Spendenübergabe an Witwe Olga, Schytomyr, 7.10.2014 – Bericht 9/2014

Wir waren auf dem Weg zu unserem fünften und letzten Treffen für den Tag. Wir waren alle gleichermaßen erschöpft und müde, denn der Tag war doch recht turbulent für uns. Aber das habt ihr ja sicherlich schon den anderen Berichten entnehmen können.
Als wir bei einem Haus, eher einem Militärheim, ankamen, war es schon dunkel. Wir stiegen aus dem Auto aus und gingen in die Dunkelheit hinein. Es war wirklich stockfinster. Oleg wies uns den Weg in das Altbau-Gebäude, welches eher einer Kaserne glich. Im Flur gab es kein Licht. Na, das fing ja schon richtig bald an.
Ich konnte im Dunkeln gerade eben so, etwas wie eine Empfangshalle und eine große Treppe vor uns ausmachen, aber mehr konnte ich nicht erkennen. Wir machten alle die Lichter unserer Handys an, um wenigstens ein klein wenig Licht zu haben, und machten uns auf den Weg zu Olga. Zum Glück gelang es uns, ohne Verletzungen an ihrer Tür anzukommen. Eine kleine Frau (ca. 1,60 m) öffnete die Türe. Sie war so klein und schmal, dass ich zuerst ernsthaft dachte, dass ich Olgas Tochter vor mir stehen habe, aber nein, es war die 28-jährige Olga.
Sie muss ganz kurz vor unserer Ankunft nach Hause gekommen sein von ihrer Arbeit. Sie arbeitet in der Schule als Englischlehrerin und hat eine Tochter von 9 Jahren.
Obwohl sie auch erst seit kurzem zurück war, hatte sie dennoch schon Kuchen, Tee und Kaffee extra für uns vorbereitet. Ich schämte mich so sehr. Warum? Weil diese Frau selber nichts hatte, uns aber dennoch mit allem Drum und Dran empfangen hat.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Wir traten in die Wohnung ein… Sagte ich Wohnung? Das konnte man nun beim besten Willen nicht Wohnung nennen. Ich schaute mich um und suchte den Augenkontakt mit meiner Kollegin Natalia. Dies war ein stummer Hilfeschrei meinerseits. Man stelle sich vor, EIN EINZELNES Zimmer, welches zugleich als Küche und Wohnraum sowie als Schlafraum dient. Zusätzlich gab es noch einen sehr, sehr kleinen Raum (eher eine Rumpelkammer) mit Badewanne und WC. Ich lüge echt nicht, wenn ich euch sage, dass ich nicht einmal genug Platz hatte, um mich umzudrehen. Zusätzlich gab es noch ein kleines Zimmer für Olgas Tochter.
All dies erinnerte mich irgendwie an alte DDR-Zeiten als ich mit meinen Eltern dort wohnte. Muss ich dazu noch mehr schreiben? Ich denke mal, dass ihr es euch nur allzugut vorstellen könnt.
Wir fingen an zu reden, über ihren Mann, das Leben, und vor allem  wie ihr Leben denn nun weitergehen solle. Und traurigerweise wiederholten sich die Geschichten und die Aussagen über die Ämter/Regierung abermals an diesem Tage und darüber, was die armen Witwen sich von „denen da oben“ alles anhören müssen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ihr werdet vielleicht feststellen, dass man auf allen Fotos nur Olga, aber nicht ihre Tochter sehen kann. Ich entschuldige mich dafür und hoffe, dass ihr Verständnis haben werdet, nachdem ich euch eine kleine Aufklärung bezüglich dessen gegeben habe. Es hat damit zu tun, dass Olgas verstorbener Ehemann ziemlich bekannt war. Als der Krieg ausbrach, gab es für ihn keine Fragen oder Nachdenken sondern nur eine Antwort: auf zur Front. Er hat viele Menschenleben gerettet, indem er sie aus der Schusslinie zog oder sogar ihre Körper zum Schutze mit dem seinen bedeckte, um ihnen somit sozusagen als Schutzschild zu dienen.
Er war ein Mensch, der andere Menschen sehr schätzte, denn alles Leben war ihm heilig. So heilig, dass er sogar sein eigenes Leben riskierte, und so kam es dann auch schließlich. Nur um Olga mit ihrer verwaisten Tochter zurückzulassen. Nun versucht Olga ihre Tochter alleine zu schützen. Bisher stand in den Zeitungen nichts über sie, und sie wurde auch nicht im Fernsehen gezeigt. Sie versucht eben ihr Bestes, um ihre Tochter so weit wie möglich von der Öffentlichkeit entfernt groß zu ziehen. Da diese junge Frau sehr viel Angst um ihre Tochter hat, bitte ich euch ihren Wunsch zu respektieren.
Wir haben die Kleine gesehen und ihr Süßigkeiten und Kleidung gegeben, worüber sie sich sehr freute. In der Schule ist sie richtig gut, weil sie eifrig und viel lernt. Sie sagte mir, dass sie später studieren möchte. Ihre Mutter braucht ihr nicht viel zu sagen, denn die beiden verstehen sich absolut ohne Worte. Das ist wirklich ein super eingespieltes Team, wie ich es schon lange nicht mehr zwischen einer Mutter und einer so jungen Tochter gesehen habe.
Olga hat sich auch sehr über die Geldspende von 300.- Euro und 100 US-Dollar sowie die Kleiderspenden gefreut. Zum Glück passte ihr alles, weil sie so schmal und zierlich ist.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Wir haben ein wenig über Deutschland gesprochen, und es hat sie wirklich sehr gewundert zu hören, wie sehr sich die Menschen hier Sorgen um die Ukraine machen. Leider gibt es in der Ukraine keine Meldungen darüber. So saßen wir gemütlich beisammen, redeten und aßen unseren Kuchen und tranken unseren Tee. Als wir später gehen wollten, presste sie hervor: „Bleibt doch noch ein wenig.“ Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen dabei, da ich doch gehen musste.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Meinerseits wünsche ich Olga und ihrer Tochter alles Gute. Und ich hoffe, dass die Regierung das Elend der Witwen und ihrer Kinder sehr bald zur Kenntnis nimmt und sich auch darum kümmert, und ihnen helfen wird. Vor allem ihnen das zu geben, was ihnen zusteht und was auch immer dazu gehört. Diese Frauen leben nicht, sondern existieren nur. Man darf auch nicht die Helden vergessen, nur weil sie verstorben sind, denn gerade diese Männer muss man immer vor Augen haben und über sie weiter erzählen. Denn, so lange wir darüber reden und schreiben, wird das Gedenken an sie überleben.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal.

oder per Banküberweisung – Spendenkonto: IBAN-Nr. DE12380601861502025011, BIC GENODED1BRS, Volksbank Bonn-Rhein-Sieg eG, Bonn – Kontoinhaber: EuroMaidan NRW e.V. – Verwendungszweck : Hilfsaktion Witwen

Herzlichst

Eure Noelie Uhlmann, Natalia Likhacheva und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s