Spendenübergabe an Witwe Ljubow Ljubtschyk und ihre zwei Kinder – 31.03.2015 Nowohrad-Wolynskyj – Bericht 18

ljub1ljub2Diese Übergabe war nicht geplant, und eigentlich wusste ich vorher nicht, dass diese Witwe eure/unsere Hilfe braucht. Die Volontärin Irina Minejewa wendet sich während der Fahrt zur Kleiderkammer an mich und fragt, ob wir nicht bei Ljubow vorbei schauen können.

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Oleg Boyko
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Bettstelle

Wie handelt man in solchen Fällen? Mein Kopf brummt, und ich versuche, schnell durchzurechnen. ob ich wenigstens einen kleinen Freibetrag habe.

ljub5Der Krieg in der Ukraine dauert nicht erst seit heute. Die Menschen werden müde, und sie haben schon lange ihre Ressourcen aufgebraucht, und genau so geht es uns auch, denn die Spenden fließen seit einiger Zeit nur noch tröpfchenweise. Dabei müssen wir immer schauen, dass die Spenden gerecht aufgeteilt werden und dass wir das Beste daraus machen und so vielen Familien wie eben möglich damit helfen zu können. Nachdem ich hin und her gerechnet habe, kommt doch ein kleiner Betrag raus. Also schaue ich Irina an und stimme der Fahrt zu.

ljub6Ljubow ist 24 Jahre alt und hat zwei Kinder, Tochter Mandalina (5) und Sohn Nikita (2,5).

Die kleine Familie lebt in einem weit entfernten Dorf in einem Haus, welches die Volontäre gefunden haben und der Witwe zur Verfügung gestellt haben. Alles was im Haus ist, haben die Volontäre hingebracht. Die junge Witwe hat keinen Besitz. Sie hat nur sich und ihre Kinder!

ljub16Ljubow lebt jedoch in ihrer eigenen Welt, sehr zurückhaltend und eher in sich gekehrt. Die Kinder schauen uns neugierig an, und der kleine Nikita versteckt sich immer. Ihr Leben mit 24 Jahren hat ihr schon mehrere Schicksalsschläge zugefügt. Ihre erste Ehe hielte nicht lang, und dieser Ex-Mann kümmert sich überhaupt nicht um die gemeinsame Tochter. Dann lernte sie den hübschen Mykola kennen, aber der Krieg nahm ihn ihr wieder weg. Jetzt hat sie diese beiden wunderschönen Kinder, aber ist wieder allein.

ljub8Gott sei Dank, dass sich die örtlichen Volontäre um die junge Witwe kümmern und ihr helfen, wo und wie sie nur können. Danke, dass ihr solch große Herzen habt!

ljub9ljub10ljub22Mykola war 25 Jahre alt. Im Ort Debalzewo wurde er umgebracht und gilt seit her als vermisst. Am 14.02.2015 bekam Ljubow einen Anruf, der Gesprächspartner gab sich als Vertreter von „Noworossija“ aus und sagte, dass Mykola nie wieder nach Hause kommen werde, und sie solle aufhören nach ihm zu suchen. Er sei tot!

ljub21ljub23Aber am 16.05.2015 wurden dann doch noch seine körperlichen Überreste unter einer bestimmten Nummer gefunden. Zwei mal wurde ein DNA-Test durchgeführt, um sicherzustellen, dass es sich hier auch wirklich um Mykolas sterbliche Überreste handelt. Nun wird bald die Beerdigung stattfinden.

ljub13ljub14Ljubow schaut mich an und sagt einen Satz, der mir bis heute in meinem Kopf brummt: „Wir sagen oft, dass alles in Ordnung ist, aber in der Nacht erstickt einen der Schmerz …“ Mehr mag Ljubow mir nicht erzählen, sie schaut nur auf den Boden…

ljub15Die Eltern unterstützen sie überhaupt nicht, sie verstehen sich nicht mit ihr, und es ist ihnen egal, wie es ihrer Tochter mit ihren Kinder geht. Die Schwiegermutter ist an Krebs erkrankt, daher kann sie Ljubow auch nicht helfen. Das ist eine harte Prüfung, die sie in ihrem Leben bekommen hat, und ich kann nur hoffen, dass sie noch stark genug ist und es schafft, doch noch zurecht zu kommen.

ljub18Die Witwe Ljubow bekommt 100,00€ von EuroMaidan ausgezahlt. Die Kinder bekommen Haribo und fangen sofort an zu naschen. Mit einem schweren Gang verlasse ich diese Familie und fühle mich einfach hilflos und elend. Wir möchten Euch bitten unser Programm „Hilfsaktion Witwen und deren Kindern“ weiter finanziell zu unterstützen und vielleicht gebt ihr euren Bekannten etwas über dieses Programm weiter, damit wir zusammen mit eurer Hilfe solchen Witwen helfen können.

ljub19ljub25Für Spenden benutzt bitte folgende Angaben:

PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com
Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

Bank: IBAN: DE12380601861502025011 – BIC: GENODED1BRS – Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG – Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst, euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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Spendenübergabe an die Witwe Anastasia Sirich und ihre zwei kleinen Söhne – Nowohrad-Wolynskyj 31.03.2015, Bericht 17

nast2Die Witwe Anastasia lebt in einem Dorf, welches ziemlich weit von der Stadt liegt, aber mit Hilfe der örtlichen Freiwilligen Irina Minejewa kommen wir schnell bei ihr an, ohne uns groß zu verirren. Ein kleines Haus, das mich an das Haus meiner Uroma erinnert. Wir nennen solche Häuser „Masanka“, das sind die Häuser, wie sie vor 100 Jahren noch gebaut wurden.

nast3Wenn man solch ein Haus betritt, gibt es einen langen, schlauchförmigen Flur, in der Ukraine nennt man das „Seni“. Eine ältere Frau, die ziemlich klein ist, kommt uns entgegen und bittet uns hinein.

Alle gehen rein, aber ich bleibe kurz stehen und betrachte dieses Haus. Direkt im Eingangsbereich steht die tragbare Leiter, die auf das Dach führt. Die Türen sind so alt und haben noch ein „Zungen“-Schloss. Wenn man durch die Türe geht, muss man sich etwas bücken. Langsam betrete ich die Küche, die gleichzeitig der Schlafraum des Hauseigentümers ist.

nast4Hier gibt es zwei Zimmer, in einem leben die Schwiegereltern und im anderen die junge Witwe mit ihren zwei Kindern. Unsere Begleiter gehen in das zweite Zimmer, und ich bleibe mit der Mutter des Verstorbenen und der Witwe in der Küche. Das ganze Haus blitzt vor Sauberkeit. Diese Menschen sind nicht reich, sie sind eher arm, aber sauber, frisch geputzt sieht alles aus. Sauber – nicht weil wir kommen, sondern weil die Familie, die hier lebt, eben so ist. Sie wissen es zu schätzen, was sie haben, und sind glücklich, weil sie sich haben.

nast5Anastasia ist sehr jung. Sie ist gerade mal 24 Jahre alt und hat zwei Söhne, Artjom ist vier und sein Bruder Nikita drei Jahre alt.

nast21nast22Die Jungs schämen sich erst ein wenig, aber kurze Zeit später tauen sie auf, werden lebendig und zeigen uns ihre Spielzeuge, die Oma sagt: „Ja schaut mal, sie haben Spielzeug von den Freiwilligen bekommen. Gott sei Dank, dass es solche Menschen gibt. Sie helfen uns und bringen den Kindern diese Sachen. Es ist schon schönes Gefühl, welches die Volontäre uns geben. Jemand denkt an uns und sorgt sich um die Kinder.“

Video:

nast6Wir setzen uns an den Tisch, und ich frage Anastasia, ob sie uns auch gerne etwas näher kennen lernen möchte und ob sie mir etwas über ihren verstorbenen Mann erzählen mag. Sie sagt: „Pascha war 28 Jahre alt, als er starb…“ Einen Folgesatz gibt es nicht, denn eine Träne nach der anderen bricht aus ihren schönen Augen hervor und rollt an ihrem jungen, Schmerz verzerrten Gesicht herunter…

Die Schwiegermutter umarmt sie und streichelt mitfühlend und liebevoll ihre Hand.

nast7Pascha und Anastasia haben sich 2009 kennengelernt, und ein Jahr später gingen die beiden zum Altar, um sich vor Gott und der Welt das Jawort zu geben. Die Kinder waren Wunschkinder von beiden. Deren Wunsch wurde erhört, und zur Welt kamen zwei gesunde Jungen. Die Familie war sehr glücklich, bis Pascha am 19.03.2014 eingezogen wurde und an die Front ging.

nast8Am 18.10.2014 hat die Familie den Sohn, Ehemann und Vater zum letzten mal gesehen, denn er war für zwei Tage zu Hause auf Urlaub. Dann wurde die Familie erschüttert, denn Pascha war erst 28, aber seine Haare waren komplett grau. Dieser Krieg hat sein Äußeres verändert. Leider war das sein letzter Besuch, denn schon zwei Tage später, am 20.10.2014 wurde er sehr schwer im Bauchbereich verletzt und starb kurz danach. Seine Verletzungen waren mit dem Leben nicht vereinbar, und so verlor das 30. Batallion einen weiteren Soldaten und die Familie ihren Sohn, Ehemann und Vater.

nast9Er war ein sehr freundlicher und kontaktfreudiger Mensch, respektierte seine Eltern sehr und verehrte sie. Wenn jemand ihn um Hilfe bat, ließ er alles stehen und liegen und kümmerte sich darum. Er gab der Witwe so viel Liebe, dass sie glaubt, dass er einmalig war. Die Kinder haben nie bei ihm geweint, man hörte nur ständig fröhliches Lachen im Haus. Die Witwe sagt: „Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich ihm sagen, wie sehr ich ihn liebe und, dass er uns allen sehr fehlt.“ Abermals überströmen Tränen ihr Gesicht.

nast24Die Mutter, Lilia Wladislawowna (51) sagt: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass er nicht mehr nach Hause kommt. Ich habe meinen Sohn gefragt, warum er an die Front geht, und er sagte damals zu mir: ‘Mutter, wenn nicht ich, wer dann?!’” Anastasia weint immer wieder bitterlich, das bricht einem einfach das Herz. Einfach da zu sitzen und zu wissen, dass wir ihren Schmerz nicht wegpusten können. Aber gleichzeitig freue ich mich, dass sie so eine verständnisvolle, einfühlsame und liebevolle Schwiegermutter hat.

mit Irina Minejewa
mit Irina Minejewa

Bis zum Zeitpunkt meines Besuchs hat sie bisher kein Geld von der Regierung erhalten, die Witwenrente wurde auch noch nicht berechnet. Ich hoffe sehr, dass die Behörden sich etwas schneller bewegen, damit es der Familie finanziell etwas besser geht. Die Mutter von Anastasia lebt in der Stadt, aber so viel Kontakt haben sie auch nicht. Manchmal besucht sie sie mit den Kindern, aber dann fährt sie wieder in ihr Heim bei Schwiegermama.

nast11Eine eigene Wohnung hat sie auch nicht, und die Schwiegermutter sagt ein paar Sätze, die mich selber fast zu heulen bringen.

„Ich liebe Anastasia und die Jungs. Ich bin so froh, dass ich sie bei mir habe, sie ist nicht meine Schwiegertochter. Mein Sohn hat mir eine Tochter ins Haus gebracht, und solange sie keine eigene Wohnung bekommt, wird sie hier leben, und ich und mein Mann werden sie immer unterstützen –  überall so weit wir es können!“

nast12Eine wunderbare Familie, die weiß, wie man seinen Nächsten liebt und wie man es zeigt. Respekt, Zuneigung, Liebe, und Wärme schweben hier in der Luft. Die kleinen Jungs verstehen noch nicht so ganz, was passiert ist, aber sie sagen: „Unser Papa ist auf der Wolke.“ Alle Familienmitglieder halten eng zusammen und kümmern sich liebevoll um die Kinder, und das spürt man auch sofort. Es ist einfach eine tolle Familie, die leider durch den Krieg einen geliebten Mensch verlor.

nast13Anastasia und Ihre zwei Söhne bekommen von EuroMaidan NRW e. V. ein paar kleine Geschenke und auch eine Geldspende in Höhe von 500,00€.

Video:

nast15nast16Die Mutter und Anastasia bedanken sich bei allen Spendern, denen das Schicksal der Witwen nicht gleichgültig ist!

nast17nast18Wir, EuroMaidan NRW e.V., bedanken uns unserseits auch bei all den Spendern, die dieses Programm unterstützen, damit es den Witwen und deren Kinder finanziell etwas besser geht, damit die Witwen für die Kinder etwas leisten können, ob das nun Mitgliedsbeiträge für Vereine sind, um sie von der Tragödie abzulenken, oder Kleidungsstücke oder auch Arztbesuche.

nast19nast23Spenden über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung:

IBAN: DE12380601861502025011 – BIC: GENODED1BRS – Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG – Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.

Verwendungszweck: Hilfsaktion Witwen

Herzlichst, euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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Spendenübergabe an Witwe Irina Rudenko und ihre 3 Kinder – Nowohrad-Wolynskyj, 31.03.2015 – Bericht 16

nowo1Wir befinden uns in einer Stadt, die Nowohrad-Wolynskyj heißt. Kurz vor der Stadt halten wir an, der Fahrer Alexander, Oleg Boyko, die Reporterin Julija Demus, mein Sohn und ich, und warten auf Freiwillige von hier, Irina Minejewa und Natali Jurtschenko, um die Spendengelder an die Witwen zu übergeben. Die zwei jungen Frauen kommen kurz danach in einem sehr patriotisch gestaltetem Auto bei uns an. Kurz lernen wir uns kennen und sitzen alle schon bereit in den Autos, auf dem Weg zum ersten Fall in diesem Gebiet.

Irina Minejewa (links), Julija Demus (Mitte) und Natali Jurtschenko (rechts)
Irina Minejewa (l.), Julija Demus (m.) und Natali Jurtschenko (r.)
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Irina Minejewa (links) und Natali Jurtschenko (rechts)

Wir kommen in einem Dorf an und halten an einem Haus. Witwe Irina hat uns vom Fenster aus gesehen, kommt uns entgegen und bittet uns herein.

nowo14nowo3nowo2Witwe Irina Rudenko ist 31 und hat drei Kinder, zwei von ihnen sind zu Hause, und auch ihre Schwiegermutter ist da. Das Haus, welches wir gerade betreten, gehört auch der Schwiegermutter, und Irina kann nur kurz hier leben, schon bald muss sie sich leider nach einer neuen Bleibe für sich und ihre Kinder umschauen. Traurig…. aber wahr!

nowo22Wladislaw ist zwölf Jahre alt und der älteste Sohn Irinas. Er begrüßt mich ganz herzlich und spricht sehr offen mit mir, und genau so offen beantwortet er auch meine Fragen. Zur Zeit besucht er die 7. Klasse und ist sehr gut in der Schule. Er mag sehr gerne die Schulfächer Mathematik, Geografie und Chemie. Er mag sehr gerne Fußball anschauen und auch spielen, Lesen gehört auch zu seinem Lieblingszeitvertreib. Jedoch ist das noch nicht alles, denn er spielt auch noch ein Instrument: das Saxophon. Drei Mal die Woche besucht er einen Verein, wo er übt.

nowo6Über seinen verstorbenen Vater, der nicht sein leiblicher Vater war, spricht er sehr herzlich: „Als Vater war er ziemlich gut zu mir. Er spielte sehr oft mit mir, war sehr lustig. Ich liebte ihn und hatte großen Respekt, er hat mich immer beschützt. Mein Vater fehlt mir sehr!“ Als der junge Wladislaw über seinen Vater spricht, strahlen seine Augen und werden recht lebendig, man merkt sofort, er sagt das alles ehrlich und aufrichtig aus dem Tiefsten seines Herzens.

Das tut einem unheimlich leid, ein Kind, das keinen Vater hat, bekam eines Tages so viel Liebe und Zuneigung von einem Mann, der sich um ihn kümmerte, als sei es sein eigenes, aber durch den Krieg verlor er diesen wunderbaren Menschen wieder. Er spielt Saxophon, weil sein Vater auch Musiker war, und der Junge ihn als Vorbild ansah. In aller eurer Namen übergab ich dem Kleinen die Geschenke, wofür er sich bedankte und dann sich mit seinem kleinen Bruder beschäftigte.

nowo8nowo7Wanja ist erst ein Jahr alt, ein kleines, süßes Kind. Er ist sehr neugierig und hat immer ein zauberhaftes Lächeln im Gesicht. Als Wladislaw ihn ruft, kommt er sofort zu ihm und umarmt seinen großen Bruder und schaut mit ihm die Geschenke an. Wladislaw macht ganz vorsichtig eine Tüte Haribo auf und füttert vorsichtig den kleinen Wanja. Ein wunderschönes Bild, das einem sehr nah ans Herzen geht.

Video:

Dascha ist die zweitgeborene und ist gerade sieben Jahre alt, aber das Mädchen trafen wir leider nicht an, da sie noch in der Schule war. Sie spielt auch ein Instrument: das Klavier. Die Geschenke für Dascha übergebe ich einfach an die Mutter, und somit kann ich ab jetzt meine Zeit ihr widmen.

nowo9nowo10Irina ist sehr jung, aber sie musste schon viel Leid in ihrem Leben ertragen. Ihre erste Ehe hielt nicht lange, denn der damalige Ehemann schlug sie und trank. Da sie sich eine bessere Zukunft für ihren Sohn Wladislaw wünschte, trennte sie sich hochschwanger –  und etwas später hat sie ihre neue Liebe in Winnyzja kennengelernt. Dmitro verliebte sich in die hübsche Irina und akzeptierte ihren Sohn. Ab dem Tag hieß es nur noch “unser Sohn”.

nowo19Dmitro war 29 Jahre alt, als am 14. 08. 2014 sein Leben unterbrochen wurde. Seine Einheit – die 3. Schar der 30. Brigade im 3. Batallion, wurde nicht weit von der russischen Grenze stationiert, im Ort Stepaniwka im Gebiet Donezk. Eines Nachts wurden sie vom russischen Territorium aus mit Grad-Raketenwerfern beschossen. Ich muss nicht schreiben, was da wirklich passierte, da ihr selber wisst, wie die Orte danach aussehen. Dmitro wurde unter der Nr. 172 als vermisst registriert, bis seine körperlichen Reste am 05.12.2014 gefunden wurden. Dank der Expertengutachten, vielen Fahrten hin und her, Stress und Sorgen, die die junge Witwe erleiden musste, wurde am 23.03.2015 endlich festgestellt, dass es sich bei Nr. 172 tatsächlich um ihren getöteten Ehemann handelt. Also bin ich jetzt hier, wo doch vor kurzem erst die Beerdigung war.

Ich war erschüttert. Irina hat ihre Augen schon ausgeweint, so viele Monate hat sie nach ihrem Mann gesucht und endlich – leider tot – gefunden. Sie hatte immer gehofft, dass er vielleicht doch überlebt hat oder vielleicht in Gefangenschaft war, denn alles war ihr lieber als sein Tod. Er liebte ihre drei Kinder sehr, kümmerte sich total liebevoll um die Familie und war sehr hilfsbereit. Er liebte auch seine Berufung und fand sie in der Armee, wo er auch im Militärorchester spielte, und diese Liebe zur Musik gab er auch an seine Kinder weiter.

nowo11Ich frage Irina, ob ich ihren Namen offen schreiben darf, und sie beantwortet sehr klar mit ja. Daher sind diese Daten offen gelegt. Da klingelt das Telefon, und Irina entschuldigt sich kurz. Ein Verein aus Italien meldet sich, da sie ihr gerne mit Sachspenden aushelfen wollen. Das freut mich sehr, dass die junge Frau Unterstützung bekommt und spürt, dass sie vielen Menschen auf dieser Erde wichtig ist.

nowo15nowo16Sie holt ihre selbstgemachten Sachen raus und zeigt uns, womit sie ihren Unterhalt verdient, da sie immer noch keine Witwenrente bekommt.

nowo17Aber schon bald wird sich die Situation hoffentlich ändern, und es wird ihr etwas besser gehen. Die anderen und ich kaufen ihr ein paar Sachen ab, und so bringe ich zwei wunderschöne Haarreifen mit nach Deutschland.

nowo12Irina und ihre drei Kinder bekommen vom Verein Euromaidan NRW e. V. eine Geldspende in Höhe von 600,00€. Jetzt können die Kinder weiter hin den Verein besuchen und weiter die Instrumente spielen lernen. Irina bedankt sich mehrmals für die Hilfe, und wir verlassen langsam dieses Haus in der Hoffnung, dass die Beamten ihr entgegenkommen werden und dass sie schnell bekommt, was ihr gesetzlich zusteht und auch ein eigenes Heim, aus dem sie niemand wieder rauswerfen kann!

nowo25nowo24Wir bedanken uns bei allen Spendern und bitten euch um weitere Unterstützung des Programms “ Hilfsaktion Witwen und deren Kinder“:

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011 – BIC GENODED1BRS
Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Mit freundlichen Grüßen

Euer Team Euromaidan NRW e.V.

Spendenaufruf für Tanja (28), zwei Kinder

Tanja ist erst 28, und schon ist sie eine Witwe. Ihr Mann Alexander (31) war seit dem 31.03.2014 in der ATO Zone – in der 72. Brigade – bis zum Tag seines Todes am 29.08.2014. Er starb durch den Schuss eines Scharfschützen (Sniper), der in der Nähe des Ortes Wolnowacha, im Donezker Gebiet lauernd verborgen war. Eine Möglichkeit zu überleben gab es nicht, da der Sniper genau wusste, wie er diesem Mann mit nur einem Schuss das Leben entziehen konnte.

Am 08.04.2015 traf ich Tanja in Kyiw. Als sie mir ihre Geschichte erzählte, musste sie immer wieder weinen.

Tanja kümmert sich um die gemeinsamen Kinder. Sie hat zwei Töchter, Hanna (8) und Daria (4). Die Kinder können mit Ihren Gefühlen und dem Verlust des Vaters überhaupt nicht klar kommen. Deshalb benötigen sie psychologische Hilfe.

Die Lebensumstände der Familie der Hinterbliebenen sind auch nicht so toll, denn sie leben in einem alten Häuschen, das weder Gasleitungen noch fließendes Wasser hat. Aber Tanja sagt gleichzeitig: „Besser so als auf der Straße, denn so haben wir wenigstens ein Dach über dem Kopf.“

Seine Kollegen teilten mir mit, dass der verstorbene Alexander während der ATO-Zeit jeden Tag seine Familie anzurufen versuchte, und jedes Mal nach dem Auflegen bitterlich weinte, weil er seine Familie sehr liebte und weil sie das Allerbeste für ihn war, was er in seinem Leben hatte. Es brach ihm das Herz, dass sie alleine Zuhause waren. Und nun, da er tot ist, müssen sie ganz allein den Alltag überstehen.

Er war sehr freundlich und lieb, sagt seine Frau zu mir und bricht abermals in Tränen aus. „Ich habe immer so ein Gefühl, dass die Türe jeder Zeit aufgehen und er reinkommen könnte.“

Wir bitten euch um Unterstützung für diese Familie. Mit euren Spenden helft ihr sehr, die Familie über die Runden zu bringen und die nötige, psychologische Hilfe zu finanzieren. Oder auch ganz einfach nur um sich die nötigen Sachen für das alltägliche Leben leisten zu können.

Spenden über PayPal (hilfsprogramm.de.ua@gmail.com) oder per Banküberweisung: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Kontoinhaber: Euromaidan NRW e.V., Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

(falls eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte die Anschrift – Straße, Hausnr., PLZ und Ort im Verwendungszweck angeben)

Vielen herzlichen Dank im Voraus.

Spendenübergabe an Familie Boyko und Erstattung der Versandkosten – Bericht 15

In diesem Bericht handelt es sich nicht um ein Kinderheim oder einen Fall einer Witwe. Dieser Bericht wird zwei Teile enthalten. Der erste Teil betrifft die Geldspende, die am 30.03.2015 in Schytomyr an Familie Boyko überreicht wurde, und der zweite ist ein Kurzbericht über die am 31.03.2015 vorgenommene Erstattung der Versandkosten von Sachspenden an Witwen und Bedürftige aus der Ukraine, welche Oleg Boyko für uns liebenswürdigerweise ohne jegliche Frage oder Forderung übernommen hat. Deshalb erlaube ich mir, dies alles zusammenzufassen.
Ende Mai 2014 habe ich Oleg telefonisch kennengelernt. Es geschah so, dass wir unsere ersten Witwenfälle übernommen haben, und daraus ein Hilfsprogramm aufbauen wollten. Wie aber kommt man an Daten, die wirklich den Tatsachen entsprechen, damit die Hilfe auch wirklich da ankommt wo sie dringend gebraucht wird und wo sie hin soll? Ich telefonierte eine Woche lang mit ukrainischen Bekannten, und ich weiß leider nicht mehr, wer mir letztlich eine Telefonnummer gab, aber auf jeden Fall war es Olegs Nummer.
Ja, er ist hier im Netz zu finden, ich hätte ihn anschreiben können, aber ich rief ihn sofort an, erzählte ihm über den Programmablauf und wie gearbeitet wird. Oleg fragte, was er dafür machen könnte, um auch zu helfen, worauf ich ihm einen Arbeitsablauf erstellte, und ihm alles per Mail schickte. Keine Woche danach, hatte ich schon die allererste Akte vor mir liegen.
Als ich die Mappe aufmachte, musste ich staunen, denn es war genau so, wie es im Arbeitsablauf vorgegeben war. Also wusste ich ab da, dass Oleg ein sehr zuverlässiger und vertrauenswürdiger Mitarbeiter, und genau der richtige für uns sein würde. Das war das erste Mal, dass ich zu mir selber sagte, super, es fängt gut an, und hoffentlich bleibt es dabei!
oleg2Oleg ist 46 Jahre alt, lebt im Schytomyr mit seiner Ehefrau Natalija, die genauso alt ist wie ihr Mann, und ihren zwei hübschen Töchtern. Daria ist jetzt am 2. April 18 Jahre alt geworden, und Marina wird bald 14.
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Oleg ist ein Soldat mit Herz und Seele, sein ganzes Leben hat er der Armee gewidmet.
oleg3Seine Frau ist Erzieherin/Lehrerin und arbeitet sehr gerne mit Kindern. Die Familie lebt in einer kleinen Wohnung, sogar so klein, dass die Mädels ein Zimmer teilen müssen, welches ihnen aber nicht viel ausmacht, obwohl es ziemlich klein ist. Also gehört Oleg zu den einfachen Menschen, die auch mit wenig total glücklich und zufrieden sein können.
Seit Mai letzten Jahres arbeiten wir nun schon zusammen. Er trat unserem Verein EuroMaidan NRW bei, und unser Arbeitsumfeld weitete sich seitdem weiter aus. Egal um was es geht, Oleg ist immer da, und sein Handy wird nie ausgemacht. Auch die Arbeitsaufträge erfüllt er sehr präzise.
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Bei dem Besuch im Oktober 2014

Im Oktober 2014 fuhren wir, Natalia Likhacheva und ich, nach Schytomyr um die ersten Spendengelder an die Frauen auszuzahlen, und dies war auch unsere allererste Begegnung mit Oleg. Es lief alles sehr gut, Oleg kümmerte sich sehr liebevoll um uns und sorgte dafür, dass es uns wirklich gut geht. Es wurden viele Gespräche geführt, wie es weiter gehen soll und so weiter.

Also arbeitet er in Verein und verfolgt noch seine eigenen Sachen, wie Fahrten in die Kriegszone oder sich um Soldaten kümmern, und dabei ist es ihm egal, aus welchem Bataillon sie sind oder zu welcher Brigade sie gehören. Denn er möchte einfach nur helfen können, egal wem.
„Du brauchst Hilfe?!“ „Dann bist du bei Oleg richtig!“
Seine Einstellung und Ausführung von Arbeit gefiel mir sehr, deshalb sind wir auch zu einem Team geworden, das wirklich gut miteinander kann.
Das letzte halbe Jahr war sehr schwierig für uns, denn jeden Tag gab es ehrenamtliche Aufgaben, die mit ganzem Körpereinsatz ausgeführt werden musste. Oleg war öfters unterwegs für unseren Verein, aber es kam nicht eine einzige Beschwerde von ihm. Seine Familie machte das Ganze mit und half sogar. Keiner ging schlafen, bis der Papa zuhause war, wobei er manchmal wirklich erst um 1 oder 2 Uhr Nachts nach Hause kam, um dann erstmal den Schriftverkehr mit uns zu erledigen. Dies getan, ging er erst dann ins Bett. So ging es wirklich das ganze letzte halbe Jahr lang. Daher beschlossen wir, ihm und seiner Familie eine kleine Hilfe zukommen zu lassen.
Es wurden Lebensmittel, Körperpflege Produkte, etwas Kleidung für Mädels besorgt, und ich gab es in unserer aller Namen zum Versand auf. Zeitgleich wurde eine Hilfsaktion gestartet, bei der wir 155,00€ gesammelt haben. Am 30.03.2015 saßen wir bei ihm zuhause und durften ihm das Geld übergeben.
oleg9oleg10Jeweils 75,00€ bekamen seine Töchter. Die Mädels haben sich richtig gefreut und schauten neugierig das Geld an, wo sie doch noch nie €uros in der Hand hatten. 5,00€ gingen an seine Frau und Oleg saß da wieder ohne irgend etwas, *lächel*, also holte ich aus meinem Portemonnaie noch 5,00€ und gab sie ihm, und jetzt war alles gerecht. Ja, sagte auch Oleg und lachte.
oleg11oleg12Er ist schon ein besonderer Mensch, ich habe ihn nie mit schlechter Laune erlebt, und sogar nach so einem schwierigen Tag um 1:00 Uhr nachts ist er gut gelaunt. Bewundernswert.
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Mit gutem Gewissen fuhr ich in mein Hotel und als ich schon da war erinnerte ich mich daran, dass wir das mit den Versandkosten noch nicht geklärt hatten.

Am nächsten Tag, 31.03.2015 fragte ich nach den Unterlagen und Oleg legte mir eine Mappe vor, alles ordentlich nach Daten und Namen sortiert. Da er in Hrywnja (UAH) bezahlte, habe ich es nach dem Kurs umgerechnet, und es kamen 45,00€ dabei raus, die ich dann sofort an Oleg auszahlte. Er bedankte sich ganz herzlich dafür.

Das Problem liegt daran: Wir haben Sachspenden in die Ukraine versendet, darunter Kleidung, Schuhe und etc. für die Kleiderkammer, aber manche Kartons habe ich persönlich für bestimmte Witwenfälle verpackt, und die mussten manchmal nach Kowel, Cherson, Mikolajiw Luhansk, Melitopol, Riwne oder Luzk versendet werden. Oleg verschickte die Sachen per Nowa Poschta, leider hat er nicht immer genügend Freimarken da, und das hieß, er musste für den Versand die Kosten vorstrecken. So entstand die Summe, die wir, der Verein EuroMaidan NRW e. V., dann auch übernahmen. Die Gelder wurden aus der Kasse „Verwendungszweck Allgemein“ verwendet.

oleg13oleg14Auf den Fotos seht ihr die Quittungen, die Versandscheine in die Städte, die er bezahlt hat. Genauso posten wir hier auch ein paar Fotos aus seinem Berufsleben. Oleg wollte auch in den Krieg ziehen, sein Antrag wurde abgelehnt. Vergebt mir, wenn ich an dieser Stelle etwas egoistisch bin, aber ich finde, dass es gut so war, denn er würde all den Menschen fehlen, denen er hier und da hilft. Ja er hat viel Erfahrung im Militär-Bereich, aber hier auf den Übungsplätzen und bei der Vorbereitungen von Soldaten wird er auch sehr dringend gebraucht. Erst vor kurzem war er in der Kriegszone, und wir alle freuen uns, dass Oleg heil zurück kam. Danke Oleg, dass es dich gibt!
oleg45Für weitere Spenden:
PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com
Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS,
Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn, Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V.
Verwendungszweck : Allgemeine Spende (das Geld geht dorthin, wo es am dringendsten benötigt wird)
Mit herzlichen Grüßen

Spendenübergabe an Witwe Alla in Schytomyr, 30.03.2015 – Bericht 14

alla4Es ist sehr spät, wir haben ca. 22 Uhr auf dem Zeiger, aber unser Termin steht fest, wie Alla es gewünscht hatte, da sie berufstätig ist. Somit laufen wir erstmal Treppen hoch und runter, bis wir endlich die richtige Tür finden, die uns eine herzliche Frau aufmacht, uns ganz lieb begrüßt und anfängt, sich um uns zu kümmern.

alla5Die Kontaktaufnahme geht von ihr aus, und sie fragt, wo wir uns hin setzen möchten, unsere Gruppe: der Fahrer Oleksandr, der allerdings im wahren Leben zur 95. Luftlandebrigade gehört, Oleg, mein Sohn und ich, plädieren auf “Küche”. Sie kümmert sich um uns wie eine Mutter. Da wir kurz zuvor durch die Flure hin- und her spaziert waren, hatten wir uns unsere Kleidung versaut, da nimmt Alla die Jacke meines Sohnes und bringt sie wieder in Ordnung. Wir alle fühlen uns sehr wohl und willkommen. Oleksandr kannte den Verstorbenen und wollte erstmal nicht mit kommen, da er der Witwe nicht in die Augen schauen kann, denn der Verlust tut allen weh. Aber als wir bei Alla sitzen, bereut keiner von uns hier zu sein.

alla6Die Atmosphäre ist wie bei uns zuhause. Alla ist erst vor kurzem von der Arbeit gekommen, hat aber schon einen Kuchen für uns gebacken. Ukrainische Pralinen werde auch auf den Tisch gestellt, und dazu gibt es Kaffee und Tee. Da alle etwas müde sind, nehmen wir das Angebot sehr gerne an und genießen all die Köstlicheiten und lernen uns kennen. Das geschieht einfach so, denn Alla erzählt viel und stellt uns mindestens genauso viele Fragen.

So unterhalten wir uns, jeder kommt zu Wort und Alla erfährt durch Oleksandr viele Sachen über Ihren Mann, da sie – wie alle Frauen – nicht immer alles über ihren Mann weiß. Alla scheint sehr stark zu sein, aber nur nach außen, wie man schon sagt:“Harte Schale, weicher Kern.“ Genau das bekomme ich hier zu spüren.

alla1Ich bewundere diese Frau, die wie so viele ihrer Leidensgenossinnen, eine schwere Aufgabe bekommen hat, sie aber mit ganzem Herzen und der Seele zu bewältigen versucht. Ihre Wohnung ist aufgeräumt und sehr sauber, klare Strukturen und Übersicht, und genau so ist auch ihr Leben. Nachdem wir über alles und nichts gesprochen haben, ziehen sich die Jungs etwas zurück und geben mir damit das Zeichen, dass ich jetzt dran bin, um meinen Anteil der Arbeit hier zu leisten, und mich mit der Witwe unterhalten kann, damit ich später diesen Bericht hier schreiben kann. Alla scheint meine Gedanken zu lesen, und ruft ihren Sohn zu uns herein.

Aleksej ist 16 Jahre alt, sehr groß und ein hübscher junger Mann. Er ist sehr freundlich und offen zu mir. Er treibt sehr gerne Sport und geht jeden Tag zu seinem Boxtraining. Es ist das was ihn zur Zeit interessiert. Er fährt sehr gerne Fahrrad und mag überhaupt alles, was mit Sport zu tun hat. Er treibt sich nicht draußen auf der Straße herum. Er hat ein paar Freunde, die die gleichen Interessen haben wie er selber. Er möchte später IT-Spezialist werden. Über seinen Vater redet er mit großem Respekt, aber in seine Fußstapfen – in die Armee gehen – möchte er nicht treten. Das sagt er mir sehr klar. Er weißt was er möchte.

Aleksej: „Mein Vater war ein sehr gerechter Mensch, ich habe Glück gehabt, dass er mein Vater war! Er hat sich immer Mühe gegeben so nah zu mir sein wie ihm nur möglich, und wie ihm das seine Zeit zuließ. Es fanden viele Gespräche zwischen uns statt, denn er versuchte mir seine Lebenserfahrungen weiter zu geben! Wenn jemand Schwierigkeiten hatte, machte sich mein Vater immer Sorgen und versuchte zu helfen, wo und wie er nur konnte, er war ein sehr hilfsbereiter und einfühlsamer Mensch! Mir fehlen unsere Gespräche … Er fehlt mir.“

„Ich habe nur einen Wunsch,“ sagt er zu mir: „Ich hätte ihm gerne etwas gesagt, es ist sehr viel was ich meinem Vater noch sagen möchte. Wenn ich erwachsen bin, möchte ich ein guter Mensch sein! Ich liebe meine Mutter auch sehr, ich habe viel Respekt vor ihr und ich bin froh, dass ich sie habe und jetzt mit ihr reden kann. Sie schenkt mir viel Liebe und Zuneigung.“ Das alles erzählt er mir über seinen Vater und Mutter.

Ich bin von diesem jungen Mann richtig fasziniert. Nachdem wir uns ausgetauscht haben, überreiche ich die kleinen Geschenke an Aleksej, die Andreas Brandes für ihn besorgt hat. Er schaut sie neugierig an und bedankt sich ganz herzlich dafür. Er fragt dann plötzlich meinen Sohn, ob er mit ihm mitkommen möchte, und die beiden gehen in sein Jugendzimmer und wir bleiben zu viert weiterhin in der Küche und unterhalten uns weiter mit der Witwe Alla.

Als sie hört, dass die Jungs beschäftigt sind, kommt sie noch mehr aus sich heraus und erzählt weiter über ihren Mann Oleksandr und über ihr gemeinsames Leben.

alla7Oleksandr und Alla waren seit 20 Jahren verheiratet. Es war eine sehr gute Ehe. Er war der Mann, Vater und Beschützer für uns, sagt Alla. Alla ist 47 Jahre alt, und arbeitet als Krankenschwester in der Stadt Schytomyr. Allas Ehemann Oleksandr verstarb, noch bevor er 40 wurde. Am 25.11. 2014 hätten sie zusammen seinen 40. Geburtstag gefeiert. Aber es sollte wohl nicht sein. Stattdessen verbrachten die verwitwete Mutter und ihr Sohn jenen Tag in stiller Trauer.

Am Tage des 02.07.2014 arbeitete sie als Krankenschwester in der Notruf-Zentrale, wo sie versuchte, die stressige Arbeit zu bewältigen. An jenem verhängnisvollen Tag, half sie mehreren Menschen deren Leben zu retten. Nur konnte sie leider nicht das Leben ihres eigenen Ehegatten retten. So wurde sie letztendlich von ihrer Arbeit überwältigt.

alla8Oleksandr starb am 02.07.2014 in Krasnij Liman, Donezk. Als die Beerdigung stattfand, kamen viele Kollegen aus dem Krieg zu seinem Begräbnis und sagten alle zu Alla: „Uns wird Oleksandr fehlen, er war wie ein Vater für uns, er war immer vorne und die jüngeren Soldaten sollten nur hinter ihm gehen, er wollte uns beschützen! Wir vermissen ihn sehr. Er war ein sehr guter Mensch!“

Sein ganzes Leben hat Oleksandr der Armee gewidmet, er war sehr beliebt in der 95. Luftlandebrigade. Es war nicht nur ein Job für Ihn, es war seine Berufung, sein Leben, seine Luft zum atmen. Er war für mehrere Projekte verantwortlich und kümmerte sich um andere Kinder. Er machte ein kleines Museum auf, in dem Flugzeuge, die er selber gebastelt hat, ausgestellt wurden, und so beschäftigte er damit die Jugend und holte sie von der Straße. Er ging gerne angeln und liebte einfach sein Leben.

alla9Nach seinem Tod wurde ihm posthum der Rang eines Oberstleutnants zuerkannt. Warum erst danach? Frage ich mich bis heute. Muss man erst sterben, bevor die , die da oben sitzen, anerkennen, das dieser Mann gut war?

Als Oleksandr noch lebte, wurde ihm die Stelle eines Presse-Attachés angeboten, er nahm dies nicht an, da er weiterhin in der Armee bleiben wollte. Er war ein sehr treuer Mensch, und genau wie sein Sohn wusste er, was er gerne in diesem Leben haben möchte.

An die Front zu gehen war auch eine klare Entscheidung, und er wusste was ihn da erwarten wird, aber es war doch schlimmer, als er sich vorstellte, sagte mir seine Frau. Er war manchmal ziemlich mitgenommen und erschüttert über das, was er da jeden Tag erleben musste, erzählte er seiner Frau in Telefonaten. „Jetzt bleibt das Telefon still, er ruft mich nie mehr an…“

alla1Am Anfang weinte Aleksej seinem Vater sehr nach, er versuchte den Kontakt mit all seinen Freunde zu umgehen, denn er wollte nicht bemitleidet werden, und er wollte nicht, dass man über ihn wie über den Sohn eines Helden spricht. „Mein Mann tat das, was er für richtig hielt! Das war seine Entscheidung, und das ist kein Heldentum!“ sagt Alla ganz betont zu mir. „Und mein, unser Sohn denkt genau so. Jetzt kommt er langsam zu sich, und endlich wieder kehrt Normalität ein. In der Nacht spricht Alla zu ihrem Mann und weint. „Nachts ist meine Zeit, wo mich keiner sieht, und ich kann meinen Gefühlen freien Laufen lassen…“

all2Ich schaue auf die Uhr, und es ist Mitternacht, es wird Zeit, dass wir gehen – und so gehe ich zur Geldübergabe über.

Alla und ihr Sohn bekommen vom Verein EuroMaidan NRW e.V. eine Auszahlung in Höhe von 320,00€. Ich erkläre ihr, dass das Geld eine kleine Hilfe für sie und ihren Sohn darstellt, damit sie weiterhin für ihn Sprachkurse und Vereinsbeiträge leisten kann. Sie bedankt sich ganz ganz herzlich dafür.

alla3Wir machen ein paar Fotos, und sie packt mir Kuchen ein und bietet an, meinen Sohn morgen zu betreuen. Alex und Aleksej trennen sich nur ungern. Die beiden haben 3 Jahre Altersunterschied, aber trotz Sprachbarriere kamen sie gut miteinander aus. Aleksej fragt auch ob der Alex ihn morgen besuchen kann, und dass er mit ihm gerne den ganzen Tag verbringen würde, aber so wie Mütter sind, habe ich auf einer Auslandsreise meinen Sohn gerne bei mir. Und so lehne ich ganz vorsichtig das Angebot ab und erkläre, dass ich seine Hilfe morgen brauchen werde.

alla13EuroMaidan NRW e.V. dankt allen Spendern für ihre Unterstützung und Hilfsbereitschaft. Ohne euch wäre das alles überhaupt nicht möglich, und daher möchten wir euch weiterhin um Unterstützung des Programms „Hilfsaktion Witwen und deren Kinder“ bitten.

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn, Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

oder PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Mit freundlichen Grüßen,

euer Team EuroMaidan NRW e.V.

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Spendenaufruf für die Witwe Tatjana aus der Umgebung von Kyiw

Das Leid, der Verlust der liebsten Menschen und der Schmerz werden einfach nicht weniger in der Ukraine. Jeden Tag werden mehr und mehr Frauen zu Witwen, und so lernte ich am 08.04.2015 in Kyiw eine weitere Frau kennen, die auch vor kurzem zur Witwe wurde.

Tatjana ist 39, und hat einen Sohn, Andrej, der bald 6 wird. Die beiden habe einen geliebten Menschen verloren…, den Ehemann und Vater Oleksandr, der mit 38 Jahren aufgehört hat zu leben.

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Oleksandr wurde per Präsidentenerlass Nr. 747/2014 vom 29. September 2014, „für seinen außergewöhnlichen Mut und sein Heldentum bei der Verteidigung der nationalen Souveränität und der territorialen Integrität der Ukraine“, mit dem Orden „Für Mut» III. Grades (posthum) ausgezeichnet.

Oleksandr war in der 72. Brigade und hat drei Monate lang nach seiner Einziehung seine Heimat vor den Angreifern geschützt. Am 11.07.14 um 19:00 Uhr  fiel er im Dorfe Tscherwonopartisank im Gebiet Luhansk durch Landminen.

Tatjana erzählt, dass ihr Mann sehr lieb war und er der beste und einzige Mann auf Erden für sie war. Das Kind war für sein ein und alles. Er hat ältere Menschen sehr respektiert. Er war handwerklich begabt. Als sie mir das über ihn erzählt, stehen ihr die Tränen in den Augen, und sie fängt ruhig und leise an vor sich hin zu weinen.

Eine eigene Wohnung besitzt die kleine verwitwete Familie nicht, sie haben nur ein Zimmer, das ihnen die Schwiegermutter zur Verfügung gestellt hat. Sie leben in einem Dorf in der nähe von Kyiw. Die Schwiegermutter kann Tatjana und ihren Enkel nicht finanziell unterstützen, da sie sich selber noch um ihren eigenen zweiten Sohn kümmern muss, der pflegebedürftig ist. Deshalb geht Tatjana drei Mal in der Woche bei der Post arbeiten, bei einem armseligen Lohn, aber sie sagt, besser so als garnichts. So haben sie wenigsten etwas zum Essen auf dem Tisch. Staatliche Unterstützung hat sie immer noch nicht bekommen.

Der kleine Andrej brummt jeden Tag vor dem Schlafengehen ganz leise vor sich “ich wünsche mir, dass mein Papa zurück kommt”. Das ist eher ein Gebet, das er in den Himmel sendet. Er küsst das Foto vom Papa, und dann erst schließt er die Augen.

Wir bitten euch um Unterstützung und Hilfe, die diese kleine Familie dringend benötigt. Die kleine Familie braucht auch therapeutische Hilfe, um besser mit ihrer Trauer im Alltag umzugehen und mit dem Verlust leben zu können.

Jede Spende zählt!

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn,
Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Wir bedanken uns im Voraus

Eurer Team EuroMaidan NRW e.V.