29.03.15 Spendenübergabe an die Witwe Olga und ihre Tochter Marta (Bericht 5)

Spendenübergabe und Treffen mit der Witwe Olga Gnatyuk und ihrer Tochter Marta.

Als wir, Oleg und ich, schon zu Olga Gnatyuk nach Hause fahren wollen, bekommen wir einen Anruf von ihr selber. Sie teilt uns mit, dass sie sich gerade in der Stadt befinde, da sie und ihre Tochter Marta bei einem Fotoshooting waren, und ob wir uns nicht jetzt sofort in der Stadt treffen konnten. Kurz überlegt, entscheiden wir uns gleich zu treffen und verabreden uns zu erst in einem Studentencafé.

olgag1Natürlich ist das nicht das, was wir bis jetzt gemacht haben, aber flexibel muss man auch sein können. Olga kam mit Ihrer Tochter und örtlichen Volontärinnen wie Ирина Коцюба (Irina Kozjuba) und Tatyana Dokil. Die beiden Frauen haben dieses Fotoshooting für die Witwen mit Hilfe einer Fotografin organisiert. So hat die Familie kostenlos schöne Fotos bekommen, und sie waren etwas abgelenkt vom Alltag.

olgag2Olga ist 27, ihre Tochter ist vor kurzem 6 geworden. Die kleine Marta ist ein sehr freundliches und freudiges Kind, man braucht nicht viel tun, um mit ihr ins Gespräch zu treten. Sie erzählt und fragt sehr viel, ist sehr verspielt und doch gleichzeitig nachdenklich. Mit ihr wird aber keinem langweilig, denn sie weiß ganz genau, wie sie uns beschäftigen kann.

olgag3Nachdem wir etwas gegessen und getrunken haben, entschlossen wir uns, das Lokal zu verlassen und unser Gespräch im Büro von Irina Kozjuba fortzusetzen, da ich etwas Ruhe um uns herum haben wollte. Und zehn Minuten später saßen wir an einem großen Tisch und ich überreichte erst mal Eure Geschenke an Marta. Sie schaute mich ganz ernst an und hörte zu, von wem die Geschenke sind. Zum Schluss sagte sie: „Richten Sie meinen Dank an alle diese Menschen aus, ich habe mich sehr gefreut, so tolle Sachen zu bekommen.“

olgag4Daraufhin holte der kleine Schatz eine Tüte aus der Tasche ihrer Mutter und schenkte mir ihren ukrainischen Kopfschmuck, den sie noch vor einer halben Stunde beim Fotoshooting getragen hat. Ich war so gerührt, dass ich kein Wort aus mir raus bringen konnte. Sogar jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, stehen mir noch immer die Tränen in den Augen…

olgag5Und erst danach ging sie mit meinem Sohn in eine Spielecke spielen. Ab dann konnte ich meine Zeit der Witwe Olga widmen und ihr vollkommen zuhören.

Wie jedes mal, klärte ich auf, wer wir sind und warum wir es tun, und Olga hörte mir zu. Ich aber beobachtete Sie und merkte, wie viel Schmerz sie in sich trägt, denn seit der Beerdigung ist noch nicht viel Zeit vergangen.

olgag6olgag7„Ich selber komme aus Russland, Sibirien,“ erzählt mir Olga, „mein Mann war Ukrainer, und kennengelernt haben wir uns hier in Schytomyr. Als ich noch sehr jung war, wollte ich unbedingt irgendwo anderes leben, da wurde beschlossen, dass wir in die Ukraine umziehen. In der Nähe von Schytomyr hatten wir Verwandte, und so stand ich damals in der Stadt, mietete mir eine Wohnung, fing an zu studieren, und in der Nacht arbeitete ich als Bedienung in einem Kaffee. So habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Nach neun Monaten Zusammensein, im Jahr 2008 haben wir geheiratet. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er war so aufmerksam, lieb, lustig, freundlich. Ich konnte mit ihm über alles reden. Er hörte mir immer aufmerksam zu. Unsere Gespräche waren sehr tief und vielfältig. Das fehlt mir jetzt sehr.“

olgag8olgag9„Mein Mann, Wolodymyr Gnatyuk, war seit 11 Jahren in der Armee. Als wir unsere Tochter bekamen, entschloss er sich, die Armee zu verlassen und fing dann an, als Bauarbeiter zu arbeiten. Er wollte mehr Zeit mit uns verbringen. Weil er in der Armee immer viel zu tun hatte und auch in der Nach arbeiten musste. Wir waren sehr wichtig für ihn, und er wollte uns glücklich sehen und mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen.“

olgag10olgag11„Bei der ersten und zweiten Mobilisierung ist er zu Hause geblieben, aber als zur dritten Mobilisierung aufgerufen wurde, ging er selber zum Militärkommissariat und hat sich als Freiwilliger eingetragen. Er kam nach Hause mit dem Papier und stellte mich vor die Tatsachen. Ich vergesse nie, was er mir damals sagte: „Versteh’ mich bitte, ich habe 11 Jahren in der Armee gelebt und wurde dafür ausgebildet. Unsere Jungs geben ihr Leben her, ich kann nicht mehr Zuhause sitzen und tun, als ob nichts im Land passiert. Verzeih mir, ich liebe dich, aber ich muss gehen!“

„Am 06.09.2014 verließ er uns, und wir haben ihn bis zum Anfang Dezember nicht mehr gesehen. Jeden Tag sprach unsere Tochter ein Gebet aus: „Mutter Gottes, beschütze meinen Papa und mach es so, dass er wieder nach Hause kommt.“ Eines Tages stand er um 04:00 Uhr morgens vor der Tür, er hatte 4 Tage Urlaub. Also schnell den Zug genommen und ab nach Kyiw, von da aus in der Nacht hat er es per Anhalter nach Schytomyr geschafft und dann 20 km zu Fuß, bis er endlich da war. Als unsere Tochter Wolodymyr gesehen hat, sagte sie: „Gottes Mutter hat mich gehört, siehst du Mama, sie hat mir meinen Papa nach Hause gebracht!“ Drei Tage lang stand die Wohnung auf dem Kopf, denn die beiden tobten sich aus. Es war eine sehr schöne Zeit, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird.“

Wolodymyr Gnatyuk war erst 34 und kam am 26.02.2015 im Dorf Wodyane im Donezker Gebiet ums Leben. Seine Einheit, die 95. Luftlandebrigade geriet in eine Falle und wurde von den russischen Panzern beschossen. Als das passierte, hat er das Leben seines Freundes gerettet, selber aber starb er. Sein lebloser Körper kam erst am 03.03.2015 in Schytomyr an. Am 04.03.2015 wurde er begraben, und seine Frau nahm Abschied von ihm. Als sie mir das erzählt, ist sie sehr ruhig, aber ihre Augen verraten sie, unheimlicher Schmerz steht in ihren Augen geschrieben. Und sie sagt: „Ich weiß nicht, wie ich ohne Ihn leben kann, aber ich muss es tun, da ich für Marta verantwortlich bin, ich muss mich um sie kümmern.“

Als ihr Mann starb, wussten alle davon, aber nicht Olga. Der Kommandant rief sie an, aber konnte diese Mitteilung nicht überbringen. Erst am nächsten Tag rief sie den Kommandanten an, und er presste dann aus sich raus, „Ja, Wolodymyr ist nicht mehr unter uns.“

olgag12Zur Zeit lebt sie ihn der Wohnung, die der Familie ihres Mannes gehört, aber schon bald muss sie da ausziehen, da sie verkauft wird. Sie ist aber nicht traurig darüber: „Ist nicht schlimm, wir ziehen in die Stadt um,“ sagt sie mir. „Erstmal miete ich eine Wohnung für uns, und vielleicht irgendwann bekommen wir etwas von der Stadt.“

Ich hatte so das Gefühl, dass die junge Witwe versuchte, sich selber zu beruhigen und alle Menschen die um sie herum sind, auch. Sie möchte stark bleiben, nicht weinen … Sie möchte nicht bemitleidet werden. Sie hat eine große Last auf sich genommen und trägt das alles ganz allein. Da ihre Eltern in Russland leben, können sie die junge Frau nur per Skype trösten und sich einfach nur mit ihr unterhalten. Ihre Eltern sind sehr gute Menschen, die sehr klar denken und sehr gut die Information sortieren können. Ihren Schwiegersohn haben sie über alles geliebt und leiden auch sehr mit, dass so ein guter Mensch nicht mehr unter ihnen ist.

olgag13olgag14Die kleine Marta kommt auch immer mit Fragen zu Ihre Mutter: „Warum hat Gott unseren Papa zu sich genommen?“

„Wer sind die Engel?“

Sehr oft wenn sie laut spielt oder Blödsinn macht, hört sie auf ein mal auf und fragt:“ Was denkst du, würde das Papa gefallen, was ich gerade mache?“

Langsam geht unser Gespräch zu ende, da ich wie immer weiter muss und wir zur Geldübergabe schreiten sollten. Vorher erkläre ich ihr noch, von wo das Geld kommt.

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olgag16olgag17Dieser Betrag in Höhe von 300,00€ wurde von der LÖWEN Apotheke – H. G. Busen aus Mönchengladbach gespendet. Ich zeigte Ihr die Zeitung und das Prospekt und erkläre Ihr wie die Apotheke die Spenden gesammelt hat und dann an uns, den Verein EuroMaidan NRW e.V., übergeben hat. olgag18Sie war sehr gerührt, und die Augen wurden nass. Sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass in Deutschland so viele Menschen Ihren Fall kennen und sich Sorgen um sie machen. Sie bedankte sich mehrmals für die Sach- und Geldspenden und sagt zum Schluss:“Bitte sagen sie zu den Menschen in der Apotheke einen lieben Gruß und Danke-schön für die Hilfe.“

olgag19Wir, EuroMaidan NRW e V., möchten uns e benfalls bei der LÖWEN Apotheke – H. G. Busen in Mönchengladbach ganz herzlich bedanken. Für Ihre Unterstützung, Ihre Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche die Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen!“

olgag20Für weitere Spenden benutzen Sie bitte folgende Angaben:

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com
Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011

BIC GENODED1BRS,

Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn

Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Noelie Uhlmann und Euer Team “Deutschland für die Ukraine” und “EuroMaidan NRW e.V.”

olgag21olgag22olgag23Nachtrag: 22.06.2015:

Die Tochter des gefallenen ukrainischen Soldaten Wolodymyr Hnatjuk auf Schytomyr erhielt den posthum an ihn vergebenen Orden „Für Mut“ .

Am 20. Juni 2015 wäre sein 35. Geburtstag gewesen.

Blogbeitrag hier.

Spendenübergabe an die Witwe Lesya und Tochter Karina, Schytomyr, 29.03.2015 (Bericht 4)

Der vierte Termin an diesem Tag. Gleich werde ich eine neue Witwe kennen lernen, die wir vor kurzem in unser Programm aufgenommen haben. Um Notizen zu schreiben über jede Familie, die ich besuche, ist keine Zeit da, also muss ich mich konzentrieren, um alles was ich gleich höre, später an euch weiter zu geben.

Es tut mir unheimlich weh, dass ich meiner Meinung nach nicht genügend Zeit habe. Also muss ich mich zusammen reißen und in eine unbekannte Welt eintauchen.

Wir, Oleg und ich, kommen zu einem großen Haus, und da wollte ich mich schon freuen, weil das Haus wirklich groß war. Oleg reißt mich aus meinen Gedanken, und ich verstehe, dass das Haus in mehrere Wohnungen aufgeteilt ist. An einer Tür bleiben wir stehen und klingeln erst. Eine ganz junge Frau mit einem kleinen Mädchen im Arm macht uns die Türe auf, wir treten ein, und ich schaue wie immer nach links und rechts. Ein winziger Flur, rechts von mir ist die Küche, in der man nicht mit seiner Familie zusammen an einem Tisch sitzen kann, da sie so klein ist, geradeaus ist ein kleines Zimmer, in welches wir auch gebeten werden.

Lesya1Die junge Witwe heißt Lesya Silko, sie ist 24 Jahre alt, ihre Tochter Karina ist jetzt 18 Monate alt. Die Kleine ist gerade aufgewacht und schaut uns nur neugierig an. Lesya wirkt auf mich sehr stabil, kontaktfreudig und sehr offen. Sie hat eine mädchenhafte Stimme, die mich wie in ein Märchen rein zieht, ein Märchen, das leider so tragisch zu Ende ging…

Video : https://www.facebook.com/noelie.uhlmann/videos/o.905385149490452/10206704461840727/?type=2&theater

Sie bedankt sich zuerst ganz herzlich für die Sachspenden und Geschenke, die sie vom Verein EuroMaidan NRW e.V. für sich und ihre Tochter bekam. Daraufhin überreiche ich ihr die neuen kleinen Geschenke und die Geldspende in Höhe von 350,00 €.

Lesya2Lesya bedankt sich erneut, und ich fühle mich nicht so gut dabei. Ich erkläre ihr, wer wir sind und wie wir arbeiten und, dass die Sachen aus ganz Deutschland kommen, ich bin sozusagen nur diejenige, die die Weiterleitung durchführt, und ich kann mich glücklich schätzen, dass die Menschen mir diese Aufgabe anvertraut haben. Also geht Ihr Dank an Euch alle, die gerade diesen Bericht lesen.

Da sitzen wir und unterhalten uns weiter. Ich schaue die junge Witwe an und frage mich selber, sie ist so jung, so zerbrechlich und gleichzeitig stark, sie strahlt einfach Stärke aus. Unglaublich. Und als ob sie meine Gedanken lesen kann, sagt sie zu mir, sie muss stark und klar im Kopf bleiben, das sei sie ihrer Tochter schuldig. Sie braucht sie und das ist das beste auf der Welt, und das ist ein Schatz, den ihr ihr Artur hinterlassen hat. Karina ist sehr klein, und das was passiert ist muss nicht ihr Leben kaputt machen oder beeinflussen, denn die Kleine soll glücklich und gesund sein.

Lesya3Lesya4Lesya5Wir kommen auf die Wohnsituation zurück, und ich frage sie, ob das hier ihre Wohnung ist, und sie antwortet mir mit nein. Dies hier ist die Wohnung ihrer Eltern, insgesamt haben die hier 2 kleine Zimmer und leben zu sechs Personen darin: Eltern, Schwester mit Schwager und sie mit Karina. Da blieb mir der Atem weg. Ich frage, ob ich mich umschauen darf. Sie erlaubt mir dies, und ich schaue mich etwas genauer um. Ja! das sind nur 2 Zimmer. Da kommt einem die Frage, wie sie hier zu sechst wohnen, schlafen, LEBEN ??!! Sie zieht nur die Schultern ein und sagt, dass es irgendwie so geht. Die Wohnung ist sehr sauber und aufgeräumt, Spielsachen liegen nicht rum, alles hat seinen Platz. Aber es ist auch klar warum, denn nach dem Tod ihres Mannes hatte sie keine Wahl und musste hier einziehen.

Lesya6Lesya7Der Wohnzimmerschrank ist voll mit Fotos beklebt , Artur und Lesya, oder auch nur von ihm, die kleine Tochter Karina versteht nicht viel, aber sie weiß wie ihr Papa aussah.

Die Geschichte von Artur und Lesya ist bezaubernd. Als sie darüber erzählt, strahlen ihre Augen besonders. Sie kannten sich seit 5 Jahren, so passierte es, dass er aus Charkiw war, sie aus Schytomyr, sie haben sich kennengelernt und sich in einander verliebt. Artur gab in Charkiw alles auf!, Freunde und Familie, und zog nach Schytomyr zu Lesya. 2013 heirateten die beiden. Artur arbeitete als Koch und mietete eine Wohnung für die beiden. Sie waren glücklich, verliebt und einfach zufrieden. Sie hatten alles, was man im Leben braucht, sie haben sich gehabt. Die kleine Karina kam zur Welt, und das Glück war vollkommen. Artur war ein sehr lieber Mensch und verwöhnte seine Frau mit Köstlichkeiten, die er selber zubereitet hat. Am Wochenende durfte Lesya nicht an den Herd, denn er übernahm diese Aufgabe komplett.

Lesya8Lesya9Am 01.04.2014 wurde Artur eingezogen und er musste an die Front. Da war seine Tochter winzig klein, und so blieb Lesya mit ihr allein. Als Karina 9 Monate alt war kam Artur nach Hause, 10 Tage Urlaub wurden ihm gewährt. Alle 10 Tage lang hat er versucht, Lesya darauf vorbereiten, dass alles nicht so ausgehen kann, wie die beiden es sich wünschten. Er wusste, wo er war, und ihm war bewusst, das das kein Spaß ist, das ist ein Krieg. Als ob Artur spürte, dass er nicht nach Hause kommen wird, aber alle Gespräche gingen zwischen den Eheleuten immer in eine Richtung. Dass Lesya stark bleiben und sich um Karina kümmern soll und muss, falls er nicht zurück kommt.

Lesya10Lesya11Artur war erst 26, und nach dem Urlaub musste er wieder an die Front, da die anderen Soldaten auch einen Urlaub bekommen sollten. Dann, am 06.10.2014 in der Nähe des Donezker Flughafens, wurde seine 95. Luftlandeeinheit angegriffen. Die Separatisten beschossen sie mit „Grad“-Raketen. Diesen Tag sollte der junge Cyborg Artur nicht mehr überleben.

Lesya12Lesya13Lesya glaubt nicht, dass ihr geliebter Ehemann nicht mehr nach Hause kommen wird. Obwohl sie von ihm Abschied nehmen konnte, glaubt sie immer noch nicht, dass er nie wieder durch die Türe rein kommen wird. Sie sagt, sie war ein halbes Jahr allein und habe sich irgendwo dran gewöhnt, dass er abwesend war. Und jetzt, obwohl sie weiß, dass sie ihn beerdigt hat, lebe sie in einem Traum und hofft, dass er vielleicht doch irgendwann heimkehrt und dass alles wieder gut wird.

Sie geht öfters zum Friedhof mit Karina, und da winkt die Kleine und sagt: „Hallo und Tschüss, Papa.“, und sie schicken Luftküsse in den Himmel.

Lesya15Lesya16Bis jetzt hat sie keine finanzielle Unterstützung von der Stadt bekommen, aber ab Mai wird sich die Situation ändern, ab dann wird Lesya für sich und Ihre kleine Tochter Witwenrente erhalten. Eine Wohnung steht auch in Aussicht. Wir drücken die Daumen, dass das alles nicht lange dauern wird und dass die kleine Familie ein eigenes Heim bekommt.

Bis dahin hoffen wir auf eure Hilfe und Unterstützung für die kleine Familie, hierfür benutzen Sie bitte die unten angegebenen Daten.

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011

BIC GENODED1BRS,

Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn

Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V.

Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Vielen herzlichen Dank im Voraus!!

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Spendenübergabe an die Witwe Nataliya und Tochter Olga, Schytomyr, 29.03.2015 (Bericht 3)

Diese Familie kenne ich auch schon gut, und es freut mich die Witwe Nataliya und ihre kleine süße Maus wieder zu treffen. Es ist gut, dass die Termine so gemischt sind, denn so darf ich zwischen durch auch mal etwas Positives erleben. Nataliya besuchten wir letztes Jahr, am 07.10.2014, zum letzten Mal.

Ich füge hier einen Link mit dem Bericht von damals ein, damit Ihr sehen könnt welche Veränderungen eintreffen.

nata1Nataliya ist mit Ihrer kleinen Tochter umgezogen, und wir werden sie gleich in ihrem eigenem Heim treffen. Das ist eine schöne Nachricht für mich. Sie hat eine 2-Zimmer Wohnung bekommen und ist somit nicht mehr obdachlos.

nata2Sie macht uns mit einem Lächeln die Türe auf, und wir gehen rein. Man kann Olga schon hören und gleich auch sehen, denn schon wie damals läuft sie ihrer Mutter immer hinterher, *lächele*. Wir gehen ins Wohnzimmer rein und setzen uns erst, um uns einfach zu unterhalten.

Die Geschichten die mir Nataliya erzählt, sind sehr erfreulich. Sie freut sich wie ein kleines Kind, nun da sie endlich bei sich allein Zuhause lebt. Sie meint, dass es da, wo sie früher gelebt haben, es nicht schlecht war, aber dies ist jetzt ihr Zuhause, und wo soll man sich gut fühlen, wenn nicht in seinem eigenen Heim. Zudem ist die Wohnung in der Stadt, wo sie mehr Möglichkeiten hat. Die Wohnung hat sie etwas selber aufgefrischt, aber es sieht doch gut aus. Also ist sie selber sehr mit sich zufrieden und glücklich. Hier in der Stadt hat sie Möglichkeit, einen Job zu finden, was sie leider noch nicht hat, da sie auf einen Kindergartenplatz wartet. Aber sie ist sehr zuversichtlich und schaut sich die Jobs jetzt schon an.

nata3Außerdem hat sie schon den Führerschein gemacht, denn sie möchte sich später ein kleines Auto zulegen, um mobil und flexibel sein zu können. Finde ich sehr gut. Als sie mir über ihr jetziges Leben erzählt, lächelt sie und strahlt wie ein Sonnenschein. Gleichzeitig hat sie Reisepässe beantragt, da ihr größter Traum ist, irgendwann Europa zu erleben.

Ich lese gerade selber was ich hier schreibe und es wird mir sehr klar, die junge Witwe schaut in ihre Zukunft, und sie traut sich sehr viel mehr. Sie ist mit positiver Energie geladen und das ist richtig so.

Während des Gespräches läuft Olga hin und her. Ich weiß nicht, wo die Kleine diese Kraft und Energie her bekommt, *schmunzle*. Sie redet viel und lacht, das ist richtig ansteckend.

Nachdem wir uns ausgetauscht hatten, kommen wir zu den Geschenken. Ein anonymer Spender, der unbekannt bleiben möchte, hatte einmal das Foto der Familie gesehen und wollte unbedingt eine Freude bereiten. Es wurde entschieden, dass ich Kleider für kleine süße Maus besorge und er die Ausgaben finanziert. Dies wurde auch gemacht, also packe ich die drei Kleider aus (siehe Link) – und wir legen mit der Anprobe los. Das ist aber nicht leicht, da ich ihr vorher die wunderschönen Buntstifte und Haribo überreicht habe.

nata4Na ja, das haben wir auch geschafft, und ehrlich gesagt ich weiß nicht, wer glücklicher ist, die Mutter oder die kleine Olga. Nataliya sagte immer wieder, ihre Tochter wird wie eine Prinzessin aussehen. Ich atme erleichtert aus. Gut dass die Kleider den beiden gefallen. Nataliya bedankt sich für die anderen Sachspenden, die Sachen die sie von euch bekommen hat, gefallen ihr sehr, jetzt sieht sie richtig schick aus. Also ist der Auftrag soweit erfolgreich erfüllt.

Aber das sind noch nicht alle Geschenke, denn ich habe einen Schwan dabei, den wir zu Gunsten der Witwe versteigert haben, aber als er verkauft wurde, wünschte der Käufer, dass Nataliya Ihn bekommen soll. Nataliya betrachtet den Schwan mit strahlenden Augen und bedankt sich ganz herzlich bei Andreas Brandes für das Geschenk und bei Elena Ykraina für die tolle Arbeit.

Währenddessen kann Olga keine Minute ruhig sitzen, während des Gespräches zwischendurch mit der Mutter beschäftigt sie immer wieder den Oleg, der genau weiß, wie er mit der kleinen umgehen muss. Das war ein sehr schönes Bild. Hier geht es nicht nur darum, etwas vorbei zu bringen und geben, hier geht um viel mehr, Kontakt mit Frauen aufzubauen, deren Vertrauen zu gewinnen genauso wie auch von deren Kindern.

nata5nata19titelNachdem alle Geschenke überreicht sind, gehen wir zur Geldspende in Höhe von 240€ über, die der EuroMaidan-NRW e.V. für sie gesammelt hat. Dafür bedankt sie sich bei allen Menschen, die das Geld für sie gespendet haben. Sie sagt zu mir sie ist so dankbar, sie habe nie gedacht, dass die Hilfe aus Deutschland kommen würde. Sie hofft, dass sie das Land irgendwann kennenlernen wird.

Ich hoffe, wir werden Nataliya bald wieder besuchen, und bis dahin ändert sich vielleicht wieder etwas in ihrem Leben. Ich drücke ihr ganz feste die Daumen.

Während wir da waren, haben wir ein paar Kurzvideos gedreht, deren Links ich hier einfügen werde:
Video 1
Video 2
Video 3
Video 4

Wir danken Euch herzlich für Eure Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche die Witwen und deren Kindern in der Ukraine gerade so dringend benötigen.

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn
Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Noelie Uhlmann und Euer Team „Deutschland für die Ukraine“ und „EuroMaidan NRW e.V.“

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Rede von Jewheni Sacharow bei der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises für Menschenrechte 2015

„Ich bin dem Lew Kopelew Forum aufrichtig dankbar! Es ist für mich eine große Ehre, den Preis zu erhalten, der den Namen dieses großes Schriftstellers, Humanisten und Menschenrechtlers trägt. Seine Ansichten und Gedanken sind auch heute außerordentlich aktuell. So denkt man in der Ukraine darüber nach, wie man gegen die verlogene russische Propaganda angehen kann, die ständig das Schwarze für Weiß und umgekehrt erklärt. Und Kopelew sagt: ‚Die Lüge kann nur durch die Wahrheit besiegt werden.‘ Tatsächlich gibt es keine bessere Waffe gegen die Lüge als die Wahrheit.

In seinem Aufsatz: ‚Was mich die Geschichte gelehrt hat‘ scheibt Kopelew: ‚Die für mich wichtigste Lektion aus der neuesten Geschichte ist sehr einfach, wenn sie auch keineswegs leicht zu beherzigen ist. Es ist die Lehre der Wahrheit und Toleranz. Ohne sie geht alles Leben auf der Erde zugrunde. Vorbehaltlose Wahrheit und größtmögliche Toleranz, Menschenliebe, die alle Spielarten von Hass und Feindschaft überwinden, sind Voraussetzungen für das Weiterleben der Menschheit.‘ In der Tat ist Toleranz für die ukrainische Gesellschaft unabdingbar. Ein Teil dieser Gesellschaft hat anscheinend den Verstand verloren und ist der Auffassung, gegen Separatisten und russische Aggressoren sei jedes Mittel recht. Das ist im Krieg verständlich, aber der zunehmende Hass gegenüber den Separatisten, die Freude über das Töten von Kämpfern, die Verbreitung von Fotos mit den Leichen getöteter Feinde in sozialen Netzen – dies alles bereitet den Boden, auf dem Folter und andere Arten von Gewalt entstehen. Auf politischer Ebene führt das zu der irrigen Vorstellung, dass man schwierige Probleme mit einfachen Methoden lösen könnte, indem man Druck auf die Gegner ausübt und Hetzkampagnen gegen sie organisiert. Das Ergebnis ist, dass das Parlament in bester Absicht Gesetze verabschiedet, die man nur als eine Verhöhnung des Rechts bezeichnen kann. Das ist für die Zukunft des Landes sehr gefährlich.

Heute führt die Ukraine Krieg gegen den russischen Aggressor, sie kämpft um ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Aber es kommt darauf an, zu verstehen, dass es sich hier um einen Konflikt von Zivilisationen handelt, dass die Ukraine in diesem Krieg nicht nur sich selbst, sondern die gesamte westliche Welt verteidigt. Der Hass gegen Putin und die imperiale Oberschicht des russischen Staats darf in keinem Fall umschlagen in einen Hass gegen gewöhnliche Russen, gegen die von der Propaganda benebelten Anhänger der Parole „Die Krim ist unser“. Die Ukrainer dürfen auch nicht jene 15 % der russischen Bürger vergessen, die die ukrainische Revolution der Würde unterstützt haben und sich gegen die russische Aggression wenden. Es ist unsere Pflicht, ihnen zu helfen, und die beste Hilfe wird darin bestehen, in unserem eigenen Land erfolgreich zu sein – die Mittelklasse zu fördern, echte, demokratische Reformen voranzutreiben und den Rechtsstaat zu stärken. Denn die Entstehung einer starken, freien und demokratischen Ukraine ist die notwendige Voraussetzung für die Verteidigung und Entwicklung eines freien Russland.

Ich möchte noch sagen, dass mit dieser Auszeichnung die gesamte ukrainische Menschenrechtsgemeinschaft geehrt wird, die 1991, als die Zahl der Menschenrechtler mit einer Hand abzuzählen war, fast von Null an zu einer (für die Ukraine) großen und einflussreichen Gruppe von Organisationen und Menschen angewachsen ist. Ich verstehe diese Auszeichnung als Anerkennung des menschenrechtlichen Geistes des ukrainischen Majdan, als die Ukrainer ein weiteres Mal demonstriert haben, dass für viele von ihnen Freiheit, Gerechtigkeit, Ehre und Würde mehr bedeuten als das Leben. Es ist eine Anerkennung des gemeinsamen Strebens nach diesen Werten unabhängig von Sprache, ethnischer und religiöser Zugehörigkeit, eine Würdigung des bewundernswerten Phänomens der Freiwilligen-Arbeit – 77 % der Ukrainer unterstützen die Armee, Verwundete und ihre Angehörigen sowie Personen, die ihre Heimatregionen verlassen mussten, und 20 % der Bevölkerung waren aktiv an den Geschehnissen auf dem Majdan und der Freiwilligen-Bewegung beteiligt.

Ich bin stolz darauf, dass ich Ukrainer, dass ich ein Teil meines Volkes bin. Ich möchte dem Lew Kopelew Forum nochmals danken.“

Jewheni Sacharow, Charkiwer Menschenrechtsgruppe,

gehalten in Köln, 19. April 2015

Quelle: Memorial Deutschland

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Spendenübergabe an Witwe Swetlana, Schytomyr, 29.3.2015 (Bericht 2)

Der zweite Termin nähert sich, dass heißt ich werde gleich Swetlana treffen. Da sie in unserem Witwen-Programm ist, kennen wir uns schon ein wenig, daher kann ich es einfach kaum abwarten, sie wieder zu sehen.

Swetlana (36), Tochter Daria (12) und die kleine Tochter Inessa (6 Monate) sind Zuhause. Als wir ankommen öffnet Swetlana uns sofort die Türe und bittet uns herein. Sie kommt auf mich zu und umarmt mich einfach so, als ob es das Natürlichste der Welt wäre. Ich konnte vor Freude fast dahinschmelzen, weil das hieß, dass sie mich nicht vergessen hat.

Kleine Erklärung vorab, um euch den wundersamen Wandel zu zeigen der in dieser Familie stattgefunden hat. Ich habe hier eine Handvoll Fotos gewählt weil man die Unterschiede hier am besten sehen kann:

swetlana1swetlana2Die beiden ersten Fotos entstanden am 18.08.2014 als sie noch schwanger war, und wir sie gerade in unser Witwen-Programm aufnahmen.

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Foto 3 entstand am 07.10.2014 als wir die Witwe besucht haben, nachdem die kleine Inessa grad mal 2 Wochen alt wurde.

Der damalige Bericht findet sich hier.

swetlana4Foto 4 entstand am 29.03.2015 als ich sie auf meiner Dienstreise abermals besuchte.

Nun sagt mir was ihr seht…

Ich sehe, dass die junge Frau langsam zurückkehrt aus ihrem abgeschotteten Geiste. Sie sieht wunderschön aus, auch wenn der Schmerz noch tief sitzt und noch in ihren Augen geschrieben steht. Aber wenigstens lacht sie nun öfter, kommt mehr aus sich raus und erzählt nun endlich viel.

Sie arbeitet nun als Dozentin für Englisch an der Uni für ca. 6 Stunden am Tag, und es scheint ihr sehr gut zu tun, aus dem Haus zu kommen. Sie erzählt mir, wie es ihr geht und was sie so macht. Des weiteren erzählt sie mir, dass sie die Zahl 28 nicht mag, da an einem 28. immer etwas Schlimmes passiert. Außer der Geburt ihres Sohnes an einem 28. Tag, hat sie nichts schönes erlebt. Als wir ankamen, war Vladislav leider nicht Zuhause, weil seine Oma ihn zu sich geholt hatte und er erst in drei Tagen wieder nach Hause gebracht wurde. Also werde ich den kleinen, süßen Rabauken diesmal nicht zu sehen bekommen.

swetlana5Swetlana erzählte sehr viel von ihren Kindern. Wie sie sich entwickeln und wer was macht. Daria besucht die Schule und ist ganz gut darin. Vladislav besucht einen Kindergarten, und kann wie damals, nicht für eine Minute still sitzen. Immer ist er in Bewegung, hat 1.000 Fragen und fragt auch immer wieder nach seinem Papa.

Als sie mir dies erzählt, fängt sie an zu weinen, aber dies mal kontrolliert sie die Situation vollkommen und kommt schnell wieder zu sich. Auch erzählt Swetlana mir, dass sie noch immer in psychologischer Therapie ist, um besser mit ihrer Trauer leben zu können. Das finde ich sehr gut, dass sie sich um Hilfe bemüht und dass die Hilfe auch genau dahin geht, wo und wann sie benötigt wird.

swetlana6Daria lacht endlich auch viel mehr als damals und erzählt auch, wie es mit in der Schule geht. Sie fühlt sich besser und geht auch etwas nach draußen. Bevor sie geht sagt sie zu ihrer Mutter: „Ich liebe dich, aber wir sollen weiter leben, wir sind auch für dich da. Ich möchte, dass du wieder anfängst zu lachen.“ Diese Worte hatten ihre Wirkung und Swetlana versteht sie auch genau, wie ihre Tochter es meint. Die beiden sind ein gutes Team. Daria kümmert sich so viel sie nur kann um ihre kleinen Geschwister. Damit entlastet sie ihre Mutter sehr stark. Ich schaue Swetlana an und bemerke, wie wunderschön sie ist. Vor mir sitzt eine veränderte junge Frau die endlich wieder irgend etwas ausstrahlt.

swetlana7Als die Übergabe (300€) durchgeführt wird, gebe ich ihr den Schwan, und sie ist voll davon begeistert. Als ich ihr erzähle wer, was und warum ihr dieses Geschenk gemacht wird, ist sie gerührt und sehr dankbar. Sie bittet mich, ihren herzlichen Dank an Marco Gonsior auszudrücken. Sie bedankt sich auch für das Geld und die Sachspenden und meint, sie passen wie angegossen. Sie sagt, Deutschland habe ihr sehr geholfen, und bedankt sich bei allen, die ihren Teil geben, um diese Arbeit zu unterstützen.

Nach den Formalitäten frage ich sie, ob ich die kleine Inessa sehen darf, und sie führt uns alle ins Kinderzimmer.

Zu meinem Glück wacht sie gerade auf und ich darf sie auf den Arm nehmen. Als ich sie das letzte Mal auf dem Arm hatte, war sie gerade mal 2 Wochen alt, und jetzt schaut mich ein großes Augenpaar neugierig an. Ich wollte noch so gerne bleiben und mit ihr spielen, aber Oleg steht hinter mir und sagt, dass ich sie nun abgeben müsse, weil unser nächster Termin nahte. Schade…

Also gebe ich Inessa zurück an Swetlana frage noch, ob ich ein paar Fotos machen darf. Ich darf das, und ich werde die Fotos auch gleich mit euch teilen. Wir umarmen uns noch einmal und versprechen uns gegenseitig zu melden. Und dann gingen wir.

swetlana8Wir danken Euch herzlich für Eure Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche die Witwen und deren Kindern in der Ukraine gerade so dringend benötigen.

PayPal : hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Bank: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS
Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn
Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlich, Euer Team „Deutschland für die Ukraine“

„EuroMaidan NRW e.V.“

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Die die Witwen tröstet. Die Geschichte einer deutschen Frau

Noel ist eine gebürtige Deutsche. Ihre „ukrainische Geschichte“ begann mit dem Maidan. Als sie die Nachrichten sah, war sie einfach nicht einverstanden mit dem, was dort passierte – und beschloss sich einzumischen. Sie hatte den Mut und das Gefühl zwischenmenschlicher Verantwortung, sich für die ukrainischen Witwen einzusetzen. Zunächst half sie den Witwen des Maidan. Und jetzt – den Witwen des Krieges.

Noel sammelt Geld und materielle Hilfe, indem sie Benefizkonzerte in Deutschland organisiert. Sie setzt sich in den Zug und reiste in jede von ihr betreute Gemeinde im Osten und im Westen der Ukraine. Sie leistet nicht nur Hilfe, sie nimmt auch Anteil.

Sie gibt keine Interviews. Und unser Gespräch mit ihr ist eher eine Ausnahme als die Regel. Noel denkt nicht, dass sie etwas besonderes tut und ist ehrlich überrascht, als sie gefragt wird, wie es sie in die Ukraine verschlug. Für sie ist es normal, dass die Menschenrechte eingehalten werden. Es liegt für sie nichts besonderes darin, dass sie begann, diese Rechte in einem fremden Land zu verteidigen.

„Mich eine Patriotin der Ukraine zu nennen ist nicht richtig. Das ist kein Patriotismus. Ich lebe nur in einem Land [in Deutschland – Anm. d. Autorin], in dem ich das Recht auf freie Meinungsäußerung habe, auf Handlungsfreiheit, auf freie Wahlen. Ich sehe, dass es das in der Ukraine nicht gibt. Wenn das gleiche in einem anderen Land geschieht, werde ich in dieses Land gehen. Ich werde da sein, wo man meine Hilfe braucht,“ sagt Noel.

Sie sagt, sie erinnere sich gut daran, wie ihre Freunde in Deutschland die Nachrichten diskutierten, dass in Kiew Studenten des Euromaidans verprügelt werden. Ihre erste Reaktion war dorthin zu reisen und alles mit eigenen Augen zu betrachten. Und als sie zurück kam, begann sie zu handeln. Zusammen mit Freunden versuchte sie, der deutschen Öffentlichkeit zu vermitteln, was los war in der Ukraine, denn in Deutschland waren die Ansichten sehr unterschiedlich.

Sie begannen zu demonstrieren, was in Deutschland erlaubt ist. Mann muss das nur bei der Polizei anmelden. Die Polizei sorgt mit einem Konvoi sogar noch für Sicherheit.

Am Anfang der Aktionen, wo Noel versuchte, Aufklärungsarbeit zur Situation in der Ukraine zu leisten, kamen zehn bis fünfzehn Personen. Dann sammelten sich immer mehr Menschen an, die Zahl der Demonstranten stieg auf 300-400. Und als es in der Ukraine die ersten Opfer gab und die erste Witwen, da organisierte Noel mit Gleichgesinnten Benefizkonzerte.

„Diese Gelder haben wir in die Ukraine mitgenommen und zwischen Frauen, deren Männer auf dem Maidan getötet wurden, aufgeteilt, sie blieben mit den Kindern allein, und hatten nicht einmal die Möglichkeit, ihre Männer zu begraben,“ erzählt Noel.

Und als es die erste Witwe in Mariupol gab, wurde klar, dass es Zeit war, einen Verein zu gründen, der viele Witwen helfen könnte, und zudem nach Gesetzen und Verordnungen arbeitet. Noel erklärt, dass unter den Mitarbeitern 70% Deutsche sind, darunter etliche, die aus Moskau und St. Petersburg oder anderen Ländern der ehemaligen GUS-Staaten ausgewandert sind. Die Geschichte und Situation jeder Witwe ist einzigartig – die Haltung des Vereins ist die gleiche. Die Höhe der Beihilfe hängt von verschiedenen Umständen ab: berücksichtigt wird ob die Witwe von der Regierung unterstützt wird, und welche Bedürfnisse die Familie hat, ob sie Schulden hat. Noel sagt, dass viele Witwen ihre Ehemänner in der ATO schon vor sieben Monaten verloren haben, und immer noch keine staatliche Hilfe erhalten haben. Weil ihre Ehemänner als Freiwillige den nötigen Status nicht erhalten haben.

„Das bedeutet, dass, solange ihr Mann in der staatlichen Bürokratie nicht ‚legalisiert‘ wird, es Monate dauern kann. Dann hilft der Verein über eine längere Zeit. Es gibt Fälle, da besuchen wir sie drei Mal im Jahr persönlich, und zahlen ihr eine kleine finanzielle Unterstützung, schicken Pakete mit Sachen, Süßigkeiten, und Lehrbüchern, Notizbücher, Bleistifte für die Schulkinder.

Die Medien schreiben immer von „Helden“. Und wo ist die Heldin, die ihren Mann in den Krieg ziehen ließ? Sie hat nicht die Tür verschlossen und gesagt, naja, wir haben hier auch eine Familie und vier Kinder. Und wir kennen  Witwen, die vier Kinder haben. Das ist die Frage. Es wirkt als wäre die Heldin nur der Schatten des Helden,“ sagt Noel, langsam jedes Wort betonend.

Sie erzählt, dass sie einige von ihnen nicht zum erste Mal sieht, und die Veränderungen beobachtet, die in ihren Leben auftreten. Die Witwen sammeln die Reste ihres zerstörten Leben Stück für Stück auf, wie eine zerschlagene Tasse. Sie lernen, ein neues Leben zu führen. Das Hauptziel von Noel ist, jeder Witwe zuzuhören, egal in welchem Zustand sie ist. Sie versucht, jeder die Chance zu geben sich auszusprechen, es ermöglichen zu weinen und schwach zu sein im Leben.

„Was mich an dieser Reise sehr überrascht hat, war, dass es einigen Frauen „nicht erlaubt ist“ zu weinen. Der Meinung der Familie nach hat sie stark zu sein, sie darf nicht hinterher hinken. Ich bat alle den Raum zu verlassen und sagte ihr, wenn Sie weinen wollen, weinen Sie. Wie lange kann man stark sein? Sie dürfen schwach sein. Wir sind doch Frauen,“ teilt die Freiwillige uns mit.

Über ihre Schützlinge spricht Noel mit einer sorgfältigen Zärtlichkeit. Sie kümmert sich um sie, bedauert sie. Zu jeder hat sie einen eigenen Zugang. „Sie sehen alle aus wie Mädchen, dabei sind sie sehr erwachsen. Einige sind sehr verschlossen. Sie haben Angst in den Augen, und Schmerz. Alle sprechen ihnen ihr Beileid aus, aber niemand ist bereit einfach nur zuzuhören. Und die Witwen wollen nicht, dass man sie bemitleidet, somit meiden sie den Kontakt mit anderen. Sie wollen einfach nur Unterstützung, aber in einer anderen Form.“

Es gibt Frauen, deren Geschichten lassen einem die Haare zu Berge stehen. Einer Witwe, verlassen mit drei Kindern, haben sie einen Tag nach der Beerdigung das Grab ihres Mannes angezündet. Dann starb ihr Vater. Dann kam die Schwiegermutter und will sie aus der Wohnung werfen, in der sie mit ihrem Mann gelebt hat.

„Ich kann in der Wohnung zwei Stunden bleiben, und wenn ich rausgehe sind in meinem Kopf mehr als tausend Worte. Und in dem Artikel, den ich dann am Ende einer Reise schreibe, denke ich immer, was ich schreiben soll und was nicht? Um die Menschen nicht sofort fertig zu machen,“ sagt sie

Aber es gibt auch Frauen, die mit der Trauer schneller fertig werden. Das sind diejenigen, die die Familie unterstützt. Es gibt welche, die in einer völlig fremden Stadt den Führerschein machten, zu arbeiten begannen , und die Kinder in Kindergärten und Schulen unterbrachten.

„Es gibt Fortschritte – nicht bei allen, aber es gibt sie. Ich komme zum zweiten Mal, und bei einigen von ihnen bin ich beruhigter,“ erzählt die Freiwillige.

Allerdings gibt es Frauen, die den Verlust nicht akzeptieren und nicht erkennen wollen, dass ihr Mann nicht wiederkommt. Seine Stiefel stehen immer noch im Flur. Sie können sich nicht bewusst machen, dass es ihn nicht mehr gibt.

Das geschah in den Fällen, in denen Ehemänner zum Beispiel komplett verbrannt sind, und die Familie nicht wussten, wo sie sind. Und man versuchte, ihnen Geld abzuknöpfen mit der Lüge, dass der Mann angeblich noch lebe, der zu diesem Zeitpunkt aber bereits tot war.

„Es sind so viele Sachen passiert, mit denen sie keinen Frieden schließen können, um den Verlust zu akzeptieren, um zu verstehen, „dies ist ein Sarg, und darin ist mein Mann – ich verabschiede mich von ihm“. Es gibt kein Abschiedsritual, mit dem der Frau bewusst werden könnte, dass er unwiederruflich nicht mehr da ist.

Viele sagen mir, dass sie immer noch auf ihn warten. Sie glauben es nicht. Solange es ihnen nicht bewusst wird, werden sie in dieser Trance bleiben. „Ich würde mir sehr wünschen, dass diesem Thema in der Ukraine mehr Zeit zuteil werden würde, und die Regierung mehr tun würde, um zu helfen.“

Noel ist verärgert und wütend, wenn man die Witwen verletzt, zum Beispiel, wenn die Frau eines Verstorbenen in ein Amt kommt, um einen Fragebogen zur Beihilfe auszufüllen, und ihr gesagt wird: „Sie wissen schon, wie oft wir solche haben?“

„Einer jungen Frau, die sieben Tage nach der Beerdigung ein Baby gebar, sagte man diese Worte, als sie kam um Hilfe zu erbeten. Können Sie sich vorstellen, was das in ihr auslöste, in ihrem Zustand? Das bedeutet, sie musste hochschwanger ihren Mann begraben, und dann sein Kind gebären. Und in ihren Gedanken war nur noch das, was ihr Mann ihr sagte als sie sich verabschiedeten: „. Dies wird die letzte Reise, wir werden gemeinsam das Kind bekommen.“

Noel kann hunderte solcher Geschichten erzählen.

Und sie muss damit leben.

Noel befindet, dass es nicht nur um materielle und finanzielle Hilfe geht. Sie alle brauchen psychologische Hilfe – Frauen und Kinder. Und man muss auf alle achten, man sollte eine Art Programm starten.

„Ich hatte eine Witwe, ich werde ihren Namen nicht nennen. Sie wurden zu einem Fest für die Witwen eingeladen, bei welchem angekündigt wurde, dass Poroschenko ihnen Geschenke überreichen wird. Es ist ein Witz, was sie bekommen haben! Schokoriegel und Beileidskarten.

Warum sie dann einladen! Warum kann man nicht in jeder Stadt eine Organisation schaffen, an welche sie sich wenden können? Ein Ort, wo sie alle zusammen treffen und Unterstützung beieinander suchen können. Mit einander reden können. Es hilft wirklich, wenn Frauen mit ähnlichen seelischen Schmerzen zusammenkommen, dann wird es ihnen leichter ums Herz,“ empört sich die Deutsche.

Noel hat ein scharfes Temperament. Diese Charaktereigenschaft half schon mehrmals ukrainischen Soldaten, um durch die deutsche Seite hochwertige Prothesen für Hände und Füße zu bekommen. Das brachte die Soldaten, die Gliedmaßen verloren haben, zurück zu einem fast normalen Leben. Noels Verein begleitet die Verwundeten aus der Ukraine, die durch ein zwischenstaatliches Programm der Ukraine und Deutschland behandelt wurden.

„Wir haben uns an unsere Regierung (an die deutsche Anm. d. Hrsg.) gewandt, an die Organisationen und baten um Hilfe, um die Behandlungskosten durch den deutschen Steuerzahler zu decken. Wir übersetzten Dokumente, und zeigten diese im Krankenhaus. Wenn das dann die Bereitschaft erklärte, einen Kämpfer zu heilen, bekamen wir eine Rechnung, für dessen Zahlung wir Geld in Deutschland oder in der Ukraine suchten, “ erklärte sie dazu, wie der Prozess organisiert wurde.

Oft wurden durch das Engagement des Fonds Programme zur Behandlung und Rehabilitation einzelner Kämpfer erarbeitet.

Noel ist unerbittlich. Sie weiß, wie man überzeugt. Sie sagt, sie wird für die Rechte jeder Witwe kämpfen. Und früher oder später wird die ukrainische Gesellschaft und die Regierung lernen, ihre Witwen zu würdigen.

„Sie alle sind für mich meine „Diamanten“,sagt Noel zum Abschied.

Quelle: Artikel von Alina Balazanowa in der Ukrajinska Prawda, 16.4.2015

Foto: Euromaidan NRW e.V.

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Offener Brief an Vitali Klitschko von Euromaidan NRW e.V., Initiative Demokratische Ukraine in Köln und Maidan Köln

Am Do. 23. April um 18:00 Uhr erhält Vitali Klitschko den Konrad-Adenauer-Preis der Stadt Köln im Kölner Rathaus. http://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/konrad-adenauer-preis-2015-geht-vitali-klitschko
Wir freuen uns darüber und begrüßen ihn vor dem Rathaus mit Ukraine- und Regenbogenfahnen.

köln-queerAn Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew.
Herzlich willkommen in Köln, Herr Oberbürgermeister!
Sehr geehrter Herr Klitschko,
am Donnerstag wird Ihnen der Konrad-Adenauer-Preis der Stadt Köln verliehen. Wir gratulieren Ihnen dazu, weil Sie unter Einsatz Ihres Lebens auf dem Kiewer Maidan dazu mitgeholfen haben, die Ukraine von der korrupten Janukowytsch-Regierung zu befreien.
Sie haben mitgeholfen, die Forderungen der Ukrainer nach mehr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte zu verwirklichen.
Die Kiewerinnen und Kiewer haben Sie konsequenterweise im Mai mit einem beeindruckenden Ergebnis zum Oberbürgermeister gewählt. Herzlichen Glückwunsch nachträglich auch dazu.
In der Situation einer vom Kreml mitgeplanten und mit durchgeführten kriegerischen Aggressionen traten Sie Ihr Amt an und mussten Kiew verteidigen.

Lieber Herr Klitschko,
wir hoffen sehr, dass Sie trotzdem die Demokratisierungs- und Reformprojekte nicht links liegen lassen. Daher wollen wir einen Punkt ansprechen:
Sie haben im letzten Jahr die CSD-Parade in Kiew, den Marsch für Gleichheit, zu schützen abgelehnt. Und im Herbst haben Sie in München wiederholt: „Ich setze mich nicht für Lesben und Schwule ein.“ Es sind auch sehr homophobe Äußerungen von Ihnen überliefert.
Die Menschenrechte haben es an sich, dass sie für alle gelten. Auch für Minderheiten. Auch für Lesben und Schwule!
Das Versammlungsrecht hat es an sich, dass es für alle gilt. Auch für Minderheiten. Auch für Lesben und Schwule!
Menschenrechte, die nicht für alle gelten, verdienen nicht den Namen „Menschenrechte“.
Wir, Kölner aus der Ukraine, aus Deutschland und aus anderen Ländern fordern wir Sie daher auf:
Setzen Sie sich mit Ihrer ganzen Kraft dafür ein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die queere Szene angstfrei den Marsch für Gleichheit in diesem Jahr in Kiew durchführen kann!
Setzen Sie ein Zeichen dafür, dass die weltoffene europäische Metropole Kiew unterschiedliche Lebensstile akzeptiert!
Helfen Sie mit, das Zhovten-Kino wieder instand zu setzen, das im Oktober in Brand gesteckt wurde, als ein Festival mit LGBT-Filmen lief.
Und genießen Sie Köln – die Metropole der Vielfalt und Toleranz!

Initiative Demokratische Ukraine in Köln – http://StopFake.de/
Euromaidan NRW e.V. – https://euromaidannrw.wordpress.com/
Maidan Köln – http://www.maidan-koeln.de/