Spendenübergabe an Witwe Irina Rudenko und ihre 3 Kinder – Nowohrad-Wolynskyj, 31.03.2015 – Bericht 16

nowo1Wir befinden uns in einer Stadt, die Nowohrad-Wolynskyj heißt. Kurz vor der Stadt halten wir an, der Fahrer Alexander, Oleg Boyko, die Reporterin Julija Demus, mein Sohn und ich, und warten auf Freiwillige von hier, Irina Minejewa und Natali Jurtschenko, um die Spendengelder an die Witwen zu übergeben. Die zwei jungen Frauen kommen kurz danach in einem sehr patriotisch gestaltetem Auto bei uns an. Kurz lernen wir uns kennen und sitzen alle schon bereit in den Autos, auf dem Weg zum ersten Fall in diesem Gebiet.

Irina Minejewa (links), Julija Demus (Mitte) und Natali Jurtschenko (rechts)
Irina Minejewa (l.), Julija Demus (m.) und Natali Jurtschenko (r.)
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Irina Minejewa (links) und Natali Jurtschenko (rechts)

Wir kommen in einem Dorf an und halten an einem Haus. Witwe Irina hat uns vom Fenster aus gesehen, kommt uns entgegen und bittet uns herein.

nowo14nowo3nowo2Witwe Irina Rudenko ist 31 und hat drei Kinder, zwei von ihnen sind zu Hause, und auch ihre Schwiegermutter ist da. Das Haus, welches wir gerade betreten, gehört auch der Schwiegermutter, und Irina kann nur kurz hier leben, schon bald muss sie sich leider nach einer neuen Bleibe für sich und ihre Kinder umschauen. Traurig…. aber wahr!

nowo22Wladislaw ist zwölf Jahre alt und der älteste Sohn Irinas. Er begrüßt mich ganz herzlich und spricht sehr offen mit mir, und genau so offen beantwortet er auch meine Fragen. Zur Zeit besucht er die 7. Klasse und ist sehr gut in der Schule. Er mag sehr gerne die Schulfächer Mathematik, Geografie und Chemie. Er mag sehr gerne Fußball anschauen und auch spielen, Lesen gehört auch zu seinem Lieblingszeitvertreib. Jedoch ist das noch nicht alles, denn er spielt auch noch ein Instrument: das Saxophon. Drei Mal die Woche besucht er einen Verein, wo er übt.

nowo6Über seinen verstorbenen Vater, der nicht sein leiblicher Vater war, spricht er sehr herzlich: „Als Vater war er ziemlich gut zu mir. Er spielte sehr oft mit mir, war sehr lustig. Ich liebte ihn und hatte großen Respekt, er hat mich immer beschützt. Mein Vater fehlt mir sehr!“ Als der junge Wladislaw über seinen Vater spricht, strahlen seine Augen und werden recht lebendig, man merkt sofort, er sagt das alles ehrlich und aufrichtig aus dem Tiefsten seines Herzens.

Das tut einem unheimlich leid, ein Kind, das keinen Vater hat, bekam eines Tages so viel Liebe und Zuneigung von einem Mann, der sich um ihn kümmerte, als sei es sein eigenes, aber durch den Krieg verlor er diesen wunderbaren Menschen wieder. Er spielt Saxophon, weil sein Vater auch Musiker war, und der Junge ihn als Vorbild ansah. In aller eurer Namen übergab ich dem Kleinen die Geschenke, wofür er sich bedankte und dann sich mit seinem kleinen Bruder beschäftigte.

nowo8nowo7Wanja ist erst ein Jahr alt, ein kleines, süßes Kind. Er ist sehr neugierig und hat immer ein zauberhaftes Lächeln im Gesicht. Als Wladislaw ihn ruft, kommt er sofort zu ihm und umarmt seinen großen Bruder und schaut mit ihm die Geschenke an. Wladislaw macht ganz vorsichtig eine Tüte Haribo auf und füttert vorsichtig den kleinen Wanja. Ein wunderschönes Bild, das einem sehr nah ans Herzen geht.

Video:

Dascha ist die zweitgeborene und ist gerade sieben Jahre alt, aber das Mädchen trafen wir leider nicht an, da sie noch in der Schule war. Sie spielt auch ein Instrument: das Klavier. Die Geschenke für Dascha übergebe ich einfach an die Mutter, und somit kann ich ab jetzt meine Zeit ihr widmen.

nowo9nowo10Irina ist sehr jung, aber sie musste schon viel Leid in ihrem Leben ertragen. Ihre erste Ehe hielt nicht lange, denn der damalige Ehemann schlug sie und trank. Da sie sich eine bessere Zukunft für ihren Sohn Wladislaw wünschte, trennte sie sich hochschwanger –  und etwas später hat sie ihre neue Liebe in Winnyzja kennengelernt. Dmitro verliebte sich in die hübsche Irina und akzeptierte ihren Sohn. Ab dem Tag hieß es nur noch “unser Sohn”.

nowo19Dmitro war 29 Jahre alt, als am 14. 08. 2014 sein Leben unterbrochen wurde. Seine Einheit – die 3. Schar der 30. Brigade im 3. Batallion, wurde nicht weit von der russischen Grenze stationiert, im Ort Stepaniwka im Gebiet Donezk. Eines Nachts wurden sie vom russischen Territorium aus mit Grad-Raketenwerfern beschossen. Ich muss nicht schreiben, was da wirklich passierte, da ihr selber wisst, wie die Orte danach aussehen. Dmitro wurde unter der Nr. 172 als vermisst registriert, bis seine körperlichen Reste am 05.12.2014 gefunden wurden. Dank der Expertengutachten, vielen Fahrten hin und her, Stress und Sorgen, die die junge Witwe erleiden musste, wurde am 23.03.2015 endlich festgestellt, dass es sich bei Nr. 172 tatsächlich um ihren getöteten Ehemann handelt. Also bin ich jetzt hier, wo doch vor kurzem erst die Beerdigung war.

Ich war erschüttert. Irina hat ihre Augen schon ausgeweint, so viele Monate hat sie nach ihrem Mann gesucht und endlich – leider tot – gefunden. Sie hatte immer gehofft, dass er vielleicht doch überlebt hat oder vielleicht in Gefangenschaft war, denn alles war ihr lieber als sein Tod. Er liebte ihre drei Kinder sehr, kümmerte sich total liebevoll um die Familie und war sehr hilfsbereit. Er liebte auch seine Berufung und fand sie in der Armee, wo er auch im Militärorchester spielte, und diese Liebe zur Musik gab er auch an seine Kinder weiter.

nowo11Ich frage Irina, ob ich ihren Namen offen schreiben darf, und sie beantwortet sehr klar mit ja. Daher sind diese Daten offen gelegt. Da klingelt das Telefon, und Irina entschuldigt sich kurz. Ein Verein aus Italien meldet sich, da sie ihr gerne mit Sachspenden aushelfen wollen. Das freut mich sehr, dass die junge Frau Unterstützung bekommt und spürt, dass sie vielen Menschen auf dieser Erde wichtig ist.

nowo15nowo16Sie holt ihre selbstgemachten Sachen raus und zeigt uns, womit sie ihren Unterhalt verdient, da sie immer noch keine Witwenrente bekommt.

nowo17Aber schon bald wird sich die Situation hoffentlich ändern, und es wird ihr etwas besser gehen. Die anderen und ich kaufen ihr ein paar Sachen ab, und so bringe ich zwei wunderschöne Haarreifen mit nach Deutschland.

nowo12Irina und ihre drei Kinder bekommen vom Verein Euromaidan NRW e. V. eine Geldspende in Höhe von 600,00€. Jetzt können die Kinder weiter hin den Verein besuchen und weiter die Instrumente spielen lernen. Irina bedankt sich mehrmals für die Hilfe, und wir verlassen langsam dieses Haus in der Hoffnung, dass die Beamten ihr entgegenkommen werden und dass sie schnell bekommt, was ihr gesetzlich zusteht und auch ein eigenes Heim, aus dem sie niemand wieder rauswerfen kann!

nowo25nowo24Wir bedanken uns bei allen Spendern und bitten euch um weitere Unterstützung des Programms “ Hilfsaktion Witwen und deren Kinder“:

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011 – BIC GENODED1BRS
Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Mit freundlichen Grüßen

Euer Team Euromaidan NRW e.V.

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