Spendenübergabe an die Witwe Nadiya, Schytomyr, 29.03.2015 (Bericht 8)

nad2nad4Eine kleine zierliche Frau mit großen Augen macht uns die Türe auf und bittet uns herein. Sie entschuldigt sich für ihr Aussehen, da sie gerade eben erst nach Hause kam und nach einem langen Arbeitstag als Verkäuferin etwas mitgenommen aussieht. Wir setzen uns ins Wohnzimmer, und fangen einfach so, als ob wir uns schon ewig kennen, an uns zu unterhalten.

nad3Nadiya ist 52 Jahre alt, aber sie sieht viel jünger aus. Sie ist sehr offen zu mir, und es  fällt mir leicht, mich mir ihr zu unterhalten. Ich frage sie nichts, denn sie erzählt mir selber die Geschichte über ihr Leben und über ihren verstorbenen Mann.

nad5Sie lobt unser Programm und alle Menschen, die unsere ukrainischen Witwen und deren Kinder unterstützen. „Das ist einfach bewundernswert, wie die Menschen sich zusammen tun und der Ukraine und ihrem Volk helfen wollen,“ sagt sie zu mir, „denn gerade die Witwen brauchen so sehr eure Hilfe. Wir wissen nicht wohin mit unserem Schmerz und Leid, und an wen wir uns wenden sollen. So viele junge Frauen sind mit ganz kleinen Kindern allein geblieben, daher ist es gut, dass es euch da im fernen Deutschland gibt.“ Als sie mir dies alles sagt, fühle ich mich zerspalten und ich denke mir „Wäre dieser verdammte Krieg nicht, würden die armen Frauen und Kinder ihre Liebsten nicht so vorzeitig verlieren müssen.“

nad6Nadiya hat zwei Kinder, die schon groß sind und eigene Familien haben, deshalb können sie ihre Mutter nur seelisch unterstützen und ihr einfach nur ihre Wärme und Liebe schenken. Es ist toll, dass die Familie so zusammen hält. Denn Nadiya braucht das jetzt, denn ihre kranke Schwiegermutter lebt auch bei ihr. Sie zerreißt sich regelrecht zwischen ihrer Arbeit und ihren Pflichten zuhause. Die Schwiegermutter hat hier ein Zimmer für sich, sie sitzt auf dem Bett und hält ein Bild in der Hand. Auf dem Bild ist ihr Sohn zu sehen. Die ältere Dame spricht nicht, sie schaut den ganzen Tag nur das Bild an. Ich war nur ganz kurz in ihrem Zimmer, denn den Schmerz dieser Frau konnte ich nicht verkraften, das tat mir unheimlich leid. Das ist das Schlimmste für eine Mutter, wenn sie ihr eigenes Kind zu Grabe tragen muss!

nad7Als wir ins Wohnzimmer zurückkehren, berichtet mir Nadiya weiter über ihren geliebten Mann. Anatoliy war 52 Jahre alt, als er starb. Sie hat sich mit 16 Jahren in ihn verliebt, dann war er in der Armee, und sie wartete zwei ganze Jahre auf ihn, worauf es eine wunderschöne Hochzeit gab. Sie waren so glücklich.

nad8Anatoliy liebte seine Frau und seine Kinder sehr. Er hat sie sehr respektiert und hat 36 Jahre lang ihr gemeinsames Leben beschützt und nie zugelassen, dass seine Frau weint. Er konnte ihr keinen Wunsch ausschlagen. Er liebte sie sehr! Im Sommer versuchte er immer, einen schönen Urlaub für seine Familie zu organisieren. Später als die Enkelkinder zur Welt kamen, war er der glücklichste und beste Opa auf der Welt. Er verwöhnte die Kleinen bis zum geht nicht mehr. Während sie mir dies alles erzählt, weint und lächelt sie gleichzeitig. Sie lässt sich umarmen und trösten.

Anatoliy hat sich freiwillig zur 95. Luftlandebrigade gemeldet und ging an die Front. Er war ein aktiver Aktivist auf dem Maidan in Kiew. Als er an die Front ging, wollte er nicht, dass seine Frau sich Sorgen macht und hat sie zu erst belogen. Er sei halt nicht an der Front, sondern an einem Übungsplatz, erst etwas später sagte er ihr die Wahrheit. Er bat sie um Verständnis und sagte: “ Hier sterben 19-jährige Jungen, ich kann nicht zu Hause bleiben, ich bin älter und habe halt Erfahrung, und möchte die Jungs unterstützen und denen helfen. Bitte verzeih mir.“ Danach haben die beiden abgemacht, dass er zweimal am Tag anrufen wird. Am 25.01.15 gegen Abend sprachen die beiden zum allerletzten mal mit einander, denn ab dem 26.01.2015 rief er sie nie mehr an. Sein Telefon war still, und dann kam auch schon die Nachricht. Am 26.01.2015 wurde Anatoliy im Dorfe Vodyane in der Nähe des  Flughafens Donezk getötet. Am 01.02.2015 kamen mehrere hundert Schytomyrer und begleiteten den gefallenen Soldaten auf seiner letzten Reise. Auf Knien schrien sie: „Helden sterben nicht!“. Wie schon so viele andere Soldaten vor ihm, wurde auch Anatoliy auf dem Soldatenfriedhof in Schytomyr begraben. Sie weint und zittert am ganzen Körper, als sie fertig erzählt hat. Oleg umarmt sie und nimmt anschließend ihre Hand in seine.

nad9nad10nad11nad12Nachdem wir alle wieder etwas zu uns gekommen sind und unsere Gefühle wieder unter Kontrolle hatten, übergab ich ihr die Geldspende in Höhe von 250,00 €, die ihr lieben Spender gegeben habt.  Sie bedankt sich für die Hilfe und verspricht mir auch, die Kleiderkammer zu besuchen, um für ihre Schwiegermutter und sich selbst etwas Kleidung auszusuchen. Das tat sie auch ein paar Tage später, nachdem ich weg war. Meine Mission ist hier somit beendet. Wir machen gemeinsam ein paar Fotos, und dann müssen wir sie auch schon verlassen.

nad13Wir Danken allen Spendern für die Hilfe, und wir danken für die tatkräftige Unterstützung der Kriegerwitwen, die ihr jeden Tag erbringt!

Für weitere Spenden und Unterstützung dieses Programmes “ Hilfsaktion Witwen und deren Kinder “ benutzt bitte diese Angaben:

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS,

Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn, Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

(falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben)

Vielen Dank im voraus.

Euer Team,

EuroMaidan NRW e.V.

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