Spendenübergabe an Witwe Switlana und ihre Töchter, Kyiw, 13.10.2014 – Bericht 14/2014

Vor ein paar Tagen haben wir einen Termin ausgemacht, da war ich natürlich auch da, so wie es besprochen wurde. Über diese Frau habt Ihr noch keinen Spendenaufruf gelesen, weil wir sie selber vorher nicht kannten. Als wir mit Natalia in Kyiw waren, besuchten wir George Tuka, weil Tatjana Cherepashchuk ein Päckchen für ihn vorbereitet hatte und wir es ihm brachten, saßen wir bei ihm im Büro und ich fragte ihn nach Witwen die dringend Hilfe brauchten. Er sagte Moment, rief jemanden an, machte sich Notizen während er sprach und reichte mir nach einer Weile einen Zettel mit einem Namen und einer Nummer. Er sagte, dass wir dort vielleicht helfen können, ihr Mann war sehr guter Mensch, er kannte ihn persönlich. Und so kam es dazu, dass wir eine Frau mal ganz spontan aufgenommen haben.

Ich bin natürlich feige, ich rief sie nicht an, das hat Natalia erledigte. Komisch, wenn ich alleine bin, kann ich oder versuche etwas zu machen, aber wenn jemand dabei ist, bin ich feige. Na ja… Danke an Natalia.

Der Termin war für 19 Uhr ausgemacht, also fuhr mich meine Bekannte Ljudmyla dorthin – vielen lieben Dank an dich.

Switlana war schon zu Hause und wartete auf mich. Sie bat uns sofort herein, und wir betraten die Küche. Ja, in die Küche, die Wohnung ist stark renovierungsbedürftig, und man kann nur in der Küche sitzen, oder im Schlafzimmer, wo sie mit ihren beiden Töchtern schläft.

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Das Bild ihres Mannes stand auf dem Tisch, so dass man ihn nicht übersehen konnte. Ich schaute mir das Foto an, und währenddessen gingen mir Tausende Gedanken durch den Kopf. Ich kannte sein Gesicht, ja genau, dass ist doch der Mann, über den ich gelesen habe. Er wurde vermisst und einen ganzen Monat lang gesucht.

Meine Bekannte verstand die Situation sehr gut, sie nahm die beiden Kinder und ging mit Ihnen ins gemeinsame Schlafzimmer, damit ich mit Switlana eine Weile allein sein konnte. Sie erzählte mir, wer ihr Mann war. Er war ein Mann, der noch nie zuvor etwas mit der Armee am Hut hatte, aber als der Krieg ausbrach, konnte er einfach nicht zuhause bleiben. So tat er alles dafür, dass ihm erlaubt wurde, seine Heimat zu verteidigen. Er war der Meinung, dass kein Mann zuhause sitzenbleiben darf. Die Männer müssen da sein, wo sie gerade gebraucht werden. So ging er an die Front – und kam nie mehr wieder zurück. Das war aber anscheinend nicht genug Leid, denn seine Frau konnte einen ganzen Monat lang nicht herausfinden, wo er war. Wo seine Leiche lag, um ihn wie einen Christen zu beerdigen. Einen ganzen Monat … Man muss sich das mal vorstellen.

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Einen Monat lang wendete sie sich überall hin und suchte verzweifelt nach Ihrem Mann – und hoffte dabei, dass er doch noch lebt. Jedoch tief in ihrem Herzen ahnte sie die Wahrheit schon längst. Eines Tages wurde ihr dann doch mitgeteilt, dass ihr Mann nicht mehr am Leben ist. Mit großer Mühe und viel Hilfe ist es ihr letztendlich noch gelungen, den leblosen Körper ihres Mannes nach Hause zu holen um ihn ehrenhaft zu beerdigen.

Ihre Töchter können den Verlust einfach nicht verarbeiten, die eine staut den Schmerz in sich hinein, und die andere wacht von Albträumen verfolgt und weinend in der Nacht auf. Die Kinder sind groß und können es wirklich verstehen, was passiert ist, das ganze Leiden haben sie auch live miterlebt. Warum müssen diese unschuldigen Kinder leiden? Warum dürfen Politiker so etwas Grausames anstellen?? Warum kann sie keiner stoppen? Diese Kinder sind unsere Zukunft, geht man so mit der Zukunft um?

Ein Kind ist ein Geschenk Gottes, das man schützen muss, denn es ist das Heiligste in unserem Leben das wir jeh bekommen können.

… Und so saßen wir, tranken Kaffee und unterhielten uns weiter. Switlana arbeitet in Teilzeit, zum Glück verstehen ihre Kollegen sehr gut, in welcher Lage sie sich gerade befindet und dass die beiden Töchter sie so dringend und umfangreich brauchen, daher darf sie weniger arbeiten und verbringt den Nachmittag mit den beiden.

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Dann kamen wir zum Thema Spenden und führten die Übergabe von 500 Euro durch. Leider hatte ich keine Sachspenden mehr dabei, alles war weg, und ich fühlte mich schlecht, dass ich nichts dabei hatte. Aber dann erinnerte ich mich, dass ich noch ein nagelneues Paar Schuhe hatte. Ich fragte Switlana nach ihrer Schuhgröße, und sie sagte 39, so wurde kurz entschieden, dass die Ljudmyla nochmal kurz vorbei kommt und die Schuhe hier abgibt, weil ich wieder weiter nach Schytomyr musste.

Bevor wir gingen, durfte ich mich in der Wohnung umsehen, die Bilder werden hier gepostet. Aber schaut euch das Flur Bild an, seht ihr das?

Die Schuhe ihres verstorbenen Mannes stehen da, als ob sie ihn jeden Moment zurück erwartet, als ob er gleich rein kommt. Sie stehen da ungeputzt herum, als ob er sie vor kurzem ausgezogen hat. Sie stehen da, aber sie werden nicht mehr angezogen von ihm, das brach mir das Herz. Ich merkte wie die Tränen meine Augen füllten, und sofort verstand ich, dass ich sofort gehen muss, weil das nicht gut wäre, wenn ich jetzt hier anfange zu weinen. Ich bin hier um Hoffnung und Stärke zu verbreiten. Das wäre nicht möglich, wenn ich meinen Emotionen Vorrang lassen würde und selber daran zerbrechen würde.

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Ich verabschiedete mich und versprach Switlana, dass ich schaue, was wir in Deutschland machen können und versuchen Sachspenden zusammen bekommen. Die Übergabe wird dann Ljudmyla durchführen weil die beiden Frauen sich jetzt kennen und zwischendurch miteinander telefonieren . So entstand durch die Begleitung an dem Tag vielleicht sogar eine nette Bekanntschaft , wer weiß


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Eure Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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