Spendenübergabe an Witwe Nadija und ihre Töchter Hanna und Aleksandra am 30.03.2015 – Oblast Schytomyr (Bericht 11)

schy7Hier werden wir von gleich drei Generationen empfangen, unsere Witwe, ihre Kinder und deren Großeltern. Nadija sehe ich zum ersten Mal. Erst kurz vor meiner Abreise nahmen wir sie in unser Hilfsprogramm „Witwen und deren Kinder“ auf.

schy2Nadija wird bald 28 Jahre alt, ihre Tochter Hanna ist 7 und besucht die Klasse 2A, und ihre Schwester Aleksandra ist 11, sie besucht die Klasse 5B. Wir setzen uns in ein Zimmer. Anfangs sind alle dabei und schauen mich neugierig an. Uns wird sofort Tee angeboten, und es werden Schoko-Pralinen gebracht. Ich nehme das Angebot an, da ich sonst nicht weiß, wie ich Kontakt aufnehmen kann. Und so sitzen wir mit Tee und Kaffee, fangen langsam und tastend an uns zu unterhalten.

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schy5Die kleine Hanna ist sehr offen und neugierig, sie kommt auf mich zu, und so kommen wir zum Glück ins Gespräch. Sie erzählt mir über die Schule, dass die meisten Lehrer recht nett sind und dass sie ein paar Freundinnen hat. Dadurch quasselt sie sehr viel mit mir. Ich muss hier schmunzeln. Das kennt man sehr gut. Sie erzählt auch, dass sie in der Schule Englisch lernen muss, dass es ihr schwer fällt, die Sprache zu lernen, aber sie macht gerne bei Mathe und Sport mit. Da ist sie sehr gut. Und sie sagt mir noch, dass sie manchmal später von der Schule nach Hause kommt.

schy6Während dessen sitzt Aleksandra bei ihrer Mutter und beobachtet uns nur. Reden tut sie überhaupt noch nicht, aber das ist ok, denn für den Moment hat ja Hanna den Faden in der Hand und erzählt etwas über ihre Schwester. Das ist schön , ich sehe die Hanna wie einen Sonnenschein hier, und dass sie sie alle wach schüttelt. Sie kommt nach ihrem Papa. Also überreiche ich die Geschenke an Hanna, das kleine Kuscheltier, einen Affen, nimmt sie sofort in ihren Arm und schmust damit.

schy4schy15Aleksandra sitzt weiterhin bei ihrer Mutter, und so frage ich sie, wie es ihr denn so in der Schule geht. Langsam gibt auch sie nach und setzt sich neben mich aufs Sofa und erzählt von sich. Genau wie bei Hanna tut sie sich schwer mit der englischen Sprache, aber ansonsten macht die Schule ihr Spaß. Sie besucht auch seit kurzem einen Verein, und da gefällt es ihr sehr. Sie hat viele Freunde und dadurch kommt sie auch wie Hanna etwas später nach Hause. Mama macht sich viele Sorgen und ruft sie ständig an.

schy9Daraufhin hole ich die Geschenke für sie raus. Eine Uhr und auch etwas Süßes. Das ist die allererste Uhr die sie bekommt, und das Mädchen freut sich sehr darüber. Jetzt kann sie selber schauen, wie spät es ist, und vielleicht nicht mehr so spät nach Hause kommen, sage ich ihr, worauf sie lacht. Ihr Lachen klingt wie eine wunderschöne Glocke. Wirklich, die beiden haben sich sehr gefreut, daher noch ein riesiges Dankeschön an Andreas Brandes und Dima Turm, denn diese beiden Männer besorgten die Sachen und übergaben sie an uns.

schy8schy10schy11schy16schy17schy14Auch die Großeltern beobachten mich die ganze Zeit, aber mit einem Lächeln. Ich kann es ihnen ansehen, dass sie sich für die Geschenke, welche die Kinder bekommen haben, sehr freuen. Nachdem ich mit den Kindern über alles, was sie interessiert gesprochen habe, verlassen sie selber den Raum und gehen in ein anders Zimmer. Die Großeltern stehen auf und sagen uns, dass sie auch gehen, da wir sicherlich bestimmt Ruhe brauchen, und so lassen sie mich und die Witwe Nadija alleine.

schy12Plötzlich sinkt Nadija in sich zusammen, und lässt sich und ihre Gefühle fallen. Ich stelle ihr nur eine Frage: „Wie kann ich Sie kennen lernen?“ und Nadija erzählt mir über ihr Leben und ihren Ehemann und wie es ihr ergeht.

schy13Seit elf Jahren war sie mit ihrem Ehemann Mykola verheiratet. Sie lebten zusammen in seinem Elternhaus. Jetzt ist sie zu ihren Eltern gezogen. Warum? Mykola hatte einen Bruder, der vor ihm verstorben ist, und Nadijas Schwiegermutter konnte damit nie klar kommen. Dann ging ihr zweiter Sohn an die Front, und sie meinte, dass seine Ehefrau Nadija ihn hätte aufhalten müssen. Aber Nadija unterstützte ihren Mann und hat seinen Entschluss nie in Frage gestellt, da sie nur die Stütze für ihn war. Sie lebten sehr glücklich, und sie waren mit allem zufrieden. Ihr Ehemann war sehr vorsichtig mit ihr, sehr lieb zu ihr.

Sie sagt: „Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich so eine Liebe elf Jahre lang erfahren und bekommen durfte.“ „Ich habe nie gearbeitet, da mein Mann sich um alles gekümmert hat. Meine Aufgabe war es, mich um unsere Kinder und Familie zu kümmern. Er war unser Versorger, der auch seine Mutter unterstützte.“

Es ist nicht in Worte zu fassen, was für eine Atmosphäre um uns herum war, als sie mir das erzählt. Die Beerdigung war erst vor Kurzem, und das ist sehr spürbar für mich. Nadija wischt sich die Tränen weg, und dann sehe ich, dass ihre Augen sehr müde aussehen. Momentan arbeitet Nadija als Bedienung in einem Cafe. Da sie noch keine Witwenrente erhält, muss sie irgendwie ihre Kinder versorgen. Die Töchter, die es gewohnt waren, dass die Mutter immer zuhause war, verstanden am Anfang überhaupt nicht, was passiert war.

Mykola war erst 32, als er durch Raketensplitter im Dorf Spartak im Gebiet Donezk getötet wurde. Er war ein ausgebildeter Soldat, und seit sechs Jahren befand er sich in der Armee, aber am 10. Februar 2015 konnte ihm seine Ausbildung und all seine Erfahrung nicht helfen.

Als sein lebloser Körper nach Hause gebracht wurde, reagierten die Kinder sehr unterschiedlich. Die kleine Hanna ging zum Vater und streichelte immer sein Gesicht oder seine Hand, während Aleksandra in sich ging und überhaupt nicht mehr in die Schule gehen wollte.

Die Schwiegermutter war am Boden zerstört und beschuldigte Nadija, sie sei Schuld daran, dass sie den letzten Sohn auch noch verloren hat. Sie hätte ihren Mann aufhalten und nicht gehen lassen dürfen. Deshalb zog Nadija aus dem Haus aus und zog bei ihren eigenen Eltern ein.

Sie redet aber ganz lieb über ihre Schwiegermutter und sagt sie kann sie verstehen, dass es schrecklich war, was passiert ist. „Die zwei Kinder die sie geboren hat, musste sie zu Grabe tragen. Das tut mir alles so weh. Mein Mann fehlt mir, aber ich habe eine große Verantwortung ihm gegenüber, denn ich muss unsere Töchter groß ziehen, egal wie groß mein Schmerz ist.“ So zog sie bei ihren Eltern ein. Ein Zimmer hat sie hier für sich und ihre Kinder zur Verfügung und sie träumt, dass sie schnell eine Wohnung bekommen kann, und dass sie endlich mit ihren Kindern ein eigenes Heim haben wird, wo nur sie drei leben.

schy18Nadija spricht sich richtig alles von der Seele, bis ihre Mutter zwischendurch rein kommt und fragt ob wir etwas brauchen, wieder allein, sinkt sie wieder in sich und blieb still. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass sie schnell eine Wohnung bekommt und endlich zur Ruhe kommen kann.

schy19Und so gehen wir über zur Übergabe der Geldspende in Höhe von 400,00€ vom Verein EuroMaidan NRW e.V. und einer Schachtel deutscher Schokolade. Sie bedankt sich ganz herzlich und freut sich über die Schokolade, und endlich sehe ich, wie schön sie lächeln kann.

schy20Wir danken allen für die Spenden, für Ihre Hilfe und Unterstützung.

Mit den folgenden Angaben könnt Ihr jederzeit weiteren Spenden überweisen:

PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS
Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V. Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn
Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

(falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben)

Herzlichst, Euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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