Spendenübergabe an Witwe Anastasia Tomilin (34) in Kyiw, 06.03.2017 – Bericht 3/2017

Am Wochenende fragten mich Klaus H. Walter und Noelie Uhlmann von Euromaidan NRW e.V., ob ich noch Euro in bar in Kyiw habe und wenn ja, ob ich davon etwas an die Witwe Anastasia Tomilin (34) auszahlen könne. Sie schickten mir den Link zum Spendenaufruf, und für mich war klar, dass ich helfe. Insgesamt wurden für Anastasia 600 Euro gesammelt, doch so viel hatte ich nicht mehr in bar. So machten wir aus, dass ich meine verbliebenen 250 Euro, die ich noch aus Deutschland hatte, am Montag auszahle. Das würde zumindest für die erste Zeit helfen.

Die Wohnung von Anastasia, in der sie mit ihren beiden Töchtern Walerija (9) und Sofija (5) in Kyiw lebt, war von mir zu Hause fast 2 Stunden entfernt. Als ich dort ankam, war ich viel zu früh und spazierte deshalb noch durch die Wohngegend, wo sich Parks mit Spielplätzen befinden. Als ich dann anrief, dass ich da sei, erklärte mir Anastasia, wie ich zur Wohnung komme. Sie holte mich dann vom Fahrstuhl ab, und wir gingen zusammen in ihre Wohnung.

Obwohl der Verlust ihres Mannes noch keine zwei Monate her war, machte sie einen stabilen Eindruck. Nur ab und zu kamen ihr die Tränen, was allerdings nur zu verständlich war. Die beiden Kinder waren ebenfalls in der Wohnung, ebenso ihre Schwägerin. Allerdings spielten die Kinder zusammen in „ihrem Zimmer“ – in Anführungszeichen deshalb, weil es sich eigentlich um eine Einraumwohnung handelt, wobei der eine Raum durch eine Schiebetür getrennt ist. Dort lebt die Familie bereits seit über 10 Jahren.

Das Unglück ereignete sich Anfang des Jahres, zum orthodoxen Weihnachten am 7. Januar. Sie waren zu Besuch bei ihren Eltern in der Nähe von Borispil. In der Nachbarschaft lebt ein alter Mann mit über 80 Jahren, der vier Kampfhunde hielt. Besser gesagt, die Hunde sind auf ihn gemeldet, denn eigentlich gehören sie einem seiner Söhne, der nur selten da ist. Doch die Hunde wurden vernachlässigt und nur höchstens einmal in der Woche gefüttert. Entsprechend aggressiv müssen sie gewesen sein, als Wolodymyr am 7. Januar früh morgens zur Arbeit nach Kyiw gehen wollte. Das Gehege der Hunde was schlecht verschlossen, und so konnten sie den vorbeigehenden Mann überfallen. Die Bisswunden waren letztlich tödlich.

Der alte Mann wurde zwar angezeigt, doch erhielt er nur eine Strafe in Höhe von 400 Hrywnja (umgerechnet etwa 15 Euro). Eine Entschädigung von dort ist nicht zu erwarten. Weder Reue, noch Hilfe kam. Die Hunde wurden dem alten Mann zwar weggenommen, aber soweit Anastasia weiß, sind inzwischen wieder neue Hunde bei ihm.

Anastasia hat eine Ausbildung als Werbefachfrau, doch vor zwei Jahren erlitt sie in der Zeit, als ihr Mann in der ATO-Zone im Einsatz war, einen Unfall. In einem Vorortzug stand sie bereit, um auszusteigen, doch unter ihr explodierte eine Gaskartusche der Schiebetürvorrichtung, wodurch sie am Bein schwer verletzt wurde. Es folgten mehrere Operationen, und in Kürze steht wieder eine an. Doch die Verkehrsbetriebe weigern sich, eine Schuld anzuerkennen und ihr eine Entschädigung zu bezahlen. Sie hat einen Behindertenstatus und erhält vom Staat monatlich knapp über 1.000 Hrywnja (ca. 35 Euro). Nur durch die Hilfe von Verwandten und Bekannten kommt sie über die Runden. Für die Wohnung zahlt sie die Nebenkosten, und die Miete wird ihr erlassen. Trotzdem ist es finanziell natürlich sehr, sehr eng.

Zwar stehen sie auf einer Warteliste für eine eigene Wohnung, doch das wird wohl lange dauern, weil der Todesfall nicht „kriegsbedingt“ war und andere Schicksale Vorrang haben.

Sie möchte sich in ihrem Beruf weiter bilden und dann wieder arbeiten, sobald die Operationen abgeschlossen sind. Den Kindern geht es den Umständen entsprechend gut. Auf mich machten sie einen fitten Eindruck, aber Anastasia meinte, dass sie schon ab und zu fragen, wo ihr Papa denn sei.

Sofija (5) erzählte, dass sie einmal Kardiologin werden wolle. Sie singt in einem Chor und kann bereits lesen. Im Juni wird sie dann 6 Jahre alt und kommt im September in die Schule. Walerija (9) war etwas ruhiger. Die Schule gefällt ihr, und auf meine Frage, welche Fächer ihr am besten gefallen, sagte sie zu meiner Verwunderung: Mathematik und Naturwissenschaften. Fremdsprachen gefielen ihr nicht so sehr, aber als sie hörte, dass ich aus Deutschland komme, meinte sie, dass sie vielleicht Deutsch statt Englisch lernen solle.

Beide Kinder sagten, dass sie Freunde haben und nicht immer zu Hause seien. Anastasia verbringt zwar viel Zeit in der Wohnung, doch kommen immer wieder Verwandte und Bekannte vorbei. Außerdem gibt es als Hausfrau genug zu tun. Und demnächst möchte sie mit der Fortbildung beginnen.

Nach gut einer Stunde wollte ich die kleine Familie dann nicht länger stören und verabschiedete mich. Wir werden uns bestimmt wieder sehen. Ein angenehmes Treffen, obwohl einen das damit verbundene Schicksal nicht kalt lassen kann.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden für diese und andere Witwen und Waisen.

Spenden bitte über PayPal: hilfsprogramm.de.ua@gmail.com

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Herzlichst Jörg Drescher und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

Spendenaufruf für Familie Derkatsch aus Krywyj Rih – Spendenaufruf 2/2017

Den meisten Opfern in der Ukraine wird geholfen, so gut es eben geht. Sowohl durch ehrenamtlich erbrachte humanitäre Hilfe aus Spenden als auch durch staatliche Unterstützung. Militärische Opfer, Opfer von Anschlägen oder auch zivil Opfer werden soweit irgendwie versorgt.

Es verbleiben aber kostenaufwändige Fälle unberücksichtigt, die durch alle Raster fallen, und so eine Familie kennen wir auch.

Andrej Derkatsch war seit dem Jahr 2015 als Freiwilliger tätig. Er hat u.a. Hilfsgüter gesammelt und an die sogenannte Kontaktlinie (Front im Donbas) in Orte wie Wodjane und Krimske gebracht. Von Juli 2015 bis zum 20. Januar 2016 war er als freiwilliger Rettungssanitäter (парамедик) für die Organisation “Hospitalieri” an der Front tätig. Er hatte auch von uns durch Elena Ykraina Verbandsmaterial und Sachspenden bekommen und weitergeleitet.

Er war permanent im Einsatz, bis ihn die Nachricht von der schweren Erkrankung seiner 37 Jahre alten Frau Tetjana  erreicht hat: Bei ihr wurde Brustkrebs im 3. Stadium (mit Metastasen) diagnostiziert.

Er ist sofort nach Hause zurückgekehrt, um ihr beizustehen und sich um sie und ihren gemeinsamen Sohn zu kümmern. Seit Februar 2016 versuchen sie, die schwere Krankheit zu besiegen, sie hat unzählige Operation (u.a. Amputation einer Brust) hinter sich. Eine Chemotherapie erwartet sie noch, und die damit verbundenen kostspieligen Medikamente können sich nicht mehr leisten.

Das Schicksal dieser Familie hat uns sehr betroffen gemacht, und deshalb bitten wir Euch von ganzem Herzen, die Familie Derkatsch finanziell zu unterstützen. Damit wir alle Spenden richtig einordnen können, gebt bitte bei Spendenüberweisungen unbedingt den Verwendungszweck an.

Herzlichen Dank im Voraus für Eure Hilfe und Unterstützung!


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Herzlichst Elena Ykraina und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.”

 

Spendenaufruf für Familie Tomilin aus dem Gebiet Kyiw – Spendenaufruf 1/2017

Dies ist das allerletzte gemeinsame Familienfoto…

Die Witwe Anastasia Tomilin ist 34 Jahre alt, sie hat zwei Töchter, Valeria ist 9 Jahre alt und besucht die 3. Klasse, die kleine Sofia ist 5 Jahre alt und besucht noch den Kindergarten, wird aber in diesem Jahr schon eingeschult.

Diese kleine Familie lebt im Gebiet Kyiw und wandte sich mit einer Bitte um Hilfe an uns.

Volodymyr Tomilin (41) war ein guter Vater, Ehemann und Sohn seines Landes.

Im Februar 2015 wurde er in die Armee einberufen und an die Front geschickt. Er diente in der 79. Brigade. 14 Monaten befand er sich in der ATO-Zone, und als er danach nach Hause zurückkehrte, war seine Familie überglücklich, denn er lebte, er war da!

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Volodymyr suchte sich einen Job und fand auch einen. Und so kümmerte er sich um seine Familie, bis er am 7. Januar 2017 im Morgengrauen zur Arbeit gehen wollte und von vier freilaufenden, bissigen Hunden angegriffen wurde. Sie haben ihn buchstäblich zu Tode zerrissen. Jede Hilfe kam leider zu spät, denn Volodymyr starb noch direkt an der Unfallstelle. Die Bisse von diesen auf Angriff ausgebildeten Hunde waren tödlich für ihn…

Die Witwe Tomilin hat zwar Anzeige erstattet, aber ob da etwas herauskommen wird, bezweifelt sie sehr. Sie glaubt nicht daran, weil dieselben Hunde schon mehrmals Menschen angegriffen haben, die jedoch mehr Glück als ihr Mann gehabt und überlebt hatten. Sie alle bekamen dennoch weder Recht noch eine Entschädigung…

Es ist sehr bitter, traurig und schmerzhaft für die Witwe, so etwas zu akzeptieren. Die Lebensumstände der Familie sind seitdem sehr schlecht. Zu dritt leben sie in einer Wohnung die gerade mal 30 qm groß ist. Ob sie jetzt eine eigene Wohnung, die ihnen versprochen wurde, bekommen würden? Die Witwe Anastasia weiß es nicht. Ein großer bürokratischer Aufwand mit Problemen und Hindernissen kommt auf sie zu. Sie muss schauen, dass es irgendwie weitergeht, denn sie hat ab jetzt die alleinige Verantwortung für die zwei süßen Mädchen und sich selbst zu tragen. Sie muss viel wegstecken, und es ist nicht leicht.

Sie hat eine Behinderung zweiten Grades, welche sie am 8. Juni 2015 durch eine schreckliche Explosion in einem Nahverkehrszug (Elekritschka) erlitten hat, auch hier läuft das Ermittlungsverfahren seit eineinhalb Jahren, aber es bewegt sich gar nichts. Der Kyiwer Verkehrsverbund leistet keinerlei Unterstützung und zeigt keine Schuldanerkenntnis oder Reue. Ihnen ist es auch egal, dass Anastasia aufgrund ihren Nachlässigkeit ihre Familie nicht mehr versorgen kann.

Ein Überdruckbehälter des Türöffnungsmechanismus explodierte genau unter ihr, wodurch ihr ein Bein komplett zerfetzt wurde. Zu dem Zeitpunkt befand sich ihr Mann im Krieg, und es brach ihm das Herz, dass er nicht da sein konnte, um seine Frau zu unterstützen. Die Ärzte wollten ihr das Bein schon komplett amputieren, als ein Arzt vorschlug, es doch zu versuchen und sie zu operieren. Während der Operation stellte sich heraus, dass in ihrem Bein 10 cm Knochen fehlten, die bei dem Unfall zerstört wurden. Seitdem wurde sie mehrere Male operiert und hat doch noch einen langen Weg zur Genesung vor sich. Durch den Unfall verlor sie ihre Anstellung als Managerin in der Firma, in der sie arbeitete. Alles muss jetzt privat finanziert werden, und das alles macht ihr zu schaffen.

Sie bekommt keine Vergünstigungen, weil sie keine Kriegswitwe ist.  Wie soll sie das alleine ohne jegliche Hilfe bewältigen?

Das Schiksal dieser Familie hat uns sehr betroffen, und deshalb bitten wir Euch von ganzem Herzen, die Witwe Tomilin und ihre Kinder finanziell zu unterstützen. Damit wir alle Spenden richtig einordnen können, gebt bitte bei Spendenüberweisungen unbedingt den Verwendungszweck an.

Herzlichen Dank im Voraus für Eure Hilfe und Unterstützung!


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Spendenübergabe an die Familie Ustimenko am 10.12.2016, Gebiet Kyiw – Bericht 2/2017

Am 05.12.2016 schrieben wir einen dringenden Spendenaufruf für die Familie, den ihr hier nachlesen könnt: Aufruf 9/2016 (dort gibt es auch die Links auf frühere Berichte von Besuchen bei dieser Familie).

Einige Spenden kamen auf das Konto des Vereins, auch noch, während wir uns schon in der Ukraine befanden. So kam ein Spendenbetrag in Höhe von 400,00 € zusammen, den wir am 10.12. an Tetjana übergeben haben.

Tetjana wartete schon auf uns, es war schon dunkel draußen, als wir bei ihr ankamen. Wie immer freundlich wie ein Sonnenschein, empfing sie uns und bot uns sofort Kaffee und Tee an. Dabei erzählte sie uns, was sie noch für die Kinder kaufen möchte und, versprach uns, ein Foto zu senden sobald die Möbel da sind – was sie auch tat.

Es war schön, wieder hier zu sein, wir fühlten uns alle wohl. Tetjana erzählte uns, dass es ihr gut geht. Die Kinder sind gesund, und das ist auch das Allerwichtigste für sie. Sie freute sich, dass Menschen gespendet haben und sie Dinge anschaffen kann, die wirklich wichtig sind.

Sie bedankte sich mehrmals bei allen Spendern aus Deutschland, die sie und ihre Kinder nicht vergessen haben und seit geraumer Zeit unterstützen. Solange wir in der Küche saßen, schrieben, oder besser gesagt versuchten die Mädels, einen Brief an den Hl. Nikolaus zu schreiben. Am Ende musste Tetjana doch helfen, und dann nahm der Helfer des Nikolaus, Oleg Boyko, ihren Brief an sich und versprach, dass er ihn weiterleiten wird.  🙂

Schön, dass die Kinder noch daran glauben können.

Da Alexander und Oleg noch nach Schytomyr zurückfahren mussten, war unser Treffen entsprechend kurz. Wir zahlten Tetjana die Geldspende aus und verabschiedeten uns. Zum Schluss machten wir noch ein paar Fotos für euch, damit ihr seht wie die Familie heute aussieht und lebt.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Spendenübergabe an den Kriegsvollwaisen Mykita Baula am 10.12.2016 im Gebiet Kyiw – Bericht 1/2017

Liebe Leserinnen und Leser, über den Vollwaisen, Mykita Baula, habt ihr schon etwas erfahren können durch unseren Spendenaufruf 8/2016, den wir im November 2016 geschrieben haben.

Viele von Euch haben sofort gespendet, und es kam einiges zusammen. Daher haben wir ein Treffen mit seiner Oma Tetjana Detschewa vereinbart, damit wir ihr die Spenden übergeben können.

Am 10.12.2016 fuhren wir, Oleg Boyko, der Fahrer Aleksandr, Klaus H. Walter und ich (Noelie Uhlmann), von Schytomyr in ein Dorf bei Fastiw im Gebiet Kyiw. Dafür möchten wir uns bei Aleksandr und Oleg ganz herzlich bedanken, denn das war eine sehr große Hilfe für uns. Allein und ohne Auto wäre diese Anreise für uns nur schwer zu bewältigen gewesen. Danke!

Und nach einer langen Fahrt über schlechte Strassen durch kleine Dörfer werden wir fündig und kommen endlich an unserem Ziel an.

Tetjana Detschewa (55) stand schon vor dem Haustor und wartet auf uns. Sie empfing uns ganz herzlich und bat uns sofort hinein. Wir schauten uns im Hof zuerst um, da wir nach der langen Fahrt froh, waren unsere Beine endlich etwas bewegen zu können. Sie lebt mit Mykita in einem großen Eigentumshaus. Zudem hat sie ein kleines Grundstück, und überall wo man hinschaut sieht man, dass hier eine Männerhand fehlt. Sie erzählte uns viel und zeigte was ihr verstorbener Mann schon alles geschafft hat, bevor er verstorben ist. Leider müssen hier und da noch weitere Renovierungsarbeiten durchgeführt und das Grundstück müsste gesäubert werden, aber dabei wird ihr bestimmt ihr Sohn helfen und sie unterstützen.

Wir gingen ins Haus, und da kam uns Mykita (6) schon entgegen. Ein ganz süßer Junge, der sehr freundlich und gut gelaunt war. Wir überreichten ihm einen Adventskalender und erklärten, wie er die Türchen öffnen sollte. Der Junge freute sich sehr und bedankte sich für diese kleine Geste.

Ein aufgewecktes Kind, das viel Aufmerksamkeit fordert, einen aber mit einem breiten Lächeln dafür belohnt.

Frau Detschewa fühlte sich mit uns nicht fremd, da wir mehrmals miteinander telefoniert hatten. Allgemein ist sie ein sehr offener Mensch und unterhält sich ohne Hindernisse mit uns. Sie erzählte viel über ihre Tochter und ihren Mann, die sie im Jahr 2015 verlassen haben. Sie erzählte uns auch von Mykitas Vater, der im Jahr 2016 in der ATO-Zone ums Leben kam, das alles schmerzt sie sehr. Sie zeigte uns Fotos und wischte sich ganz schnell ihre Tränen weg, damit Mykita nicht sah, dass sie weinte.

Mykita beschäftigte sich mit Oleg, manchmal kam er zu Oma und zeigte uns auch ein Foto von seiner Mutter, dann wurde er still und ging mit dem Bild weg.

Eins wurde uns sofort klar, diese Familie braucht Hilfe, aber zuerst brauchen sie beide psychologische Hilfe, denn das was alles hier passierte, hinterließ bittere, schmerzhafte Spuren, wodurch auch die Oma Unterstützung benötigt. Diese Hilfe werden sie dank Svetlana Shepovalova auch bekommen, denn sie fand eine Kinderpsychologin, die sich bereit erklärt hat, die Therapie ehrenamtlich ohne Entlohnung fortzuführen. Svetlana ist Kontaktperson für diese Familie, und sie versucht, so weit es geht, den beiden weiter helfen .

Mykita kam wieder zu uns und zeigte uns stolz sein neues elektrisches Auto, das er von einem Spender geschenkt bekommen hat. Ich fragte ihn ob ich auch ausprobieren darf, und sehr freundlich erklärte er mir, wie ich das Auto bedienen sollte. Es machte ihm Spaß, dass sich jemand mit ihm beschäftigte.

Durch eine Volontärin aus Kyiw erfuhren mehrere Menschen von Mykita und seinem Schiksal und haben die Familie auch unterstützt, finanziell, mit etwas an Kleidung und auch ein paar wichtigen Reparaturen im Haus. Frau Detschewa ist sehr dankbar dafür.

Demnächst wird der Junge in Kyiw untersucht, und es wird richtig geschaut, was mit ihm los ist und wie man ihm weiterhelfen kann. Svetlana versucht, das Alles zu regeln, damit sie dafür kein Geld zahlen müssen. Ein großartiges Engagement, welches ich persönlich sehr loben möchte!

Mykita hatte ein Gedicht auswendig gelernt, welches er uns unbedingt vorführen möchte und so hören wir ihm alle zu und nehmen ein kurzes Video auf. Wir wünschen euch viel Spass beim Zuschauen.

Kriegsvollwaise Mykita Baula aus dem Gebiet Kyiw am 10.12.2016

Tetjana Detschewa bekam für Mykita den gesammelten Spendenbetrag in Höhe von 560,00€ ausgezahlt.

Sie versprach, dass sie das Geld für ihn gut verwalten wird, und bedankte sich ganz herzlich bei allen Spendern für diese großartige Unterstützung.

„Vorher wusste ich nicht, wie ich all diese Probleme bewältigen sollte, ich fühlte mich so allein, aber jetzt merke ich, ich bin nicht allein, Mykita ist nicht allein! Richten sie bitte großen Dank an all die Menschen aus!“

Die Zeit verging viel zu schnell, denn wir mussten leider schon wieder los, weiter nach Kyiw, wo wir noch ein weiteres Treffen mit einer Kriegswitwe vereinbart hatten. Und so verabschiedeten wir uns. Tetjana Detschewa war sehr traurig darüber, weil sie extra Borschtsch gekocht hatte und dachte, dass wir alle zusammen essen würden. Es tat uns unheimlich leid, aber wir mussten los…

Draußen sahen wir, dass Mykita im Fenster sitzt und uns zum Abschied zuwinkt.

Eine tolle Familie, leider aber haben sie noch einen langen Weg vor sich, bis alle bürokratischen Hürden überwunden sein werden. Aber mit so vielen tollen Menschen um sich herum werden sie es bestimmt schaffen. Wenn Ihr die Familie weiterhin finanziell unterstützen wollen, nutzen Sie bitte den unten angegebenen Verwendungszweck, damit wir sehen, dass eure Spende für Mykita bestimmt ist.


Wir danken Euch ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer tolles Engagement und die praktische Hilfeleistung und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Verwendungszweck : Mykita Baula

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Spendenübergabe an Kriegswitwe Olena (22), Schytomyr, 9.12.2016, Bericht 49/2016

Eigentlich war der Besuch bei der Kriegswitwe Olena schon für den gestrigen 8.12.2016 geplant,  da sie sich aber am vorherigen Tag auf dem Truppenübungsplatz befand, verlegten wir das Treffen auf den 9. Dezember. Wir nahmen sie erst kurz vor unserer Abreise in unser „Hilfsprogramm für Witwen und deren Kinder“ auf, eine andere Witwe, die durch euch seit zwei Jahren unterstützt wird, hatte uns gebeten, Olena auch zu helfen, denn die beiden arbeiten zusammen.

Am frühen Morgen rief mich Oleg an und sagte, der Fahrer Oleksandr stünde um 9:00 Uhr bei uns vor dem Hotel, um uns zu der Kriegswitwe zu bringen. Oleg selber kann uns an diesem Tag nicht begleiten, da er arbeiten muss und für heute keinen freien Tag bekommt. Er würde uns lieber am 10. Dezember begleiten, wenn wir die Stadt Schytomyr verlassen werden, um weiter nach Fastiw und Kyiw zu fahren. Etwas später rief er mich nochmal an und sagte, dass es etwas später wird, und Oleksandr erst um 9:30 Uhr bei uns sein wird.

Das passte uns auch sehr gut, denn so konnten wir noch andere Dinge erledigen und in Ruhe wenigstens eine Tasse Kaffee trinken, denn auf Frühstück mussten wir leider seit dem Beginn unserer Reise immer verzichten. Als wir zum Hotel zurückkehrten, stand Oleksandr schon da. Er begrüßte uns ganz lieb, und wir fuhren sofort los.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir unterwegs waren, aber irgendwann kamen wir endlich in einem Vorortbezirk an dem in einer Sackgasse gelegenen Häuschen an, wo die junge Kriegswitwe zur Zeit Unterschlupf gefunden hat. Sie kam ganz schnell raus und bat uns hinein. Eigentlich wohnt sie in einem Dörfchen in der Nähe von Schytomyr, übernachtet aber bei dem Cousin ihres gefallenen Mannes, wenn sie in der Stadt bleiben muss.

Zu dritt, Klaus, Olena und ich, setzen wir uns an einen Tisch und versuchen passende Worte zu finden, um dieses Gespräch anzufangen. Also erklären wir ihr erstmal, wer wir sind und warum wir sie kennenlernen wollen.

Als sie in Tränen ausbricht, sagen wir nichts mehr. Die Tränen quellen schneller aus ihren Augen, als sie sie abwischen kann, denn sie laufen wie ein bitterer Regen an ihren Wangen herunter. Die Zeit bleibt stehen. Was ist hier das richtige in so einer Situation? Eine Antwort haben wir nicht. Wir bieten ihr einfach Tempotaschentücher an, die sie dann entgegen nimmt, um sich die Tränen zu trocknen.

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Olena ist 22 Jahre alt, sie ist Mutter eines ganz süßen Jungen Namens Jegor. Jegor ist zweieinhalb Jahre alt. Olena zeigt uns sein Foto auf dem Handy. Diesen kleinen Spatz kann man nur ins Herz schließen. Jegor befindet sich bei seiner Oma, denn Olena muss arbeiten, um den Unterhalt für sich und den Kleinen zu verdienen.

Während sie uns die Fotos zeigt und weiter über ihr Leben, über ihren Mann und das Kind erzählt, hören ihre Tränen nicht auf zu fließen. Es ist kaum zu ertragen, aber wir reißen uns zusammen, bewahren die Ruhe und lassen sie erzählen. Vielleicht hilft ihr das, wenn jemand einfach da sitzt und ihr zuhört.

Irgendwann bei unseren Fragen zu ihrem Ehemann kippt die Situation um. Vor lauter Weinen und Schluchzen zittert ihr junger Körper, und so frage ich sie, ob ich sie umarmen darf, und sie nickt zustimmend. Und so stehen wir da und halten uns in den Armen, diese junge, zerbrechliche Kriegswitwe und ich. Da kann ich meine Gefühle auch nicht mehr kontrollieren, und Tränen kommen auch in mir hoch… Schnell muss ich mich zusammenreißen, denn meine Tränen werden ihr auch nicht helfen.

Wir setzen uns wieder hin und sie erzählt uns etwas mehr.

Olena und Wolodymyr haben sich schon in der 8. Klasse, als sie noch die Schule besuchten, ineinander verliebt. Später, als die beiden die Schule beendet hatten, begann Olena eine Ausbildung zur Geburtshelferin und Wolodymyr nahm ein Studium in Kyiw auf, welches er später aber abbrach, um zu Olena zurückzukehren. Er fand Gelegenheitsjobs und versuchte so, den Unterhalt für die junge Familie zu bestreiten. Olena wurde schwanger, die beiden waren überglücklich und konnten es kaum abwarten, bis das Kind da war und sie endlich Eltern wurden. Wolodymyr verwöhnte seine Frau, wo er nur konnte, denn er liebte sie wirklich sehr.

„Bei uns war es so, ich war die, die das Kind erzogen hat, und der Papa liebte Jegor einfach abgöttisch und erlaubte ihm alles.“

Für kurze Zeit erstrahlen ihre Augen mit einem besonderen Leuchten, aber kurz danach, sind sie wieder mit Tränen gefüllt.

Im März 2014 traf Wolodymyr eine Entscheidung, eine wichtige Entscheidung für ihn als Mann. Er beschloss, sich freiwillig zu melden und an die Front zu gehen. Was er kurz danach auch tat. Als er diese Entscheidung traf, war Olena schon schwanger, aber er konnte nicht anders. Als die Geburt nahte, bekam Wolodymr im Juli 2014 zehn Tage Urlaub und kam nach Hause, und zusammen brachten sie den kleinen Jegor zur Welt. Die Familie war überglücklich, Wolodymyr kümmerte sich so liebevoll um Olena und ihren gemeinsamen Sohn, aber leider ging sein Urlaub viel zu schnell vorbei, und er musste zurück an die Frontlinie.

Das zweite Mal als Sohn und Ehefrau ihn sehen konnten, war im Dezember 2015. Während seines Besuches verstand Wolodymyr, dass er gerne bei seiner Familie bleiben wollte, um den kleinen Sonnenschein aufwachsen sehen zu können. Er sagte zu Olena, dass er seinen Kontrakt bei der Armee kündigen würde, um für immer Nachhause zu kommen.

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Am 21.12.2015 um 14:59 haben die beiden zum allerletzten Mal miteinander telefoniert. Er versprach, dass er sich um 20:00 Uhr noch melden würde. Seine Einheit stand zu dem Zeitpunkt in Piski im Gebiet von Donezk. Um 20:00 Uhr, klingelte das Handy nicht, und am Tag darauf auch nicht. Olena versuchte, seinen Kollegen zu erreichen, aber keiner ging dran.

Später wurde sie dann angerufen und sie bekam mitgeteilt, dass ihr Wolodymyr (21)  am 23.12.2015 gefallen ist. Zusammen mit ihrer Schwiegermutter fuhr Olena nach Dnipropetrowsk (heute Dnipro) zum Metschnikowa-Krankenhaus, um dort seinen leblosen Körper in Empfang zu nehmen, damit sie ihn nach Hause bringen und dort begraben konnten.

Olena ist seit Kurzem ebenfalls der Armee beigetreten. Sie hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben und arbeitet dort als Sanitätsunteroffizierin. Eine Kriegswitwenrente steht ihr nicht zu, weil sie jetzt berufstätig ist, aber ihr Sohn wird demnächst seine Waisenrente erhalten, nachdem alle bürokratischen Schritte geklärt sind. Es dauert halt etwas länger, da die Eltern ihre Ehe nicht offiziell registriert hatten. Unterstützung bekommt sie von ihrer Mutter (41), sie passt auf den Jungen auf und bringt ihn zum Kindergarten. Sobald Olena frei hat, fährt sie zu ihm und ihrer Mutter in das Dorf bei Schytomyr, wo sie eigentlich auch wohnt. Ihr Vater ist im Jahr 2001 verstorben.

Sie sagt zu uns: „Wolodymyr war und ist immer mein Herz und meine Seele! Es ist sehr schwer, ohne ihn, allein zu sein! Ich habe immer nur mit dem einen Gedanken gelebt, er ist da, er lebt. Es ist sehr schwer, nach Hause zurückzukehren und ihn dort nicht vorzufinden, dann sehe ich unseren Sohn an, denn er ähnelt seinem Vater so sehr.“ Sie bricht wieder in bittere Tränen aus, und so beschließen wir, das Treffen hier zu Ende zu bringen, damit sie endlich wieder zur Ruhe kommen kann. Zudem muss sie auch los, denn ihr Sohn Jegor wartet auf seine Mama.

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Wir zahlen ihr für ihren Sohn einen Unterstützungsbetrag von 350.00 € aus, wofür sie sich ganz herzlich bedankt. Bei der Verabschiedung erfahren wir noch, dass unsere ursprüngliche Information, derzufolge sie noch im Dezember zusammen mit einem großen Teil ihres Bataillons an die Front verlegt werden soll, nicht mehr stimmt, da sie eine alleinerziehende Mutter ist, kann sie am Standort Schytomyr bleiben.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Spendenübergabe an Witwe Iryna Ponotschowna, Schytomyr, 8.12.2016, Bericht 48/2016

Unser Termin bei der Witwe Iryna war ursprünglich für 17:00 Uhr geplant. Da eine andere Witwe sich aus beruflichen Gründen sich auch noch heute mit uns treffen konnte, verlegten wir diesen Termin auf etwas früher und fuhren nach einer kurzen Kaffeepause alle zusammen zu ihr nach Hause.

Die Witwe Iryna Ponotschowna haben wir erst ganz kurz vor unserer Abreise aus Deutschland ins Hilfsprogramm aufgenommen. Wer sie ist, wie sie wohnt und welchen Bedarf sie hat, wissen wir bei unserer Ankunft noch nicht im Detail.

Wir kommen nach abenteuerlicher Fahrt durch ein Schytomyrer Wohngebiet über halb vereiste Gässchen an der Adresse (die der Hausnummer nach eigentlich an der Hauptstraße nach Kyiw liegen sollte) vor einem maroden Gebäude an.

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Es sieht einfach fürchterlich aus, doch als wir reingehen, erscheint und riecht es noch viel schlimmer, als wir uns das vorstellen konnten. Kein Licht in den Fluren – nur komplette Dunkelheit. Gut, dass Iryna uns entgegen kommt, um uns zu ihr in ihre sogenannte „Wohnung“ zu begleiten: Dieses Gebäude hier war früher ein Wohnheim, welches später zur Privatisierung freigegeben wurde. Die Leute, die hier wohnten, fingen an, ihre kleinen Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen zu kaufen, damit sie nicht auf der Straße landeten. Genauso tat es auch die Mutter von Iryna damals, das heißt, Iryna wurde hier groß und lebt weiterhin mit ihrer Mutter und ihren zwei Kindern in derselben kleinen Wohnung. Zwei winzige Zimmer, die sie sehr sauber hält, eine Gemeinschaftsküche, und seit kurzem hat sie eine eigene (frisch renovierte) Toilette am Ende des Etagenflurs. Als sie uns dies berichtet, merkt man, dass sie sich darüber freut. Aber uns macht das Ganze sehr traurig und sprachlos.

Iryna Ponotschowna ist 33 Jahre alt. Sehr jung, wenn man nur diese Zahl anschaut, aber ihr Gesicht ist geprägt von Leid und vielleicht auch von Hilflosigkeit, denn am Haaransatz können wir sehen, dass ihr Haar mit ihren 33 Jahren komplett ergraut ist. Sie ist sehr offen mit uns und beantwortet unsere Fragen mit einer gewissen Leichtigkeit.

Iryna hat zwei Kinder, ihre Tochter Viktoria ist neun Jahre alt und besucht die 4. Klasse. Der kleine Sohn Nasar ist gerade 21 Monate alt, er hält gerade seinen Mittagsschlaf und schläft in dem kleinen Nebenraum.

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Iryna wuchs ohne Reichtum auf. Als sie die Schule abschloss, konnte sie aus finanziellen Gründen kein Studium beginnen, und daher suchte sie sich eine Ausbildungsstelle als Verkäuferin, was sie auch erfolgreich abgeschlossen hat. Danach arbeitete sie als Verkäuferin in einem Ladengeschäft. Dabei hat sie ihren zukünftigen Ehemann Oleksyj kennengelernt. Er kam immer in den Laden, um seine Einkäufe zu tätigen, und so haben die beiden sich kennengelernt. Zwei Jahre ging es so, bis die beiden so weit waren, eine Familie zu gründen. Iryna hatte schon ihre Tochter Viktoria, die aus ihrer ersten Ehe stammt, was Oleksyj sehr locker sah und das kleine Mädchen richtig ins Herz schloss. Er war für das Kind immer da, denn er war zu ihrem Vater geworden, der sie tröstete, wenn sie weinte, und der ihr seine Liebe schenkte.

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Oleksyj Jewdoschtschuk wurde 31 Jahre alt. Am 12.Dezember 2014 wurde er in die Armee einberufen. Zu diesem Zeitpunkt war Iryna schon schwanger. Kurz danach, im März 2015, brachte sie Nasar zur Welt. Sie konnte ihren Sohn nicht sofort taufen lassen, denn Oleksyj bekam nicht frei. Erst im September 2015 durfte er für ein paar Tage nach Hause. Das war eine sehr schöne Zeit, als diese Familie wieder vereint war.

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Am 17. Mai 2016 wurde ihr Ehemann Oleksyj in Nowoaleksiiwka (Oblast Cherson) bei Henitschesk an der Demarkationslinie zur annektierten Krim umgebracht, zuerst zwei Schüsse in den Rücken und dann zwei Schüsse in den Hinterkopf. Der Schuldige befindet sich in Untersuchungshaft. (Es gibt ukrainischsprachige Zeitungsartikel über seine Ermordung und Beerdigung: Cherson online, Maidan-News, Journal Schytomyr). In einem dieser Artikel heißt es sinngemäß: “Die aktive Kriegsteilnahme im Donbas hat er überlebt, aber bei einem Einsatz an der Krim-Grenze kam er zu Tode.”

Am 19. Mai 2016 fand die Beerdigung statt. Oleksyj hatte schon immer gesagt: „Wenn ich irgendwann sterbe, dann möchte ich sehr gerne auf dem Friedhof neben meinem Opa beerdigt werden.“ Seinen allerletzten Wunsch hat Iryna ihm erfüllt, denn der Großvater war für ihr eine verehrte Respektsperson gewesen.

„Er war ein sehr ehrlicher Mensch, sehr direkt und auch sehr mutig. Wir liebten uns sehr, er war einfach ein wundervoller Mensch, Vater und Ehemann!“

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Im Auftrag des Vereins überreichten wir Iryna für ihre Kinder einen Unterstützungsbetrag von 400,00€. Sie bedankt sich sehr herzlich für diese finanzielle Unterstützung bei uns und bei allen Spendern. Sie verabschiedet uns mit netten Worten, und wir wünschen ihr und ihrer Familie alles Gute.


Wir danken Euch herzlich für Eure bisherige Unterstützung, Euer Engagement und die praktische Hilfeleistung, welche diese und andere Witwen und deren Kinder in der Ukraine gerade so dringend benötigen – und hoffen natürlich auf weitere Spenden.

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Herzlichst Klaus H. Walter, Noelie Uhlmann und das gesamte Team “Deutschland für die Ukraine” sowie “EuroMaidan NRW e.V.