt, lässt uns sofort ein, und wir gehen in die Küche, in der wir uns an einem kleinen Tisch zusammensetzen. Die Witwe kennt mich noch nicht und schaut mich neugierig an. Ich stelle mich kurz vor und erkläre ihr, warum ich sie heute besuche und dass ich sie gerne näher kennen lernen würde. Sie sitzt ganz unsicher da und kann nur schlecht verstehen, was jetzt kommt. Ich sage zu Ihr: „Ich möchte sie nur näher kennen lernen.“ Taja kommt ganz langsam auf mich zu, und daraus wird ein Gespräch.

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Ein schweres Gespräch, das mit viel Leid, Schmerz, Enttäuschung, Trauer, Hilflosigkeit und vielen Tränen verbunden ist, welche die ganze Zeit ununterbrochen über ihr junges Gesicht fließen.

Wir waren noch ganz am Anfang, Taja erzählte gerade über sich und ihre zwei Söhne, als ein sehr junger Mann die Küche betritt, ihr die Hände auf die Schulter legt und sagt: „So, jetzt hör auf, reiß dich zusammen. Du musst stark sein!“ Das alles sagte er in einem Befehlston. Ich konnte mich nicht zurückhalten, schaute ihm in seine Augen und sagte ganz leise aber mit fester Stimme „Sie ist eine Frau, die ihren Mann verloren hat. Sie darf weinen und trauern, sie soll und muss es auch tun, wenn ihr danach zumute ist. Sie muss auf keinen Rücksicht nehmen, das ist ihr Schmerz, der mit ihren Tränen rausgespült wird! Ich bitte Sie, die Küche sofort zu verlassen!“

Alle drei Männer schauten mich an, der junge Mann, der ein Bruder des Verstorbenen war, verließ ganz kleinlaut die Küche, und die anderen zwei fragten mich ganz vorsichtig: „Sollen wir auch gehen?“ Warum ich dies alles hier gerade schreibe: Egal aus welchem Bataillon die Soldaten sind, zunächst einmal sind sie alle Menschen. Und diese Männer hatten einen gesunden Verstand, Mitgefühl und Respekt. Ich ließ sie in der Küche sitzen, und so hörten sie die Geschichte von Taja weiter mit an. An diesem Tag haben sie ihren Freund total anders kennengelernt.

Taja und Merusch haben sich im Jahr 2002 in der Stadt Saporisch- schja kennengelernt. Als sie ihn zum allerersten Mal gesehen hat, sah sie nur seinen starken Rücken, und als er sich zu ihr umdrehte, war sie hin und weg. Die Liebe zu diesem Mensch floss durch sie hoch und runter. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelte sich sehr rasch, und so lebten sie kurz danach zusammen, und schon kam ihr erstes Kind zur Welt. Der Junge wurde nach seinem Vater benannt: Merusch, der jetzt 10 Jahre alt ist. Merusch ist ein alt-slawischer Name und bedeutet: „Unsere Kraft“.

Taja war sehr glücklich mit ihrem Mann. Sie selber kam aus einer nicht so guten Familie, und als sie ihren lieben Mann traf, zeigte er ihr was Liebe heißt. Er hat ihr viel Aufmerksamkeit und Zuneigung geschenkt. Merusch selbst ist ohne Vater groß geworden, er musste schnell erwachsen werden und sich um seine Mutter und den kleinen Bruder kümmern. Sein Herz war einfach riesengroß. Die junge Familie schmiedete Zukunftspläne. Merusch träumte von einem eigenen Heim, da die Familie bei seiner Mutter lebte, in einer Wohnung mit nur zwei Zimmern. Im einen Zimmer wohnt die Witwe mit ihren zwei Söhnen und im anderen Zimmer die Schwiegermutter mit ihrem zweiten Sohn. Privatsphäre hat hier keiner von ihnen.

Merusch arbeitete sehr hart, da er seiner Frau etwas bieten wollte, und beide träumten über Nachwuchs, das kostet. Der liebe Gott erhörte die beiden, und im Jahr 2013 wurde Taja schwanger. Wie glücklich die beiden darüber waren, konnte man nicht in Worte fassen. Sie wollten danach auch unbedingt heiraten. „Mein Mann war sehr lieb, und ein sehr zärtlicher Mensch, er trug mich auf Händen, und hatte eine sehr romantische Seite. Er dachte nie an sich selbst, die Familie war Priorität für ihn. Zuerst sollten wir alles haben und glücklich sein. Er brachte uns immer wieder zum Lachen. Er war wie ein stiller Hafen für mich, in dem ich zur Ruhe kam. Er brachte mir bei, wie man lieben kann. Ich habe jetzt für ihn ein Lied geschrieben, irgendwann veröffentliche ich es vielleicht, das Lied heißt ‘Mein bester Freund, mein Mann’.“

Taja war hochschwanger als sie am 12. August 2014 die schreckliche Nachricht bekam. Merusch ist nicht mehr da, er ist Tod!

Video +18 (Achtung, drastische Szenen – das Video stammt vom Propagandakanal der “Donezker Volksrepublik” – die Sprecher prahlen über ihren “Sieg” und zeigen die z.T. gefledderten Leichen der getöteten ukrainischen Kämpfer):

„Nein, das kann nicht sein! Ich wollte und will immer noch nicht daran glauben! Er rief mich noch einen Tag vorher an und sagte, nur ein paar Tage noch, dann würde er auf Urlaub nach Hause kommen.Er versprach mir, dass wir beide zusammen unseren zweiten Sohn zur Welt bringen werden. Er hat sein Versprechen zum allerersten Mal nicht halten können.“

Am 20. August 2014, acht Tage nach dem Tod ihres Mannes Merusch, brachte Taja ganz alleine einen süßen, wunderschönen Jungen zur Welt, er heißt Spartak.

Sie lebt in der Vergangenheit – und denkt immer wieder an das, was ihr Merusch versprach. Der kleine Spartak beschäftigt Taja Tag und Nacht, der Sohn Merusch auch. Mit seinen zehn Jahren versteht er ganz klar, was für eine Tragödie in dieser Familie passiert ist. Er sieht, wie seine liebe Mama aus, Spartak sieht seinem Vater sehr ähnlich. Ganz tolle Kinder!

Und so sitzen wir stundenlang in der Küche, und sie erzählt und weint dabei. Wenn sie über Merusch spricht, erscheint ein schwaches Lächeln in ihrem Gesicht. Erinnerungen, die dieser Frau geblieben sind. Das ist einfach alles so ungerecht, als ob das Schicksal nicht schon genug mit dieser Frau gespielt hat. Ich schaue meine Begleiter an, sie haben ihre Köpfe gesenkt und starren nur den Boden an.

Es herrscht Totenstille, nur Tajas zarte Stimme hängt leise im Raum.

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Ich würde sehr gerne noch länger hier bleiben, aber ich muss zurück nach Deutschland, in ein Leben, in dem es keinen Krieg gibt. Daher fahre ich nun mit der Spendenübergabe fort.

In dem Briefumschlag habe ich nur noch 450,00€, und ich zahle ihr das Geld im Namen des Vereins EuroMaidan NRW e.V. aus und erkläre ihr, dass das Geld für die Kinder ist. Sie bedankt sich ganz herzlich dafür. Merusch braucht eine kleine Operation, und Taja kann sie nun dank eurer Hilfe finanzieren.

Wir gehen zu Tür, ich reiche ihr meine Hand zum Abschied. Sie nimmt meine Hand in ihre zwei Hände und lässt mich nicht los. Ich entschuldige mich dafür, dass ich sie mit meinem Besuch so aufgewühlt habe, zurück kommt von ihr: „Nein, so gut wie jetzt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Danke.“ Sie hält weiterhin meine Hand, und so stehen wir uns weiter gegenüber und schauen uns nur an…

Meine Begleiter warteten auf mich unten. Max schaute mich an und fragte:“Wie schaffst du das alles, du warst so…, ich konnte die Atmosphäre kaum noch aushalten…“ Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Dies ist der allerletzte Bericht von meiner Dienstreise in die Ukraine vom 28. März 2015 bis zum 12. April 2015.

Liebe Leser, danke, dass ihr uns gefolgt seid. Unsere Berichte oder Spendenaufrufe geteilt habt. Danke für eure Spenden und Unterstützung. Wir bitten euch, dieses Programm „Hilfsprogramm für Witwen und deren Kinder aus der Ukraine “ auch weiterhin zu unterstützen. Denn es gibt noch unzählige Kinder mehr, die ihre Väter durch den Krieg verloren haben. Viele haben nicht nur ihre Väter und Ehemänner verloren, sie haben den Halt in ihren Leben verloren.

Helft uns weiter zu helfen!

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V. Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn

oder über Paypal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

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Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

(falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben)

Herzliche Grüße, euer Team EuroMaidan NRW e.V.Noelie Uhlmann

Spendenübergabe an Witwe Nastja und ihren zweijährigen Sohn Aleksej, Melitopol 9.4.2015 – Bericht 29

Es ist nach 21:00 Uhr, als ich mich mit den örtlichen Volontären treffe, um zusammen mit ihnen zu einer jungen Frau zu fahren, die ihren Mann verloren hat. Swetlana Aleksejewa bleibt draußen im Auto und wartet dort auf uns, ihre Kollegin, die Nastja persönlich kennt, geht mit mir zu ihr.

Nastja ist 23 Jahre alt, groß, schlank, und hat wunderschöne grüne Augen, die in sich viel Angst zeigen. Sie macht die Haustür auf, bittet uns herein und dirigiert uns in Richtung Wohnzimmer. Ein kleiner Junge begleitet die junge Witwe. Das ist Aleksej, er ist gerade zwei Jahre alt geworden. Ein ganz süßer, kleiner Spatz, der immer neben Mama sein möchte. Er hält ein Auto in der Hand, das er uns dann zeigt und vorführt, wie es fahren kann.

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Die örtliche Volontärin hält sich im Hintergrund, während wir uns mit Nastja unterhalten. Ich bemerke, dass sie ganz leise vor sich hin weint, und als sie meinen Blick bemerkt, wischt sie sich ganz schnell ihre Tränen weg. Nastja lebt bei ihrer Schwiegermutter, die sie liebevoll bei sich aufgenommen hat, nachdem sie beide so einen wichtigen Menschen verloren haben. Das Leid schweißte die beiden Frauen zusammen. Und so lebt Nastja mit ihrem Sohn Aleksej, hier in diesem Wohnzimmer.

Ewhenij und Nastja haben sich vor 5 Jahren kennen gelernt. Nastja sagt: „Das war Liebe auf dem ersten Blick für uns beide. Mich hat es wie Donner getroffen und ihn auch. Acht Monate lang führten wir beide eine Beziehung, und als ich eines Tages von der Arbeit nach Hause kam, wartete mein Liebster Ewhenij mit einem Ehering auf mich. Das war ein romantischer Heiratsantrag.“

Weiter kann sie für eine Weile nicht sprechen, denn ihr Körper zittert, und Tränen überströmen ihr junges Gesicht in diesem Moment der Erinnerung.

„Seit zwei Jahren waren wir verheiratet, und er war ehrlich der liebste Mensch auf der Welt. Er kümmerte sich immer so liebevoll um mich. Er war nicht nur mein Ehemann, er war mein bester Freund! Ich liebe ihn so sehr! Er war so glücklich, als er erfuhr, dass er Papa sein würde. Die Geburt war sehr schwer, aber Ewhenij war dabei, er half mir und hielt meine Hand. Ich werde das nie vergessen! Als unser Sohn zur Welt kam, weinten wir beide vor Glück. Ewhenij war ein sehr verantwortungsvoller Mensch, Familie war für ihn alles. Er gab sich so viel Mühe, damit es uns gut geht. Am Anfang lebten wir hier bei seiner Mutter, danach hat er eine Wohnung für uns gemietet, und unsere Welt war vollkommen. Wir waren eine Familie. Jetzt lebe ich wieder hier, aber nicht mehr in dem Zimmer, in dem ich mit ihm wohnte. Mir tut es sehr weh, dieses Zimmer einfach so zu betreten. Ich hoffe, dass wir irgendwann eine Wohnung bekommen, damit unser Sohn endlich ein eigenes Heim bekommt.“

Die junge Witwe beschäftigt sich ständig mit ihrem Sohn, damit sie keine Zeit zum Nachdenken hat, denn es fällt ihr sehr schwer zu akzeptieren, dass ihr Mann nicht mehr nach Hause kommt. Der kleine Aleksej ist ein sehr erfreuliches Kind, liebt Schokolade und Autos sehr. Zweimal die Woche geht Nastja mit dem Jungen zur Therapie und in Entwicklungskurse, denn der junge braucht dies. Nastja macht alles, was sie nur kann.

Ewhenij starb mit 26 Jahren am 14. Februar 2015 im Hospital in Odessa. Die Ärzte haben alles versucht, leider konnten sie ihn nicht retten. die Verletzungen waren einfach zu schlimm. Am 18. Februar 2015 wurde Ewhenij auf dem Zentralfriedhof Melitopol beerdigt.

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Nastja sagt: „Er war Berufssoldat, und schon früher musste er immer mal kurz weg fahren, ich denke ab und zu, er befindet sich auf Dienstreise und kommt doch bald Nachhause: Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass er wirklich tot ist. Ich bin wie in Zwischenwelten gefangen,“ bricht sie wieder in Tränen aus. Deshalb gehe ich zur Geldübergabe über.

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Wir würden so gerne mehr helfen, aber wir können nur das geben, was wir haben. Nastja bekommt für ihren Sohn Aleksej einen Betrag in Höhe von 300,00 € ausgezahlt. Sie bedankt sich für die Hilfe, die sie überhaupt nicht erwartet hat. Jetzt sind für die nächste Zeit die Kurse für ihren Sohn gesichert.

Wir, EuroMaidan NRW e.V., bedanken uns bei allen Spendern, die mit ihren Spenden die Witwen und ihre Kinder unterstützen. Wir möchten uns erneut an euch wenden und um eure Hilfe bitten:

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS
Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V. Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn

oder über Paypal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.
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(falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben)

Herzliche Grüße, euer Team EuroMaidan NRW e.V.

Gedenkplakette für verstorbenen Soldaten des 90. Bataillons in Oserne enthüllt – seine Tochter erhielt seinen Orden

Ende Februar dieses Jahres wurde Wolodymyr Hnatjuk, ein 34-jähriger Soldat des  90. Scharfschützen-Bataillons, im Bereich der ATO in der Region Donezk getötet. Am 20. Juni – am Tag seines 35. Geburtstags, wurde an der Fassade des Gymnasiums in Oserne [bei Schytomyr, Anm. d. Übers.] eine Gedenktafel für den Helden enthüllt.

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Auf Vorschlag von Freiwilligen und mit der Unterstützung von gutwilligen Menschen hat man zur Erinnerung an diesen Soldaten eine Gedenkplatte erstellt und angebracht. …

Ein Vertreter des Militärs überreichte während der Veranstaltung der Tochter von Wolodymyr Hnatjuk, der 6-jährigen Marta, den posthum vom Präsidenten der Ukraine an ihren Vater verliehenen Orden „Für Mut“ III. Grades.

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Nach der Auszeichnung brach das Mädchen in Tränen aus und warf sich in die Arme ihrer Mutter und Großmutter.

Wolodymyrs Bruder Mykola sagte, dass im Krieg im Osten die Besten sterben:

„Wir alle leiden, weil jeder Grund zur Trauer hat. Heute ist das ganze Land in Trauer um unsere Helden. Mein Bruder war so ein guter Mensch, und wir verloren ihn im Krieg. Er hat nicht lange überlegt, bevor er dorthin ging, um uns alle zu schützen. Er hatte niemandem etwas gesagt, um uns nicht zu beunruhigen. Er glaubte nicht, dass er sterben könnte. Er hatte keine Angst vor dem Tod, und ich hoffe, dass sein Opfer nicht umsonst war. Viele seiner Freunde wurden dort getötet; Söhne und Familienväter. Denken wir auch an sie. Vielen Dank an alle, die weiterhin unser Militär auf dem Gebiet der ATO unterstützen, und an all diejenigen, die den Familien der Toten und Verwundeten helfen.“

Sein Militärkamerad Roman nannte Woldymyr Hnatjuk Bruder und bezeichnet ihn als guten, zuverlässigen, ehrlichen und fairen Menschen. Der Fallschirmjäger aus der 95. Brigade mit dem Kampfnamen „Askold“ stellt fest, dass Wolodymyr zu jung starb und nicht mehr miterleben kann, wie seine Tochter wächst. Er konnte nicht einmal sein Dienstjubiläum feiern, sondern gab sein Leben, damit die Ukraine eines Tages wieder in Frieden leben kann.

Der „Cyborg“ Wolodymyr Hnatjuk trug den Kampfnamen „Fotograf“. Vor der ATO diente er 15 Jahre als Berufssoldat im 13. Bataillon der 95. Luftlandebrigade. Anschließend verließ er die Armee, ging somit als Freiwilliger in den Osten.

Wolodymyr Hnatjuk war seiner Zeit auf Friedensmissionen im Kosovo und im Irak, aber was in der Ost-Ukraine passierte, bezeichnete er als entsetzlich. Das sei das Schlimmste gewesen, was er jemals gesehen hatte.

Hnatjuk und sein Bataillon gehörten zu den letzten ukrainischen Verteidigern, die den Flughafen Donezk verließen, nachdem die Terroristen ihn in Brand gesteckt hatten.

Euromaidan NRW e.V. unterstützt die Witwe und das Kind, Bericht über die Spendenübergabe hier.

Video mit der Ordensverleihung hier

Artikel von Julia Demus

Quelle: 1.ZT – Erstes Informationsportal Schytomyr, 22. Juni 2015

Posthume Ordensverleihung für einen gefallenen Soldaten in Schytomyr

Die Tochter des gefallenen ukrainischen Soldaten Wolodymyr Hnatjuk aus Schytomyr erhielt den posthum an ihn vergebenen Orden „Für Mut“ .

Am 20. Juni 2015 wäre sein 35. Geburtstag gewesen.

Euromaidan NRW e.V. unterstützt die Witwe und das Kind, Bericht über die Spendenübergabe hier.

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Quelle: Euromaidan Press (engl.)

Spendenübergabe an die Witwe Natalija und ihre zwei Kinder – 4. 4. 2015, Gebiet Chmelnizkij – Bericht 28

Dieser Fall war mir zu dem Zeitpunkt unbekannt. Aber als ich mich mit Jurij unterhalte, erzählt er mir, dass es eine Familie gibt, die dringend Hilfe brauche, und ob wir da vorbei nicht schauen könnten. Die Geschichte, die mir Jurij erzählt, bewegt mich dazu, ganz schnell zu entscheiden, und sogleich wird ein Treffen mit der Witwe für heute vereinbart.

Es ist ca. 11 Uhr morgens, als wir im Dorf ankommen – vor einem großen Haus, in dem die junge Witwe mit ihren zwei Kindern lebt, aber nicht mehr lange….

Natalija ist nicht alleine Zuhause, denn ihre Eltern sind auch da. Die Kinder sind am Malen, als wir das Haus betreten. Wir kommen ganz schnell ins Gespräch, in dem ich mir ihre Geschichte anhöre und verstehe, dass ich hilflos bin. Ich kann der Familie leider nicht richtig helfen, ich kann nur versuchen ihnen etwas Aufmerksamkeit und Verständnis anzubieten.

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Witwe Natalija ist 32 Jahre alt, hat eine fünf jährige Tochter Kristina, die bald eingeschult wird, und einen vier jährigen Sohn Kyrylo, der einen Kindergarten besucht. Jurij und mein Sohn beschäftigen sich mit den beiden. Die Kinder sind sehr offen und lassen sich auf ihnen total fremde Menschen ein.

2006 entstand eine Familie aus großer Liebe, Wadym und Natalija haben geheiratet. Die beiden Kinder waren Wunschkinder von beiden. Leider kann sich der Vater nicht mehr um seine Kinder kümmern, weder ihnen beim Aufwachsen zusehen noch jemals deren lachen hören oder ihnen ihre Tränen weg wischen, wenn sie weinen. Ihr Vater Wadym ist nicht mehr unter uns….

chm1Wadym ging als Freiwilliger an die Front. Warum tat er das?

Er wollte sich nicht hinter seiner Frau verstecken, denn er sah wie alle seine Freunde wieder nach Hause kamen … in Särgen. Dies wollte er nicht mehr einfach tatenlos mit ansehen.

Er meinte: “ Nicht dafür haben wir auf dem Maidan gekämpft, damit jetzt jemand anderes daher gelaufen kommt und unser Land, unsere Muttererde zerstört. Wir sind eins und die Ukraine ist unteilbar!“

Am 4. September 2014 rief er um 10:30 Uhr, zum allerletzten Mal seine Frau an und beruhigte sie, dass es ihm gut ginge und, dass er wieder anrufen wird. Er gab ihr ein Versprechen, welches er leider nicht mehr in die Tat umsetzen konnte. Das wusste Wadym damals aber nicht.

Wir schrieben sehr oft über einen Tag, der Tag an dem viele Kinder ihre Väter verloren. Es war der 5. September 2014, als das Batalion „Aidar“ in eine Falle gelockt wurde. Die Soldaten, die schwer verletzt waren, wurden im Nachhinein an der gleichen Stelle hingerichtet.

Wadym war an diesem Tag auch da……. Es war ein trauriger Tag in der Ukraine.

Wadym rief seine Ehefrau nicht an und sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Sie fing an, im Netz nach Infos zu suchen und fand diese auch. Auf einem Video sah sie wie ein pro-russischer Separatist den Ausweis ihres Mannes in der Hand hält, und damit rumprotzte , dass er „Ukrops“ (“Dill”, russisches Schimpfwort für Ukrainer) getötet hat.

Natalija wollte daran nicht glauben, vielleicht war er ja in Gefangenschaft, sie wollte so sehr daran glauben. „Lieber in Gefangenschaft, dafür aber lebendig, mein Wadym!“ Seine Leiche kam nicht nach Hause, und dies gab ihr die Hoffnung, dass er doch noch lebt. Und so vergingen sieben lange Monate. Die junge Frau suchte immer wieder nach ihrem Mann. Manche Menschen versuchten die Situation der Witwe auszunutzen.

So bekam sie zum Beispiel einen Anruf von einer Frau, die sich Elena Wasilewna nannte, sie teilte Natalija mit, dass ihre Mann lebe, in Gefangenschaft genommen worden und nach Russland hinüber gebracht worden sei. Sie wären bereit ihren Mann freizulassen, aber sie müsste erst Geld überweisen. Insgesamt forderte die Dame drei Überweisungen.

Gut, dass Natalija sich nicht drauf eingelassen und angefangen hat, Schulden zu machen. Sie suchte weiter, bis ihr schließlich Ende März kommendes mitgeteilt wurde: „Wir haben die körperlichen Überreste Ihres Mannes gefunden, und er wird nach Hause kommen.“ Natalija rief Elena Wasilewna an und fragte sie, ob sie sich nicht schäme, da bekam sie diese eiskalte Antwort: „Jeder verdient sein Geld wo und wie er nur kann.“

Der Beerdigung fand am 3. April 2015 statt, mehr als tausend Menschen haben sich versammelt, alle – jung und alt, waren auf Knien und säumten den ganzen Weg zum Friedhof auf beiden Seiten der Straße entlang, mit Kerzen und Blumen in ihren Händen. Es war ein lebendiger Korridor, der Wadym erwartete. Und da kam das Auto, auf der Scheibe stand geschrieben:“Grus 200″ (“Fracht 200”, in der Sowjetzeit – und jetzt in Russland wieder – übliche Bezeichnung für militärische Leichentransporte).

Der Wind hörte auf zu wehen, die Vögel hörten auf zu zwitschern, es war die Art von Stille, die einem fast das Herz zerreisst!

„Sohn, du warst doch so jung, als deine Mutter so tragisch verstarb! Warum hast du uns verlassen und deine Kinder auch allein gelassen! Warum?“

Wenn jemand seinen Schmerz herausließ, konnte man einen kleinen Moment später nur noch Weinen hören … Die Trauer hing zum Ersticken schwer in der Luft.

Wadym war erst 31 als er starb …

Natalija: „Er war ein sehr lieber Mensch, hilfsbereit, lachte sehr gerne und steckte alle um sich herum mit seinem Lachen an. Er liebte es seine Freizeit immer mit seinen Kindern zu verbringen. Er konnte nie „Nein“ sagen wenn jemand ihn um Hilfe bat.

Der kleine Kyrylo möchte nicht wahrhaben, dass Papa nicht mehr da ist. Ich versuche, meine Emotionen so gut wie möglich zu unterdrücken, denn ich möchte mit meinem Weinen den Kindern keinen Schaden zufügen. Ich muss stark bleiben. Ich wünsche mir nur eins, jetzt da Wadym nicht mehr bei mir ist, dass er, von wo immer er sich nun befindet, auf unsere Kinder aufpasst, sie beschützt und über sie wacht.“

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Ich werde euch nicht beschreiben, wie die Witwe aussah oder wie sie sich fühlte, denn ich denke aus dem Bericht kann man wirklich alles herauslesen und nachempfinden. Wir trafen uns also einen Tag nach der Beerdigung ….

Natalija, hat viel zu kämpfen, zum einen gehört das Haus, in dem sie lebt, nicht mehr ihr selbst. Denn als Wadym noch da war, wollte er ein schönes Heim für seine Familie bauen. Er nahm damals einen Kredit auf, den nun leider keiner mehr zurückzahlen kann. Deswegen nahm die Bank ihr das Haus weg. Natalija darf hier zwar noch wohnen, aber sie rechnet jeden Tag damit, dass man sie und ihre Kinder auf die Straße setzen wird. Damit das nicht passiert, hat sie viele Termine und Gespräche in der Hoffnung, dass sie noch alles zeitig geregelt bekommt. Das wünschen wir ihr ebenfalls, und das von ganzem Herzen. Wir gehen also zur Geldspendenübergabe über.

Witwe Natalija und ihre zwei Kinder bekommen von EuroMaidan NRW e.V. eine Geldspende in Höhe von 400,00 €. Sie bedankt sich ganz herzlich für die Hilfe, die aus Deutschland kam und die sie wirklich so dringend braucht.

Wir unserseits möchte uns auch bei euch unseren treuen Spendern für die Hilfe und Unterstützung bedanken. Danke, dass ihr unsere Berichte lest und die Infos über dieses Hilfsprogramm weiter teilt und verbreitet.

Bitte spendet für Kriegswitwen und Kinder der Ukraine:

Konto: EuroMaidan NRW e.V. Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn
IBAN-Nr. DE12380601861502025011 BIC GENODED1BRS
Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

oder PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail
Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.
Herzlichst, Euer Team EuroMaidan NRW e.V.

Treffen und Spendenübergabe: Familie Krawtschuk – 4. April 2015, Stara Synjawa, Gebiet Chmelnyzkyj – Bericht 27

Treffen mit dem Maidan-Aktivisten und Sotnik der Chmelnyzka Sotnja (Kommandant der Selbstverteidigungsgruppe aus Chmelnyzkyj auf dem Maidan) Jurij Krawtschuk und seiner Familie – Spendenübergabe

Dieser Bericht wird sich unterscheiden von allen Berichten, die Sie von uns gelesen haben, denn in diesem Bericht geht es um eine Familie, die wir bereits seit dem 12. März 2014 kennen.

Ja, genau seit dem Tag, als Jurij nach Deutschland kam und im BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz behandelt wurde.

Wir kümmerten uns früher auch um Patienten aus der Ukraine, die hier in Deutschland ihre Behandlung bekamen, unabhängig davon ob durch die Regierung oder privat finanziert. Daher kennen wir diese Familie sehr gut, denn aus den Besuchen und der Unterstützung entwickelte sich eine Freundschaft. Jedes Mal, wenn wir in der Ukraine sind, treffen wir Jurij.

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Jurij Krawtschuk wurde im Rahmen der bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ukraine am 20. Februar 2014 verwundet und erlitt durch Schussverletzungen eine Fraktur der proximalen Tibia links.

Auf diesem Video könnt Ihr ab 1’15” sehen, wie Jurij Krawtschuk und seine Sotnja versuchen, die Verletzten aus der Schusslinie herauszuholen, und ab 2’05” ist er selber verletzt und liegt auf dem Boden:

Die Primärversorgung wurde in der Ukraine durchgeführt, aber sein Zustand danach verschlechterte sich stetig. Seine Ehefrau Natalija machte sich großen Sorgen, denn es bestand die Gefahr, dass Jurij sein Bein verlieren könnte. Gott sei Dank kam die Hilfe noch rechtzeitig.

Deutschland erklärte sich bereit, 24 ukrainische Patienten zur Behandlung nach Deutschland zu bringen, und Jurij war einer von ihnen. (Bericht des Sanitätsdiensts der Bundeswehr)

Am 22.04.2014 erschien mit Hilfe von Christian Seidel dieser Artikel von Detlef Esslinger in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 3:
esslinger-artikel
Am 5. April 2014 erschien noch ein Zeitungsbericht über Jurij und seine Geschichte in der New York Times.

Jurij befand sich bis zum 6. Mai 2014 im Koblenzer Krankenhaus, an diesem Tag wurde er entlassen und kam erst nach Köln. Hier, im Kreise neu gewonnener Freunde, verbrachte er drei schöne Tage und danach flog er in die Reha nach Zypern, wohin auch seine Frau mit dem Kind nachkam. So wurde gleichzeitig eine Familienzusammenführung durchgeführt, denn die Familie hatte sich seit Langem nicht gesehen.

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Zuerst war Jurij vom Anfang bis zum Ende auf dem Maidan, und danach im Krankenhaus und nur kurze Zeit später dann weg nach Deutschland. Der Reha-Aufenthalt war eine sehr schöne Zeit für die Familie, der kleine Oleksandr (Sohn von Jurij) hat zum aller ersten Mal das Meer gesehen und hatte wieder seinen Papa bei sich, den er sehr liebt. Danke an alle Beteiligten, die geholfen haben, damals die Reha zu organisieren und die Familie zusammenzubringen.

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Oleksandr geht zur Schule. Seit unserem letzten Besuch im Oktober ist er ein Stück gewachsen und etwas erwachsener geworden. Er zeigte mir seinen schwarzen Kater und meinte:“ Schau, er ist auch groß geworden“. Natalija kümmert sich liebevoll um uns, man fühlt sich hier wie Zuhause. Jurij hilft mir bei den Fahrten und bringt mich immer im Auto zu den Witwen, welches mir meine Reisen sehr erleichtert. Dieses mal bleibe ich einen Tag länger, und die Familie hat eine kleine Überraschung für uns. Sie haben einen Ausflug nach Kamjanez-Podilskyj geplant, und danach wird es selbstgemachtes Schaschlik geben.
Video:

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So eine herzliche Familie, die einen wie ein Familienmitglied behandelt. Die Eltern von Natalija empfangen uns auch ganz herzlich und familiär. Hier vergessen wir alles, ein Tag Urlaub, der mit viel Lachen, Spaß und Ruhe verbunden ist. Ein Tag, an dem man den ganzen Schmerz, das Leid und die Hilflosigkeit einmal vergessen kann, denn all diese Gefühle schweben hier in der Ukraine um uns herum.

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Jurij arbeitet beim örtlichen Bürgeramt, als Stellvertretender Bürgermeister. Er hat nie frei, als wir an einem Loch vorbei fahren, aus dem Wasser läuft, hält er an und gibt Anweisungen am Telefon. „Das muss sofort repariert werden, das ist ein Rohrbruch, das heißt die Menschen sitzen ohne Wasser da! Das interessiert mich nicht. Sofort!“ Er legt auf und wir fahren weiter. So ist Jurij.

Dafür, dass er Tag und Nacht ansprechbar ist und immer hin und her fährt, um sich um Menschen zu kümmern, wird er aber ganz schlecht bezahlt. Als ich höre wie „hoch“ sein Lohn ist, wird mir recht übel. Das reicht doch nur für einmal einkaufen gehen. Jurij beschwert sich aber nicht. Er wollte an die Front gehen, wurde aber abgelehnt, durch seine Verletzung auf dem Maidan kann er immer noch nicht so gut laufen, und das Bein schmerzt immer noch sehr. Daher ist er froh, dass er überhaupt einen Job bekommen hat. Seine Frau Natalija arbeitet auf dem Markt, und so lebt die Familie.

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Natalija beschwert sich auch nicht, wichtig ist: „Jurij lebt, und wir sind zusammen. Ich kann die Zeiten während des Maidan immer noch nicht vergessen. Es schmerzt immer noch, als ich ihn verletzt, voll im Blut auf dem Bildschirm sah. Ich hoffe nur, dass es mit seinem Bein nicht schlechter wird. Darüber zerbreche ich mir den Kopf.“

Und so vergehen die Tage, Wochen, Monate dieser Familie.

Der kleine Oleksandr fragt mich über Deutschland aus, denn er ist sehr neugierig, :-). Ich hoffe, dass die Familie irgendwann zu Besuch nach Deutschland kommen kann und sich mit all den Menschen treffen kann, die für Jurij in jenen schweren vergangenen Zeiten da waren.

Im Namen des Verein EuroMaidan NRW e.V. übergebe ich an den kleinen Oleksandr eine Geldspende in Höhe von 100,00€. Der Kleine bedankt sich ganz herzlich dafür. Demnächst wird für ihn von dem Geld Kleidung gekauft werden. Als Jurij das Geld sieht, sagt er nur einen Satz zu mir: „Danke an alle, die uns nicht vergessen haben.“

Jurij und seine Ehefrau Natalija, hoffen, dass Ihr auch irgendwann zu ihnen zu Besuch kommt, denn sie würden sich darüber sehr freuen!

Herzliche Grüße!

Noelie Uhlmann für Euromaidan NRW e.V.

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