Spendenübergabe an die Witwe Lessja – 30.03.2015 Schytomyr – Bericht 12

Wir, Oleg Boyko und ich, treffen die Witwe Lessja im Büro von Irina Kozjuba, die Vorsitzende des Vereins „Tschas Smin“, in der Stadt Schytomyr. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken!

Lessja ist schon da und sitzt zusammengesunken, in ihren Gedanken vertieft im Büro. Eine sehr junge Frau, die leider mit 25 Jahren durch den Krieg in der Ukraine zur Witwe wurde. Als ich mich ihr gegenübersetze, sehe ich ihr direkt in die Augen, und dort steht so viel Schmerz, Trauer, Leid und gleichzeitig Angst geschrieben. Sie ist unsicher und redet nur sehr leise, so dass ich sie manchmal kaum verstehen kann. Das Gespräch ist sehr trocken, und ich weiß einfach nicht, wie ich den Gesprächfaden zu ihr finden kann.

lessja3Ihr Sohn Jegor ist drei Jahre alt und befindet sich gerade zu Hause in einem weit entfernten Dorf bei der Oma, die auf ihn aufpasst. Der kleine Jegor versteht nicht, was passiert ist, und er trägt das Foto des verstorbenen Vaters mit sich herum, erzählt mir Lessja nur sehr mühsam.

lessja2Ihr Ehemann Witalyj war 29, als er am 13.05.2014 im Krieg starb. Am 10.03.2014 musste er an die Front gehen, und nach zwei Monaten wurde er in der Stadt Kramatorsk, Gebiet Donezk tödlich verletzt. Es ist nun fast ein Jahr rum. Wie sich seine Ehefrau wohl alleine um alles kümmern kann und den Jungen groß ziehen, wenn es doch immer noch für sie so ist, als ob sie ihn erst gestern begraben hat?

Die junge Familie war frisch verheiratet. Die Hochzeit fand im Oktober 2011 statt, und etwas später kam Jegor zur Welt. Dieses Kind war ein Wunschkind von beiden, und Witalyj konnte damals kaum abwarten, bis das Baby endlich da war und er als stolzer Vater seinen Sohn Jegor in den Arm nehmen konnte.

Ich frage die junge Witwe, wie ihr Ehemann so war, und sie drückt es nur ganz kurz aber gleichzeitig umfangreich aus: „Witalyj hat mir gezeigt was Liebe ist und was es heißt jemanden zu lieben! Er hat mich und unseren Sohn einfach vergöttert! Wir hatten nie einen Streit, denn er war ein sehr friedlicher und ehrlicher Mensch. Ich kann einfach nicht glauben, dass er tot ist. Ich warte immer noch auf ihn, denn dies alles kann doch nur ein Albtraum sein.“ Ich weiß nicht, aber es hörte sich so an wie eine Frage, worauf ich leider nur allzu gut die ernüchternd traurige Antwort kenne.

Lessja ist – wie viele andere Witwen auch – auf sich allein gestellt. Sie arbeitet als Krankenschwester in einem kleinen Krankenhaus oder eher Gesundheitszentrum/Poliklinik. Da sie arbeiten geht, bekommt sie keine Witwenrente für sich, nur der kleine Jegor bekommt Halbwaisenrente. Viel ist das nicht, daher muss Lessja jede Hrywnja (UAH) mehrmals umdrehen, bevor sie es ausgibt.

lessja4Sie hat sich bedankt, dass sie die Kleiderkammer besuchen und ein paar Sachen für sich und ihren Sohn einfach so mitnehmen durfte. Ich sage ihr, dass sie sich nicht bedanken muss, denn wir freuen uns schließlich darüber, dass wir ihr sowie auch anderen in so schwierigen Zeiten etwas aushelfen können… Und da verliere ich schon wieder den Gesprächsfaden und sehe, wie sie wieder in sich hineinkehrt, daher beschließe ich das Treffen zu beenden und fahre mit der Geldspende und der Geschenkübergabe fort. Danke an alle Spender, welche die Spielsachen, Körperpflegeartikel und Süßigkeiten gespendet habe.

lessja6320,00€ gehen an Lessja. Als ich ihr das Geld im Namen des Verein EuroMaidan NRW e.V. überreiche, sehe ich ihr an, dass sie sich nicht wirklich wohl dabei fühlt. Sie schaut mich fragend an, und ich beruhige sie und erkläre ihr, dass dies kein Kredit oder so etwas sei, sondern, dass es nur eine finanzielle Unterstützung, eine Hilfe sei. Sie bedankt sich fünf Minuten lang dafür, so dass ich mich jetzt unwohl gefühlt habe. Wir machen noch ein paar Fotos zusammen, und somit war dieses Treffen auch schon beendet.

lessja5lessja8lessja9Wir Ehrenamtlichen, Irina Kozjuba, Tatjana Dokil, die Vorsitzende des Vereins Dopomoga und Oleg Boyko, Mitarbeiter unseres Vereins und der Demokratischen Allianz (DemAllianz), und ich saßen aber ein paar Minuten da und haben uns darüber unterhalten, dass Lessja ganz dringend Hilfe und einen Therapieplatz braucht, damit sie aus ihrem grausamen Kummer rauskommt, und das muss ganz schnell passieren, da alle sehr besorgt um sie sind. Wir danken unseren Kooperationspartnern wie DemAllianz Schytomyr und Tschas Smin, das sie sich drum kümmern werden und die nötige Hilfe vor Ort leisten werden.

lessja10lessja11Danke noch mal an alle Spender, die uns bis jetzt so tatkräftig unterstützt haben. Wir hoffen, dass wir weiterhin auf Euch zählen können.

Für Geldspenden benutzt bitte die folgenden Angaben:

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn, Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V., Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Mit freundlichen Grüßen, euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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