Estlands ethnische Russen protestieren dagegen, dass Moskau den Separatismus fördert

von Paul A. Goble, Interpretermag 15.4. 2014

Moskaus Förderung von Unruhe und Separatismus in Estland hat eine Gruppe ethnischer Russen und Angehörige anderer Nicht-Titularnationen [Anm. d. Übers.: eine Titularnation ist eine Ethnie, die einem Land und seinen Bürgern den Namen gibt] eine Petition gestartet, um die Unterstützung für Estlands Souveränität und territoriale Integrität zu bestärken und äußere Einmischung in die inneren Angelegenheiten Estlands zu verurteilen.

Trotz der Mitgliedschaft Estlands in der Europäischen Union und der NATO und seinem Erfolg, die meisten ethnischen Russ*Innen in Gesellschaft und Politik integriert zu haben, ist Estland im Fadenkreuz der Expansionspolitik des Kreml geblieben, und nun protestieren nicht nur ethnische Esten, sondern auch Nicht-Esten in Estland dagegen.

Natalja Kitam von Etnoweb, Jelena Katsuba von der Open Estonia Foundation, Igor Kalakauskas von der Tallinn Tõnismägi Science School und and Iwan Lawrentjew vom Network of Estonian Non-Profit Organizations, verbreiten eine Petition mit dem Titel „Memorandum 14“, um Estland zu unterstützen und gegen die Moskauer Verlautbarungen und Aktionen. Die Petition, die auf der Seite petitsioon.ee veröffentlicht wurde, erklärt, „dass die Mehrheit der einheimischen Russen wünscht, Probleme innerhalb des Verfassungsrahmens der unabhängigen Republik Estland zu klären, und die separatistische Statements, die im Namen der einheimischen russischsprachigen Bevölkerung abgegeben wurden, verurteilt.

Mehr als 380 Personen [Anm. d. Übers. : bis heute 807] haben sie unterzeichnet, die meisten alarmiert von Berichten einer Moskauer Zeitung, dass russische Aktivisten planten, in Estland Demonstrationen zu inszenieren, um Russlands Annexion der Krim und möglicher anderer Teile der der Ukraine, sowie den Ruf nach einem separatistischen Referendum in Estlands Nordosten zu unterstützen.

Hier ist der Text der Petition:

„Wir, die Unterzeichner und Einwohner Estlands – sowohl Bürger von Estland und anderen Ländern als auch auf Dauer ansässige Einwohner ohne Bürger-Status – beobachten die Ereignisse in der Ukraine mit Schmerz und Besorgnis.

Wir möchten gerne mit allem Verantwortungsbewusstsein sagen, dass es unser Wunsch ist, alle Probleme der estnischen Gesellschaft [Anm. d. Übers.: der Status der russischsprachigen Minderheit wird kontrovers diskutiert und auch von der EU gerügt] mit den rechtmäßigen Behörden der Republik Estland zu klären. Wir müssen nicht von außen beschützt werden; wir denken, wenn sich Drittländer in estnische Politik einmischen, ist das unakzeptabel.

Wir unterstützen keine separatistischen Gefühle und auch keine separatistischen Statements, die im Namen der russischsprachigen Gemeinschaft von Estland gemacht werden. Alle Probleme, die die Entwicklung unserer Gesellschaft betreffen, einschließlich Erziehungs-, Sprach-, und Bürgerschaftspolitik, müssen unter Beachtung der staatlichen Souveränität gelöst werden.

Unabhängig von Muttersprache und Nationalität betrachtet die Mehrheit der Menschen, die hier leben, Estland als ihre Heimat. Wir finden es wichtig, festzustellen, dass wir, obwohl wir auf verschiedenen Seiten der ideologischen Barrikade stehen, für unsere Pflicht halten, kollektiv zu erklären:

Unsere Heimat ist ein unabhängiges und freies Estland!“

Autor: Paul A. Goble

Quelle: Interpretermag 15.4. 2014

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Titelbild: Russischer Markt in Tallinn – © Guillaume Speurt

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