Die geheimen Toten von Russlands unerklärtem Krieg

von Tom Parfitt, The Telegraph, 27.12.2014

Anton Tumanow gab sein Leben für sein Land – doch sein Land will nicht sagen wo, und es will nicht sagen, wie.

Seine Mutter weiß das. Sie weiß, dass Anton Tumanow, ein 20-jähriger Vizefeldwebel, in der Ostukraine getötet wurde, zerrissen durch einem Raketenangriff am 13. August.

Elena Tumanowa (41) erfuhr die nackten Tatsachen über den Tod ihres Sohnes von einem seiner Kameraden, der sah, wie er getroffen wurde und seine Leiche aufsammelte.

„Was ich nicht verstehe ist, wofür er starb“, sagt sie. „Warum konnten wir die Menschen in der Ukraine ihre Dinge nicht selber regeln lassen? Und wenn unsere Regierung Anton schon da hingeschickt hat – warum kann sie das nicht zugeben und uns sagen, was genau ihm passiert ist?

Und auch jetzt, wenn das Jahr seinem Ende zugeht, behauptet der Kreml weiterhin, dass nicht ein einziger russischer Soldat ukrainischen Boden betreten hat, um sich den pro-russischen Milizen anzuschließen, die seit letzten April gegen die Regierungstruppen kämpfen. Während seiner jährlichen Pressekonferenz sagte Präsident Putin, dass die russischen Kämpfer [Anm. d. Übers.: der Ausdruck „Kombattant“ im englischen Original ist fehlerhaft, da er suggeriert, diese Kämpfer stünden unter dem Schutz der Genfer Konventionen] in der Ukraine Freiwillige seien, die „dem Ruf des Herzens“ folgten.

Die Geschichte von Artur Tumanow und die unklaren Tode einer großen Zahl von russischen Soldaten seit diesem Sommer strafen diese Behauptung Lügen.

Menschenrechtsaktivisten haben die Fälle von mindestens 40 Berufssoldaten dokumentiert, von denen sie vermuten, sie seien im Ukraine-Konflikt gestorben – viele glauben, deren Zahl geht in die Hunderte – doch die Staatsanwälte weigern sich, Untersuchungen über ihren Tod einzuleiten, obwohl das vom Gesetz gefordert wird.

Verwundungsursache „unbekannt“

Offiziell starb Tumanow „in Erfüllung seiner Dienstpflichten“ an „einem zeitlich begrenzten Einsatzort der Einheit 27777“ – einem Teil der 18. Garde-MotSchützen-Brigade [Anm. d. Übers.: einer Elite-Grenadiereinheit], deren permanenter Standort Kalinowskaja in Tschetschenien ist.

Sein Totenschein, der im Gerichtsmedizinischen Zentrum des Verteidigungsministeriums in Rostow-am-Don am 18. August unterschrieben wurde, hält fest, dass er „durch eine Explosionsverletzung“ starb, die zu „multiplen Schrapnell-Wunden an den unteren Extremitäten“ führte, die ihrerseits zu „akutem, massivem Blutverlust“ führten. Auf dem Totenschein wurde nicht das Kästchen „militärische Auseinandersetzung“ angekreuzt, sondern das Kästchen „unbekannte Ursache“.

Anton Tumanow, 20, rechts außen, posiert mit Kameraden für ein Foto, das möglicherweise ein bis zwei Tage vor seinem Tod bei einem Raketenangriff in Snischne aufgenommen wurde.
Anton Tumanow, 20, rechts außen, posiert mit Kameraden für ein Foto, das möglicherweise ein bis zwei Tage vor seinem Tod bei einem Raketenangriff in Snischne aufgenommen wurde.

Frau Tumanowa, eine Gesundheitsaufseherin, lebt mit ihrem Mann und Antons beiden jüngeren Brüdern im zweiten Stock eines Holzhauses in Kosmodemjansk, einer kleinen, zerknitterten Stadt, die in einer Wolga-Biegung, 600 km östlich von Moskau liegt.

Der versiegelte Zinksarg war am vergangenen Mittwoch angekommen.

„Da war oben so ein kleines Fenster, so dass man sein Gesicht sehen konnte“, erinnert sie sich. „Ich weiß nicht, welche Verletzungen er genau hatte, aber etwas in meiner Seele sagt mir, dass er seine Beine verloren hat.“

Die Beerdigung fand noch am selben Tag statt. Eine Militärkapelle und einige Offizielle vom hiesigen Militärkommissariat nahmen daran teil. Von Tumanows Einheit kam niemand. Seine Mutter telefonierte mit einem Major in Tschetschenien, der bestätigte, dass der junge Mann in der Ukraine ums Leben gekommen war, doch ablehnte, über Details zu sprechen. Der Befehl, nach Tschetschenien zu gehen, „kam von ‚oben‘ und nur mündlich“, sagte er.

Die Suche nach Arbeit führt in den Krieg

Anton Tumanows Biographie ist nicht unüblich für einen Jungen aus der Provinz und aus bescheidenen Verhältnissen. Er wurde, als er die Schule beendet hatte, als Wehrpflichtiger eingezogen und diente acht Monate in Südossetien, der abtrünnigen, pro-russischen Republik in Georgien. Als er letztes Frühjahr nach Kosmodemjansk zurückkam, kämpfte er darum, einen Job zu finden. Nach Kurzeinsätzen als Barmann und auf einer Baustelle in Moskau entschied er sich als Berufssoldat zu den Streitkräften zurückzukehren. Im Juni wurde er nach Tschetschenien geschickt.

„Ich versuchte ihn zu überreden, wegen dem, was in der Ukraine passierte, nicht zu gehen“, so Frau Tumanowa. „Doch unser Präsident sagte ja, dass keiner unserer Soldaten dort hingeschickt würde. Dort kämpften ausschließlich Ukrainer gegeneinander, und ich habe das geglaubt. Deswegen diskutierte ich letztendlich nicht.“

Anton Tumanow hatte eine dreimonatige Probezeit, doch er war erst zehn Tage in Tschetschenien, als er und andere Soldaten aus dem Standort gefragt wurden, ob sie als Freiwillige in den Donbas zum Kämpfen gehen würden.

Er und seine Freunde weigerten sich, wie er seiner Mutter am Telefon erzählte. „Wer will denn sterben?“ sagt sie. „So dachten sie. Niemand hatte Russland angegriffen. Wäre es so gewesen, wäre Anton der erste gewesen, der sich gemeldet hätte.“

Doch Mitte Juli hatten sich die Dinge geändert. Nun wurde seine Einheit, die Nummer 27777 in ein vorläufiges Lager in die Region Rostow verlegt; in die Nähe der ukrainischen Grenze, offiziell, „um zu üben“.

Schon bald erzählte er Nastja Tschernowa, seiner in Kosmodemjansk zurückgebliebenen Verlobten, dass er auf kurze Trips in die Ukraine gehe, Lieferungen von Waffen und Armeefahrzeuge an die Rebellen lieferm.

Das war der Moment, als die pro-Moskau-Miliz am Rand des Zusammenbruchs gegenüber den ukrainischen Regierungskräften war, die die Separatistenhochburg Donezk fast vollständig eingekesselt hatten. Im darauffolgenden Monat inszenierte Russland eine breit angelegte Intervention – und sandte Panzer und Truppen über die Grenze, um die ukrainischen Truppen zurückzuschlagen und Rebellengebiet zurückzuerobern.

Am 10. August rief Anton Tumanow seine Mutter an und sagte: „Sie schicken uns morgen nach Donezk“ – der Rebellenhochburg. „Wir werden der Miliz helfen.“

Am darauffolgenden Tag sagte er ihr: „Wir geben unsere Dokumente und unsere Handys ab. Sie haben jedem von uns 150 Schuss Munition und zwei Granaten gegeben.“ Ein paar Stunden später kam seine letzte Nachricht über VKontakte, dem russischen Facebook-Äquivalent: „Handy abgegeben, auf dem Weg in die Ukraine.“

Nastja Tschernowa, eine feingliedrige, 17-jährige Oberschülerin, sagte, ihr Freund sei gegen seinen Willen gegangen. „Das letzte Mal, als wir miteinander sprachen, erzählte er mir, dass er und einige Freunde diskutierten, wegzulaufen, aber sie waren weit entfernt von zu Hause und sie hatten nichts zu essen,“ sagt sie. „Es war unmöglich.“

Was danach passierte, weiß Frau Tumanowa von einem Kameraden ihres Sohnes, der in der gleichen Einheit gedient hat und mit ihm gegangen war. Der Soldat gab ihr einen handgeschriebenen Bericht.

„Am 11. August wurde uns befohlen, die Nummernschilder von unseren Fahrzeugen zu entfernen, Flecktarn anzuziehen und weiße Lappen um unsere Arme und Beine zu binden“, schrieb der Soldat. „An der Grenze erhielten wir weitere Munition. Am 11. Und 12. Überquerten wir die  Grenze zur Ukraine. Am 13. August wurde unsere Kolonne durch eine Rakete getroffen. Dabei starb Anton Tumanow. In diesem Moment waren wir in der Ukraine, in Sneschnoje [ukr. Snischne, einer Stadt in der Nähe von Donezk].

Eine große Zahl, Hunderte von Toten

Sergej Kriwenko, Vorsitzender der Gruppe „Bürger und Armee“, einer zivilen Gruppe in Moskau, die Soldaten und ihren Familien hilft, ihre Rechte zu schützen, sagt, die Aktivisten seien sicher, dass in diesem Sommer und Herbst mindestens vierzig Soldaten gefallen seien, doch dass sie den Verdacht hätten, die Zahl gehe in die Hunderte.

Ein Stabsoffizier räumte unlängst auf einem Treffen mit Kriwenko und anderen Menschenrechtsaktivisten ein, dass es im Militär Tote gegeben habe, doch blieb vage in Bezug auf das „wo“ und „wie“.

„Er sagte uns, eine Granate sei über die Grenze aus der Ukraine geflogen und habe einen Panzer getroffen, oder etwas sei explodiert als Leute um ein Feuer auf einem Schießplatz gesessen hätten“, so Kriwenko, der auch Mitglied in der Menschenrechtskommission von Präsident Putin ist.

Anton Tumanowas Grab in seiner Heimatstadt Kosmodemjansk, 600 km östlich von Moskau © Tom Parfitt/The Telegraph)
Anton Tumanowas Grab in seiner Heimatstadt Kosmodemjansk, 600 km östlich von Moskau © Tom Parfitt/The Telegraph)

„Russland befindet sich offiziell nicht im Krieg; deswegen sollte jeder Tod strafrechtlich untersucht werden, doch das verweigern die Behörden“, fügt er hinzu.

Eine Handvoll Soldaten hat „Bürger und Armee“ beschrieben, wie sie auf Trips in die Ukraine geschickt wurden um Waffen auszuliefern und wie später ihre Verträge zerrissen wurden, wenn sie sich weigerten, nochmals dort hinzugehen, oder wie Einheiten verkleinert wurden.

Tumanows Kameraden bestätigten das, was seiner Mutter berichtet wurde, und erzählten Kriwenko, der junge Unteroffizier sei gestorben, als eine Salve aus einer ukrainischen Grad (Stalinorgel) ihre Munitions-LKWs auf dem Grund und Boden einer Fabrik in Sneschnoje [ukr Snischne] traf. Sie schätzten, dass allein bei diesem Angriff 120 Männer gestorben seien.

Diese Tode zu untersuchen, kann gefährlich sein. Ludmilla Bogatenkowa, eine 73-jährige Vertreterin des Komitees der Soldatenmütter in  Stawropol, fand sich, als sie die Tode von Snischne untersuchte, mit einer Betrugsanklage konfrontiert.

Einige wenige Angehörige scheinen das Schicksal  ihrer Lieben zu akzeptieren. Im Interview mit einem Moskauer Radiosender sagte der Vater von Nikolai Koslow, einem 21-jährigen Fallschirmjäger aus einer Uljanowsker Einheit, der ein Bein verloren hat, er sei stolz auf seinen Sohn. „Er leistete einen Eid und führte Befehle aus“. Ein Bericht des Staatsfernsehens über Koslows Fortschritte im Krankenhaus war gegengeschnitten mit Straßenkämpfen und Panzern auf denen die ukrainische Flagge wehte. Der Bericht präsentierte ihn als einen Mann, der noch kürzlich durch die Hölle ging und schließlich doch nach Russland zurückgekehrt ist“. Der Bericht sagte nicht, von wo.

Lew Schlosberg, ein Abgeordneter aus  Pskow in West-Russland sagte, es gibt um die Opfer eine Atmosphäre von Angst und Geheimnis. Er kämpft darum, herauszufinden, wie zwölf Pskower Fallschirmjäger im vergangenen Sommer ums Leben kamen. Als er darüber zum ersten Mal in seinem Blog schrieb, streckten ihn  unbekannte Angreifer ihn von hinten nieder und schlugen ihn bewusstlos.  Rowdys bedrohten Reporter, die die Gräber dieser Fallschirmjäger besuchten, man werde sie „niemals wieder sehen“ und schlitzte ihre Autoreifen auf.

„Viele Soldaten sind in der Ukraine gefallen und ihre Familien sind schockiert. Doch sie äußern sich nicht, da sie um ihr Leben fürchten“, so Schlosberg, der sich nach einer Krankenhausbehandlung wieder erholt hat. Er sagt, er habe mit den Verwandten der Toten und mit Soldaten gesprochen, die gegen ihren Willen in der Ukraine gekämpft hätten, die jedoch dringend anonym bleiben wollen. „Menschen im heutigen Russland leben in Angst vor den Behörden“.

„Unsere Kinder sind namenlos“

In Kosmodemjansk bahnt sich Natja Tschernowa ihren Heimweg nach der Schule durch den Schnee. Sie kann ihren Freund nicht vergessen. Sie postet Gedichte über Anton Tumanow auf ihrer VKontakte-Seite und erinnert sich an den Moment, als sie an seinem Todestag abrupt mit einem schlechten Gefühl aufwachte.

„Anton war kein Freiwilliger“ sagt sie mit Bestimmtheit. „Er wollte nicht in die Ukraine, um zu kämpfen und Menschen zu töten. Er hatte nicht die Aggression dazu in sich. Er schloss sich der Armee an, um sein Land zu verteidigen.“

Zu Hause, in ihrem Wohnzimmer, wartet Elena Tumanowa noch immer auf eine Erklärung für den Tod ihres Sohnes. Seine Kopfbedeckung liegt, auf einer gefalteten russischen Trikolore, auf dem Fernseher. An der Wand hängt ein kleines Portrait, das ihn in Uniform zeigt, mit einem schwarzen Band in einer Ecke.

Frau Tumanowa hatte den Staatsanwalt, über eine Bürgerrechtsgruppe, gebeten, die letzten Tage ihres Sohnes zu untersuchen. Sie bekam keine Antwort.

Auf dem Militärkommissariat erzählten Beschäftigte dem Telegraph, sie hätten über Anton Tumanow keinerlei Informationen. Ein Stabsoffizier im Sanitätszentrum von Rostow, wo sein Tod festgehalten worden war, verweigerte einen Kommentar.

„Für mich ist es wichtig, dass unsere Regierung nicht verbirgt, was passiert ist“, sagt Frau Tumanowa. „Im Fernsehen sagen sie, unsere (russischen) Kriegskorrespondenten, die in der Ukraine gestorben sind, sind Helden. Wir kennen deren Namen, sie wurden mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet. Doch es geht nicht um Orden. Es geht darum, dass unsere Kinder namenlos sind. Wie heimatlose Landstreicher.

Wenn sie unsere Soldaten dorthin gesandt haben, sollen sie es zugeben. Das ist das bitterste für eine Mutter wie mich. Es ist zu spät, um Anton zurückzubringen, doch das ist einfach unmenschlich.“

Titelbild: Elena Tumanowa besucht das Grab ihres Sohnes Anton in dessen Heimatstadt Kosmodemjansk, 600 km östlich von Moskau, Russland. Foto: Tom Parfitt

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Autor: Tom Parfitt

Quelle: The Telegraph, 27.12.2014

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Rot-Kreuz Angestellter: Moskau verwendete „humanitäre Konvois“, um Waffen an Kämpfer in der Ukraine zu liefern

von Paul Goble, Interpretermag.com, 28. December 2014

Igor Trunow, der Leiter des Moskauer Büros des russischen Roten Kreuzes, sagt, dass die russische Regierung sogenannte „humanitäre Hilfskonvois“ verwendete, um aller Wahrscheinlichkeit nach Waffen an die Moskau-freundlichen Kämpfer in der Ukraine zu liefern, was gegen das internationale humanitäre Völkerrecht und seine Praxis verstößt.

Trunow sagte am 25. Dezember, dass er nicht „mit Steinen auf die russische Regierung werfen“ wolle. Aber „es gibt internationales Recht“ und Moskau habe es verletzt. Humanitäre Hilfskonvois zu benützen, um Waffen über eine internationale Grenze zu schicken, ist „eine Invasion“ und eine „Verletzung“ des Rechts.

Angesichts der Art und Weise, wie die russischen Beamten diese Konvois überwachten, war es für sie möglich, alles zu transportieren, was Moskau wollte, einschließlich Waffen und militärisches Personal, sagte der Rot-Kreuz-Bedienstete. Solche Aktionen, meinte er, machten es weitaus schwieriger, die Lieferung von tatsächlicher humanitärer Hilfe sicher zu stellen, die seine Organisation den Menschen in der Ukraine, die sie brauchen, zur Verfügung stellt-

Trunows Erklärung folgt der Bestätigung durch russische Aktivisten,  dass sie bewaffnete Kämpfer mit diesen Konvois in die Ukraine geschickt haben. Und seine Worte legen nahe, dass Moskau dies wohl auch weiterhin tun könnte, auch wenn es von der angeblichen Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine spricht.

Autor: Paul Goble

Quelle: Interpretermag.com, 28. December 2014

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Russland benutzte humanitäre Hilfskonvois, um Kämpfer in die Ukraine zu schicken, sagt russischer Organisator

von Paul Goble, Interpretermag.com, 26. Dezember 2014

Es ist vergebliche Mühe, zu versuchen, all die Lügen der russischen Regierung und der Medien über die Ukraine im letzten Jahr zu dokumentieren und anzuprangern: Jeder Tag bringt frische Ernte. Aber einige sind so unerhört und gefährlich für das internationale System und würden höchstwahrscheinlich Präzedenzfälle, so dass man sie aufdecken muss.

Manchmal zeigen sie sich als Lügen aufgrund innerer Ungereimtheiten oder völliger Unwahrscheinlichkeit. In anderen Fällen stellt sich die Unwahrheit heraus durch sorgfältige Untersuchung der Beweismittel, die von den Opfern Moskaus zur Verfügung gestellt werden. Doch gelegentlich werden sie von Russen selbst als falsch bestätigt, ein Akt der Schamlosigkeit, der an sich schon eine Anklage darstellt.

Diese Woche wurde eine der schrecklichsten Lügen darüber, was Russland in der Ukraine getan hat,  durch einen Russen mit engen Kontakten zu den Sicherheitsbehörden des Landes aufgedeckt. In einem Interview erklärte Wladimir Jefimow, dass er russischen Kämpfern geholfen habe, in die Ukraine zu gelangen, indem sie sich in einem der humanitären Hilfskonvois, die Moskau hinschickte, versteckten.

Dass Moskau das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft auf diese Art hintergangen habe, war allen bekannt, die die Situation in der Ukraine aufmerksam verfolgt hatten. Tatsächlich war der Missbrauch solcher Konvois zur Unterstützung der militärischen Ziele Moskaus sogar zum Thema für westliche politische Karikaturen geworden.

Nun hat dank Jefimow, ein Russe bestätigt, was Russland getan hat, und der Grad an Details, die er liefert, die Fotos derer, die beteiligt waren, und die Abbildung der Uniformen, die er und seine Kameraden verwenden, lassen wenig Zweifel daran, dass Jefimow nun zumindest zum Großteil die Wahrheit sagt, wenn er berichtete, dass die Russen, die sich freiwillig zum Kampf in der Ukraine gemeldet haben, „in der Verkleidung des Roten Kreuzes“ gefahren seien.

Die internationale Gemeinschaft muss Moskau dafür zur Verantwortung ziehen, ebenso für seine anderen Verletzungen von internationalem Recht in der Ukraine, und nun, da eine russische Quelle den Beweis für einen dieser Gesetzesbrüche geliefert hat, haben westliche Regierungen keine Ausrede, das nicht anzuprangern, was Moskau getan hat, und zu verlangen, dass diejenigen, die unmittelbar beteiligt waren, zur Verantwortung gezogen werden.

Autor: Paul Goble

Quelle: Interpretermag.com, 26. Dezember 2014

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Zynismus für den Export

Der Niederländer Hans Loos, viele Jahre in Russland tätig, ist überzeugt: Der Kreml strebt eine Demoralisierung der gesamten westlichen Gesellschaft an

von Sofija Kornijenko, RFE/RL, 22.11.2014

Russland und der Westen befinden sich im Kriegszustand – das behauptet der niederländische Journalist und Russland-Experte Hans Loos. Das ist ein Krieg eines neuen Typs, man kann ihn als nichtlinear, hybrid oder auch postmodern bezeichnen. Das, was heute in der Ukraine passiert, ist bloß die punktuelle Materialisierung eines viel größeren Prozesses, bei dem es dem Kreml nicht um territoriale Expansion geht, sondern darum, die gesellschaftlich-politische Matrix in anderen Staaten mutieren zu lassen, so dass sie Züge des putinschen Russlands bekommen: Korrumpiertheit, Misstrauen und Zynismus.

Hans Loos ist einer der wenigen westlichen Journalisten, die Russland wirklich gut kennen. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet diese die westlichen Politiker dazu ermahnen, die Augen aufzumachen und zu erkennen, dass hinter den Handlungen des Kreml weder ein banaler Revisionismus und die Rückkehr zur Sowjetunion stehen noch territoriale Eroberungen im Stile des 19. Jhs. oder der Aberwitz eines Diktators, sondern eine gut durchdachte Taktik zur Demoralisierung der gesamten westlichen Gesellschaft mit Hilfe neuester Technologien.

Hans Loos ist nicht sofort Journalist geworden. Viele Jahre arbeitete er im russischen Business: Im Ural, in Moskau und St. Petersburg unterstütze Loos russische Unternehmen dabei, transparenter zu werden und damit attraktiver für westliches Kapital.

– Jetzt, im Licht des heutigen wirtschaftlichen und politischen Klimas, denke ich: „Um Gottes willen, was haben wir damals nur gemacht? Was haben wir uns dabei gedacht?“ Wir wurden von einem naiven Idealismus geleitet. Ob aus diesem Idealismus heraus oder aus gutem Willen, vielleicht auch aus Zynismus, haben wir die Augen verschlossen vor dem, was in Russland wirklich vor sich ging, welche Formen das Putin-System annahm. Ich habe insgesamt sechs Jahre in Russland gelebt, aber auch nach meiner Rückkehr in die Niederlande blieb ich aus beruflichen Gründen in engem Kontakt mit Russland. Dieser Lebensabschnitt fällt zusammen mit der Regierungszeit Putins, also bin ich auch auf eine Art ein Kind des Putinismus. Ich glaube, auf einer unterbewussten Ebene wurde ich von der gleichen Idee eines zynischen Realismus getrieben: So lange unsere wirtschaftlichen Beziehungen weiter gestärkt werden, sei die politische Komponente nur postmodernes Gejammer, nur zur inneren Anwendung bestimmt, ohne Bedeutung, die wirtschaftlichen Bande lassen die Situation nicht außer Kontrolle geraten. Jetzt denke ich da anders.

Heute nicht zu sehen, was mit Russland geschieht, ist schwieriger geworden als vor einigen Jahren.

– Ja, heute ist das wahrlich nur noch schwer möglich. Russland gilt nicht mehr als Partner des Westens. Als der Flug MH-17 abgeschossen wurden, war das ein Wendepunkt, nach dem es auf einmal zum schlechten Ton gehörte, auf dem Standpunkt zu bestehen, Russland sei unser wirtschaftlicher und politischer Partner. Es war schwer geworden, mit Russland Geschäfte zu machen. Andererseits können die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen nicht einfach gekappt werden, und es ist auch fraglich, ob das ein guter Weg wäre. Das ist ein unheimlich komplexer Vorgang.

Sie schreiben selbst: „Die Aufgaben alter internationaler Großallianzen wie der NATO und der EU haben im Vergleich zu den kommerziellen Interessen einzelner westlicher Unternehmen auf dem Territorium von Ländern wie Russland an Bedeutung verloren.“ Formal ist das Leben nur für diejenigen schwerer geworden, die in der Lebensmittelbranche arbeiten. Bei der niederländischen Handelsgesellschaft Gasunie beispielsweise ist nach wie vor alles in Butter.

Ich weiß nicht, inwiefern die Position eines Unternehmens „in Butter“ sein kann, die in einem Konsortium die Minderheit stellt, in dem Gazprom 51 Prozent gehören. Für mich ist vielmehr die Tatsache interessant, dass in den Niederlanden keine öffentliche Debatte über die strategische Bedeutung des Bauprojekts der Nord-Stream-Pipeline stattgefunden hat. Das heißt, es gab zwar eine Diskussion, aber sie hat zu keinem Zeitpunkt ein größeres öffentliches Interesse erregt. Ich glaube, die meisten Niederländer ahnen z.B. nicht einmal, dass wir Gazprom auf unserem Binnenmarkt bevorzugt behandeln, damit wir als Land die Rolle eines Gasverteilers spielen können – eine pflichteifrig dienende. Man müsste eine fundierte journalistische Recherche darüber anstellen, wie russisches Kapital durch unseren Steuerhafen geschleust wird, wo es sich ablagert, wie unsere Wirtschaft dazu benutzt wird, Operationen mit Korruptionsgeldströmen zu erleichtern. Das ist wirklich ziemlich beunruhigend. Andererseits war das russische Kapital lange Zeit eine gute Verdienstquelle für uns. Im Februar dieses Jahres veranstaltete die niederländische Botschaft in Kiew einen Präsentationsabend zum Thema der steuerlichen Attraktivität des Königreichs. Diese Präsentation war nicht für die Menschen gedacht, die damals auf dem Maidan gestanden haben. Es war eine Veranstaltung für diejenigen, die zu jenem Zeitpunkt als die politische und wirtschaftliche Elite in der Ukraine galten. Nur wenige Tage später retteten sich diese Leute aus Kiew, indem sie die Flucht ergriffen. Ich will damit sagen, dass unsere Politik in Bezug auf Russland und die Ukraine eindeutig auf wirtschaftlichen Interessen fußte. Man könnte sich jetzt fragen, ob das vernünftig war. Wir haben die Ukraine  über all diese Jahre hinweg nicht als wichtigen Punkt in Sachen Innenpolitik betrachtet. Der Fokus lag eindeutig auf Russland. Die Ukraine wurde als Nebensache wahrgenommen. Das Argument einer bewussten Expansion des Westens Richtung Osten ist falsch. Die Expansion des Westens in den Osten ist ein Wunsch der Ukrainer. Umso trauriger ist es für mich mit anzusehen, wie manche Niederländer das Argument von der angeblichen Osterweiterung des Westens schlucken und damit der Ukraine ein eigenes Stimmrecht absprechen, als wäre die Ukraine kein souveräner Staat. Das beste Beispiel dafür ist, wie leicht wir die Annexion der Krim durch Russland geschluckt haben. Ja, man hat sie mit einem historischen Beleg versehen, aber diese Art der Argumentation ist falsch. Oder dürfen wir nun auch Hand an Indonesien legen?

„Die Umwandlung von Information, Kultur und Geld zu Waffen ist ein integraler Bestandteil eines hybriden, nichtlinearen Krieges, wie ihn der Kreml führt. Die Anwendung dieser Waffen verbindet der Kreml mit konspirativen kleineren Militäraktionen“, – schreibt aus London ein anderer westlicher Journalist, der Russland von innen heraus kennt, Peter Pomerantsev. Vor einigen Tagen veröffentlichte „The Interpreter“, das Gegenstück zur „Inopressa“, einen Vortrag Pomerantsevs (erarbeitet gemeinsam mit Michael Weiss) „The Menace of Unreality: How the Kremlin Weaponizes Information, Culture and Money“. „Die Globalisierung der Märkte hätte theoretisch zur Sublimierung von Konflikten hin zum friedlichen Handel führen können. Aber anstatt die Globalisierung als eine Chance zum gemeinsamen wirtschaftlichen Aufschwung zu begreifen, hat der Kreml darin einen Mechanismus gesehen, der Aggression sowie die Möglichkeit zur Aufteilung und Beherrschung legitimiert“, heißt es im Vortrag. Russland, so die Meinung der Autoren, spiele heute die Vorreiterrolle in einer bösartigen Globalisierung, aber schon bald würden andere Regimes seine Methoden übernehmen.

– Dem Westen will es nicht gelingen, eine adäquate Antwort auf das momentane Verhalten Russlands zu finden. Obwohl wir diesen Gang der Dinge schon vor vielen Jahren hätten voraussehen müssen. Stellen Sie sich vor, Ihr Geschäftspartner überschüttet Sie über Jahre hinweg mit Schmutz, sowohl auf der internationalen Bühne wie auch zu Hause. Der Westen wird verkauft als Feind Nr. 1, und die öffentliche Meinung wird um diese Idee herum mobilisiert. Diese Tendenz beunruhigte zwar, aber wir verschlossen die Augen davor, wenn auch unbewusst.

– Der Kreml engagiert nicht nur westliche Journalisten, Politologen (beispielsweise auf dem Waldai-Forum) und einzelne Politiker (mit der Aussicht auf eine Stelle in großen russischen Unternehmen), sondern auch komplette politische Bewegungen und Parteien im Ausland. Der Putinismus wird in gleicher Weise attraktiv für ihrem Anschein nach völlig unterschiedliche, ja widerstreitende Gruppen: Neonazis und Globalisierungsgegner, amerikanische christliche Fundamentalisten und Anarchisten, Europaskeptiker und Enthüller von US-Nachrichtendiensten. Das geschieht deshalb, weil die „postmoderne Diktatur“ in Russland im Unterschied zu den Diktaturen alten Typus Ideologien verwende wie eine austauschbare Ansammlung von Accessoires, schreiben Pomerantsev und Weiss in ihrem Vortrag.

– Das putinsche Modell, die Argumentationsweise, mit welcher dieses Modell auf der Weltbühne positioniert wird, findet großen Anklang in Osteuropa. Aber auch im Westen – wer sind heute die politischen Partner des Kreml? Das sind Parteien, die innerhalb des politischen Spektrums extreme Positionen vertreten, wohlgemerkt sowohl rechts wie auch links. Oder betont antieuropäische Parteien. Es waren Mitglieder solcher politischer Organisationen, die als Beobachter zu den Wahlen in Lugansk und Donezk gereist sind. Reinster Betrug.

loos2 Stellt der Vormarsch des Putinismus eine reale Bedrohung für den Westen dar?

– Das spielt sich doch alles direkt vor unseren Augen ab! Nehmen Sie die Nachfolgerin von Catherine Ashton, eine Italienerin (die neue Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Federica Mogherini – A. d. R.). Kaum ein paar Wochen im Dienst, stellt sie schon die Notwendigkeit der Sanktionen gegen Russland in Frage. Diese Einstellung wird durch Länder geschürt, die in Folge der Sanktionen ernsthafte Verluste zu beklagen haben. Vor allem sind das die Länder Osteuropas, die vollständig vom russischen Gas abhängig sind. So entsteht eine Situation, in der der tschechische Präsident sich offen gegen die Sanktionen und gegen den Maidan ausspricht, was paradox ist, bedenkt man die Geschichte Tschechiens. Das geschieht heute, und diese politischen Kräfte darf man nicht unterschätzen. Worin ich die größte Gefahr sehe, ist die Art, wie wir im Westen die Arbeitsmechanismen des putinschen Informationssystems übernehmen. Ich spreche von dem Zynismus, mit dem man in Russland heute auf bestimmte politische Institutionen blickt, die wir bei uns zu Hause als unumstößliche Wahrheit wahrnehmen – Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit, Unbestechlichkeit, Menschenrechte. In Russland werden all diese Dinge zynisch als Instrumente zum Erreichen von politischen Zielen gesehen: „Der Westen propagiert die Menschenrechte nicht, weil er an sie glaubt, sondern um bestimmte Bereiche unter seiner Kontrolle zu behalten.“ Das ist eine sehr zynische Sicht auf eine Institution, die einen für unsere Gesellschaft grundlegenden Wert darstellt. Das ist es, was mich am meisten beunruhigt.

Zynismus als russische Hauptexportware?

Ja, und eine sehr erfolgreiche! Im Informationsbereich ist das am besten sichtbar, Russland wird dort zur führenden Kraft. Riesige Summen werden heute nicht so sehr in die Massenmedien gesteckt, die auf den russischen Binnenmarkt gerichtet sind, wie vielmehr in diejenigen, die den Verbraucher außerhalb Russlands erreichen sollen. Das Budget von RT, Russia Today, beträgt über 300 Millionen Dollar im Jahr, demnächst soll es um weitere fast 50 Prozent wachsen. Das sind unglaubliche Summen! In die russische Version von Russia Today, die RIA Nowosti geschluckt hat, werden ebenfalls immense Gelder investiert, alle darüber hinausgehenden Anlagemittel im Bereich der staatlichen russischen Medien fließen in die Förderung von Informationskanälen außerhalb von Russland. Vor einigen Wochen ging der neue Russia Today-Sender in Großbritannien an den Start, bald sollen auch französisch- und deutschsprachige folgen. Das sind genau die Massenmedien, in denen Desinformation und Lügen als Instrumente benutzt werden, um den öffentlichen Diskurs im Westen zu stören oder in eine bestimmte Bahn zu lenken. Dieser Krieg wird nicht mit BUKs geführt, aber seine Folgen werden noch mehr Zerstörung anrichten, als das Abfeuern von Waffen. Darin besteht ja die Idee eines nichtlinearen, hybriden Krieges – „sanfte“ Kampfmethoden entpuppen sich als weitaus effektiver im Vergleich zur militärischen Einmischung. Den kriegerischen Konflikt in der Ukraine kann man als Materialisierung dessen betrachten, was bis dato nur eine PR-Strategie der putinschen Idee war. Eine weitere solche PR-Strategie ist die putinsche Stabilität. Das ist einer der dreistesten Mythen des modernen Russlands, welches schon lange nicht mehr in einem derart instabilen Zustand gewesen ist. Heutzutage kann man in Russland nicht einen Schritt tun, ohne ein großes Risiko einzugehen.

Was will Putin mit all diesen kostenintensiven Mitteln erreichen?

Die Basis für seine Politik liegt im Bestreben, die Lebensdauer des von ihm erschaffenen Systems zu erhöhen. Geopolitisch gesehen strebt der Kreml nach einem mehrpoligen Weltmodell. Mit anderen Worten: Der Kreml will die amerikanische Hegemonie beenden sowie gleichzeitig Europa schwächen und so stark wie möglich korrumpieren. Das heißt, die ihn umgebende Welt nach dem eigenen Vorbild verändern, indem Betrug, Käuflichkeit sowie wirtschaftliche und politische Druckausübung zu den zentralen Spielregeln erhoben werden. In Russland selbst zeichnet sich immer deutlicher ein politischer Kannibalismus ab: Die Führungsclique wird immer kleiner, sie frisst sich selbst auf, um das eigene Überleben zu sichern. Giganten wie Rosneft und Gazprom, die auf dem Weltmarkt Hunderte von Milliarden Dollar umsetzen könnten, leiern dem Kreml Rückfinanzierungen aus allen zugänglichen Reservefonds und Rentenversicherungen irgendwelcher einfacher Leute aus der Tasche. Hinter dem Wachstum von Rosneft, das alle neuen Unternehmen schluckt, steht weder ein effektiver Businessplan noch ein attraktives, inhaltlich fundiertes Programm zur langfristigen Entwicklung.

Der Vortrag von Pomerantsev und Weiss beinhaltet einen Appell an alle, die auf demokratische Werte bauen, sich im Kampf gegen Desinformation und strategische Korruption zusammenzuschließen. Im Einzelnen schlagen die Autoren vor, ein internationales Rating zum System der Desinformation sowie einen Fond zur juristischen Unterstützung für Journalisten einzurichten, gegen die Verfahren wegen Verleumdung laufen, eine alternative Waldai-Konferrenz zu veranstalten und Aufklärungsarbeit mit denjenigen Bevölkerungsgruppen durchzuführen, die oft Adressaten von Desinformationskampagnen sind (z. B. die russischsprachige Bevölkerung Lettlands). Genauso sei es notwendig, auf Transparenz der Finanzierung von analytischen Kompetenzzentren zu bestehen.

– Was sollen wir unternehmen? Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich denke, was die Sanktionen angeht, sollte Europa seinen Kurs fortsetzen und diese unterstützen. Das ist ein Mittel, das auf einen langfristigen Effekt abzielt. Seine Folgen in einer kurzfristigen Perspektive sind immer streitbar. Was die Gaspolitik in Europa betrifft – da hat es Amerika, das auf Schiefergas sitzt, schon einfacher. Europa ist ein sehr komplexes politisches Gebilde, eine Allianz demokratischer Länder, wo es unmöglich ist, irgendeine Strafmaßnahme mit einem Federschwung zu beschließen. Aber es ist klar, dass eine zentrale Aufgabe für das heutige Europa die Ausarbeitung eines Energieprogramms darstellt, das auf erneuerbaren Energiequellen aufbaut, was eine perspektivische Unabhängigkeit vom Gas, jedenfalls vom russischen, bedeuten würde. Das ist eine reale Notwendigkeit. Auf dem Spiel steht alles. Ich glaube, dass die Existenz eines solchen Programms nur eine Frage der Zeit ist. Ich bin zwar skeptisch, aber nicht negativ eingestellt – an diesem Problem wird gearbeitet. Wir haben schon sehr viel Zeit verloren und dürfen uns keinen Durchhänger mehr leisten. Es ist heute wichtig für uns, in Russland (d.h. der russischen Regierung) einen Feind zu sehen, eine Gefahr für die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft, für unser politisch-ökonomisches Modell. Und das ist sicher kein konservatives Weltbild, eher im Gegenteil.

Das Putin-Regime lässt sich nicht reformieren, schreibt Hans Loos in der populären niederländischen Zeitung Volkskrant. Entweder besteht es, oder eben nicht. Die großflächige Unterstützung Putins innerhalb der russischen Bevölkerung würde sich in vielerlei Hinsicht durch das Verstehen dieser einfachen Tatsache und die Angst vor der Ungewissheit erklären lassen, die nach Putin käme.

loos3 Ich denke, weder in Brüssel noch in Berlin gibt es einen einzigen Politiker, der daran glaubt, dass die Sanktionen die russische Führungselite dazu bringen könnten, ihre Politik zu überdenken, den Kurs zu wechseln. Der Westen legt seine Hoffnung in erster Linie in einen Regimewechsel in Russland, d.h. in ein Russland nach Putin. Dieses Russland könnte auf der politischen Karte nach 2028 erscheinen, aber genauso gut auch im nächsten Jahr. Noch nie war es für den Westen so schwer, in der russischen Gesellschaft Punkte zu ertasten, an denen man sich festhalten könnte, die wenigstens irgendeine Perspektive für eine künftige Verbesserung des Klimas in Russland aufzeigen würden. Genau deshalb ist es notwendig, weiterhin in Projekte zu investieren, die auf die Errichtung einer Zivilgesellschaft gerichtet sind, auf den Aufbau von Kontakten mit der einfachen russischen Bevölkerung als Faktor des politischen Prozesses, auf die Förderung der russischen Kultur. Das Putin-Regime hat auf sehr effektive Weise die russische Zivilgesellschaft marginalisiert. Sie ist geschwächt, in ein Simulacrum verwandelt. Dabei ist die russische Bevölkerung beständig dabei, die Zivilgesellschaft aufzubauen, aber das geschieht außerhalb des politischen Diskurses. Das politische Feld ist währenddessen so stark gesäubert worden, dass wir aus Europa niemanden mehr anrufen können, um eine adäquate Antwort zu bekommen. Das offizielle Moskau sagt das Eine und macht das komplette Gegenteil. Moskau bestreitet bis heute seine Präsenz im Donbass! Alles ist zu einer kompletten Lüge verkommen, die Konstruktion einer einzigen großen PR-Maschine. Das ähnelt einer surkowschen Reality-Show, in der den Russen eine zweitrangige Rolle zugewiesen worden ist.

In demselben Beitrag in der Zeitung Volkskrant macht Hans Loos den Leser auf die Erzählung „Ohne Himmel“ (rus. „Bes Neba“) aufmerksam, erschienen im März dieses Jahres in der Zeitschrift „Russkij Pioner“, geschrieben von einem gewissen Natan Dubowizkij. Es ist kein Geheimnis, dass sich hinter diesem Pseudonym höchstwahrscheinlich der Putinismus-Ideologe Wladislaw Surkow verbirgt. In der Erzählung geht es um den „ersten nichtlinearen Krieg“, in dem nicht zwei Seiten gegeneinander kämpfen, sondern alle gegen alle. Und es sind auch nicht zwei ganze Staaten, die gegeneinander kämpfen, sondern Kriegsallianzen, die aus einzelnen Städten und Gruppen bestehen.

„Es kam vor, dass verschiedene Provinzen auf der einen Seite kämpften,  auf der anderen, und irgendeine Stadt oder Generation, oder auch ein Geschlecht, eine Berufsgruppe desselben Staates auf der dritten. Es stand ihnen frei, die Seiten zu wechseln. In ein beliebiges Lager überzulaufen. Manchmal mitten im Kampf.“

„Die Ziele der Konfliktparteien waren sehr unterschiedlich. Jedem das seine, wie man so sagt. Die Eroberung umstrittener Landstreifen. Gewaltsame Präsentation einer neu gegründeten Religion. Erhöhung von Ratings und Quotierungen.“

„Die einfach gestrickten Heeresführer der Vergangenheit strebten nach Sieg. Jetzt handelte man nicht mehr so töricht. […] [G]rundsätzlich sah man den Krieg als einen Prozess. Genauer, als Teil des Prozesses, seine akute Phase. Nicht einmal die wichtigste, vielleicht.“

– Der Krieg im Donbass als Teil eines Prozesses? Vielleicht nicht einmal der wichtigste?

Ganz ehrlich, als ich die Erzählung zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich: „Mein Gott, was für ein postmoderner Schwachsinn! Was will er damit sagen?“ Der Text schien mir prätentiös geschrieben, der Stil ist auch seltsam – alles so kurze Sätzchen. Aber dann las ich ihn ein zweites und drittes Mal und sah, dass er doch interessant war. Vor allem die Beschreibung der nichtlinearen Kriegsführung, des Zusammenschlusses von Allianzen fesselte mich. Der Erzähler gehört zur einfachen Dorfbevölkerung, über deren Köpfen Dronen einen Krieg führen, auf seine Familie stürzen Flugzeugteile. Wenn ich an die Tragödie der MH17 denke, denke ich daran, was die Verwandten der Opfer durchleben mussten, aber ich denke auch daran, welch unauslöschliches Trauma das für die Bewohner jener Dörfer bedeutet, über denen die Boeing abstützte. Und ich denke ständig an Surkows Erzählung. Diese kleinen Leute in ihren kleinen Häusern, auf ihren kleinen Grundstücken. Unsere Einsatzkräfte, die für die Rückführung der sterblichen Überreste verantwortlich sind, wurden evakuiert, weil es gefährlich geworden war, an der Absturzstelle zu arbeiten, und die lokale Bevölkerung war zur selben Zeit gerade dabei, wie immer ihre Felder abzuernten. Und ein paar Wochen zuvor hatten vom Himmel fallende Körper ihre Dächer durchlöchert.

Und dann appelliert der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte an Putins Mitgefühl, indem er die Rückführung der sterblichen Überreste der Boeing-Passagiere mit der Bergung des untergegangenen U-Bootes Kursk vergleicht.

Genau, ich wüsste gerne, welcher „Experte“ ihm zu diesem Vergleich geraten hat! Als ich darüber in den Nachrichten gelesen habe, war ich auch baff. Ich frage mich, was Putin wohl gedacht hat.

Vielleicht war das ein leiser Wink mit dem Zaunpfahl? Putin hat gedacht: „Mist, sie wissen, dass das auch ich war.“

Ja! „Mist, sie wissen alles!“ Vielleicht hat unser Premierminister das ironisch gemeint, so im Stile Surkows. Und wir waren zu dumm, das zu verstehen.

sofijaAutorin und Fotos: Sofija Kornijenko

Quelle: RFE/RL, 22.11.2014

Übersetzung: Jennie Seitz

Redaktion: Euromaidan Press auf Deutsch

Estlands ethnische Russen protestieren dagegen, dass Moskau den Separatismus fördert

von Paul A. Goble, Interpretermag 15.4. 2014

Moskaus Förderung von Unruhe und Separatismus in Estland hat eine Gruppe ethnischer Russen und Angehörige anderer Nicht-Titularnationen [Anm. d. Übers.: eine Titularnation ist eine Ethnie, die einem Land und seinen Bürgern den Namen gibt] eine Petition gestartet, um die Unterstützung für Estlands Souveränität und territoriale Integrität zu bestärken und äußere Einmischung in die inneren Angelegenheiten Estlands zu verurteilen.

Trotz der Mitgliedschaft Estlands in der Europäischen Union und der NATO und seinem Erfolg, die meisten ethnischen Russ*Innen in Gesellschaft und Politik integriert zu haben, ist Estland im Fadenkreuz der Expansionspolitik des Kreml geblieben, und nun protestieren nicht nur ethnische Esten, sondern auch Nicht-Esten in Estland dagegen.

Natalja Kitam von Etnoweb, Jelena Katsuba von der Open Estonia Foundation, Igor Kalakauskas von der Tallinn Tõnismägi Science School und and Iwan Lawrentjew vom Network of Estonian Non-Profit Organizations, verbreiten eine Petition mit dem Titel „Memorandum 14“, um Estland zu unterstützen und gegen die Moskauer Verlautbarungen und Aktionen. Die Petition, die auf der Seite petitsioon.ee veröffentlicht wurde, erklärt, „dass die Mehrheit der einheimischen Russen wünscht, Probleme innerhalb des Verfassungsrahmens der unabhängigen Republik Estland zu klären, und die separatistische Statements, die im Namen der einheimischen russischsprachigen Bevölkerung abgegeben wurden, verurteilt.

Mehr als 380 Personen [Anm. d. Übers. : bis heute 807] haben sie unterzeichnet, die meisten alarmiert von Berichten einer Moskauer Zeitung, dass russische Aktivisten planten, in Estland Demonstrationen zu inszenieren, um Russlands Annexion der Krim und möglicher anderer Teile der der Ukraine, sowie den Ruf nach einem separatistischen Referendum in Estlands Nordosten zu unterstützen.

Hier ist der Text der Petition:

„Wir, die Unterzeichner und Einwohner Estlands – sowohl Bürger von Estland und anderen Ländern als auch auf Dauer ansässige Einwohner ohne Bürger-Status – beobachten die Ereignisse in der Ukraine mit Schmerz und Besorgnis.

Wir möchten gerne mit allem Verantwortungsbewusstsein sagen, dass es unser Wunsch ist, alle Probleme der estnischen Gesellschaft [Anm. d. Übers.: der Status der russischsprachigen Minderheit wird kontrovers diskutiert und auch von der EU gerügt] mit den rechtmäßigen Behörden der Republik Estland zu klären. Wir müssen nicht von außen beschützt werden; wir denken, wenn sich Drittländer in estnische Politik einmischen, ist das unakzeptabel.

Wir unterstützen keine separatistischen Gefühle und auch keine separatistischen Statements, die im Namen der russischsprachigen Gemeinschaft von Estland gemacht werden. Alle Probleme, die die Entwicklung unserer Gesellschaft betreffen, einschließlich Erziehungs-, Sprach-, und Bürgerschaftspolitik, müssen unter Beachtung der staatlichen Souveränität gelöst werden.

Unabhängig von Muttersprache und Nationalität betrachtet die Mehrheit der Menschen, die hier leben, Estland als ihre Heimat. Wir finden es wichtig, festzustellen, dass wir, obwohl wir auf verschiedenen Seiten der ideologischen Barrikade stehen, für unsere Pflicht halten, kollektiv zu erklären:

Unsere Heimat ist ein unabhängiges und freies Estland!“

Autor: Paul A. Goble

Quelle: Interpretermag 15.4. 2014

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Titelbild: Russischer Markt in Tallinn – © Guillaume Speurt

Gegner der Krim-Annexion sollen in Russland in einem Geheimprozess abgeurteilt werden

von Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 28.12.14

Über das abgetrennte und geheim gehaltene Verfahren gegen Gennadij Afanasjew sind weitere Details bekannt geworden. Afanasjews Aussage ist wahrscheinlich der einzige „Beweis“ für die Anklage wegen einer „terroristischen Verschwörung auf der Krim“ gegen vier Gegner der russischen Annexion der Krim, darunter der namhafte Regisseur Oleh Senzow und der linke Aktivist Oleksandr Koltschenko. Die Informationen über den Schuldspruch und das Strafmaß von sieben Jahren Gefängnis und einer weiteren Freiheitsbeschränkung von eineinhalb Jahren gegen Afanasjew wurde bei der Gerichtsverhandlung über die Verlängerung der Untersuchungshaft gegen  Koltschenko und Senzow bekannt. In beiden Anhörungen wurde deren U-Haft bis April 2015 verlängert.

Gennadij Afanasjew
Gennadij Afanasjew

Wie berichtet hat die Ermittlungsbehörde, in einer Sitzung über Koltschenkos Haftverlängerung, erstmals erwähnt, dass Afanasjew in einem abgesonderten Verfahren zu sieben Jahren verurteilt worden war. Das Urteil hatte vier Tage zuvor in einem Prozess hinter verschlossenen Türen vor dem Moskauer Stadtgericht stattgefunden. Allein die Tatsache, dass sein Verfahren sich bereits im Stadium der Urteilsfindung befand und geheim gehalten wurde, hat zur Folge, dass die Anwälte Senzows und Koltschenkos keine Gelegenheit haben werden, diejenige Person ins Kreuzverhör zu nehmen, deren Aussage (zusammen mit der von Oleksij Tschirnij) die einzige Grundlage für die Anklage gegen ihre Mandanten bildet.

Koltschenkos und Senzows Anwälte glauben, dass Afanasjew eine Absprache mit den Ermittlern getroffen hat: eine Falschaussage gegen die anderen, im Austausch für die für „Terrorismus“ vorgesehenen Mindeststrafe. Dies entspricht der von Senzow abgegebenen Darstellung, der – wie Koltschenko auch – wiederholt bekräftigt hat, dass er in der Haft in Simferopol Folter und Druck ausgesetzt war. Der 38-jährige Regisseur und alleinerziehende Vater sagte, die Ermittler hätten von ihm verlangt, dass er als Zeuge gegen den Euromaidan (den er aktiv unterstützt hat) und die neue Kyiwer Regierung aussagen solle. Ihm wurde gesagt, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verschärft würden, wenn er sich weigerte, dem Folge zu leisten. Er weigerte sich und ist als nun “Drahtzieher“ einer “Verschwörung des Rechten Sektors” angeklagt.

Fragwürdige Geheimhaltung über dubiose Anklagen

Schon die Festnahme und anfänglich Inhaftierung aller vier Männer, während der ihnen der Zugang zu ihren Anwälte zunächst verweigert wurde. Die erste öffentliche Erklärung über ihre Verhaftung kam am 30. Mai durch den russischen Sicherheitsdienst FSB, nachdem die Männer nach Moskau gebracht worden waren. Die angeblichen terroristischen Handlungen in dieser Aussage stimmen nicht mit denjenigen überein, wegen der jetzt Afanasjew verurteilt wurde. Dies, und die Tatsache, dass es keine stichhaltigen Beweise sondern nur Geständnisse gibt, und die Anklage, dass Senzow „federführend“ bei der angeblichen „Verschwörung“ war, machen es besonders verdächtig, dass die Anwälte der anderen Angeklagten nichts über das Verfahren erfuhren und nicht daran teilnehmen durften.

Unklar ist, ob es überhaupt ein Vefahren als solches gab, und wer der Verkündung des Urteils am Dezember 17 beiwohnte. Die Menschenrecht-Webseite Mediazona [Anm. d. Übers.: von den früheren Pussy-Riot-Mitgliedern Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina gegründete NGO zur Beobachtung des russischen Haftwesens] berichtete erstmals am 25. Dezember über das Ergebnis, war aber mit ziemlicher Sicherheit nur bei der Sitzung über Koltschenkos Haftverlängerung anwesend. Ihr Bericht wiederholt die Erklärung des FSB vom 30. Mai, in der behauptet wurde, Afanasjew sei Mitglied einer von Oleh Senzow angeführten Gruppe gewesen, die im April 2014 im Auftrag des ukrainischen “Rechten Sektors” eine “Terrorgruppe” in Simferopol gebildet hätte. Nach dieser Version haben Afanasjew, Tschirnij und Koltschenko, sowie “andere Unbekannte”, auf Anweisung von Senzow am 14. April Brandanschläge auf Gebäude der russischen Gemeinschaft der Krim und am 18. April auf das Büro der Partei “Einiges Russland” begangen. In beiden Fällen wurde bereits berichtet, dass angeblich ein Molotow-Cocktail geworfen wurde, wodurch bei der Russischen Gemeinschaft eine Tür leicht angekokelt und bei “Einiges Russland” ein Fenster beschädigt wurde.

Die Anklage behauptet auch, Tschirnij und Afanasjew hätten auf Senzows Anweisungen hausgemachte Sprengsätze erhalten, die für die beiden für den 9. Mai geplanten Terroranschläge verwendet werden sollten – zur Sprengung des Lenindenkmals auf dem Bahnhofsplatz und der Gedenkstätte “Ewige Flamme” in Simferopol. Sie behauptet außerdem, die Explosionen seien nicht geschehen, da beide Männer zuvor festgenommen worden seien.

Während Afanasjew anscheinend bereits vor Senzow verhaftet wurde (Senzow wurde erst spät in der Nacht am 10. Mai festgenommen, d.h. nach den angeblich geplanten Terroranschlägen), kam die erste Erwähnung von Oleksij Tschirnij wesentlich später im Mai. Tschirnij ist der am wenigsten bekannte der vier Männer, ist aber der einzige, dessen soziale Netzwerkseite einen moderaten Grad an Unterstützung für den rechtsextremen nationalistischen „Rechten Sektor“ erkennen lässt.

Die erste Erwähnung des „Rechten Sektors“ kam auf in der FSB-Erklärung vom 30. Mai. Diese Version behauptet, dass das Hauptziel der vom Sicherheitsdienst als „Ablenkungsterrorgruppe des Rechten Sektors “ bezeichneten Gruppierung sie die Durchführung von ‚Ablenkungs-Terror‘ in Simferopol, Jalta und Sewastopol gewesen, und in der letztgenannten Stadt sollte eine Reihe von Gebäuden, Eisenbahnbrücken und Stromleitungen zerstört werden.

Der FSB will bei den Ermittlungen und Durchsuchungen folgendes sichergestellt haben: „Sprengkörper, Feuerwaffen; Munition; Kanister mit entzündlichen Stoffen; Bauarbeiterhelme (wie sie während der Unruhen auf dem „Maidan“ verwendet wurden), Atemschutzmasken, Gasmasken, Lacksprühdosen, nationalistische Symbole usw.“

Noch einmal, wenn diese Gegenstände überhaupt „gefunden“ wurden, muss es in den Häusern der beiden Männer gewesen sein, die „Geständnisse“ abgegeben haben, denn offensichtlich wurde nichts dergleichen in den Wohnungen von Senzow oder Koltschenko gefunden. Dies ist ein Grund mehr für die Notwendigkeit der Anwesenheit der Anwälte von Senzow und Koltschenko beim Verfahren gegen Afanasjew, um ihn dazu zu befragen.

Die Geheimhaltung ist damit leider nicht zu Ende. Alle Rechtsanwälte sind gezwungen worden, eine Verpflichtungserklärung zu unterzeichnen, nach der sie keine Einzelheiten des Falles bekanntgeben dürfen. Zweifellos kann es Fälle geben, in denen Einzelheiten über terroristische Handlungen oder Verschwörungen zum Schutz von Informanten oder aus anderen Gründen geheim bleiben müssen. Der vorliegende Fall ist jedoch mit schweren Mängeln behaftet, und es gibt eine Vielzahl von störenden Elementen, die den Verdacht rechtfertigen, dass dadurch das Fehlen substanzieller Gründe für die Anklagen gegen Senzow und Koltschenko kaschiert werden soll.

Oleh Senzow und Oleksandr Koltschenko - Repressalien des FSB
Oleh Senzow und Oleksandr Koltschenko – Repressalien des FSB

Fehlbesetzung oder geheime Akteure

Von allen vier Angeklagten in diesem Fall war bekannt, dass sie die russische Annexion der Krim abgelehnt haben. Abgesehen von einer Erwähnung des “Rechten Sektors” auf Tschirnijs Seite in einem sozialen Netzwerk gibt es nichts, was einen der Männer mit dieser nationalistischen Partei in Verbindung bringen lässt.

Vielleicht ist es erwähnenswert, dass, nur fünf Tage vor der FSB Aussage, der Präsidentschaftskandidat  des “Rechten Sektors” bei den Präsidentschaftswahlen vom 25. Mai ein auffallend schwaches Ergebnis (0,9%) erzielt hatte. Das passte nicht zu der vom Kreml inszenierten Dämonisierung des “Rechten Sektors” als vermeintlicher Hauptakteur in der sogenannten „Kyiwer Junta“, wobei der vom Kreml dominierte Fernsehsender Perwij Kanal über einen gefälschten Sieg des „Rechten Sektors“ berichtet hatte.

Aktivisten der Zivilgesellschaft auf der Krim kannten Afanasjew als Fotografen (der zuerst an der Nationalen Taurischen Universität studiert hatte) und Gegner der russischen Invasion und Annexion. Sie sehen Behauptungen, er habe Verbindungen zum “Rechten Sektor” gehabt, mit großer Skepsis.

Die Vorwürfe gegen Senzow und Koltschenko, Verbindungen mit dem “Rechten Sektor” zu haben, wurden von beiden Männern konsequent bestritten. Die Fehlbesetzung liegt in beiden Fällen auf der Hand. Oleh Senzow erzieht zwei kleine Kinder, eines davon leidet an Autismus, er selbst bezeichnet die Behauptung als absurd, der FSB habe die angeblichen Gegenstände in seiner Wohnung gefunden. Es gibt kein Beweismaterial oder Zeugenaussagen über eine Verbindung zum “Rechten Sektor”. Oleksandr Koltschenko, der vor kurzem in der Haft seinen 25. Geburtstag feierte, ist ein linker Anarchist, der mit Nationalisten in der Vergangenheit Konflikte hatte, als “Rechter Sektor-Terrorist“ schwer vorstellbar.

Beschuldigungen im Stile Stalins

Die erhobenen Anklage sehen eine Höchststrafe von 20 Jahren vor, und Koltschenkos Anwältin Swetlana Sidorkina glaubt, dass dies bedeutet, dass Afanasjew tatsächlich die Mindeststrafe erhalten hat. Sie sagt, dass seine Strafe mit großer Wahrscheinlichkeit als Grundlage für einen Schuldspruch für die anderen Angeklagten dienen soll, und voraussichtlich zu viel schärferen Strafen für die beiden Männer führen wird, die ihre Unschuld beteuern.

Sie erklärt kategorisch, dass die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Afanasjew in ihrem Vorgehen das russische Gesetz verletzt hat. „Unsere Angeklagten hatten nicht die Möglichkeit, Afanasjew Fragen zu stellen. Seine Zeugenaussage hat unmittelbare Auswirkung sowohl auf Koltschenko als auch Senzow, und uns wurde eine vollwertige Verteidigung aller Mandanten effektiv verweigert. Im Prozess gegen Afanasjew wurde ohne Berücksichtigung der Akten und Beweise ein Urteil gefällt, was dieses gesprochene Urteil in Zweifel zieht,” beharrt sie.

Ein Angeklagter fehlt

Die oben genannte FSB-Erklärung passt zu einer Perwij-Kanal-Reportage, die die Version der Anklage wiederholt und „Geständnisse“ von Afanasjew und von Tschirnij zeigt. Angesichts der Tatsache, dass nur Afanasjew verurteilt wurde, ist ein Verweis auf einen besorgniserregenden Bericht der Stiftung “Offener Dialog” erwähnenswert, die den Fall aufmerksam verfolgt hat. Im August berichteten Aktivisten des Offenen Dialogs, dass Tschirnij sich in einem Zustand mit Selbstmordgefährdung befand, von dem sie annahmen, dass er durch Drogen verursacht wurde, die im während der “Behandlung” im Serbski-Institut verabreicht wurden. Das Institut war in den 1970er Jahren und später wegen des Einsatzes von Zwangspsychiatrie berüchtigt.

Petro Ochotin von der Stiftung erklärt, dass die FSB-Ermittler ihr Bestes taten, um Senzow und Koltschenko von Afanasjew und Tschirnij getrennt zu halten. Sie hatten enorme Schwierigkeiten, Tschirnij aufzuspüren. Als ihre Delegation beim Serbski-Institut ankam, wurde ihnen gesagt, er sei ins Lefortowo-Gefängnis verlegt worden. Einen Tag später erfuhren sie dann, dass er im Untersuchungshaftzentrum Butyrka – in einem schwerwiegenden Zustand von Selbstmordgefahr. Ochotin befürchtet, dass Tschirnij Folter ausgesetzt und/oder zwangsweise mit Tranquilizern ruhig gestellt wird, um von ihm Aussagen gegen die anderen Angeklagten zu erpressen.

Da Afanasjew jetzt allein verurteilt wurde, ist es möglich, dass Tschirnij inzwischen seine Aussage zurückgezogen hat. Zuvor war berichtet worden, er habe in einen Brief den Besuch des ukrainischen Konsuls gefordert. Tschirnij ist der einzige der vier, dem es gelungen war, seine Ablehnung der russischen Staatsangehörigkeit offiziell zu erklären, bevor er festgenommen wurde, und die russischen Behörden haben nicht wie bei den anderen zu behaupten versucht, sie wären „automatisch“ russische Staatsangehörige geworden. Sowohl Koltschenko und Senzow haben dies mit Nachdruck beanstandet und sind der Auffassung, dass sie nach wie vor ukrainische Bürger sind.

Oleh Senzow und Oleksandr Koltschenko drohen 20 Jahre Haft in einem Fall, in dem die Worte „im Falle einer Verurteilung“ besonders unangemessen erscheinen. Beide Männer wurden durch das maßgebliche Menschenrechtszentrum Memorial zu politischen Gefangenen erklärt, und Amnesty International hat ihre Rückkehr auf die Krim gefordert. Das Fehlen jeglicher Beweise –  wenn man von den fragwürdigen „Geständnissen“ absieht – und die Geheimhaltung des Prozesses gegen Afanasjew machen internationale Aufmerksamkeit und Druck auf die russischen Behörden unerlässlich.

Autorin: Halya Coynash

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 28.12.14

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

InformNapalmTeam: Lagebericht Stand Ende Dezember 2014

28. Dezember 2014

Der bedingte „Waffenstillstand“ hat eine Reihe aktiver Kampfhandlungen eingefroren. In Verbindung damit möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf zwei Schlüsselmomente lenken:

  • die Anhäufung und die Umgruppierung der feindlichen Streitkräfte wird fortgesetzt;
  • in den besetzten Gebieten verstärken sich die sozialen Spannungen; die Anzahl der internen Konflikte zwischen verschiedenen Formationen von Banden in der „DVR/LVR“ steigt ebenso.

Die Kluft zwischen den Ansichten der Söldnerleitungen in Bezug auf den weiteren Verlauf der Ereignisse ist erkennbar. Ein Teil von ihnen übt scharfe Kritik an den beiden Anführern der „DVR/LVR“, Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki, weil diese Friedensabmachungen unterzeichnet haben, wegen der Entwendung von humanitären Hilfsgütern und Finanzmitteln, die aus Russland geliefert werden. In einer Videoansprache beschuldigte der Kommandant von Perwomajsk (Luhansker Gebiet), Jewgen Ischenko, die Leiter der „DVR/LVR“ des  „Machtkampfes“ und drohte damit, „die Waffen gegen sie selbst zu richten“. Der „Chef des Sicherheitsdienstes der LVR“, Wladimir Gromow, beschuldigte Plotnizki auch des Raubs von 100.000 Dollar, die für die Versorgung des terroristischen Bataillons „Sarja“ bereitgestellt waren.

Diese und viele andere Erklärungen aus der zweiten Dezemberhälfte könnten eine weitere Rochade unter den Führungskräften der terroristischen Organisationen vorwegnehmen. Außerdem gehen Bestätigungen ein, dass der ehemalige Vorsitzende der Fraktion „Partei der Regionen“ und gleichzeitig ehemalige Vorsitzender der Luhansker Gebietsverwaltung Alexander Jefremow und „Janukowytschs Familie“ am Aufbau einer Schattenleitung der besetzten Territorien beteiligt sind. Für diese Behauptung spricht auch die Tatsache, dass während des gesamten militärischen Konfliktes kein einziges Objekt Schaden genommen hat, das Janukowytschs oder Jefremows Familien gehört. Zum jetzigen Zeitpunkt bekleiden handzahme Propagandisten von der „Partei der Regionen“ die wichtigen zeremoniellen Posten in der LVR.

Zum Beispiel ist der Patensohn von Alexander Jefremow, Rodion Miroschnik, der noch immer den Titel „Verdienter Journalist der Ukraine“ trägt und früher ein persönlicher Protegé und Pressesprecher von Jefremow höchstpersönlich war, zum jetzigen Zeitpunkt stellvertretendes Oberhaupt der LVR und leitet die Propagandaarbeit in „Neurussland“. [Anm. d. Übers.: Mehr zu diesem Thema hier: “Jefremows Schatten über der LVR”].

Übrigens wurde Miroschnik schon im Februar 2011 zum Stellvertreter des Vorsitzenden der Gebietsorganisation der „Partei der Regionen“ in Ideologiefragen ernannt, also sind die Funktionen, die er in der „Partei der Regionen“ und LVR ausführt, entsprechend.

Es zeichnet sich ein Schema ab, in welchem die Mechanismen der Finanzverteilung von den geächteten Anführern der „Partei der Regionen“ (Janukowytsch, Jefremow, Achmetow usw.) gesteuert werden, und die zentralisierte Militärverwaltung vom Generalstab der Streitkräfte Russlands beaufsichtigt wird. Alle übrigen Umgruppierungen, die Machtverteilung, die Diebstähle der Finanz- und Lebensmittel- sowie der „humanitären Hilfe“ geschehen auf dem niedrigsten Niveau und der Optik halber.

Dabei gibt es von Zeit zu Zeit auch interne Konflikte wie unter den Banden, so auch zwischen den Söldnern und den regulären Unterabteilungen der Streitkräfte Russlands, aber das ist eine Routineangelegenheit für ein Territorium ohne ein effektives Verwaltungssystem, das mit Waffen und Söldnern verschiedener ideologischer, moralisch-ethischer, religiöser und politischer Ansichten überflutet ist. Besonders sollte man die Partisanentruppen hervorheben, die vollkommen autonom agieren und ihre eigenen Ziele verfolgen. Manche von ihnen lassen sich von der Idee einer „einheitlichen Ukraine“ leiten, andere rächen sich einfach nur an den Söldnern für ihre persönliche Kränkungen (entwendetes oder zerstörtes Eigentum, getötete oder zu Krüppeln gemachte Verwandte usw.).

Besonderes Interesse ruft Alexander Mosgowoj hervor, einer der Führer der bewaffneten Formationen der LVR. Seine Umgebung betont, dass er sich allzu unabhängig verhält und dieses Verhalten Vielen missfällt.

Schauen wir auf die Lankarte: Mosgowoj hält Lyssytschansk für sein Stammterritorium und will die Stadt zurück erobern, was er mehrmals in Interviews verkündete. Nach Informationen unserer Insidern wurde in der letzten Zeit eine große Anzahl schwerer Militärtechnik in Richtung Ballungsgebiet Altschewsk-Brjanka-Perwomajsk-Stachanow verlegt, da wird womöglich die Aufstellung eines ganzen mechanisierten Regiments [mit Schützenpanzern ausgerüstete Verbände] geplant. Und hier ist ein Doppelspiel möglich.

Die selbsternannte Regierung der LVR, unter Förderung des Kreml, beginnt Mosgowoj zu diskreditieren, um dann all die Sünden wegen der Nichteeinhaltung der Waffenruhe und dem Übergang zur aktiven Phase der Kampfhandlungen ihm zuzuschreiben, dabei wird aber eine verdeckte „Finanzierung“ seiner Gruppierung weiterhin fortgesetzt. Das Ziel dieser Operation ist die Übernahme der Kontrolle über die natürlichen Wasserhindernisse, d.h. den Siwerskij Donez, zu forcieren. Eben darum hat auch am 26.12.14 die Beschießung von Brjanka und Altschewsk angefangen – sie suchen nach einem Vorwand. Wobei am 26.12.14 Zivilisten in Brjanka Raketenwerfer der Söldner aus dem Stadion „Druschba“ verscheucht haben, darum ist den Söldnern ein Vergeltungsschlag nicht gelungen.

Aber die Strecke Perwomajsk-Lyssytschansk verdient besondere Aufmerksamkeit. Auch wenn Mosgowoj es nicht schaffen sollte, bis nach Lyssytschansk zu kommen, kann er für die ATO-Kräfte einen kleinen Kessel im Raum der Ortschaften Toschkiwka, Nowotoschkiwske, Krimske bilden.

Genau dieses bestätigt auch die andauernde Bewegung von Militärtechnik durch Krasnodon nach Luhansk. Unter anderem ist am frühen Morgen des 27.12.2014 vom Grenzposten Iswaryne eine große Zahl russischer Technik (ca. 95 Einheiten) eingedrungen, die sich weiter in Richtung Luhansk bewegt hat. Diese Ausrüstung in Luhansk anzuhäufen macht keinen Sinn, denn wegen des Siwerskij Donez bleibt Stschastje für die Söldner noch immer uneinnehmbar.

Nun lasst uns doch unsere Aufmerksamkeit auf das Ballungsgebiet Schachtarsk-Tores-Snischne-Krasnij Lutsch lenken. Nach Insiderinformationen sind hier bis zu 100 gegnerische Panzer konzentriert, was ungefähr der Stärke einer Panzerbrigade entspricht. Ein Teil der Panzer steht in Dauerbereitschaft. Es gibt zwei Varianten: Entweder erwarten die Streitkräfte Russlands einen Angriff der ATO-Kräfte von Debalzewe ausgehend entlang der Landstrasse M03, oder sie bereiten sich selber auf einen Angriff in der Gegenrichtung vor.

Außerdem sind Aktivitäten der Söldner im Raum Majorsk (Horliwka) zu vermerken. Wenn man genauer hinschaut, wo Majorsk liegt, kann man sehen, dass es an der Verbindung von Horliwka Richtung Artemiwsk liegt. Diese angeführte Aktivität zeugt von einem möglichen Vorstoß in Richtung Artemiwsk, dabei kann ein Angriff aus Krasnij Lutsch in Richtung Debalzewe auf die Umzingelung der ATO-Kräfte in Majorsk ausgerichtet sein. In der Hinsicht wäre auch ein Angriff auf Artemiwsk von Perwomajsk ausgehend logisch.

Der Anzahl und Qualität der Bunker an den westlichen Rändern von Donezk nach zu urteilen, bereiten sich die Söldner auf eine Abwehr vor. An mehreren Tagen in Folge konnten wir Bewegungen von Militärtechnik aus Komsomolske in Richtung Starobeschewe und weiter nach Donezk registrieren. Am Morgen des 27. Dezember wurde eine große Aktivität der Söldnertechnik im Petrower Bezirk von Donezk beobachtet.

Darum bleibt ein Angriff in Richtung Kurachowe aktuell. Des weiteren bleibt auch ein Angriff in Richtung Donezk-Selydowe aktuell. Von Insidern gibt es Informationen über Söldnerverlegungen  in Richtung Selydowe an Krasnohoriwka vorbei. Zur Aufgabe dieser Söldnerformation wird höchstwahrscheinlich eine Blockierung der Versorgungslinien der ATO-Kräftegruppierung gehören, die sich im Westen von Donezk befindet, im Falle des Vorstoßes in den oben angeführten Richtungen.

Was Mariupol angeht, so bleibt das Szenario hier unverändert, wobei es sich lohnt, daran zu denken, dass sich auf dem Weg der Streitkräfte Russlands der Fluss Kalmius befindet, der die Angriffe in Richtungen Telmanowe-Granitne-Donske und Krasnoarmijske-Talakiwka-Wolodarske-Mangusch bedeutend erschwert. Obwohl ein Teil der Söldnertechnik in Richtung Jeleniwka verlegt wurde (eine Vorbereitung auf den Angriff auf Wolnowacha). Auch wenn Temperaturen von bis zu -20 Grad erwartet werden (Die Eisdicke wird leichte Panzerwagen tragen können), so sind Vorstöße hier dennoch unwahrscheinlich. Die Aktivierung der Angriffshandlungen in allen aufgeführten Richtungen hängt eher von der taktischen Lage ab, als von einer konkreten Entscheidung von oben herab.

Am Vorabend von Silvester werden wahrscheinlich keine besonderen Veränderungen stattfinden, und der faktische Übergang in eine aktive Phase der Kampfhandlungen ist unwahrscheinlich, aber man muss zu allem bereit sein.

Wir wünschen Euch Frieden und Güte. Slawa Ukraini!

Dieses Material wurde vom Militäranalysten der Gruppe InformNapalm Artem Wasilenko und dem Koordinatoren der Gruppe InformNapalm, Militärkorrespondenten Roman Burko vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck des Materials ist ein aktiver Link zu InformNapalm.org erforderlich.

Quelle: InformNapalm

Überarbeitet von Euromaidan Press auf Deutsch