Spendenübergabe an Witwe Maria und ihre Kinder, Obl. Schytomyr, 14.10.2014 – Bericht 16/2014

Dies ist der letzte Übergabebericht über Witwen [dieser Reise], denn die Witwe, über die dieser Bericht erzählt, ist zugleich auch die letzte Witwe, die wir für diese Reise eingeplant hatten.

Sehr früh am Morgen bin ich mit meinem Fahrer Aleksej nach Schytomyr gefahren und war glücklicherweise um 10 Uhr schon da.

Oleg kam mit der Reporterin Julia Demus etwas später auch noch dazu, die uns schon einmal begleitet hatten (und über die Spendenübergabe einen Artikel im 1. Schytomyrer Informationsportal 1-Zh verfasst hat). Die Fahrt war sehr lang, aber dann kamen wir endlich in einem Dorf an. Ich schaute mich um und dachte nur, hm … Wie kommen die Menschen hier klar? Keine vernünftigen Straßen, ich sah auch keine Bushaltestelle. Mir gingen Tausende Gedanken durch den Kopf, als wir an einem Haus vorbei kamen. Weit und Breit gab es keine Häuser, nur dieses eine,  einsam dastehende Haus. Es gab viel Wiesen, ein Fluss floss weiter unten vorbei, und es gab sehr viel Platz zum Toben. Für Urlauber ein perfektes, idyllisches Plätzchen! Aber fürs praktische und alltägliche Leben wohl eher nicht. Wir waren noch nicht ganz ausgestiegen, als ich zwei Kinder sah, die uns entgegen liefen, und eine ganz fein angezogene Frau, die hinter den Kinder her lief.

Die Kinder habe ich sofort erkannt, aber die Frau nicht. Erst als sie näher kam, verstand ich dass das Maria ist. Sie hat sich sehr verändert, und das im Guten gemeint. Sie strahlte, hat ziemlich viel abgenommen, und ihr Gesichtsausdruck war wie ein Sonnenschein.

Wir holten erstmal die Taschen raus – und dann kam das Fahrrad dran. Der Junge war still und schaute nur zu, er traute sich nicht so recht, das Rad anzufassen, aber seine Schwestern freuten sich um so mehr. Wenn man die Fotos ansieht, versteht man, dass diese Bilder einem Kraft geben, dies alles so weiter zu machen.

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Und so zeigte ich dem Jungen, wie man das Fahrrad bedient, mit diesem Fahrrad kannte ich mich gut aus, weil es früher meinem Sohn gehörte, der selber und freiwillig entschieden, hatte es an diesen Jungen nachträglich zum Geburtstag zu schenken. Die Geschichte mit dem Fahrrad kennt ihr bestimmt, wer nicht, dann wiederhole ich sie noch mal: „Als der Vater in die Armee einberufen wurde, versprach er dem Sohn ein Fahrrad zum Geburtstag. Der Vater ist gegangen und konnte nicht mehr zurück kehren, um sein Versprechen zu halten.“ Daher erfüllte mein Sohn ihm dieses Versprechen. Das macht mich als seine Mutter sehr stolz. Alle Schwierigkeiten beim Transportieren und etc. waren sofort vergessen, als ich sah, wie seine Augen strahlten. Wir „drehten“ ein paar Runden und gingen dann wir ins Haus.

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Dieser Besuch war so positiv, dass ich immer noch beim Schreiben lächeln muss. Ich machte die Tasche auf, und dann ging es wieder los. Die Kinder waren so begeistert mit allem, was ich dank Euch mitbringen konnte. Wir probierten ein paar Teile an, und die Sachen passten bestens. Die Mutter bekam auch einen Wintermantel, Jacke, Pullis usw., darüber freute sie sich auch, nur ein paar Sachen waren zu groß, da sie ziemlich abgenommen hatte.

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Einen Tag zuvor war sie aus dem 10-tätigen Urlaub zurückgekehrt, einem Programmangebot für Witwen war. Sie hat da viele Frauen kennengelernt, konnte mit Psychologen reden, während die Kinder beschäftigt waren. Es gab ein Schwimmbad, Betreuungspersonal spielte und bastelte mit den Kindern. Es gab viele Kurse, an denen Mütter und Kinder teilnehmen konnten, und das alles bekam sie kostenlos. Dieser Urlaub hat ihr sehr gut getan, denn als sie dorthin ging, war sie eine gebrochene Frau, die nichts zu verlieren hatte. Aber als sie zurück kam, hatte sie ein wunderschönes Lächeln im Gesicht und reichlich Pläne über ihr weiteres Leben im Kopf. Sie hat gelernt, nach vorn zu schauen und stark für ihre Kinder zu sein. Jetzt weiß sie, was sie will und wie es weitergehen wird. Das hat mich so sehr gefreut, denn ich hatte plötzlich eine andere Person vor mir. Eine aufblühende, strahlende und junge hübsche Frau.

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Als wir so am Tisch saßen, sagte zu mir: „Mein Schatz, mein Engel ist nicht mehr da, und jetzt weiß ich, er kommt nicht zurück und wird uns nicht mehr beschützen können. Daher muss ich das jetzt lernen alleine zu machen. Ich verrate ihnen etwas, manchmal, wenn mir das Leben sehr schwer ist, rede ich mit ihm und frage ihn auch, wie ich weiter machen soll. ‘Hilf mir, gib mir ein Zeichen’ sage ich zu ihm, aber das mache ich, weil es mir hilft, mit ihm so zu reden, danach fühle ich mich etwas besser und erleichtert.“

Die Tochter nimmt den Tod des Vaters noch nicht so ganz wahr, aber der Junge schon, denn er ist ruhiger und zurückhaltender, man merkt, dass ihm sein Vater sehr fehlt. Aber die kleine Schwester hält ihn immer auf Trab und berührt ihn immer. Ich weiß nicht, wie oft sie ihn umarmte, aber ich weiß dass es sehr oft war.

Maria ist auf sich allein gestellt, ihre Mutter wohnt nicht weit von ihr, aber die kann ihr nicht helfen, denn sie wohnen mit 4 Personen in einem winzigen Häuschen, in dem kein Platz für Maria und ihre Kinder ist. Maria lebt im Hause ihrer Schwiegermutter, mit der sie sich nicht so gut versteht. Jetzt kommt etwas, haltet euch fest. Die Schwiegermutter lebt in Spanien und arbeitet. Als ihr Sohn beerdigt wurde, kam sie in die Ukraine und sagte zu Maria: „Du hast ein Jahr Zeit um hier auszuziehen.” Maria musste mit ihr zum Anwalt gehen und einen Mietvertrag unterschreiben. Also muss sie Miete zahlen, damit sie da mit ihren Kindern und den Enkeln dieser Schwiegermutter lebt. Und in einem Jahr müssen sie dann ausziehen . Ich habe das Dokument selber gesehen. Ich werde nichts über meine Gefühle schreiben, aber ich sage soviel: „Ich bin sprachlos“

Gott-sei-Dank verliert Maria nicht den Mut und sagt: „Es wird schon!”

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Die Übergabe von 400.- Euro wurde durchgeführt, und wir wollten schon gehen, als Maria sagte: „Nein, ich habe so lange auf euch gewartet, ohne Kuchen und Tee geht keiner raus.“ Das brachte uns alle zum Lachen, und so blieben wir noch eine Weile und aßen den köstlichen Kuchen. Die Kleine wich mir nicht mehr von der Seite, und so saß sie bis zum Schluss auf meinem Schoß. Ich weiß nicht warum, aber als ich sie ansah, musste ich immer an die Biene Maya denken. Verzeiht mir den komischen Vergleich. Ich kann es nicht erklären, aber es sitzt fest in mir.

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Ich kann nur hoffen das die Maria ihre Ausstrahlung und Kraft weiter behält, und freue mich auf ein neues Wiedersehen.

Ich hoffe, dass sie recht bald eine eigene Wohnung vom Staat bekommen wird, zumal diese ihr ja auch gesetzlich zusteht. Und mit ein wenig Glück, werden die Behörden sie hoffentlich besser behandeln als das oben genannte Exemplar von Schwiegermutter.

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Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Eure Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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