Spendenübergabe an die Witwe Anastasia Sirich und ihre zwei kleinen Söhne – Nowohrad-Wolynskyj 31.03.2015, Bericht 17

nast2Die Witwe Anastasia lebt in einem Dorf, welches ziemlich weit von der Stadt liegt, aber mit Hilfe der örtlichen Freiwilligen Irina Minejewa kommen wir schnell bei ihr an, ohne uns groß zu verirren. Ein kleines Haus, das mich an das Haus meiner Uroma erinnert. Wir nennen solche Häuser „Masanka“, das sind die Häuser, wie sie vor 100 Jahren noch gebaut wurden.

nast3Wenn man solch ein Haus betritt, gibt es einen langen, schlauchförmigen Flur, in der Ukraine nennt man das „Seni“. Eine ältere Frau, die ziemlich klein ist, kommt uns entgegen und bittet uns hinein.

Alle gehen rein, aber ich bleibe kurz stehen und betrachte dieses Haus. Direkt im Eingangsbereich steht die tragbare Leiter, die auf das Dach führt. Die Türen sind so alt und haben noch ein „Zungen“-Schloss. Wenn man durch die Türe geht, muss man sich etwas bücken. Langsam betrete ich die Küche, die gleichzeitig der Schlafraum des Hauseigentümers ist.

nast4Hier gibt es zwei Zimmer, in einem leben die Schwiegereltern und im anderen die junge Witwe mit ihren zwei Kindern. Unsere Begleiter gehen in das zweite Zimmer, und ich bleibe mit der Mutter des Verstorbenen und der Witwe in der Küche. Das ganze Haus blitzt vor Sauberkeit. Diese Menschen sind nicht reich, sie sind eher arm, aber sauber, frisch geputzt sieht alles aus. Sauber – nicht weil wir kommen, sondern weil die Familie, die hier lebt, eben so ist. Sie wissen es zu schätzen, was sie haben, und sind glücklich, weil sie sich haben.

nast5Anastasia ist sehr jung. Sie ist gerade mal 24 Jahre alt und hat zwei Söhne, Artjom ist vier und sein Bruder Nikita drei Jahre alt.

nast21nast22Die Jungs schämen sich erst ein wenig, aber kurze Zeit später tauen sie auf, werden lebendig und zeigen uns ihre Spielzeuge, die Oma sagt: „Ja schaut mal, sie haben Spielzeug von den Freiwilligen bekommen. Gott sei Dank, dass es solche Menschen gibt. Sie helfen uns und bringen den Kindern diese Sachen. Es ist schon schönes Gefühl, welches die Volontäre uns geben. Jemand denkt an uns und sorgt sich um die Kinder.“

Video:

nast6Wir setzen uns an den Tisch, und ich frage Anastasia, ob sie uns auch gerne etwas näher kennen lernen möchte und ob sie mir etwas über ihren verstorbenen Mann erzählen mag. Sie sagt: „Pascha war 28 Jahre alt, als er starb…“ Einen Folgesatz gibt es nicht, denn eine Träne nach der anderen bricht aus ihren schönen Augen hervor und rollt an ihrem jungen, Schmerz verzerrten Gesicht herunter…

Die Schwiegermutter umarmt sie und streichelt mitfühlend und liebevoll ihre Hand.

nast7Pascha und Anastasia haben sich 2009 kennengelernt, und ein Jahr später gingen die beiden zum Altar, um sich vor Gott und der Welt das Jawort zu geben. Die Kinder waren Wunschkinder von beiden. Deren Wunsch wurde erhört, und zur Welt kamen zwei gesunde Jungen. Die Familie war sehr glücklich, bis Pascha am 19.03.2014 eingezogen wurde und an die Front ging.

nast8Am 18.10.2014 hat die Familie den Sohn, Ehemann und Vater zum letzten mal gesehen, denn er war für zwei Tage zu Hause auf Urlaub. Dann wurde die Familie erschüttert, denn Pascha war erst 28, aber seine Haare waren komplett grau. Dieser Krieg hat sein Äußeres verändert. Leider war das sein letzter Besuch, denn schon zwei Tage später, am 20.10.2014 wurde er sehr schwer im Bauchbereich verletzt und starb kurz danach. Seine Verletzungen waren mit dem Leben nicht vereinbar, und so verlor das 30. Batallion einen weiteren Soldaten und die Familie ihren Sohn, Ehemann und Vater.

nast9Er war ein sehr freundlicher und kontaktfreudiger Mensch, respektierte seine Eltern sehr und verehrte sie. Wenn jemand ihn um Hilfe bat, ließ er alles stehen und liegen und kümmerte sich darum. Er gab der Witwe so viel Liebe, dass sie glaubt, dass er einmalig war. Die Kinder haben nie bei ihm geweint, man hörte nur ständig fröhliches Lachen im Haus. Die Witwe sagt: „Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich ihm sagen, wie sehr ich ihn liebe und, dass er uns allen sehr fehlt.“ Abermals überströmen Tränen ihr Gesicht.

nast24Die Mutter, Lilia Wladislawowna (51) sagt: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass er nicht mehr nach Hause kommt. Ich habe meinen Sohn gefragt, warum er an die Front geht, und er sagte damals zu mir: ‘Mutter, wenn nicht ich, wer dann?!’” Anastasia weint immer wieder bitterlich, das bricht einem einfach das Herz. Einfach da zu sitzen und zu wissen, dass wir ihren Schmerz nicht wegpusten können. Aber gleichzeitig freue ich mich, dass sie so eine verständnisvolle, einfühlsame und liebevolle Schwiegermutter hat.

mit Irina Minejewa
mit Irina Minejewa

Bis zum Zeitpunkt meines Besuchs hat sie bisher kein Geld von der Regierung erhalten, die Witwenrente wurde auch noch nicht berechnet. Ich hoffe sehr, dass die Behörden sich etwas schneller bewegen, damit es der Familie finanziell etwas besser geht. Die Mutter von Anastasia lebt in der Stadt, aber so viel Kontakt haben sie auch nicht. Manchmal besucht sie sie mit den Kindern, aber dann fährt sie wieder in ihr Heim bei Schwiegermama.

nast11Eine eigene Wohnung hat sie auch nicht, und die Schwiegermutter sagt ein paar Sätze, die mich selber fast zu heulen bringen.

„Ich liebe Anastasia und die Jungs. Ich bin so froh, dass ich sie bei mir habe, sie ist nicht meine Schwiegertochter. Mein Sohn hat mir eine Tochter ins Haus gebracht, und solange sie keine eigene Wohnung bekommt, wird sie hier leben, und ich und mein Mann werden sie immer unterstützen –  überall so weit wir es können!“

nast12Eine wunderbare Familie, die weiß, wie man seinen Nächsten liebt und wie man es zeigt. Respekt, Zuneigung, Liebe, und Wärme schweben hier in der Luft. Die kleinen Jungs verstehen noch nicht so ganz, was passiert ist, aber sie sagen: „Unser Papa ist auf der Wolke.“ Alle Familienmitglieder halten eng zusammen und kümmern sich liebevoll um die Kinder, und das spürt man auch sofort. Es ist einfach eine tolle Familie, die leider durch den Krieg einen geliebten Mensch verlor.

nast13Anastasia und Ihre zwei Söhne bekommen von EuroMaidan NRW e. V. ein paar kleine Geschenke und auch eine Geldspende in Höhe von 500,00€.

Video:

nast15nast16Die Mutter und Anastasia bedanken sich bei allen Spendern, denen das Schicksal der Witwen nicht gleichgültig ist!

nast17nast18Wir, EuroMaidan NRW e.V., bedanken uns unserseits auch bei all den Spendern, die dieses Programm unterstützen, damit es den Witwen und deren Kinder finanziell etwas besser geht, damit die Witwen für die Kinder etwas leisten können, ob das nun Mitgliedsbeiträge für Vereine sind, um sie von der Tragödie abzulenken, oder Kleidungsstücke oder auch Arztbesuche.

nast19nast23Spenden über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:

IBAN: DE12380601861502025011 – BIC: GENODED1BRS – Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG – Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.

Verwendungszweck: Hilfsaktion Witwen

Herzlichst, euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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