Spendenübergabe an das Kinderheim in Denyschi, 8./9. Oktober 2014 – Bericht 11/2014

Bisher haben wir (bei dieser Reise) insgesamt über acht Witwen berichtet (siehe Berichte 3/2014 bis 10/2014), die wir besucht  und erfolgreich eure Sach- und Geldspenden überreicht haben. Alle acht Familien hatten sehr ähnliche Hintergründe, erfuhren denselben Kummer und dasselbe Leid hier und da – waren dennoch aber sehr verschieden. An diesem Tag werden wir keine Witwen im Gebiet Schytomyr besuchen, denn die Reise führt uns zurück nach Kyiw, da wir dort auch etwas erledigen müssen. Wir müssen auch mal eine Pause zwischendurch einlegen, um uns emotional wieder zu sammeln. Es wird leider so sein, dass ich die anderen Frauen allein besuchen werde, da meine Kollegin Natalia zurück nach Deutschland muss. Später werde ich abermals nach Schytomyr kommen müssen, weil eine der Frauen gerade nicht anwesend war. Sie nimmt momentan an einem Erholungsprogramm teil und wird erst am 14.10.2014 wieder zuhause sein. Bis dahin werde ich mich in Winnyzja und Chmelnyzkyj aufhalten.

Wir fuhren also weiter. Als unser Volontär Oleg uns sagte, dass wir gleich an einem Kinderheim vorbeikommen würden, war uns klar, dass wir nicht einfach daran vorbei fahren können, ohne nicht wenigstens einen Blick hinein zu werfen. So blitzschnell wurde es dann also entschieden.

Kinderheim Denyschi

Der erste Eindruck war, dass das Territorium sauber ist und man merkte auch sofort dass hier was getan wird. So sahen wir vier Frauen die mit Besen und Mülltonnen bewaffnet, Laub und Unkraut sammelten. Als wir sie fragten wo wir die Direktorin antreffen können, wiesen sie uns höflich und freundlich den Weg. Als wir an dem Haus ankamen, betraten wir es und klopften an einer Tür, woraufhin eine ca. 50-jährige Frau die Tür öffnete und uns hinein bat. Sie bot uns einen Platz an, und sofort übernahm Natalia das Gespräch, da ich das selber nicht konnte. Ich hatte irgendwie eine Blockade und hatte richtig Angst, eben weil ich nicht wusste, was hier nun auf uns zukommen würde. Und welches Leid wir hier beobachten müssen.

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Die Direktorin, Halyna Mikolaiwna, war sehr nett. Sie erzählte uns sehr viel und alles ausführlich: Warum die Kinder hier sind, was für Probleme sie haben und wer demnächst adoptiert würde. Sie sprach auch über ihre Not, was noch gebraucht wird und was sie schon bekommen haben. Sie war wie ein offenes Buch, und wenn wir etwas nicht verstehen konnten, erklärte sie es nochmals. Wir fragten sie, wie es mit Spenden aussah, weil wir ihnen etwas überweisen würden, wenn sie es nötig haben. Da erklärte sie uns, wie in so einem Fall vorgegangen wird: Die Gelder werden vom Staat zurückgehalten, denn sofort wird nur die Stromrechnungen finanziert und 40,00 UAH pro Kind für das Essen – für den ganzen Tag! Mir fiel fast das Gesicht herunter, warum? Kann ich ehrlich sagen. Am Tag vorher, war ich in so einem Studenten-Café und habe dort zu Mittag gegessen, 75,00 UAH, war aber nichts Besonderes dabei. Ein kleiner Salat, Suppe und Kartoffel mit Fisch. Und hier hörte ich 40,00 UAH für den ganzen Tag?!

So kehrten wir zurück zum Gespräch über Spenden. Also hieß das, dass das Geld auf dem Konto blieb und dass das Kinderheim nicht über das Geld verfügen kann. Wenn sie irgendwann das Geld überhaupt bekommen, dann wir es monatelang dauern, wenn überhaupt. Ich als naiver Mensch sagte: Ok, wir geben Ihnen das Geld, Sie unterschreiben die Quittung und das war’s. Dann können sie selber einkaufen, was die Kinder brauchen.” Da sagte die Direktorin: Nein, besser ich sage Ihnen was wir brauchen und Sie kaufen es selber ein.” Mit dieser Antwort hat sie mich gewonnen! “Also, es werden Pampers, Duschgel, Schuhe und Äxte zum Holzhacken gebraucht.” Wir waren einverstanden und versprachen, das alles zu kaufen. Sie bedankte sich, aber ob sie uns wirklich geglaubt hat, dass wir das machen? Weiß ich nicht…

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Auf einmal sagte sie zu uns: „Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen unsere Einrichtung.“ Und so durften wir uns das gesamte Haus ansehen. Insgesamt leben dort 82 Kinder. Alle haben Sprachfehler und Störungen 1. und 2. Stufe, manche der 6-jährigen sprechen immer noch nicht. Es gibt mehrere Sprachtherapeuten vor Ort, die täglich mit den Kindern arbeiten. Also ist es nicht nur ein Heim sondern gleichzeitig auch eine Schule. Die Kinder leben und lernen da. Die Kinder sind aus unterschiedlichen Gründen dort. Manche wurden den Eltern entzogen, manche haben keine Eltern, es gibt auch ATO-Kinder, deren Eltern im Krieg verstarben.

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Ich konnte nur den Kopf schütteln, denn das bedeutet, dass jedes Kind in dieser Einrichtung nur ca. vier Teile zum Anziehen hat. Ich kann es auch heute noch nicht begreifen, denn während ich dies schreibe, sehe ich die ganzen Bilder in meinem Kopf herumschwirren, von dem was ich dort gesehen habe. Noch immer ist es schwer, die Emotionen zu kontrollieren, denn irgendwie bin ich noch immer nicht richtig zu mir gekommen. Es fehlen mir einfach die richtigen Worte, um euch zu übermitteln wie tief die Eindrücke dessen sitzen, was ich dort erlebt habe.

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Bald zeigte sie uns dann noch die Küche und den Spielplatz. Und dann durften wir mit den Kindern sprechen. Ein Junge ging auf Oleg zu und fragte: „Bist du mein Papa?“

Es brach mir das Herz in dem Moment, und das tut es auch heute noch, denn diese kleine Stimme will mir nicht aus dem Kopf gehen, so schwer belastete es mich, den armen Jungen dem Oleg diese Frage stellen zu hören. Was kann man da sagen? Man ist einfach so hilflos, denn man kann doch nicht in die himmelblauen Augen, erfüllt von Hoffnung, eines kleinen Kindes schauen und ihm das winzige Herzchen brechen. Du willst so sehr helfen, aber musst du dich zügeln und darfst nicht vergessen, dass du nur zu Besuch hier bist, und dass die Dinge leider nicht in deinen Händen liegen.

Eine gute Nachricht gab es aber doch noch, nämlich dass demnächst fünf dieser Kinder adoptiert werden. Gut, dass es solche Menschen noch gibt, die bereit sind, Kinder bei sich aufzunehmen, um ihnen das zu geben was sie am dringendsten brauchen – eine Familie.

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Wir schauten uns noch ungefähr eine Stunde im Haus um und sprachen über dieses und jenes. Dann fuhren wir nach Schytomyr los. Dort angekommen suchten wir die nächste Bank, wo ich Geld umtauschen konnte. Leider war der Kurs nicht so berauschend, aber Gott sei Dank hatten wir dann UAH in der Hand um einzukaufen. Bevor wir die Einkäufe für das Heim erledigten, haben wir ein Hotel besucht, wo Flüchtlinge aus Donezk und Luhansk vorläufig Unterkunft gefunden haben. Wie die Übergabe verlief könnt ihr den Bildern entnehmen. Mehr darüber werde ich in einem anderen Bericht (12/2014) erläutern.

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Sachspenden zum Einkaufspreis von 3756,06 UAH = 231,14€ (zum Tageskurs 16,25)

Danach fuhren wir verschiedene Läden an und kauften alles, was gebraucht wurde, und außerdem 108 Tafeln Schokolade für die Kinder. Insgesamt kostete uns das alles 230,00€ an dem Tag.

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Wir ließen die Sachen bei Oleg, damit er sie am Folgetag zum Kinderheim bringen konnte. Als wir noch etwas draußen saßen, war wieder jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und fuhren zurück nach Kyiw.

Am 09.10.2014 fuhr Oleg gemeinsam mit seiner Ehefrau und unseren Einkäufen noch mal zum Kinderheim, um die Sachspenden der Direktorin zu übergeben. Sie nahmen sich auch die Zeit um ein wenig mit den Kindern zu spielen. Jedes Kind hat seine eigene ganze Tafel Schokolade bekommen. Danke an Oleg, der diesen Job übernahm und für uns erledigte.

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Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche dieses Kinderheim und andere Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Kinderheim

Herzlichst

Eure Noelie Uhlmann, Natalia Likhacheva und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

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